„So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ – so lautet eine allseits bekannte Packempfehlung für Touren dieser Art, egal ob Radreisen oder gar eine Wanderreise, wo man bekanntlich all seine Utensilien auf dem Rücken trägt.
Ziemlich bald nach dem Entschluss für das gemeinsame Projekt machten Jannick und ich uns eine Packliste, wo jeder vermerken konnte, was ihm gerade einfiel. Schnell waren zwei Word-Seiten mit Spiegelstrichen gefüllt – von Ersatzschläuchen über Campingausrüstung, Kameraequipment und Powerbanks bis hin zur Kleidung.
Puh – so viel, woran man denken sollte. Da fiel es erstmal schwer, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Packliste zu strukturieren. Eins durfte man nie vergessen: Jedes Kilogramm Extragepäck wird man hinterher beim Treten spüren – besonders, wenn es über die Alpen, Pyrenäen oder das Atlasgebirge geht. Ziemlich bald stellten sich bei dem Wust an Spiegelstrichen einige Cluster heraus:
- Taschen
- Campingutensilien
- Kleidung und Schuhe
- Fahrrad-Ersatzteile und Werkzeug
- Elektronik
- Papierkram und Unterlagen
- Pflege und Hygiene
- Kleinkram
Bevor ich auf die einzelnen Fraktionen zu sprechen komme, erst einmal das Wichtigste: Das Fahrrad, ohne das es wohl sehr schwierig wird, sich fortzubewegen. Nach einiger Überlegung und viel Vergleichen und Einholen von Meinungen fiel die Wahl auf das Diamant Villiger 2023 mit 28 Zoll Schwalbe Reifen sowie Stahlrahmen und 1*11 Gängen. Es wurde gemeinhin vor allem aufgrund seines niedrigen Verschleiß herangezogen, was auf solch einer langen Tour wohl einer der ausschlaggebendsten Punkte ist.
Das Fahrrad ist außerdem mit Gepäckträgern ausgestattet, womit gleich zum Punkt der Taschen übergeleitet wäre. Hier fiel die Wahl klassisch auf die Marke Ortlieb. Zwei Low-Rider-Taschen vorne, sowie Back-Roller-Taschen hinten und eine Rack-Pack für den Gepäckträger. Damit kommt man insgesamt auf 130 Liter Fassungsvermögen. In diesem Volumen, so hoffte ich, sollte mein Gepäck unterzubringen sein.
Ich machte mir also einen Plan: Die Taschen vorne ließen sich bei meinem Setup leicht abnehmen. Um an die hinteren ranzukommen, musste man erst die Rack Pack abschnallen. So war klar: Sachen, die man quasi täglich braucht, kommen vorne rein. Gegenstände, auf die man nur von Zeit zu Zeit zurückgreift, bekommen einen Platz in den Hinterradtaschen. Ich besorgte mir zuallererst Gepäckwürfel, um meine Sachen themenweise zu trennen. Hierbei machte ich mir einen Würfel voll mit Alltagsgegenständen, die ich (mal mehr, mal weniger) täglich benötigen werde:
- Fahrradschloss
- Instantkaffee (muss einfach sein!!)
- Campingzeug (Kaffeetasse, Göffel, Messer, faltbarer Topf)
- Tupperdose zum essen und Reste einpacken
- Ohrstöpsel
- Kopfhörer für Musik
- Instant-Kaffee (muss einfach sein!!)
