Der Aufenthalt in der spanischen Landeshauptstadt bedeutete fünf volle Tage Pause von zwei Rädern. Genug Zeit, um Erkundungstouren mit der Weichenstellung für die weitere Etappe Richtung Lissabon zu verknüpfen.
Die bereits etwas ortskundigere Schwester von Jannick nutzte gleich ihren freien Tag am Freitag, um uns auf eine große Stadtrunde ins Zentrum von Madrid mitzunehmen, angefangen mit der Gran Via über das Edificio Telefónica bis zum Metropolis-Haus, weiter zum Haus des Geldes (ich hab’s versucht, leider konnte hier nicht mein begrenztes Projektbudget aufstocken – schade 😉) zum Palacio de Cibeles.
Weiter ging die Runde zum Plaza Mayor und dem Puerta del Sol, eigentlich die zentralen Plätze von Madrid, dementsprechend groß war natürlich auch die Touristendichte. Im Kaufhaus nebenan gab’s immerhin eine Fahrradabteilung, wo ich mir meine verloren gegangenen Fahrradhandschuhe nachkaufen konnte (very important 😉).
Zwischendrin wurden mit dem Verzehr von traditionellen Churros in Schokosauce natürlich die Kohlenhydratspeicher wieder mehr als gefüllt.




Weiter ging’s Richtung Königspalast und am Plaza España vorbei in den Parque de la Montaña. Von hier hat man eine prächtige, ich würde fast sagen königliche Aussicht auf den Palast. Für mein erstes Mal in Madrid muss ich zugeben: Ich mag beide Fußballvereine zwar nicht allzu sonderlich, aber die Stadt ist sehr schön.


Zurück ging die Runde dann nördlich durch das Viertel Chamberi, wo wohl die „Reichen und Schönen“ Madrids wohnen. Definitiv auch eines der grünen Viertel außerhalb vom Zentrum. Mit einem Aldibesuch spazierten wir zurück zu unserer Unterkunft für die nächsten Tage. Es passierte auf dem Heimweg lediglich noch der kuriose Zwischenfall, dass der Henkel von meinem Plastikkübel Naturjoghurt nachgab und mein schöner Joghurt auf der Straße endete. Na ja, die Hälfte konnte ich wenigstens noch durch auf den Kopf stellen des Kübels retten, immerhin etwas Haferflockenbeilage…
Am Abend gab es dann Pasta mit Meeresfrüchten – sehr lecker, wenn auch sehr abwechslungsreich, nachdem unsere Ernährung die Wochen vorher bereits von Nudeln dominiert war 😉
Da mein Kumpane und seine Schwester sehr kochbegeistert sind und die Küche außerdem nicht viel Platz bot, begnügte ich mich zum Wohl aller mit Tischdecken…
15 Kilometer und 20.000 Schritte standen durch die Sightseeing-Runde durch Madrid am Ende zu Buche – kann man da überhaupt von Regeneration? Na ja, es gibt ja den geflügelten Begriff der aktiven Regeneration…
So stand am Tag drauf genau das auf dem Programm, was wir uns sehnlichst gewünscht haben: Klassisch Nichtstun außer Schlafen und Essen. Für mich zumindest bis 18 Uhr, denn abends stand ein Highlight, ein wahrer Traum von mir als Fußballfan auf dem Programm: Real Madrid im Bernabeu-Stadion erleben. Die Tickets habe ich mir am Dienstag online direkt bei Freigabe des Kontigents für neutrale Plätze gesichert, jetzt war es soweit. Und selbst wenn ich zwei Tage vorher am Atletico-Stadion vorbeigefahren bin, so muss ich doch ganz klar sagen: Diese Stadt wird eindeutig von Real Madrid dominiert hinsichtlich der Fanszene⚽️ Großes Sorry an Simeone, Griezmann und Co…

Real Madrid gegen Espanyol Barcelona – vielleicht auf dem Papier nicht das große Spitzenspiel, dennoch war es allein eine Erfahrung wert, einmal die Atmosphäre dieses Tempels zu erleben. Als bekennender Bayern-Anhänger drückte ich natürlich Espanyol Barcelona die Daumen, was sehr lange auch half. Am Ende jedoch stand ein 4:1 für die „Königlichen“. Auch wenn ich ihn ebenfalls wenig bis gar nicht mag, so musste ich mir eingestehen, dass Vinicius Junior das Ruder fast im Alleingang herumgerissen hat und auch, dass Kylian Mbappé einige Zaubermomente parat hatte.

