Reiseorganisation und Zeitmanagement

Ausrüstung, Training und Routenwahl sind wichtige Faktoren und wohl auch das erste, das einem bei einem solchen Projekt in den Sinn kommt. Aber natürlich ist hiermit noch lange nicht an alles gedacht. Es sind noch viele andere Puzzleteile zu beachten, um optimal vorbereitet zu sein: Welcher Startzeitpunkt bietet sich an? Welche Krankenversicherung wählt man, über für im ersten Blogbeitrag angesprochene Unwägbarkeiten gut gerüstet zu sein? Welche Impfungen? Sind die Dokumente aktuell? Hat man an alle bürokratischen Verpflichtungen gedacht? Hat man die richtige Kreditkarte? Wie sieht es mit Internet auf der Route aus?

Für den Startzeitpunkt war in unserem Fall bereits ein fester Rahmen vorgegeben. Mein Kollege Jannick wird mit seiner Masterarbeit nicht vor Ende Juni fertig sein. Anschließend wird er diese noch verteidigen müssen, wodurch er frühestens Mitte/Ende Juli starten können wird bzw. spätestens Mitte August. Ich hätte theoretisch nach Beendigung meines Arbeitsverhältnisses direkt losradeln können (auf diesem Wege noch einmal vielen Dank an meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen für die gute Zeit und die Unterstützung meiner verrückten Idee, falls ihr das lest 😉).

Die Betonung liegt hierbei auf „theoretisch“. Praktisch mussten noch viele Dinge von der Optimierung der Ausrüstung bis hin zur Abwicklung von Krankenversicherung, Arbeitslosengeld und Reisepasserneuerung, erledigt werden.

Nachdem Jannick seine Arbeit Ende Juni endlich finalisieren konnte, bekam er den Bescheid, dass er wohl erst Richtung Mitte August sein Masterstudium mit dem Termin für die Verteidigung der Masterarbeit abschließen kann. Im schlimmsten Szenario sogar erst Ende September. Hier würden wir uns wohl irgendwo in Spanien befinden. Wir einigten uns darauf, dass er in diesem Fall einfach von Barcelona, Valencia, oder wo auch immer wir uns gerade befinden, zurückfliegt und ich in dieser Zeit auf ihn warte und kurz Urlaub mache. Schließlich konnte Jannick sich relativ zügig mit seinen Betreuern auf einen Termin Mitte August einigen.

Ich trug mir aufgrund dieser Umstände bereits relativ bald den 20. Juli als das Datum ein, an welchem ich starte – komme was wolle. Die EM 2024 im eigenen Land nehme ich als leidenschaftlicher Fußballfan noch mit, aber dann soll es endlich losgehen. Für den Fall eines Termines Mitte August beschloss ich, mir einen Zug ans andere Ende von Deutschland nach Flensburg zu buchen und von dort meine Tour zu starten, auf dem Weg gen Süden noch einige Verwandte und Freunde zu besuchen im Rahmen einer „Abschlusstournee“. Schließlich würde ich Jannick in der Pfalz, seiner Heimat, abholen und wir fahren zu zweit weiter Richtung Innsbruck, um auf der Tour seinen Studienabschluss quasi „mitzunehmen“ bzw. diesen in den Zeitplan zu integrieren. Schließlich bekam Jannick die Zusage für einen Termin Mitte August. Es gab für den 18. Juli ein gutes Zugangebot nach Flensburg, wodurch ich mir dieses alsbald buchte. Nach einer Übernachtung in Flensburg sollte daher der 19. Juli 2024 mein erster Tourentag sein. Da wird es dann ernst! Irgendwann um den Monatswechsel sollte ich in Kaiserslautern sein und Mitte August, so die Kalkulation, sollten wir den Schlenker bis Innsbruck vollendet haben, ehe es weiter Richtung Schweiz und dann nach Frankreich geht. Schau ma mal. Für Übernachtungsmöglichkeiten meldete ich mich alsbald bei der Radfahrer-Community „Warm Showers“ an und entdeckte „1NITE TENT“, wo die Grundstücksbesitzer ihre Flächen zum „Wildzelten“ freigeben können. Was für eine coole Idee! Schau mer mal, wie gut wir damit durch die Nächte kommen…und welche netten Leute wir alles als Gastgeber und Gastgeberinnen auf unserer Tour kennenlernen dürfen 😉.