- 2x Magnesiumtabletten (ich werde sie wohl gerade am Anfang mit der ungewohnten Belastung brauchen)
- Feuerzeug
- Normale Sonnenbrille
- Fahrradpumpe
- Putztücher
Ein nächster großer Posten für Sachen, die ich regelmäßig brauche, sind Pflegeprodukte. Hier sammelt sich echt eine Menge an – es stellten sich jedoch schnell zwei Cluster heraus – ein Cluster an Produkten, das ich wirklich täglich brauche und eines, das ich regelmäßig, aber nicht täglich brauche. So unterteilte ich meine Pflegeprodukte noch einmal in zwei Gepäckwürfel. Einer mit den Dingen, die ich täglich brauche:
- Zahnpasta
- 2x Zahnbürste
- 2x Sonnenschutz
- 2x Mini-Shampoo
- 1x Mückenspray (in diesem feuchtschwülen Sommer)
- Arschcreme (ja, ist von Vorteil bei stundenlangen Sattelzeiten täglich)
- 2x Regenerationscreme gegen Verspannungen und um die Muskeln zu lockern
Anschließend kommen in den anderen Gepäckwürfel für die vorderen Taschen jene Ausrüstungsgestände bezüglich Pflege und Wohlbefinden, die ich von Zeit zu Zeit, aber nicht täglich brauchen werde:
- Rasierer
- Nagelschere
- Aloe Vera (toi toi toi!)
- 2x Feuchtigkeitscreme
- 3x Rei (werde ich sicher nochmal nachkaufen müssen)
- Erste-Hilfe-Set (*auf Holz klopf*)
- Paracetamol (*auf Holz klopf*)
- Ibu (*auf Holz klopf*)
- Melatonin-Tabletten (ich kann im Zelt durchaus mal Probleme mit dem Einschlafen haben, besonders zu Beginn ohne Gewöhnung – jeder weiß, wie wichtig guter Schlaf bei der anstehenden Belastung ist!)
Zusätzlich bekommt mein Solarpanel natürlich einen Platz in den Vordertaschen, um bei geeignetem Wetter am Fahrrad fixiert zu werden und meinem Handy überlebenswichtigen Strom zu liefern.
So weit, so gut – welche Dinge braucht man denn noch quasi täglich? Natürlich Isomatte und Schlafsack, die ebenfalls vorne verstaut werden. Außerdem im Hochsommer natürlich Badehose und Handtuch, um bei Gelegenheit mal eben eine erfrischende Pause einzulegen. In einem extra Packsack ist zudem die Kamera inklusive der Ladestation sowie dem Handy-USB-C-Ladekabel verstaut (da man das ja doch am häufigsten braucht, um eben auch ans Solarpanel anzustecken. Zu guter Letzt – leider, bei diesem Sommer, ein Moskitonetz, falls doch mal ungebetene Biester ins innere des Zeltes eindringen und natürlich die jederzeit griffbereite Regenjacke.
Damit hätten wir es mit der Packliste für die vorderen Taschen. Hinten in die schwerer zugänglichen Taschen kommen nun jene Gegenstände, die nicht so häufig benötigt werden. Hierzu zählen zunächst einmal die vier Powerbanks, die ich mitnehmen werde (1x 20.000 mAh und 3x 10.000 mAh, womit ich wohl vorerst gut versorgt sein werde). Solange ich jedoch hin und wieder Steckdosen vorfinde und das Wetter gut ist, werde ich auf diese erst einmal (hoffentlich) nicht zurückgreifen müssen. Auch meine GoPro werde ich wohl nicht täglich nutzen, wodurch diese auch in den „Elektronikbeutel“ sortiert wird.
Einer der schwersten Packwürfel stellt sich als jener mit den Fahrradersatzteilen heraus:
- 20 Paar Bremsbeläge
- 1x Ersatzkette sowie einzelne Ersatzkomponenten der Kette
- Ein Satz Ersatzspeichen
- 8 Ersatzschläuche
- 2x Kettenpflege
- Sattelpflege
- 2x Bremsscheiben
- Werkzeug zum Tausch der Bremsscheiben
- 2x Reifenheber
- 4x Expander
- 1x Gaffatape für Notfälle
- 15 Kabelbinder
- Alleskleber
Diese Masse an Ersatzteilen und Werkzeug fordert doch ihren Preis in Form von Gewicht. Aber: Insgeheim wäre ich sehr froh darum, wenn das Gewicht dieser Tasche nicht allzu schnell sinken würde…
Zusätzlich werden noch zwei von den leider zu sperrigen Ersatzfaltmänteln in den Hintertaschen mitgenommen.
