Algarve: Traumstrände und Regenfluten

Nachdem wir den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes ausgiebig zelebriert haben, zogen wir noch sechs Kilometer weiter zu unserem angepeilten Campingplatz. Während wir beim Verspeisen der Bratwurst nur die dunklen Wolken sahen in Richtung Sagres, hat es dort wohl wirklich nochmal geschüttet: Wir fuhren über nasse Straßen. Puh, da haben wir wohl doch einmal Glück gehabt.

Bei Sonnenschein erreichten wir den Campingplatz nach einem kurzen Trail durch den Sand. Schnell das Fahrrad abgebaut und noch vor dem Zeltaufbau den Schlafsack und die Klamotten rausgehangen – und einfach nur beten! Regen war zumindest mal nicht mehr angesagt.

Der Campingplatz war nicht nur im Bezug auf gewöhnliche Urlauber fest in deutscher Hand – wir kamen ins Gespräch mit einer anderen Fahrrad-Backpackerin aus Norddeutschland. Sie ist ebenfalls den Eurovelo entlanggefahren mit dem Ziel Faro. Besonders interessant fand ich die Geschichte, dass sie in der vergangenen Nacht nach vergeblicher Schlafplatzsuche bei einem Restaurant nach Zeltaufbau gefragt hat – ganz so wild war es bei uns gottseidank noch nicht 😉

Nach dem Smalltalk machten Jannick und ich uns auf zum Holz sammeln, um an der Feuerstelle vom Campingplatz Bratwürste zu grillen. Wie gesagt: Die letzte Bratwurst vor Amerika, aber nicht vor Afrika 😉 Das Feuer war ebenso gut als Wärmequelle, da ich sehr kälteempfindlich bei Wind bin – der immer noch leicht wehte. Da musste nach Sonnenuntergang doch der Pulli herausgeholt werden.

Vor dem Schlafengehen wurde der Schlafsack geprüft. Etwas klamm war er immer noch, aber es half nichts. Zum Schlafen war es irgendwie in Ordnung. Auch, da es eine sehr milde Nacht war. Zudecken mit dem Schlafsack reichte, einkuscheln war nicht notwendig. Der Wind flaute ebenso ab, die Nacht war klar und windstill. So meldete sich das Schreckgespenst des Morgentaus mal wieder: Das Zelt war klatschnass.

Natürlich war so auch bei den Klamotten wiedermal nicht an Trocknung zu denken. Auch die am Vorabend in den Sanitäranlagen des Campingplatzes ausgewaschene, schlammversiffte Gepäcktasche – sie wurde natürlich nicht über Nacht trocken. Die Luftfeuchtigkeit in Ozeannähe verhindert jegliche Ansätze trockener Wäsche.

Trotz klammer Wäsche war die geplante Tour natürlich durchaus lohnenswert. Zunächst ging es von Sagres aus auf der Hauptstraße wieder zurück nach Vila do Bispo. Nach ein paar weiteren Kilometern Hauptstraße führte der Weg wieder auf den Eurovelo 1 in Richtung Küste. Nach einigen Höhenmetern zeigte sich in einem netten Küstenort unvermittelt das Meer inklusive steiler Abfahrt an die Küste – traumhaft! Ebenso steil ging es jedoch wieder bergauf, die Oberschenkel brannten mal wieder bei dem Auf und Ab in dieser Region – immer wieder mit sehenswerten Ausblicken auf Küste und Strände.

Wenn sich auf einmal das Meer zeigt!
Was eine tolle Abfahrt!

In Erinnerung blieb eine Rampe mit 16 Prozent Steigung, ca. 80 Meter lang. Ich trat sie im Stehen im untersten Gang am äußersten Maximum hinauf. Belohnt wurde man mit Aussicht auf eine schöne Bucht – ehe es weiter bergauf ging.

Eine wahrhaftig herausfordernde Rampe.
Die Aussicht von oben war immerhin ganz nett.

Über Salema und Burgau wurde die Ortschaft Luz erreicht, wo am Praia da Luz Halt gemacht wurde. Ein wunderbarer Strand, wo wir uns bei dem warmen, windstillen Wetter erfrischten. Danke an dieser Stelle an einen guten Freund für den Tipp! Eine imposante, felsige Steilküste!

Praia da Luz.

Die Abfahrt zum Strand wurde mit der erneuten „Auffahrt“ auf die Steilküste nach der Pause „bezahlt“. Anschließend erreichten wir Lagos mit wieder einmal imposanter Abfahrt auf die Strandpromenade, ehe wir einmal durch den Hafen fuhren und natürlich beim Lidl in der Nähe eine Einkaufspause einlegten.

Lagos.