Der Startzeitpunkt ist auch im Hinblick auf die Regenzeiten in den tropischen Gefilden Afrikas wohl gewählt. Wenn wir grob durchkalkulieren, zu welcher Zeit wir in etwa in welchen Ländern sein würden, gehen wir hierbei voraussichtlich den Regenzeiten jeweils knapp aus dem Weg. Diese geht bspw. in Angola zuletzt bis einschließlich April. Nach unseren Kalkulationen sollten wir nicht vor Ende April kommenden Jahres Angola erreicht haben. In der Hinsicht kann man das Riskio zumindest minimieren, in einem Land im wahrsten Sinne des Wortes in Morast und Gatsch „festzustecken“. Von einem Kurzurlaub auf Lanzarote im Frühjahr weiß ich bereits zu gut, wie das Gefühl ist, in lehmigen Sumpflöchern festzustecken. Grüße gehen in diesem Sinne raus an meinen Rad-Kollegen Sebi aus diesem Lanzarote-Urlaub, der ebenfalls aktuell auf Tour ist!

Das Thema Krankenversicherung nahm natürlich einen ebenso großen Stellenwert in der organisatorischen Vorbereitung ein. Schon allein, weil man ja den Nachweis einer privaten Auslandskrankenvollversicherung braucht, um sich aus der deutschen Krankenversicherung abzumelden. Und natürlich für den Ernstfall, Stichwort Malaria, Dengue-Fieber und sonstige Übel, die nicht komplett ausgeschlossen werden können. Ich kenne mich als jemand, der verhältnismäßig selten ernsthaft krank ist. Aufgrund dessen besitzt der Preis der Krankenversicherung natürlich einen sehr hohen Stellenwert. Dennoch sollten natürlich grundlegende Dinge wie ein Heimtransport im Fall der Fälle abgesichert sein. Nach Recherchen zu Angeboten von HanseMerkur und Co. fiel auf, dass man diese höchstens für sechs Monate abschließen kann. Auch andere, die man länger abschließen kann, werden bei längerer Dauer signifikant teurer. Und wir wollen ja schließlich etwas länger unterwegs sein. Schwierig…

Schließlich fand ich das Angebot von ADAC, welches für ein Jahr rund 460 Euro im Jahr kostet (etwa 38 Euro im Monat). Erst ab dem 13. Monat würde es deutlich teurer werden. Die Leistungen sind soweit alle akzeptabel, inklusive Rücktransport. Auch, wenn natürlich wie so häufig ein paar negative Rezensionen kursierten. Ich überlegte, diese erst einmal für 12 Monate abzuschließen, da auch die Option auf Verlängerung bestand. Ich behielt es jedoch erst einmal nur im Hinterkopf, da Jannick, der ja im Frühjahr 2020, wie er mir erzählte, schon einmal starten wollte und die Vorbereitung hierdurch schon einmal durchlebt hatte, mir eine andere Versicherung empfahl, nämlich von „Protrip“. Diese soll auch ein bekannter YouTuber besitzen, der aktuell durch Afghanistan radelt. Sie sollte mich ohne Selbstbehalt nur etwas über 34 Euro kosten in meinem jungen Alter unter 29 Jahren. Erst ab dem 19. Monat sollte der Tarif deutlich teurer werden – gut, bis dahin werden wir wohl durch sein mit unserem Projekt. Aufmerksam studierte ich die Konditionen sowie die Leistungen. Zur Sicherheit setzte ich eine Mail auf bezüglich meiner Unklarheiten. Bis auf kleine Behandlungen wie jene für Zähne, die nur bis zu einem bestimmten Betrag übernommen werden, sind alle essentiellen Leistungen enthalten inklusive etwaigen Rücktransport. Das Angebot an sich klang durchaus attraktiv, jedoch wollte ich auf Nummer sicher gehen und mich persönlich absichern. Relativ bald kam eine kompetente Rückmeldung mit einer transparenten Aufschlüsselung aller enthaltenen Leistungen sowie der Konditionen. Demnach zögerte ich anschließend nicht mehr lange, eine Versicherung über volle 18 Monate abzuschließen. Eine etwaige Verlängerung würde schließlich teuer werden, wie mir rückgemeldet wurde. Sollte man früher „nach Hause kommen“, wäre es jedoch unproblematisch, die Versicherung zu beenden und zu viel gezahltes Geld erstattet zu bekommen. Ein paar negative Erfahrungsberichte gab es natürlich auch hier. Doch diese wird es wohl immer geben, dachte ich mir – ich verlies mich schließlich auf mein doch positives Bauchgefühl.

