Nach letztem Abschiedsgruß in Form von Winken rollten Jannick und ich also los. Nach zwei Wochen Pause sind wir quasi „wiedervereint“, um gemeinsam die Wüste anzugehen.

Nächstes Ziel war der Ort Guelmim, oftmals als das „Tor zur Sahara“ deklariert. Hier war der ausgemachte Treffpunkt, um wieder mit Leon und Christel weiterzufahren, die in der Zwischenzeit sowohl im Hohen Atlas unterwegs waren, als auch erste Wüstenerfahrungen südlich hiervon sammeln durften.

190 Kilometer waren es von Agadir bis Guelmim. Wir einigten uns darauf, dass wir das in drei Tagesetappen schaffen und uns dann am Dienstagabend in Guelmim treffen, um gemeinsam weiterzufahren. Leon hatte zudem noch einen weiteren Radreisenden im Gepäck, Lucas aus den Niederlanden, den er in der Zwischenzeit kennengelernt hatte.

Wir machten uns also bei äußerst windigen Bedingungen auf den Weg, erste Station war der Decathlon in Agadir, um Christel Ersatzbremsbeläge sowie eine Ersatzkette für ihr Rad mitzubringen. Leider ist in Afrika das Decathlon-Sortiment schon stark ausgedünnt, sie hatten diese leider nicht im Angebot.

Hilft nichts – wir fuhren weiter, raus aus Agadir. Der Wind kam stürmisch aus Südost. Es war sehr unangenehm, gegen diesen Gegenwind anzupedalieren – vor allem, wenn man eine Woche Pause gemacht hat und vorher von Krankheit geplagt war. Jannick war ja quasi zwei Wochen raus, ihm ging es nicht anders.

Wir pedalierten und pedalierten – aber irgendwie kommt man bei diesem fiesen Gegenwind einfach nicht vorwärts. Es war einfach nur demotivierend. Nach etwas über 40 Kilometern hatten wir die Faxen dicke. Es war zwar noch sehr besiedelt und Wildcampen dementsprechend schwierig, aber eine Tankstelle lag einladend auf dem Weg. Wir fuhren rechts ran und tranken einen Kaffee, bevor wir auf den Tankstellenwart zugingen: „Nous sommes en un voyage avec les vélos. Aujourd’hui le vent contraire est très difficile et nous sommes très fatigué. Est-ce que c’est possible d’installer notre tents et dormir ici?“

Nach kurzer Rücksprache mit seinen Kollegen gab der Tankstellenwart uns die Zusage, dass wir im Eck neben der Waschanlage unsere Zelte aufbauen können. Perfekt – bei diesen Bedingungen hätte es heute einfach auch keinen Sinn mehr gemacht!

Wir erholten uns bei Tee und Kaffee im Außenbereich des Tankstellencafés. Für Unterhaltung war zudem gesorgt. Wenn nämlich eines überall in Marokko gezeigt wird – dann Fußball. Auf einer großen Leinwand wurde das Premier-League-Spiel Southampton gegen Liverpool gezeigt. Spätestens jetzt waren die Strapazen des Gegenwindes vergessen. Bei der Verfolgung dieses spannenden Fights, den der Tabellenführer aus England knapp mit 3:2 für sich entschied, kam man schnell auf andere Gedanken.

Exklusives Tankstellen-Kino.

Dagegen konnte das Anschlussspiel Ipswich Town gegen Manchester United leider nicht mithalten, weshalb ich lieber mein Zelt aufbaute und den Sonntagabend für mich beendete. Es war eine durchaus ungewöhnliche Nacht, und trotz Ohrenstöpseln zudem nicht komplett erholsam, da die Hauptstraße bis weit in die Nacht stark befahren war. Außerdem raubten einem die Wachhunde der Tankstelle einen beträchtlichen Teil des Schlafes. Als ich in der Nacht pinkeln musste, hatte ich große Angst, selbst von diesen angegriffen zu werden, als wiedermal das große Kleffen begann.

Respekt an Jannick, der sich dagegen entschied, überhaupt sein Zelt aufzubauen und unter diesen Umständen einfach unter freiem Himmel schlief…

Ein sehr außergewöhnlicher Schlafplatz.

Der Vorteil des Schlafplatzes wiederum war, dass man sich direkt in der Früh seinen Kaffee abholen konnte. Somit konnte wichtiges Gas gespart werden, da ich in Agadir vergaß, mir eine weitere Kartusche zu holen. Das bisschen in meiner Flasche muss nun also reichen bis zum Ende der Wüste, wo es dann wieder Decathlon und Co. gibt. Na ja – Tankstelle und Cafés werden in dem Fall mein Lebensretter sein 😉

Der Wind hatte über Nacht gedreht und war nun passend für uns – ohne großes Trödeln fuhren wir nach dem Morgenkaffee also los. 50 Kilometer waren es bis zum nächsten größeren Ort, Tiznit. Von dort aus noch einmal knapp 100 Kilometer bis Guelmim, dem Treffpunkt mit dem Rest der Gruppe.

