Der Pausentag in Aubagne kam uns gleich im doppelten Sinne gelegen: In der Früh entdeckte Jannick nämlich urplötzlich wieder einen Platten auf seinem Fahrrad – erneut am Hinterreifen. Hajajaj! Gottseidank haben wir heute genug Zeit, die Bikes zu reparieren. Ich tauschte in dem Zug mal auch auf meinem Hinterrad die Beläge aus. Sie waren auch gut durchgefahren. Diesmal natürlich, ohne vorher die Bremse zu ziehen – oh Wunder war das Einsetzen kein Problem mehr 😉 Das Loch von Jannicks Schlauch war übrigens wieder auf Felgenseite. Irgendwas reibt da. Jannick klebte die gesamte Felge einmal mit Klebeband ab. Schauen wir mal, ob es hilft…
Immerhin war es auch für mich ein Warnschuss, da ich Jannick mein Flickzeug geben wollte, damit er reparieren konnte. Der Kleber war jedoch zu alt und bereits eingetrocknet. Heißt: Auch hier muss Nachschub geholt werden, falls es mich auch mal trifft. Bisher war das in knapp 2.500 Kilometern gottseidank nicht der Fall…
Xavier hatte uns einige französische Umgangsformen beigebracht. Beispielsweise, dass man das Brot zum Essen immer neben den Teller legt. Und – sorry vielmals dafür, als ich ohne den noch schlafenden Jannick mit Kaffee und einem Marmeladenbrot am Frühstückstisch alleine saß und mit der Familie telefonierte – dass es immer unhöflich sei, am Esstisch zu telefonieren – nicht nur in Gesellschaft. Außerdem sei es unhöflich, wegen Nachschenken vom Wasser zu fragen. Wer will, bedient sich selber. Wieder was gelernt!
Außer Entspannung, Bikereparaturen und einem kleinen Spaziergang mit Einkaufsstopp in dem mit Bars und Restaurants gespickten Aubagne wurden nur noch ein paar Hosts auf Warmshowers und Couchsurfing angeschrieben entlang der weiteren Route. Diese wurde vorsichtshalber schonmal entlang von eingezeichneten Wildcampingplätzen auf iOverlander geplant. Für die erste Etappe nach Aubagne sagte uns immerhin schonmal ein Gastgeber in Istres hinter Marseille zu – läuft! 😉
Am nächsten Morgen starteten wir dann alsbald nach den üblichen, aber diesmal kleineren Aufstehproblemen in die nächste Etappe durch Marseille bis Istres. Als kleine Geste für ihre Großzügigkeit ließen wir unseren Gastgebern natürlich einen regionalen Wein da – danke für alles!
Jetzt auf in Richtung Bucht von Marseille! Immer leicht bergab bei doch einigem Verkehr rollten wir runter zum Meer. Nach einigen anfänglichen Siedlungen kamen wir von Osten in die Stadt hinein, bald zeigte sich bereits das Stade Vélodrome, Heimspielstätte von Olympique Marseille, in seiner schönsten Pracht. Was für ein Hexenkessel. Da geht einem Fußballfan wie mir natürlich das Herz auf – ein Bild musste geknipst werden. Insbesondere, weil der FC Bayern als mein Lieblingsverein bei dem einen Mal Champions League in diesem Stadion 2012 mehr als gut aussah – 2:0 inklusive eines Tores von Mario Gómez😁

Ok – genug der Geschichtsgraberei. Da war ich 14, konzentrieren wir uns aufs hier uns jetzt, wo wir weiterzogen Richtung Zentrum über eine erst verkehrsträchtige Straße, dann über schmale Gassen vorbei an Notre Dame und dem Fußballfeld bis zum Vieux Port, dem alten Hafen – vielleicht das Wahrzeichen von Marseille. Wir ließen Fotos von uns knipsen. Die Fotografen waren extrem erstaunte deutsche Touristen, als wir erzählten, dass wir von Flensburg bzw. Kaiserslautern hier her geradelt sind. Als wir von unserem Ziel erzählten, waren sie ziemlich sprachlos – so schnell kann man Eindruck schinden.