Wir einigten uns darauf, noch 15 Kilometer weiterzufahren bis zu einem Campingplatz im Ort Alvor. Aufgrund der furchtbaren Wettervorhersage für den nächsten Tag beschlossen wir, dort zwei Nächte zu buchen und einen Pausentag einzulegen. Bei Land unter macht es wenig Sinn, da waren wir uns einig. Mit – wie üblich in dieser Region – wieder einmal einigen Höhenmetern erreichten wir nach diesem unter dem Strich herrlichen Tag ohne Wind den Campingplatz. Aufgrund der Wettervorhersage wurde der Ort für das Zelt weise gewählt – abseits möglicher Abflüsse von Regenfluten.

Eigentlich hätten wir ja ausschlafen können mit dem geplanten Pausentag. Da das Wetter am Vormittag jedoch noch einigermaßen akzeptabel sein soll, beschlossen wir, früh aufzustehen und den Strand der Ortschaft zu begutachten.

Nach etwas Regen in der Nacht war es dann am Morgen auch tatsächlich trocken, und wir fuhren mit unseren diesmal unbepackten Rädern zum Strand. Was ein fast schwebendes Gefühl ohne Gepäck!

Der Strand war schließlich ein wahrer Glücksfall. Er erstreckte sich über mehrere Abschnitte, getrennt durch Löcher und Lücken in beeindruckenden, rötlichen Verfärbungen, die bei dem trüben Wetter fast nochmal besser zur Geltung kamen. Passend zu dem rauen Charakter war die starke Brandung mit entsprechenden Wellen. Wir konnten bei der Kulisse nicht widerstehen und stürzten uns einmal in die Fluten – natürlich im flachen Bereich. Als es schließlich anfing zu regnen, machten wir uns wieder auf zum Campingplatz nach einem kurzen Abstecher beim Supermarkt ums Eck. Dafür, dass wir den Strand durch Zufall aufgrund eines Ruhetages besucht haben, konnten wir mehr als zufrieden sein.

Imposanter Felsenstrand.
Durch das trübe Wetter wirkte die Farbe der Felsen noch einmal anders.
Planschen in der Brandung.

Zurück auf dem Campingplatz bei einem entspannten Kaffee im Restaurant ging es los: Die Regenfront des nächsten Ex-Hurrikans kam, in Form von äußerst kräftigen Schauern mit entsprechendem Wind – äußerst ungemütlich!

Vorausschauend habe ich meine Wäsche am Vorabend aufgrund des angekündigten Regens bereits im Zelt aufgehangen. Kurioserweise wurde hierdurch ein Baumwollshirt auch einigermaßen trocken, während die synthetischen Sportshirts weiterhin im klammen Zustand verharrten.

Man versuchte alles.

Wir entdeckten schließlich auf dem Campingplatz eine Waschmaschine und einen Trockner, jeweils nutzbar für fünf Euro. Wir überlegten kurz und beschlossen, der Problematik ein Ende zu setzen: Zusammen einmal Waschen und Trocknen, jeder trägt fünf Euro bei.

Vorher wurde jedoch im Zelt noch einmal die eigentliche Regenklatsche nach den Schauern ausgesessen: Es prasselte nur so ein, die Stimmung im Zelt war wahrhaft bedrohlich. Mir wurde etwas bange, doch der Zeltplatz war tatsächlich perfekt gewählt: Vorzelt und Innenzelt blieben trotz der Fluten diesmal trocken. Jannick baute in weiser Voraussicht um sein Zelt noch einen improvisierten Damm aus Steinen, der das Gröbste abhielt.

Nach der Regenwand zogen weitere Schauer durch, das meiste war jedoch durch, sodass wir uns für Essen und Wäsche wieder rauswagten, Jannick verspeiste einen kompletten Fisch in Form eines Barbecues, während ich das Bistro vom Campingplatz studierte. Ein Curry war eine gute Wahl als Abwechslung zu Nudeln mit Pesto.

Da es dank Trockner unerheblich war, wurde nun alles bis auf Schlafsack und Radhose einmal gewaschen. Was für ein tolles Gefühl, wenn das Kleidungsinterieur einmal komplett frisch ist wieder.

So konnten wir am nächsten Morgen bei nun wieder bestem Wetter unsere Weiterfahrt entlang der Algarve fortsetzen. Aus Alvor raus ging es zunächst entlang der Strandpromenade an einer tollen Bucht vorbei, ehe im Ort Portimão eine Rast eingelegt wurde, da Lidl und McDonald’s praktischerweise direkt nebeneinander lagen.

Schöne Bucht.