In einem extra Packwürfel, der sehr klein ausfällt, genießt mein Wasserfilter seinen eigenen Platz. Den werde ich sooo schnell hoffentlich nicht benötigen.
In die schlamen Innentaschen der Taschen kommen in einer Mappe zudem alle bürokratischen Unterlagen sowie jeweils 10 Kopien dieser: Impfpass und Reisepass, zusammen mit 15 Passfotos. Weiters natürlich ein Notizheft mit Schreiber, falls man mal doch kein Internet hat und diesen Blog aktuell halten möchte 😉
Außen in den Seitentaschen der großen Hinterradtaschen bewahre ich meine sperrigen Adiletten (Lebenselexier beim Campen!) sowie meine Sportsonnenbrille auf (die schnelle Brille). Diese dürfen im Falle eines Regens durchaus nass werden.
Damit wären die wichtigsten Punkte für die hinteren Taschen auch schon abgehakt. Am Gepäckträger oberhalb der Seitentaschen am Hinterrad wird die Rack Pack befestigt, die durch den Klickverschluss mit den Seitentaschen verbunden wird. Zusätzlich helfen zwei Expander bei der Fixierung. Hier drin wird die Kleidung organisiert, die durch Zuhilfenahme einer Tüte getrennt wird zwischen Wäsche und sauberer Kleidung. Insgesamt sieht die Kleidungsstatistik wie folgt aus am Anfang:
- Ein Radtrikot
- 2x Sportshirt
- 4x normales Shirt
- 1x Sportshorts
- 2x Radelhose
- 2x Lange wasser- und mückendichte Hose
- 1x Schlafanzug mit langer Unterhose (bei einem Schlafsack mit Komforttemperatur von 13 Grad wohl dringend notwendig – no risk, no fun, alles für etwas weniger Gewicht)
- Eine mücken-, wasser und winddichte Jacke neben der obligatorischen, griffbereiten Regenjacke
- 5x Unterhose
- 5x Socken
Ich weiß – manche Hygienefanatiker sind jetzt wohl angeekelt wegen dieser Spärlichkeit an Ersatzunterhosen – aber macht ihr mal so eine Tour und achtet auf die Menge an Gepäck. Da macht ihr euch auch Gedanken über Einsparungen bei der Unterwäsche. Außerdem: In 90 Prozent der Fälle ist die Radelhose meine „Unterhose“ – und die werde ich sicher mal in einigen Gewässern beim Baden gleich mit waschen. In der Natur ohne jede Menschenseele werde ich sicher auch mal so rumlaufen, wie „Gott mich erschuf“ (ich bin nicht gläubig, gibt nur nen Euro ins Phrasenschwein) und somit natürlich ebenfalls meine Unterwäsche schonen.
Schließlich kommen in die Rack Pack nur noch meine zwei etwas sperrigen Kissen. Ich habe mich für zwei entschieden, da mein Kopf beim Schlafen auf nur einem in Seitenlage oftmals zu tief liegt – unangenehme Verspannungen und ein schlechter Schlaf sind die Folge. Da nehme ich das kleine Zusatzgewicht eines 2. Kissens in Kauf.
Was bleibt sonst noch übrig? Natürlich meine Zelttasche alias „Arschrakete“, die ich an meinem Sattel bzw. der Sattelstütze befestige, eingeklemmt zwischen Rack Pack und Sattel. Zusätzlich befinden sich in der länglichen Rahmentasche die Stangen für das Zelt, um das Gewicht besser zu verteilen.
Zu guter Letzt bietet meine Lenkertasche Platz für griffbereite Dinge wie ein Flickset im akuten Fall eines platten Reifens oder das Multitool (mit allen Funktionen ausgestattet, inklusive Kettennieter und Reifenheber – danke Andreas!), sowie Geldbeutel und Handy. Apropos Handy: Ich habe mich entschieden, zwei mitzunehmen, da mein aktuelles beim Navigieren leider ordentlich Strom zieht. So werde ich die Tracks auf mein altes Handy laden und zur Offline-Navigation über Komoot freigeben, um dieses dann in die Handyhalterung zu stecken für die Streckenführung. Bei sonnigem Wetter wird selbstverständlich die Powerbank am Fahrrad fixiert, um dem hohen Akkuverbrauch durch das Navigieren entgegenzuwirken. Durch diesen Plan wird jedoch der Strom meines Haupthandys geschont. Am Lenker kommt zudem eine Tasche für kleinere Snacks dazu (oder optimal eine kleine zusätzliche Wasserflasche neben jener in der Rahmenhalterung).