Wie passend, dass direkt am Hafen im Schatten ein Burger King war – ausnahmsweise kein McDonald’s 😉 Bei einem zweiten kleinen Frühstück bzw. „Brunch“ ließ man sich Zeit. Unser Gastgeber hatte eh erst ab 18 Uhr Zeit für uns. Ein kurzer Lidlstopp durfte zudem natürlich nicht fehlen 😉.
Weiter ging es raus aus dem Zentrum in den Westen von Marseille. Ich wusste, was auf mich zukommen wird. Jannick verging ziemlich schnell die Lust auf dise Stadt: „Einfach nur potthässlich!“ Neben den heruntergekommenen Vierteln fielen zudem etwas gruselige Personen auf, die über die Straße liefen. Oje, nichts wie weg hier!
Aber immer wieder interessant anzusehen, dieser Kontrast zwischen Wohlstand pur in Orten wie Cannes oder auch Saint Tropez und nun diesen Eindrücken.
Bald wurde es wieder schnell ruhiger, am Ende der Bucht ging es über einen „Minipass“ (170 Höhenmeter) zum Étang de Berre, einer kleinen vollumschlossenen Meeresbucht, an der auch Istres liegt. Nach Abfahrt zu der Bucht nach Martigues waren wir schnell unmittelbar vor dem Ziel, noch vor 16 Uhr. Eine weitere Burgerkingpause mit Eis war die Folge. Zudem nahmen wir einen kleinen Umweg zum „Plage de Massane“, malerisch ohne Wellen in der Bucht mit wenig Tiefe. Quasi ein Plantschbecken und Paradies für Nachtschwimmer. Auch ich gesellte mich als zusätzliches „Kind“ dazu in Form einer kleinen Erfrischung.

Als es nach 18 Uhr war, legten wir schließlich die letzten 5 Kilometer zu unserem Host Pascal zurück, dessen Wohnhaus sich malerisch am Hang direkt über der Bucht befand. Nach Begrüßung wies er uns direkt darauf hin, dass die Seite zwar „Warmshowers“ heißt, es bei ihm jedoch von Mai bis Oktober nur kaltes Wasser geben würde. Gibt schlimmeres – wir genossen die Erfrischung unter der Dusche und anschließend ein kleines Abendessen mit dem Berufsschulleher Pascal.

Er setzt sich zudem regelmäßig für Unweltprojekte in der Region ein. Sein Aktuelles ist, eine rückläufige Austernart wieder in die Bucht zu bringen.
Nach interessanten Gesprächen mit dem gut Deutsch sprechenden Pascal zeigte er uns sein Erinnerungsbuch, wo sich alle seine Warmshowers-Gäste eintragen durften mit Foto. Auch wir durften uns natürlich eintragen 😉