Mir bereitete etwas Sorge, dass Jannick allgemein nicht so gut beieinander war an dem Tag. Na ja – es waren ja nur 59 Kilometer geplant – die werden schon irgendwie machbar sein! Nach ein paar Kilometern Hauptstraße ging es wieder auf hügelige Schotterpisten in Richtung Küste. Nächstes Ziel war der Praia de Albandeira, charakteristisch sind seine Steilklippen sowie ein markantes Felsenloch. Steil führte uns die Abfahrt an den Rand der Klippen. An Baden war hier aufgrund der aufgewühlten See, die meterhohe Wellen an Land peitschte, nicht zu denken. So genossen wir ohne Erfrischung ein wenig die Klippen sowie das große Felsloch.

Besser nicht schwimmen.
Das Felsenloch.

Es soll hier auch Höhlen an den Klippen geben, jedoch kommt man hier nur per Kanu hin. Das konnte man wegen der Wellen natürlich ebenfalls vergessen.

Insgesamt war das Felsloch natürlich schön anzusehen mit der Steilküste, jedoch gefiel mir der Strand in Alvor fast einen Ticken besser.

Wir machten uns bald auf den Weg zum nächsten Zwischenziel, dem Praia Nova. Da dieser nur vier Kilometer entfernt war, nahmen wir den Weg über den felsig-sandigen Küstentrail. Die Hauptstraße war zu weit entfernt. Teilweise waren einige Stellen sehr abenteuerlich, auch wenn man das meiste im Sattel sitzend bewältigen konnte. Für die kurze Distanz war es ok, bevor die erneut steile Abfahrt an den beeindruckend zwischen zwei steilen Felsen gelegenen Strand wartete.

Der Praia Nova.
Auch von oben ganz nett.

Kurz überlegte ich, schwimmen zu gehen. Bei der Brandung ließ ich aber weiterhin die Finger davon. Stattdessen wurde die Steilküste wieder erklommen und oben der Ausblick über den Strand in dessen Kulisse festgehalten.

Anschließend warteten noch 29 Kilometer zum Ziel des Praia dos tomates bzw. einem Campervan-Stellplatz direkt am Strand, wo Wildcampen mehr oder weniger geduldet war. Da Jannick bis Marokko nicht mehr über mobiles Internet verfügte und es bis dahin keine wirklichen Highlights mehr gab, schickte ich Jannick per Hotspot das Ziel, bevor wir beide unser eigenes Tempo dahin fuhren. Auf halbem Weg wurde das schöne, aber doch sehr bergige Albufeira durchfahren. Die letzten zehn Kilometer ging es immer die Hauptstraße entlang im welligen Gelände, ehe der grasige Stellplatz erreicht war.

Hügelige Fahrt durch Albufeira.

Nun war direkt Zelt aufbauen angesagt, da es am Abend noch ein letztes Starkregenereignis geben sollte. Ich wählte vorausschauend einen Platz am Rande neben einem Baum des in leichter Muldenlage gelegenen Parkplatz. Wenig später trudelte Jannick ein, der sein Zelt etwas weiter mittig auf einer Glasfläche platzierte.

Nach diesen Erledigungen wurde der spektakuläre Tomatenstrand mit seinen orangeroten Steilklippen ausgecheckt. Wahrhaft eine spektakuläre Kulisse oben auf den Klippen, insbesondere mit Blick auf die heranahende Regenfront aus Westen im letzten Abendlicht.

Farbenspiel bei herannahender Regenfront.

Nach anschließendem kurzen Abendbrot im Zelt im Dunkeln kam diese Regenfront dann auch an. Zwar hörte ich Musik und bekam davon nur ein bisschen mit, aber es hat wohl wie aus Eimern geschüttet, mit Gewittern durchsetzt. Lediglich die Lichtspiele dank des Wetterleuchtens nahm ich noch etwas wahr. Gottseidank blieb mein Innenzelt trocken – im Gegensatz zu Jannicks diesmal. Um sein Zelt herum bildete sich in leichter Muldenlage die große Pfütze auf dem Stellplatz, von der ich um wenige Meter verschont blieb.

Ich bekam davon nichts mit, aber gegen 22 Uhr musste er noch einmal umziehen, da rund um sein Zelt das Wasser über fünf Zentimeter hoch stand. Ein Campingurlauber aus Aachen half ihm bei der nächtlichen Aktion, während ich bereits im Land der Träume war. Schöne Grüße an den hilfsbereiten Deutschen an dieser Stelle – falls du das hier liest!