Bezüglich des Themas „Impfungen“ waren natürlich die Seiten des Auswärtigen Amtes für jedes Land die wichtigsten Quelle, um die verpflichtenden und empfohlenen Spritzen ausfindig zu machen. Schnell kam ich zu der Erkenntnis, dass eine Gelbfieberimpfung wohl ein absolutes Muss ist, da sie in mindestens einem halben Dutzend der Länder eine Voraussetzung zur Einreise darstellt. Zudem wurden zahlreiche Impfungen empfohlen, von Meningokokken über Typhus, Diftherie oder Tollwut und Dengue-Fieber. Ein Glück, habe ich viele Impfungen noch von einem Backpackingtrip durch Südostasien einige Jahre zuvor. Bei so mancher Impfung wurde mir jedoch von einem Tropenmediziner eine Auffrischung ans Herz gelegt, ebenso wie eine Malariaprophylaxe in Form von Malarone, also Tabletten zum Schlucken. Diese habe ich auf eben jener Asienreise vor einigen Jahren bereits zu mir genommen. Das Ergebnis war die Nebenwirkung eines heftigen Akne-Ausbruches, weshalb ich mich nun gegen diese Art der Prävention entschieden habe, und mein Augenmerk eher auf Mückenschutz in Form von richtiger Bekleidung gelegt habe (mehr hierzu im Beitrag zum Thema Ausrüstung). Ein großes Argument für diese Herangehensweise waren auch die Synergieeffekte zum effektiven Schutz vor der Sonne in den Tropen. Schließlich wird man in Afrika vermutlich auch irgendwann nicht mehr so leicht an Sonnencreme kommen wie in Mitteleuropa…

Nur welche Bekleidung ist die richtige Option? Hell sollte sie ja ebenso sein, um Mücken abzuschrecken. Ich setzte mich mit dem Tropeninstitut und verschiedenen Herstellern von Outdoorkleidung in Kontakt. Mehr zur Kleidungswahl aufgrund dieser Thematik wird in einem der folgenden Beiträge zum großen Thema der Ausrüstung beschrieben werden.

Auch bezüglich des Punktes der persönlichen Dokumente und Unterlagen galt es einiges zu beachten. Mein alter Reisepass lief im November 2025 aus – das wäre im Hinblick auf die obligatorischen 6 Monate Gültigkeit wohl sehr knapp geworden. Kopien des Reisepasses waren natürlich auch obligatorisch. Zudem müssen bei den Visa-Anträgen in Afrika häufig Passbilder hinterlegt werden. Daher standen ausreichende Passfotos (mind. 15 Stück) weit oben auf der Checkliste. Das Thema „Visas“ wird während der Reise dann noch einen hohen Stellenwert besitzen, da wir diese zumindest für manche afrikanische Länder offiziell in Deutschland beantragen müssen. Laut einiger Erfahrungsberichte lassen die Botschaften in Afrika jedoch in den meisten Fällen mit sich reden. Bei der Durchquerung jedes Landes wird es auf jeden Fall jeweils einen obligatorischen Abstecher in die Hauptstadt geben müssen, um kommende, notwendig werdende Visas zu beantragen. Bestimmt frägt sich nun der ein oder andere (ich habe die Frage bereits vereinzelt von Freunden und Bekannten gestellt bekommen): „Warum so kompliziert? Beantragt die Visas doch einfach gleich daheim im Voraus…“ Es wäre durchaus schön, wenn es so einfach gehen würde, nur leider kann man das jeweilige Visum nach der Beantragung nicht in unbestimmter Zeit einlösen, sobald es einem „passt“. Nein – nach Ausstellung des Visums (meistens ca. 2-3 Wochen später) kann dieses nur über gewissen Zeitraum in Anspruch genommen werden (im Regelfall 90 Tage). Wenn wir jedoch von Deutschland aus mit dem Fahrrad runterfahren wollen, darf man dieses Unterfangen wohl getrost als eine sehr große Herausforderung deklarieren. Aber gut – einfach mal losfahren, der Rest wird sich dann schon vor Ort ergeben – Organisationstalent und vorausschauendes Planen werden in Afrika dann natürlich umso wichtiger. Hervorzuheben sind natürlich auch die immensen Visum-Gebühren während der Reise. Die Summe aller Visakosten für die Länder, die wir bereisen wollen, orientiert sich an der 1.000-Euro-Marke.