Anschließend verabschiedeten wir uns schnell ins Bett, nachdem wir ein wenig für Unterkünfte recherchiert haben in Barcelona. Ist ja auch nur noch 500 Kilometer weg…das Preisniveau jedenfalls ist exorbitant hoch…na ja, irgendwas wird sich schon ergeben, denken wir uns pragmatisch, ehe wir schlafen.
Am nächsten Morgen gab es das übliche Spielchen, was auch Pascal nicht verborgen blieb: „Jannick ist nicht so fit in der Früh, oder? Wäre wohl besser, wenn ihr beide den gleichen Schlafrhythlus habt, nicht wahr?“ Na ja, ich erspare mir hierzu einen Kommentar, damit ist wohl alles auf den Punkt gebracht…
Ich packe mein Zeug und genieße Kaffee auf der Terrasse von Pascal, sowie ein Marmeladenbrot. Ist schon schön hier in der Früh mit dem Ausblick!
Irgendwann rafft sich Jannick wie immer auf, das Packen geht bei ihm immerhin schnell, da er sein Fahrrad fast nicht abgebaut hat. Nach einem Abschiedsfoto für das Gästealbum von Pascal kamen wir los. 93 Kilometer warten. Erst einmal über die viel befahrene Straße als Zufahrt zum Canal du Rhône. Die obligatorische Lidlpause musste natürlich eingelegt werden, wenn dieser schon quasi auf dem Weg liegt nach fünf Kilometern. Es wurde sich ordentlich eingedeckt mit Essensvorräten für den Abend sowie Wasser, bevor wir anfingen, ordentlich Kilometer zu machen.
Bis zu einem verkehrsreichen Kreisverkehr. Ich fuhr voraus bis zu einem weiteren Kreisverkehr ein paar hundert Meter weiter, ehe ich bemerkte dass Jannick nicht mehr hinter mir war. So wartete ich. Erst fünf, dann zehn Minuten. Er war doch gerade noch hinter mir?!?! Ich rief ihn an, ein Anrufbeantworter war die Folge. Langsam machte ich mir Sorgen, sodass ich bis ca. 150 Meter vom hinteren Kreisverkehr aus zurückgefahren bin. Keine Spur von Jannick.
Ich erinnerte mich in dem Moment daran, dass wir vorher eine ziemlich buckelige Schotterpiste gefahren sind, über die uns Komoot geleitet hat. War er eventuell etwas angefressen deswegen und hat spontan sein Google Maps eingeschaltet, um über Asphalt geleitet zu werden? Hört er gerade Musik und bekommt deswegen Anrufe nicht mit? Das klang in meinen Gedanken nach einer plausiblen Lösung, weshalb ich mal meinen Weg fortsetze. Wir werden uns schon wieder treffen dann.
Von der Straße aus fuhr ich in Richtung des Canal du Rhône. Erst fünf Kilometer weiter. Erneuter Anruf – wieder Anrufbeantworter. So fuhr ich weiter bis zu einem Abzweig nochmal fünf Kilometer weiter, ab dem es 25 Kilometer nur geradeaus ging bis Arles. Hier startete ich einen erneuten Versuch – diesmal kam eine Reaktion. Die schreckliche Erklärung des Zwischenfalls: Jannick hatte einen Platten, bereits sein Dritter! Und er hielt bereits am vorderen Kreisverkehr, so weit bin ich nicht zurückgefahren…tut mir leid Kollege, wenn ich das gewusst hätte! Ein leicht schlechtes Gewissen bedrückte mich…
Der platte Schlauch war wieder einmal am Hinterrad auf Felgenseite – gewissermaßen die Achillessehne von Jannicks Fahrrad. Er meinte, er hätte die Felge nun genau unter die Lupe genommen und eine scharfkantige Verformung erkannt, die er großzügig abgeklebt hatte. Na – schauen wir mal, wie lange es dauert, bis Jannick wieder ohne Luft im Hinterreifen dasteht…
Jannick war wohl gerade fertig mit dem Schlauchwechsel, als ich anrief. Knapp eine Stunde machte ich Mittagspause, ehe Jannick hinterherkam. Mittlerweile war es fast 14 Uhr, und noch 70 Kilometer lagen vor uns. Immerhin hatte Jannick bereits vorher Pause gemacht, sodass wir bei Ankunft direkt weiter konnten…
Zudem ging es nun, wie bereits erwähnt, 25 Kilometer nur geradeaus am Kanal entlang bis zum Ort Arles. Diese 25 Kilometer waren schnell absolviert aufgrund des ebenen Weges ohne Kurven. Kurz wartete ich am „Point van Gogh“ auf Jannick, ehe dieser alsbald eintrudelte. In Arles war ein erneuter Supermarktstopp fällig, da Jannicks Wasservorräte leer waren. Erstaunlich – ich brauche – als Gegensatz hierzu – extrem wenig zum Trinken. An einem heißen Tag verbrauche ich bei einer Tagestour vielleicht zwei bis drei Liter. Jannick kommt auf mehr als das Doppelte. So ist eben jeder unterschiedlich.