Das größte Highlight waren jedoch definitiv die temperamentvollen spanischen Fans, die bei jeder Aktion lautstark mitgingen. Hierbei blieb vor allem das Pfeifkonzert bei einer Mecker-Gelben für Mbappé in Erinnerung. Außerdem die sich überschlagende Stimme des Stadionsprechers: „GOOOOLLLLL DE REAL MADRID!!“. Da kann sich der Herr Lehmann eventuell doch nochmal eine Scheibe abschneiden 😉
Ich kam ins Gespräch mit einem Algerier neben mir auf der Tribüne, bekennender Real-Fan. Ich erzählte ihm, dass ich aus Deutschland sei und eigentlich Bayern-Fan. Seine Reaktion war sehr positiv: „Oh nice! I like Bayern very much, they destroy Barcelona every time! It’s unbelieveable!“ Dass er nicht als Grund anführte, dass die Bayern wiederum regelmäßig in der Champuobs League den Kürzeren gegen die Königlichen ziehen, rechnete ich ihm hoch an, sehr sympathisch!
Wir diskutierten über die Genialität eines Thomas Müller, die Expertise eines Xabi Alonsos, der sicher bald bei Real landen wird, oder auch das Talent eines Jamal Musialas. Herrlich, sich mal wieder gepflegt über die Fußballwelt austauschen zu können – das kam bei mir die letzten Wochen doch etwas knapp 😉 Wir schlossen beide mit den Worten: „In may 2025, our teams will meet again in munich!“ Nach Abpfiff gab’s noch ein gemeinsames Foto und den Austausch der Insta-Namen, dann ging’s heim nach einer stellenweise ohrenbetäubenden Erfahrung – wie gesagt, ein bisschen die Erfüllung eines Traums.

Das Abendprogramm am kommenden Tag war das genaue Gegenteil der Erfüllung eines Traumes. Einige Leser werden die Stirn runzeln, aber aus Interesse schauten wir einmal bei einem Stierkampf zu. Auch, weil die Arena quasi „einmal ums Eck“ war. Gleich vorweg: Nochmal würde ich es nicht mehr tun, eine für neutrale Zuschauer wahrhaft kranke Tradition, dass der Tod von diesen Tieren bejubelt wird und jeder einzelne Stich mit Beifall beklatscht wird. Und ja – in dem Moment fühlte ich mich wahrhaft schuldig, dass ich für so etwas Geld gezahlt und somit die Tierquälerei unterstützt habe…