Die ersten 30 Kilometer Richtung Tiznit waren Genuss pur. Mit leichtem Rückenwind flog man förmlich über die Straße bei guten 30 Stundenkilometern. Lediglich mit kurzer Unterbrechung in einem kleinen Ort mit Maroc-Telekom-Shop, da Jannick sein Internet noch einmal aufladen musste. Ein Glück, dass mein Handy eSIM-fähig ist und ich auf keine Shops angewiesen bin…

Nach 30 Kilometern war es dann jedoch abrupt vorbei mit der Herrlichkeit in Form von Rückenwind. Der Wind drehte wieder zurück auf Südost wie bereits gestern – und das in Form von stürmischen Böen, ein wahrer Sandsturm begann. Da wir direkt nach Süden fuhren, hatten wir den Wind schräg links von vorne. In diesem Moment erwies mir meine Skimaske mit meinem Gesichtstuch bereits gute Dienste – der Sand wehte quer über die Straße direkt ins Gesicht. Die Wüste zeigte einem gleich am absoluten Beginn, wie unwirtlich die Bedingungen sein können.

Die Skibrille kommt das erste Mal zum Einsatz.
Sandsturm.

Zudem ging es stetig leicht bergauf, da die nun wirklich letzten südwestlichen Ausläufer des Antiatlas-Gebirges noch einmal ihre Muskeln spielen lassen wollten. Mit knapp 12 Stundenkilometern dackelte man dahin in Richtung Tiznit. Gut, ich hatte schonmal schlimmeren Gegenwind, wo nicht mal mehr 10 Stundenkilometer drin waren. Dennoch war es in dem Moment einfach nur zum Verzweifeln und vom Kopf her extrem demotivierend. Ständig geistert der Gedanke im Kopf: „Wenn das jetzt die ganze Zeit eine solche Quälerei wird?“ Ich habe definitiv eine riesige Abneigung gegenüber Gegenwind. Wenn ich die Wahl zwischen Gegenwind und Höhenmetern habe, würde ich immer die Höhenmeter nehmen.

Nach genau 50 Kilometern erreichten wir am frühen Nachmittag eine Tankstelle am Ortseingang von Tiznit. Wir beratschlagten, was wir nun tun. Jannick war ebenso wenig motiviert, sich weiter zu quälen – zumal die App Windfinder keine Besserung versprach. Eher im Gegenteil.

Hinzu kam, dass die Tankstelle eine Art Campingplatz hatte, wo man für umgerechnet knapp fünf Euro die Nacht verbringen konnte. Aufgrund der Gebühr wollte Jannick zwar weiterfahren, aber in diesem Fall sprach ich dann ein Machtwort: „Nein, ich quäl mich jetzt nicht noch weiter wegen ein paar Euros. Ich zahl es dir von mir aus und wir bleiben hier und erholen uns.“

Aus meiner Sicht waren diese knapp 10 Euro gut investiertes Geld: Einfach ein bisschen neu sammeln, einen sicheren Schlafplatz haben und eine gute Tajine im Restaurant der Tanke genießen. Einfach mal kurz alles sacken lassen und neue Kraft tanken.

Meine Motivation war an diesem Nachmittag nämlich wahrlich am Tiefpunkt. Ich hatte das erste Mal auf dieser Reise nach über vier Monaten ein wirkliches psychisches Tief, einen richtigen Anflug von Heimweh, wenn man so will.

Einerseits der Abschied von der Familie, nun endgültig für so lange Zeit. Dann die Schwierigkeit wieder beim erneuten Switch in den Abenteuermodus, da man sich diesen bereits in der Woche Kurzurlaub ein wenig abgewöhnt hat. Und drittens dieser elendige Gegenwind, von dem ich bereits nach zwei Tagen definitiv die Schnauze gestrichen voll hatte. Auch in Verbindung mit dieser Hitze hier. Daheim liegt aktuell Schnee, ich könnte jetzt doch auch bei einem Glühwein auf dem Sofa lümmeln und die weiße Landschaft genießen, vor allem als bekennender Schneefan…

Jannick entging meine Stimmung logischerweise nicht: „Du wirkst irgendwie so nachdenklich und in dich gekehrt – ist irgendwas?“ „Alles gut“, antwortete ich. In diesem Moment wollte ich mir nicht die Blöße geben, zuzugeben, dass ich gerade alles ein bisschen sch**** finde…