Um 16 Uhr war noch ein Marathon zu absolvieren nach dem Einkaufen. Schnell ging es raus aus dem netten, aber auch teils etwas heruntergekommenen Arles wieder in die Pampa. Nichts außer Flachland, Kanal und Grün. Ein bisschen erinnerte mich das alles an die Etappen in Norddeutschland, insbesondere durch das Wildeshausener Land Richtung Dümmersee. Damals noch mit Matthias und Philipp 😉 Grüße an euch beide.
Insbesondere, als es wieder zum Rhône-Kanal ging, hatte das sehr viel Flair vom Hunteradweg in Niedersachsen. Mitten durch die Pampa, immer geradeaus, nichts außer Kanal und Natur. Theoretisch hätte man hier überall sein Zelt aufschlagen können…

Aber noch ist eh Zeit genug, um Strecke zu machen. Das Wetter war zudem schön bewölkt, der erste bewölkte Tag seit Ewigkeiten, bestimmt drei Wochen her. Kurz meinte ich sogar, Regentropfen gespürt zu haben. Doch diese sind wohl eher vorher bereits verdampft.
Komoot führte uns noch einmal gute fünf Kilometer über Schotter, was Jannick nicht so wirklich gefiel – vor allem, da die Hauptstraße die direktere und asphaltierte Variante gewesen wäre. Na ja, Komoot will einem halt die etwas abgelegeneren Wege zeigen, versuche ich mich fast ein wenig zu rechtfertigen für mein festhalten an dieser App. Vor allem auch, weil ich Geld dafür gezahlt habe, in allen Regionen navigieren zu können. Eine wahre Hassliebe eben, dieses Komoot und ich.
Schließlich ging es wieder über Asphalt am Kanal weiter. Noch zehn Kilometer immer parallel bis zum Platz von iOverlander. Zuvor waren schon einige gute Spots am Wegrand sichtbar, die fast sogar attraktiver waren als der ausgeschriebene. Na ja – jetzt sind wir hierher geradelt, also nehmen wir jetzt auch das gute Plätzchen hier neben dem Eurovelo 8 am Rande vom Schilf mit zwei Sitzbänken.
Da wir bis kurz nach 19 Uhr gefahren sind, war nur noch Zeltaufbau und schnell etwas essen drin, ehe es auch schon dunkel wurde. Die kürzere Tageslänge wurde deutlich bemerkbar. Aufgrund der aggressiven Moskitos verzogen wir uns auch relativ bald in unser mobiles Zuhause, sodass nichts aufregendes mehr passierte.
Mein Wecker um 7 Uhr läutete den Montagmorgen ein. Täglich grüßt das Murmeltier, würde man sich hier als Arbeitnehmer denken. Ich dachte mir dasselbe in Bezug auf das Wecken von Jannick, nachdem ich noch gemütlich gefrühstückt habe. Nach den ersten vergeblichen Anläufen öffnete ich spontan das Vorzelt und schränkte seine Privatsphäre ein, was dann doch Wirkung zeigte😉
Insgesamt war es war es mal wieder eine eher frische Nacht, mein Zelt war das erste Mal seit den Übernachtungen im Rheintal im Juli wieder taunass. Der Herbst streckt auch hier ganz langsam seine Fühler aus – auch wenn man nach 9 Uhr nicht mehr viel davon merkt 😉
Da mein Gas leer war, um mir einen Kaffee machen zu können, sowie ein Toilettengang dringend vonnöten war, klärte ich mit Jannick ab, dass ich schonmal vorfahren würde bis zum nächsten Café und ihm dann den Standpunkt schicke. Fertig gepackt habe ich ja eh schon. Gesagt, getan! Zwei Cappuccinos und eine Erleichterung später trudelte dann auch Jannick ein. Nebenan war noch ein französischer Supermarkt, der aber wie die meisten hier zu groß und unübersichtlich war. So fraß es leider nur unnötige Zeit. 11 Uhr und noch fast 90 Kilometer vor uns…
Ab jetzt wurde fleißig in die Pedale getreten, immer am Eurovelo 8 die Küste entlang. Abgesehen von einer Fotopause, da wir jede Menge Flamingos in freier Wildbahn gesichtet haben.
Nach knapp 20 Kilometer wurde aufgrund des vergeblichen ersten Supermarktbesuches nochmal die obligatorische Lidlpause eingelegt – diesmal war der Einkauf erfolgreicher.
Während Jannick einkaufen war, verglich ich die Wegführungen von Komoot und Google Maps. Komoot hatte 10 Kilometer mehr drin, da es uns wieder in einem Bogen durch Montpellier leiten wollte. Google Maps schickte uns direkt durch das Kanalsystem an der Küste, was eh vielversprechender klang. Da hatte ich die Faxen dicke, spontan wurde auf Google Maps umgestellt. Komoot, du kannst mich mal!
Trotzdem waren es auch mit Google Maps immer noch knappe 75 Kilometer, nun aber Gas geben! Alsbald führte der Weg auf eine Schotterpiste, wo das schier endlose Kanalsystem an der französischen Küste begann. Jannick schlug aufgrund seiner Abneigung gegenüber Schotter kurz vor, über die A9 Richtung Montpellier zu fahren. Ich verneinte – wenn vorher bereits drei rote Fahrrad-Schilder aufgestellt waren, dann lieber den Schotter nehmen. Hier ahnte ich noch nicht, dass es nicht nur eine kurze Passage sein wird. Wir einigten uns nämlich darauf, dass wir uns trennen und uns in ca. 60 Kilometern am Decathlon wiedertreffen.
Jannick ist jedoch cleverer als ich und vertraut nicht blind Google Maps. Er fuhr einfach den asphaltierten Radweg entlang, während ich stur der vorgegeben Route folgte. Sie leitete mich durch die wunderschönen Küstenkanäle – ringsrum Wasser! Aber eben auch gute 20 Kilometer Schotterpiste. Nicht unangenehm zu fahren, aber eben deutlich langsamer als Asphalt. Ich trat kräftig und machte wenig Pausen, bis auf ein Eis auf dem Weg im schönen Örtchen Séte. Überteuerter Kugelpreis – aber man gönnt sich ja sonst nichts…und es fühlte sich in dem.Moment einfach richtig an!