Andererseits, wie Jannick auch richtig bekannte, muss man das ganze differenziert sehen. Ich würde mich zwar als Flexitarier bezeichnen, dennoch ist Fleisch hin und wieder für mich doch ein Genuss. Und solange ich regelmäßig Fleisch esse (bspw. bei einem McDonald’s-Besuch oder einem Döner), ist es leider eine klassische Doppelmoral, bei so etwas den Zeigefinger zu heben. Die Schlachtung von Nutztieren ist mit Sicherheit noch einmal deutlich grausamer, obwohl man hier nicht Zuschauer des Leides ist – was den Fleischkonsum ehrlicherweise auch deutlich vereinfacht. Streng genommen müsste man sich überlegen, vegan zu leben, denn auch der Verzehr von Milchprodukten ist mit Tierleid verbunden. Gut, lassen wir das. Über das Für und Wider unterschiedlicher Lebensweisen unter moralisch-ethischen Gesichtspunkten lässt sich wohl ewig diskutieren…
Nach dem – sorry – grausamen Event – gab es noch einen schönen Abendausklang. In einer Bar trafen wir uns mit einem Bekannten von Jannicks Schwester, der ebenfalls schon bis Marokko geradelt ist. Ein sehr interessanter Erfahrungsaustausch. Er berichtete von einem Sturm in Südspanien, wo man sogar bergab nur im Schritttempo vorankam. Ein Blick auf die Wetterverhersage trieb mir ebenfalls die Sorgenfalten auf die Stirn: Ab Mittwoch, wo wir weiterwollten, wurden ebenfalls saftige Sturmböen angesagt, mit Richtung aus Südwest – genau die Richtung, wo wir hinfahren. Na ja, mal abwarten…
Nach dem ersten alkolischen Getränk seit gefühlt einer halben Ewigkeit, einem Apfelcider, ging’s ins Bett nach dem ereignisreichen Abend. Die letzten beiden Tage waren dann wieder verstärkt gefüllt mit der Vorbereitung für die weitere Tour, Sightseeing und Eventbesuche rückten in den Hintergrund. Mehrere Pakete waren auf dem Weg, um entdeckte Schwachstellen auf unserer Tour auszumerzen.
Der Radladen meines Vertrauens aus der Heimat schickte uns einen großzügigen Nachschub an Ersatzteilen, danke lieber Hannes! Von Ersatzmänteln über einen Nachschub an Schläuchen sowie einer weiteren Ersatzkette, da ich ja keinen Kranz dabei habe. So kann ich frühzeitig wechseln! Weiters Kettenglieder zum Nieten und endlich die richtigen Bremsbeläge. Top! Auch wenn mein Gepäck jetzt natürlich nochmal ein bisschen mehr wiegt…
Zwischendurch ist mir zudem ein Campingbesteck aus Plastik zu Bruch gegangen, sodass ein Multitool mit Löffel und Gabel geholt wurde. Mal schauen, wie gut das funktionieren wird…
Bei dem Kauf von Gaskartuschen fiel uns zudem auf, dass es hin und wieder nur Kartuschen mit Ventilanschluss zu kaufen gab. Der passende Adapter soll ab jetzt die Kartuschenart obsolet machen.
Bei der tagelangen Tour durch die spanische Pampa zeigte sich eine weitere Schwäche: 30.000 mAh und zwei Powerbanks geben nur begrenzt Saft. Vor allem, wenn man jeden Abend drei Geräte zu laden hat. Eine weitere Powerbank musste her. Hoffentlich komme ich mit 25.000 mAh extra nun etwas weiter. Zur Not halt immer wieder in Cafés anstecken…
Außerdem wurde aus Jannicks Reifenplatzer beim Handpumpen vor nicht allzu langer Zeit gelernt – durch die Anschaffung einer Standpumpe. Mit 30 cm Länge passt sie sogar geradeso quer in meine hintere Gepäcktasche. Zwar etwas sperrig, aber das ist es wert für ein bequemes Pumperlebnis. Die Kraft brauchen wir schließlich fürs Fahrradfahren.
Zudem zeigte meine schnelle Sonnenbrille für billiges Geld von Amazon leider, warum sie so wenig gekostet hat: Die Beschichtung blätterte bereits fleißig ab, wie vielleicht bei dem ein oder anderen Foto den Beobachtern, die genau hinsehen, bereits aufgefallen ist. Im Decathlon wurde auch hierzu Ersatz geholt, in Verbindung mit einer Flecce-Jogginghose, um für kommende kalte Campingnächte noch besser gerüstet zu sein.
Drei zusätzliche Sportshirts sorgen zudem für etwas mehr Auswahl beim Oberteil zum Fahrradfahren, insbesondere wenn man wieder längere Zeit keine Möglichkeit zum Waschen hat. So gibt’s nun ein Krümelmonster in anderen Farben🍪. Und endlich kann ich die Farben meines Herzensfußballvereins mal international repräsentieren 😉.
Weiterer Nachschub an Expandern sorgt für zusätzliche Sicherheit bei etwaigen Pannen oder Rissen. Zwar könnte ein Spanngurt nachhaltig Abhilfe schaffen, wie mir bewusst ist – doch dieser ist mir wiederum zu sperrig…
Ein Besuch im Tedi-Shop komplettierte schließlich das Puzzle der Neuanschaffungen: Ein Fleece-Decke wird zusätzlich warmhalten bei kommenden Kaltnächten (Stichwort Atlasgebirge). Zudem eine kleine Plastikbox, in die Gegenstände reinkommen, die man eigentlich häufiger verwenden sollte, wo man dann aber zu faul ist, da sie ganz unten im Gepäck untergebracht sind (bspw. Nagelschere, Rasierer oder auch Hautpflegecreme 😉).
Hiermit waren die Vorbereitungen auf die Weiterfahrt quasi abgeschlossen. Am Dienstag, dem fünften und letzten Tag unsere Pause in Madrid, wurde noch der Retiro-Park besucht. Die grüne Ecke mit See und Teich in der Mitte, vergleichbar mit dem englischen Garten in München. Ein netter Spaziergang, natürlich garniert mit einer Cappuccino-Pause im McDonald’s – so schnell wird das eventuell eventuell nicht mehr möglich sein 😉