Am nächsten Morgen waren die Unwetter dann endgültig vorbei. Ich stellte mir den Wecker auf halb 8 und mein erster Weg führte mich Richtung Meer. Den spektakulären Sonnenaufgang mit den Steilklippen wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sobald die Sonne das Meer und den Strand in Morgenrot tauchte, war die Stimmung dann auch alsbald nur noch mit dem Wort „magisch“ zu beschreiben. Ich knipste nur so vor mich hin mit meinem Handy, um diese morgendlichen Momente an der Algarve einzufangen – genau für sowas macht man diese Reise! Was für ein Start in den Tag, garniert mit einer kleinen Erfrischung im Atlantik.

Bei Sonnenuntergang noch schöner anzusehen.
Auch unten ließ sichs aushalten.

Der immer noch müde Jannick bekam hiervon wenig mit – nach dem gestrigen Umzug hatte schlafen Priorität. Letztlich besuchte er auch noch einmal den Strand, jedoch war ich glaube ich von diesem deutlich mehr begeistert als er.

Für den heutigen Tag stand Faro auf dem Programm. Es sollte eine gemütliche Tour werden mit nur knapp 50 Kilometern, um die Algarve noch einmal zu genießen.

Da Jannick bis Afrika kein Internet mehr hatte, navigierte ich und er blieb hinter mir. Auf dem Weg nach Faro durch viele kleine Nebenstraßen kam es dann, wie es kommen musste: Bei einer Abbiegung vergaß ich den Schulterblick und er war kurz unaufmerksam beim Folgen – und zack verloren wir uns. Nach einem Anruf von mir machten wir den McDonalds im Hafen von Faro aus als Treffpunkt. Ich rollte also weiter meines Weges, über Asphalt und später auch Sandpisten an der Bucht von Faro entlang mit wiedermal so manchem Höhenmeter und noch verschlammten Pisten von dem vielen Regen, ehe die Fast-Food-Fililale erreicht war. Auch Jannick traf durch Fahren nach Gefühl ohne Navigation, nur mit geladener Karte, bald ein.

Der Regen hinterließ seine Spuren.

Wir debattierten über einen möglichen Campingspot bei Olhão, ca. 10 Kilometer nach Faro. Da dies jedoch arg kurz war, entschieden wir uns, bis zu einem Campingplatz in Fuseta zu fahren – für 7 Euro pro Person und Nacht durchaus preiswert. Nachdem im Lidl von Olhão noch kurz Proviant nachgeladen wurde, trennten sich die Wege wiedermal, da der Treffpunkt fix war – kurz nachdem uns Komoot noch mitten über einen Rummelplatz am Meer in Olhão geschickt hatte. Auch dieser Ort hatte definitiv seinen Vibe – fast wäre ich eine Runde Karussell gefahren 😉

Ich wurde erst über die Hauptstraße geleitet, ehe Komoot mich durch die Vogelschutzgebiete an der Küste schickte. Die Landschaft war hier ähnlich wie in Südfrankreich in den Kanalsystemen. Der Campingplatz befand sich ebenfalls am Rande dieses großen Schutzgebietes, ca. 45 Kilometer vor der Grenze zu Spanien. Als ich ankam war ich baff, dass Jannick bereits 10 Minuten auf mich wartete. Er fuhr wohl komplett Hauptstraße, während mich Komoot doch über so manchen Eurovelo-Trail in Küstennähe leitete.

Am Eurovelo im Vogelschutzgebiet.

Beim Zeltaufbau kamen wir in Kontakt mit anderen Bikepackern. Beispielsweise eine Französin, die ebenfalls auf dem Weg Richtung Marokko war. Auch ein deutsches Paar, das die portugiesische Atlantikküste einmal runtergfahren ist, kam mit uns in Erfahrungsaustausch. Sie werden nur noch bis kurz hinter die spanische Grenze fahren, um anschließend nach Sevilla und Malaga mit dem Zug zu fahren, da ihre Zeit knapp wurde.

Inklusive eines Bades im Meer bzw. einem strömungsfreien Seitenarm dessen hinter dem Campingplatz war es ein sehr schöner, letzter Abend in Portugal. Am nächsten Tag würde dieses Land nach knapp 700 Kilometern und zwei Wochen auch schon wieder Geschichte sein – die Zeit rennt verdammt schnell! Danach nur noch etwa 300 Kilometer Spanien 2.0 – dann ist Europa durch! Etwas ungläubig legten wir uns mit diesem Gedanken schlafen. Auch das Schlechtwetter und der Gegenwind waren nun endgültig durch – die Stimmung hätte an diesem Abend also kaum besser sein können! Ein würdiger Abschluss der wunderschönen Algarveküste.

Abendstimmung am Hafen von Fuseta.

Die letzten Tage und Etappen auf europäischem Festland werden im nächsten Blogbeitrag beleuchtet.

Hinterlasse einen Kommentar