Google Maps schien im Bunde mit Komoot zu sein, schickte es mich doch vor dem Decathlon noch fünf Kilometer über einen engen Singletrail. Das wäre sicher auch angenehmer und direkter über eine Straße gegangen. Die Radwege sind hier zwar größtenteils gut, enden und beginnen aber sehr zufällig. Beispielsweise begann ein neuer Radwegabschnitt im Ort Agde, was ich jedoch zu spät bemerkte und noch auf der Straße fuhr. Die Folge war ein sehr aggressiv hupender Autofahrer, der das Fenster öffnete und laut schrie: „Roulez sur la rue pour les vélos, connard!!!“ Danke, gleichfalls…

Na ja, alsbald traf ich mich mit Jannick am Decathlon, der durch die bessere Routenwahl 10 Minuten früher da war. Im Decathlon konnte ich endlich eine neue Gaskartusche kaufen. Nach Expandern suchte ich vergeblich. Meine leiern langsam aus, da braucht es bald Nachschub.
Die letzten knapp 12 Kilometer über Asphalt und schließlich nochmal am Canal du Midi über Schotter gingen schnell vorbei, schließlich waren wir um 18:50 Uhr am angepeilten Wildcampingspot, versteckt hinter einem richtigen Campingplatz am Kanal.
Dem Müllaufkommen nach schien der Platz längst kein Geheimtipp mehr zu sein. Ich hätte mich damit abgefunden, doch Jannick machte sogleich auf Erkundungsrunde. Nach kleinem Spaziergang zeigte er mir ein weites Feld nebenan mit einem kleinen Gebüsch in 100 Metern Entfernung.