Als letzten Schritt wurde Proviant eingekauft für die weiteren Etappen mit Jannick. Ich betrat den Lidl mit leerem Magen, da ich an dem Tag bis auf Haferflocken und Brotzeit noch nichts gegessen habe – ein großer Fehler. Ich merkte nämlich besonders in der Ruhepause, dass sich mein Appetit mittlerweile enorm gesteigert hat. An den Ruhetagen konnte ich locker 4.000 kcal verdrücken – mein Hunger scheint mittlerweile unstillbar. Der gesteigerte Grundumsatz aufgrund des Radelns ist unverkennbar.
So kaufte ich also mit großem Appetit ein – und nahm alles mit, worauf ich so Bock hatte. Zwar trotzdem durchaus günstig, aber darauf, dass ich das ja alles mitschleppen muss, kam ich erst hinterher. Beim Packen bekam ich die Essenstasche zwar zu, aber nur mit größter Mühe – und tonnenschwer! Es fühlte sich beim Heben locker wie eine 10-Kilo-Hantel an. Puhh, das wird ein Spaß, das ganze Gewicht inklusive aller zusätzlichen Gadgets mitzuschleppen…aber das habe ich mir selber eingebrockt…nie mehr mit leerem Magen für die nächsten Tage einkaufen gehen!!😉
Abgeschlossen wurde die schöne Zeit in Madrid standesgemäß mit einem von meinem Kumpanen bestens gekochten asiatischen Curry 😉 Zwei Tassen Reis waren locker drin, als kleinen Anhaltspunkt zum gesteigerten Appetit…
Ein kleiner Einwurf noch zum Thema Kulinarik: Wir ließen es uns nicht entgehen, die beste Pizzeria Spaniens zu besuchen: „Trattoria Popolare“. Außerdem ausgezeichnet als Platz 2 in Europa. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch. Kurz gesagt: Sie wurden nicht enttäuscht. Meine Pizza „Vacanze ad amalfi“ mit Pesto, Stracciatella, Mozzarella und Oliven (vielleicht nicht Jedermanns Sache) bestach durch fluffigen Pizzarand durch die neapolitanisch Art und ein unvergleichliches Geschmackserlebnis. Eine der besten, wenn nicht gar die beste Pizza, die ich je gegessen habe. Etwas schade war die Massenanfertigung, mit der die Betreiber der hohen Nachfrage gerecht werden wollten. Reservieren konnte man seinen Tisch nur für einen 1,5-Stunden-Slot, worunter natürlich ein wenig die Gemütlichkeit leidet.

Der Nachtisch setzte mit dem hausgemachten Tiramisu noch einen drauf: Eine Portion von bestimmt 300 Gramm, natürlich mit extra viel Mascarpone. Das Ding hatte mindestens 1.000 kcal, aber das Geschmackserlebnis war es wert – und man gönnt sich ja sonst nichts 😉 *unbezahlte Werbung*
Und so konnte das Motto denn auch für die weiterfahrt nur lauten: Essen, essen, essen! Auf dass die Vorräte schnell wieder kleiner werden und die Tasche wieder leichter. Hier ist wohl doch ein gesundes Mittelmaß angeraten. Immerhin folgen so schnell keine großen Bergetappen mehr. Und mit frisch gewaschener Kleidung und frisch gewaschenem Schlafsack fährt es sich ja auch gleich wieder viel besser!😉


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