Wie fast immer lief im Restaurant der Tanke Fußball – diesmal die Highlights der Bundesliga vom Wochenende. Das konnte mich jedoch auch nicht wirklich trösten in dem Moment, ich hab es ja schon in der Sportschau gesehen vorgestern…na gut, die Highlights vom Sonntag noch nicht. Das Lupfertor von Tim Kleindienst gegen St. Pauli war schön anzusehen, aber mehr Ablenkung gab’s dann auch nicht…

Ich verschwand abends relativ bald in meinem Zelt, nachdem ich nachmittags stundenlang gedankenversunken bei Orangensaft an der Tanke die Zeit totgeschlagen habe, und berichtete einem guten Kumpel von mir meine aktuelle Gemütslage. Er fragte mich nach einem Telefonat. Ich verneinte mit Option eines anderen Tages, da ich zudem einfach müde war und eigentlich nur erstmal schlafen wollte…

So sendete er mir per WhatsApp eine zweiminütige Motivationsrede, mit einer Kernaussage: „So ein Tief hat jeder mal. Mich wundert es eh, dass du sowas erst jetzt hast. Jeder normale Mensch hätte das schon viel früher bekommen. Nur lass dir eins sagen: Wenn du gerade ernsthaft über einen möglichen Abbruch nachdenkst nur wegen Motivationsproblemen oder einem kleinen psychischen Tief – das wirst du den Rest deines Lebens bereuen! Lass diese Hirngespinste nicht an dich ran!“

Er hat ja so Recht! Diese klare Aussage tat mir in diesem Moment schonmal echt gut. Das ist nur eine Phase – du wirst das bald wieder genießen! Denk jetzt ja nicht über Quatsch nach! Es gab mir in diesem Fall doch einen kleinen Motivationsschub…

Demotivierend wiederum die Windvorhersage für den kommenden Tag: 100 Kilometer bis Guelmim, wieder strammer Wind aus Südost. Das wird wiedermal eine Quälerei…ich spielte mit dem Gedanken, noch einmal per Bus zu „cheaten“, bevor man schließlich mit den anderen gemeinsam weiterfährt. Interessehalber schaute ich einmal nach Tickets. Mit der Firma Satas gäbe es eine Verbindung um 12 Uhr für knapp vier Euro per Person. Na ja, schauen wir mal, was morgen so ist…

Immerhin war ich wie immer um 7:45 Uhr wach. Und der nächste Tag begann bereits mit einem Moment der Aufheiterung: Einem fast magischen Sonnenaufgang über den Bergen des Antiatlas im Osten, wie eine Kugel bahnte sich die Sonne ihren Weg über die Berge – herrlich. Mach weiter! Du wirst noch so viele solcher Momente auf dieser Reise erleben! Ein unbezahlbarer Motivationsschub!

Was ein Sonnenaufgang über dem Antiatlas!

Ich startete, obwohl wir 100 Kilometer vor uns hatten, erst einmal betont gemütlich in den Tag und trank Kaffee per Campingkocher – Gas sparen hin oder her. Zudem gönnte ich mir ein großes Haferflockenfrühstück.

Bald war es wieder kurz vor 10 Uhr. Von Jannick jedoch kein Lebenszeichen. Schließlich weckte ich ihn. Hierbei kam das nächste Problem auf: Jannick war angeschlagen, ihm ging es überhaupt nicht gut. Vor allem schniefte er nur so vor sich rum. Lag es an dem ganzen Saharastaub, der seine Atemwege infiziert hat?! Was machen wir denn jetzt?!

Eins war klar: Unter diesen Vorzeichen (Krankheit und starker Gegenwind sowie die fortgeschrittene Uhrzeit) macht das heute keinen Sinn. Zumal die Strecke mit 100 Kilometern und nochmals 650 Höhenmetern aufgrund des letzten Antiatlas-Passes vor Guelmim durchaus als anspruchsvoll zu bezeichnen ist. Wir sind aber verabredet…

Einzige Lösung ist diesem Fall wohl wirklich der Bus. Kurzentschlossen buchte ich zwei Tickets für den Bus um 12 Uhr. „Mutig – du weißt doch nicht mal, ob die Platz für unsere Fahrräder haben…“, hatte Jannick Bedenken. „Ach was, nach Agadir war das auch kein Problem“, entgegnete ich betont überzeugt.