Habe ich bereits erwähnt, dass so viel Gepäck seinen Tribut zollt in Form von Gewicht? Ja? Ok, dann gehe ich gerne noch genauer auf dieses Thema ein und untermauere es mit (natürlich vorläufigen) Zahlen und Statistiken, jeweils durch Abwiegen:
- Vorderradtaschen: jeweils 4,7 Kg (ich hab das Gewicht rein gefühlsmäßig perfekt auf beide Taschen verteilt, da klopf ich mir mal virtuell auf die Schulter): 9,4 Kg
- Hinterradtaschen: 4,7 Kg in der einen, 5,2 Kg in der anderen (die mit 4 1/2 wird dann noch mit ein paar Essensvorräten aufgefüllt, um das Verhältnis beider Taschen wieder auszugleichen). Macht also 9,9 Kg
- Rack Pack: So ein paar Klamotten und ein großes Kissen, das wiegt doch nichts – dachte ich mir. Letzten Endes kommen hierdurch auch noch einmal 4,1 Kg dazu
- Zelt und Gestänge inkl. Taschen: Tja, ein gutes Zelt bringt alles in allem leider auch ein bisschen auf die Wage, in diesem Fall muss man durch diesen Posten noch einmal 3,1 Kg draufrechnen
- Lenkertasche: Durch die Aufbewahrung von Flickzeug, Multitool und Ersthandy kommen hierdurch auch noch einmal 1,3 Kg dazu
- Snackbeutel: Last but not least der Beutel am Lenker für Snacks. Unbeladen bringt es dieser noch einmal auf 150 Gramm zusätzlich. Na ja – das fällt dann wohl im wahrsten Sinne des Wortes kaum mehr „ins Gewicht“
Laut Adam Riese kommen wir auf ein Gesamtgewicht von 9,4 Kg + 9,5 Kg + 4,1 Kg + 3,1 Kg + 1,3 Kg + 0,15 Kg = 27,55 Kg. Fast 28 Kilogramm zusätzlich trägt man also auf seinem Fahrrad herum. Na ja – wird schon irgendwie gehen – so meine Hoffnung nach dem Überschlagen dieser doch – für einen Fahrradfahrer, der bisher immer nur leicht bepackt unterwegs war – leicht bedrückenden Zahlen. Mir schwirrt vor allem im Hinterkopf, dass auf diese Summe ja noch Essen und Wasser draufgerechnet werden müssen. Das wahre Gewicht bewegt sich wohl irgendwo zwischen 30 und 35 Kg – fast die Hälfte meines eigenen, bescheidenen Körpergewichtes von 72 Kg zusätzlich. Na ja – so meine optimistische Stimme – lass dich mal nicht verrückt machen, der Körper gewöhnt sich an alles irgendwie. Irgendwann lachst du drüber, was für Sorgen du dir im Vorfeld gemacht hast und wie klar es im Nachhinein doch alles geht. In diesem Sinne kapituliere ich mal hoffnungsvoll vor meiner inneren Stimme.
Natürlich wird sich dieses Setup während der Reise noch oftmals verändern. Man wird letztlich aus der Praxis lernen, welche Sachen man dann wirklich braucht und auf welche man eventuell auch gut und gerne verzichten kann. Außerdem kenn ich mich – früher oder später lasse ich etwas liegen als der Chaot, wie mich jeder kennt. Dennoch bin ich natürlich sehr stolz auf mich, dass es mir gelungen ist, erst einmal Ordnung und Struktur in diesen Wust an Gegenständen zu bringen… 😉



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