Nun gut – hinzu kommt natürlich auch noch die Bürokratie und die Verpflichtungen gegenüber Behörden, die vor dem losrollen erledigt sein sollten. Hierzu zählen bspw. die Kündigung von nicht mehr benötigten Abos wie dem Deutschlandticket oder auch das Abmelden des nun nicht mehr benötigten PKWs, weiters die Vorlage der Versicherungsbestätigung für die aktuelle Krankenversicherung. Da ich aus Gewichtsgründen aufs den Laptop verzichte, habe ich mir außerdem die Elster-App aufs Handy geladen, um sich im kommenden Jahr noch ein paar Kröten wiederzuholen. Für den Fall der Fälle während der Abwesenheit habe ich zudem den Entschluss gefasst, eine Vollmachterklärung für Familienangehörige auszufüllen. Damit sollte man wirklich für jede Eventualität gerüstet sein, die unterwegs noch im heimischen Postkasten liegen könnte. Wie heißt es so schön im Erwachsenalter: „Nur ein leerer Briefkasten ist ein guter Briefkasten.“

Der letzte große Posten während der Planung war das Thema „Geld“. Die klassischen Kreditkarten, mit denen man überall im Ausland abheben und bezahlen kann (bspw. Barclays) erfordern in den meisten Fällen ein monatliches Einkommen, welches durch das Wegfallen des Jobs ja nun nicht mehr gegeben ist. Daher musste eine andere Lösung her. Es gab die Option einer Debitkarte, mit der man monatlich zumindest einige Male weltweit kostenlos Bargeld abheben kann. Und wir sind schließlich zu zweit. Wenn jeder diese Debitkarte besitzt und man jeweils viermal Geld ziehen kann, wird man mit entsprechender Planung so schon über die Runden kommen, so unsere Rechnung. Kontoumzug, um in einen gemeinsamen Topf für das Reisebudget einzahlen zu können, inklusive.

Bezüglich Internet lasse ich mir noch Zeit. Wir fahren zuerst einmal durch Europa, wo man sich mit Telekom Prepaid ja noch keine allzu großen Sorgen machen muss. Spannend wird es hierbei dann erst auf afrikanischem Kontinent. Das heißt, wir haben noch während der ganzen Tour durch Europa Zeit, ums zu überlegen, wie wir es dort am schlausten anstellen wollen. Also erstmal abwarten und Tee trinken – so das Motto. Viele Blogger haben sich immer eine SIM-Karte vor Ort geholt. Das klingt für uns wohl auch am naheliegendsten, wenn es denn wirklich so unkompliziert sein soll, wie weitestgehend in einigen Berichten geschildert.

So – nach diesen Zeilen muss ich auch erstmal tief durchatmen. Einfach so viele Dinge und Kleinigkeiten, die man beachten muss und immer das beklemmende Gefühl, dass man noch irgendwas vergessen hat. Da wirkt es fast wie eine Befreiung, wenn man sich irgendwann auf den Weg macht und sich nun nicht mehr den Kopf zerbrechen muss über organisatorisch-bürokratische Angelegenheiten. Und wenn dann in der Umsetzung noch alles so klappen sollte, wie man es sich in der Planung ausgemalt hat – umso besser! Und na ja – so meine beruhigende innere Stimme. Du fährst erstmal lange durch Europa, durchs „Schlaraffenland“ – da lässt sich im Zweifel noch vieles regeln. Nicht nur die Leserinnen und Leser, sondern auch ich dürfen gespannt sein, was da noch alles kommen wird…

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