Jannick sah zumindest ein, dass das heute die beste Lösung ist. In der Buchungsbestätigung war sogar ein Abfahrsort hinterlegt – perfekt! Nur mussten wir uns jetzt echt mit dem Zusammenpacken beeilen. Da ich in der Früh bereits vorgepackt habe, ging es schnell und ich trank noch einen Cappuccino im Tankstellenrestaurant, das mittlerweile auch offen hatte, ehe Jannick schließlich auch fertig war. Gefrühstückt hatte er nichts. Er gestand mir, dass sich sein Magen doch ein bisschen flau anfühlt.

Wir fuhren gemeinsam los. Drei Kilometer waren es bis zum Busbahnhof im Zentrum von Tiznit. Als ich schließlich den Schulterblick machte, war Jannick bereits nach der Hälfte der Strecke nicht mehr hinter mir – nanu?! Der wird doch wohl nicht?!?!

Nach Wartezeit fuhr ich weiter zum Abfahrtsort. Jannick kam schließlich fünf bis zehn Minuten später nach, hatte sich aber tatsächlich am Wegesrand übergeben müssen. Hajajajajaj…gut, dass wir heute den Bus nehmen!

Wie im vorherigen Blogbeitrag bereits erwähnt: Sportlicher Ehrgeiz schön und gut, aber die Gesundheit geht doch vor. Und im Endeffekt soll es ja auch irgendwie noch Spaß machen – und nicht nur reine Quälerei sein. Da braucht man letztendlich kein schlechtes Gewissen zu haben.

So waren war also um kurz vor 12 Uhr am Busbahnhof und warteten. Doch ein Bus kam einfach nicht – irgendwas war da falsch. Ich sprach einen Passanten an: „Nous voulons aller a Guelmim. Est-ce que tu sais ou le bus arrêtes?“

Der Herr erklärte mir schließlich, dass wir komplett falsch seien und wies mir den fünfminütigen Fußweg zum Abfahrtsort. Hier wurde mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass der Bus in fünf bis zehn Minuten fahren wird. Da ich mein Fahrrad an dem vorherigen Wartepunkt bei Jannick habe stehen lassen, sprintete ich im Eiltempo zurück, gab Jannick Bescheid und rollte auf dem Rad wieder zur Haltestelle.

Wir standen schließlich mit unseren Rädern vor dem Bus. Das Gepäckfach öffnete sich – vollgepackt bis oben hin. „Siehste – das kannst du vergessen. Was hab ich vorhin gesagt?!“, meinte Jannick fast trotzig. Anschließend glich es einem kleinen Wunder: Mit viel Tetris und einer kompletten Umverteilung des Gepäcks in dem Fach konnte tatsächlich Platz geschaffen werden. Wir montierten unsere Taschen ab und es ging tatsächlich alles irgendwie rein.

Keine Ahnung, wie das am Ende funktioniert hat…

Der Busfahrer wollte anscheinend 50 Dirham pro Person aufgrund der Fahrradmitnahme extra (knapp fünf Euro). Aufgrund des Punktes der „Gepäckmitnahme“ in den Inklusivleistungen des Transportes war Jannick sauer und wollte nach alternativen Lösungen suchen, ehe ich für ihn mitbezahlte und beschwichtigend auf ihn einwirkte: Das passt schon! Was wäre denn die Alternative?! Wie sollen wir sonst heute noch nach Guelmim kommen?!

Nach Recherche in der Westafrika-WhatsApp-Gruppe, wo ehemals genau dieses Thema aufkam, erkannte ich auch, dass dieser Aufpreis für die Fahrradmitnahme wohl völlig normal ist. Es lässt sich wohl auch diskutieren, ob zwei Fahrräder mit jeweils sechs Taschen noch unter eine normale „Gepäckmitnahme“ fallen 😉

Egal – um 12:30 Uhr statt 12 Uhr setzte sich der fast leere Bus schließlich bei großer Hitze in Bewegung und wir genossen die Landschaft ausnahmsweise aus dem Fenster. Na ja – ich zumindest. Jannick schlief die ganze Fahrt. Wer will es ihm verdenken?! Ich kenne das Gefühl ja noch von wenige Tage vorher…

Man hätte wahrhaft nochmal einiges an Strecke hochstrampeln müssen, ehe eine lange Abfahrt bis Guelmim gewartet hätte. Gegen 15 Uhr kamen wir schließlich im Busbahnhof an.

Welch Überraschung trafen wir auch direkt wieder Christel an am Busbahnhof. Sie hat ebenfalls aufgrund von Gegenwind den Bus genommen, damit sie rechtzeitig zum Treffpunkt da ist. Perfekt! Nachdem das Gepäck wieder auf das Fahrrad geladen war, machten wir uns erstmal auf den Weg ins Zentrum von Guelmim. Hier gab es ein nettes Restaurant mit allerlei netten Snacks. Auch Jannick konnte hier bei einem Sandwich und Pommes wieder ordentlich reinhauen – ein gutes Zeichen, dass alles halb so wild ist!