Hinter diesem Busch waren unsere Zelte quasi geschützt. Spontan zogen wir nochmal um und machten es uns mitten auf dem weiten Feld bequem. Es war insgesamt etwas spitziger, was sich in Form eines kleinen, feinen Loches in meinem Zeltboden bemerkbar machte. Sogleich wurde geflickt.
Ansonsten machten wir uns die versteckte Lage hinter einem richtigen Campingplatz zu Nutze und gingen nacheinander einmal duschen, wobei wir natürlich unsere Wäsche mitnahmen – notfallmäßig. Natürlich wurde auch das Wasser noch aufgefüllt.
Die Hoffnung, dass die paar grob ausgewaschenen Shirts bis zum nächsten Morgen trocken würden, erfüllte sich jedoch nicht. Im Gegenteil: Es war eine sehr frische Nacht, die Luftemperatur sank unter die Taupunkttemperatur, wie man in der Meteorologie sagen würde. Die Folge: Klatschnasses Zelt und genauso nasse Kleidung in der Früh. Notdürftig musste diese also nass eingepackt werden.
Immerhin hatte ich nun wieder Gas und konnte mir wieder schönen Kaffee in der Früh kochen – ich war ja fast schon auf Entzug😉 Herrlich!
Aufgrund der Etappe von nur 50 Kilometer konnten wir uns diesmal entspannt Zeit lassen in der Früh. Ausgiebiges Porridge als Frühstück und dann langsam zusammenpacken. Nach etwas frustrierender Recherche zu bezahlbaren Unterkünften in Barcelona sind wir schließlich gestartet.
Nachdem wir in Sérignan wieder in der Zivilisation angekommen aufgetaucht sind nach völliger Naturlandschaft, bot sich zugleich ein McDonald’s als Pause an – diesmal hauptsächlich wegen WLAN😉 Schnell wurden einige Dinge geschickt, um das Datenvolumen nicht unnötig zu belasten. Kommende Nacht war ja mal wieder Wildcampen angesagt.
Einen Eiskaffee später wurde der nächste Halt beim Lidl eingelegt – obligatorisch, versteht sich. Dank der neuen Kartusche war der Kauf von Nudeln und Pesto folgerichtig.
Den dritten Halt in kurzer Zeit gab’s schließlich beim „Action“ 500 Meter weiter – gleichzusetzen mit dem „Tedi“ in Deutschland. Nach Besorgung von Krimskrams wie einem weiteren Ladekabel, Feuerzeug und einer Rolle Klebeband pedalierten wir nun wirklich los. Soviele Besorgungen kann man auch nur bei einer so entspannten Etappe machen wie unserer heute.
Aus der Shoppingmeile ging es wieder hinein in die französische Pampa, erstaunlich gut ausgebauten Radwegen entlang – einmal unterbrochen vom Ort Narbonne-Plage. Hier wäre ich ja gerne Baden gegangen, aber es war schlicht nicht notwendig. Ein bewölkter Tag bei Temperaturen von 20 Grad, zwischendrin sogar leichter Nieselregen – wann hatten wir das letzte Mal sowas?! Sogar Sonnencreme war heute obsolet.
Wir hielten nur noch einmal in einem der vielen Weinanbaugebiete, um Trauben für das Frühstück am nächsten Morgen abzuzwacken. Und einmal wegen einem Schleifgeräusch an meinem Fahrrad. Es war gottseidank nur ein im Reifen verkeilter Pinienkern, der am Schutzblech gerieben hatte…
Die letzten Kilometer, mal wieder auf dem Eurovelo 8, gingen komplett hinein in die Natur auf einem schmalen Singletrail – mal wieder neben einem Kanal, dem Canal de la Robine. Schließlich kamen wir an bei dem Wildcampingspot laut iOverlander, südöstlich von Narbonne. Wir mussten uns erstmal umsehen – hier ist doch alles zugewuchert?! Ein Blick auf die Böschung neben dem Weg brachte Aufklärung. Hier war zwar auch hohes Gras, doch es war eine ebene Fläche, mit Blick auf zwei weitere Kanäle, einen See, sowie das offene Meer in der Ferne.

Anfängliche Skepsis wich purer Begeisterung über diese Location. Diese steigerte sich noch mehr, als wir Richtung Meer unglaublich viele Flamingos sichteten. Auf die Spitze getrieben wurde das Glücksgefühl, als schließlich gegen halb 8 die tief stehende Sonne unter den Wolken herauskam und die Szenerie in ein goldenes Licht taucht. Wahnsinn! Wieder einer dieser Momente, an die man sich voller Gänsehaut am Ende der Reise erinnern wird! Zwischendrin gab es noch eben Nudeln mit Pesto, Fotos wurden fleißig geknipst – einfach nur wahre Campingromantik!



Fazit: Ein standesgemäßer vorletzter Abend in Frankreich, das definitiv mehr zu bieten hat als nur Baguette – beispielsweise Kanalcamping 😉.
Die Fortsetzung folgt im nächsten Blog.


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