Hier wurden außerdem nochmal ordentlich Powerbanks geladen – wer weiß, wie oft das anschließend in der Wüste möglich sein wird…

Nachdem auf dem Markt nebenan nochmal ordentlich Obst geholt wurde, ging es schließlich los: Am späten Nachmittag rollten Christel, Jannick und ich los, wieder raus aus Guelmim – bereit, hiermit endgültig das Tor zur Wüste zu betreten – aufregend!

Rückblick auf Guelmim mit Chris und Jannick.

Leon und seine Bekanntschaft Lucas aus den Niederlanden waren etwas verspätet, da sie noch lange ein Museum kurz vor Guelmim ausgekundschaftet haben. Außerdem hatte Lucas einen Speichenbruch, was einiges an Zeit zur Reparatur gekostet hatte. Wir fuhren also schonmal los und schickten dann bei Gelegenheit den Standpunkt des Campingspots.

Das sind die Distanzen zu den nächsten Zielen.

Der Wind war nun in Ordnung, wir hatten sogar leichten Rückenwind raus aus Guelmim. Auch Jannick ging es wieder deutlich besser, wodurch wir zumindest noch 15 Kilometer entspannt rollen konnten, ehe sich eine große Fläche neben einem Fluss mit viel Grün und einigen Büschen als Lager für die Nacht geradezu anbot. Wir gingen ca. 400 Meter querfeldein und verteilten uns auf dieser großen Fläche, um unsere Zelte aufzustellen – in bereits durchaus imposanter Wüstenlandschaft!

Relativ bald nach Aufbau war es stockfinster und es dauerte noch einige Zeit, bis Leon und Lucas schließlich den Weg zu unserem Lager im Dunkeln gefunden haben. Da es bereits spät war, musste das große Kennenlernen mit Lucas auch auf die nächsten Tage verschoben werden. Immerhin konnte ich die Zwischenzeit für ein Telefonat in die Heimat nutzen, um ein paar bekannte Stimmen nach langer Zeit mal zu hören. Hierbei wurde mir mal wieder bewusst, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten aktuell eigentlich so sind 😉 Die einen reden über ein gemeinsames Wochenende mit Bierprobe, während ich gerade am Beginn einer Wüstendurchquerung bin…

Da das Internet auch hier mitten im Nirgendwo noch sehr gut war, konnte ich entspannt im Live-Ticker noch das Champions League Spiel meines FC Bayern gegen PSG verfolgen, ehe ich mich dank des 1:0-Erfolges beruhigt aufs Ohr haute.

Am nächsten Morgen kochte ich dem nach wie vor leicht angeschlagenen Jannick frischen Kaffee und genoss die Morgenstimmung an unserem Lager. Eifrig wurden Bilder geschossen, bevor aufgrund eines Mangels an Haferflocken spontan eine Tafel Schokolade im Gepäck gefrühstückt wurde, die sonst eh geschmolzen wäre im Tagesverlauf.

Unser Lager kurz vor Sonnenaufgang.
Das Zelt inmitten des bisschen Grüns aufgrund des Flusses.
Letzter Rückblick aufs Antiatlas.

Hochmotiviert packten wir unsere sieben Sachen zusammen. Heute geht es also gemeinsam in Gruppe los – ab durch die Sahara! Erstes Ziel war die nächstgrößere Stadt Tan-Tan, von unserem Campingspot noch ca. 120 Kilometer entfernt. Dazwischen sollte es eine Tankstelle sowie einen kleinen Ort geben – was für Distanzen!

Bei solch aufregenden Aussichten hatten dann auch Heimwehblues und psychische Tiefs so gar keinen Platz mehr. Mehr zu den ersten Tagen dieses komplett neuen Reiseabschnittes folgt im nächsten Blog…

2 Antworten zu „Ab in die Wüste!”.

  1. Du schreibst wirklich ganz großartig, und es ist eine große Freude, an deinem Blog teilhaben zu können! Wir waren in diesem Sommer mit den Fahrrädern am Nordkap, aber deine Reise jetzt ist noch mal was komplett anderes!
    Ich wünsche dir viel Motivation, Kraft und Durchhaltevermögen für die nächsten Etappen! Viele Grüße, Steffi

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank für das nette Feedback! Ich werde weitermachen – es wird gewiss nicht langweiliger 🤣

      Like

Hinterlasse einen Kommentar