In unserer Fünfergruppe fingen wir nun also nach der ersten Wildcampingnacht in der Wüste an, loszurollen. Jedoch nicht ohne Hindernisse. Nachdem mein Schaltwerk in letzter Zeit immer mal wieder einen weg hatte, taten sich nun bei Christel Schwierigkeiten auf, die Gänge liefen unrund. Bei dem Einsatz einer für 20 Dirham (2 Euro) gekauften Kette lag der Grund auf der Hand: Qualität hat in mancher Hinsicht wohl doch einfach seinen Preis. Außerdem passte die Kette wohl gar nicht zu der Anzahl an Gängen…in Tan-Tan gab’s immerhin einen Fahrradladen. Hier gibt es bestimmt auch eine hochwertige Kette, die zum Fahrrad passt…

Die 120 Kilometer musste sich Christel nun eben mit diesem Schaltwerk durchkämpfen. Nach Losfahrt stellten sich schnell grundlegend verschiedene Geschwindigkeiten heraus: Leon und ich fuhren voraus, Lucas folgte etwas dahinter, wiederum etwas dahinter Christel, ehe Jannick aufgrund seiner Erkältung das Schlusslicht bildete.

Insgesamt kamen wir jedoch gut voran, der Wind war auf unserer Seite. Die ersten 30 Kilometer waren in etwas über einer Stunde gemacht – läuft! Der Verkehr war zudem sehr ruhig, wir hatten die Straße quasi für uns alleine. Nur hin und wieder fuhr einer von vielen hoffnungslos überladenen LKWs vorbei. Sie gaben uns beim Durchrauschen aber jedesmal noch einen Extraschub von vielleicht 2 Km/h.

Sah nach Sandsturm aus – war aber letztlich halb so wild.

Nach 30 Kilometern machte der Weg dann einmal eine große Linkskurve – damit hatten wir den Wind statt seitlich im Rücken nun leicht seitlich von vorne. Die Durchschnittsgeschwindigkeit rauschte in den Keller, auf nur noch knapp 15 Stundenkilometer. Ungünstiger Wind lässt uns wohl so schnell einfach nicht los.

Im Gegenwind.

Wir beschlossen daher, bei der ersten Tankstelle nach knapp 45 Kilometern Mittagspause zu machen. Insgesamt waren es seit Guelmim also ca. 60 Kilometer durchs Nirgendwo, ehe zumindest mal eine Tanke kommt – schon beeindruckende Distanzen. Der nächste kleine Ort war nochmals weitere 17 Kilometer entfernt.

Lucas, Leon und ich kamen zu dritt an. Cappuccino und eine kleine Süßigkeit waren eine wahre Wohltat nach der strapaziösen Gegenwindfahrt. Zudem wurde es mittlerweile echt warm. Natürlich wurde auch die Gelegenheit genutzt, um alle Powerbanks einmal an den Strom zu hängen. Wenn man die Sahara vornehmlich mit Wildcampen durchqueren möchte, sollte man hier keinesfalls eine Möglichkeit auslassen, Handy und Kamera sind sehr stromintensiv.

Eine halbe Stunde später kamen auch Christel und Jannick an, beide sehr gezeichnet von dem Wind. Insbesondere auch Jannick mit seiner angeschlagenen Verfassung. Lucas (endlich ein Mitfahrer, der ebenfalls Kaffee liebt!!) sowie ich tranken noch einen zweiten Kaffee, um den anderen beiden die Pause zu gönnen – natürlich auch mit dem Interesse von ein paar mehr Prozenten Strom in der Powerbank! 😉

Alsbald wurde der Weg fortgesetzt. Nächstes Ziel war das kleine Dorf 17 Kilometer entfernt, hier gibt es wohl ein paar Restaurants sowie einen Mini-Shop. Die Nachmittagshitze war nicht zu unterschätzen, der Wind kam mal abwechselnd von der Seite leicht von vorne sowie leicht von hinten, insgesamt in Ordnung und man kam gut voran.

Am frühen Nachmittag erreichten wiederum Lucas, Leon und ich den Ort und kehrten bei einem der drei Restaurants ein. Ich holte mir eine Tajine sowie einen Orangensaft. Hier bekam ich jedoch einen nicht frischen aus der Plastikflasche – das erste Mal in Marokko. Leicht enttäuscht kippte ich mir das Gesöff hinter die Binde, ehe Jannick und Christel eintrafen, um nun ebenfalls auch eine Kleinigkeit zu essen.

Der Restaurantbesitzer war sehr freundlich und bot uns eine Dusche an. Dusche – das hieß in diesem Fall einen Kübel mit Wasser füllen und sich diesen drüberschütten. Aus Gründen der Nachmittagshitze und allgemeinen Erfrischung nahm ich das Angebot an und imitierte ein paar Mal den berühmten Facebook-Trend aus dem Jahre 2014, um meinen etwas überhitzten Körper wieder runterzukühlen. Außerdem lud der Besitzer uns in großer Runde zu einem geteilten Teller Couscous ein.

Gemeinsames Foto mit dem Restaurantbesitzer, Lucas und ich (rechts) einmal abgekühlt.

Dankbar über diese Extrakalorien machten wir uns nach einem Abschlussfoto wieder auf den Weg. Lucas ließ sich noch von mir inspirieren und kippte sich ebenfalls einen Kübel Wasser über sein Haupt.

Erfrischt und gestärkt fuhren wir also weiter, wiederum eher mit Seitenwind. Stellenweise sogar mit leichtem Gegenwind. Ein kleiner Pass von knapp 100 Höhenmetern stellte sich uns nach knapp 15 weiteren Kilometern noch in den Weg. Von dort oben hatte man nochmal einen anderen Blickwinkel auf die Weite und Einsamkeit dieser Wüste – wow!

Auf Passhöhe.

Nach dem Knipsen einiger Bilder auf Passhöhe kam von Jannick die Nachricht, dass er aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung nicht mehr kann und aufhören möchte für heute. Wir warteten also neben der in den Fels eingeschnittenen Straße und futterten Datteln sowie Doppelkekse, die es hier in jedem Minimarkt gibt.

Warten an der durch den Fels eingeschnittenen Straße.

Als Christel und Jannick ca. 20 Minuten später schließlich nachkamen, nahmen wir noch die Abfahrt mit, ehe wir bei der nächsten Gelegenheit rechts von der Straße wegfahren und querfeldein nach einem Schlafplatz suchten. Ca. 400 Meter von der Straße weg entdeckten wir ein verlassenes Gemäuer, gewissermaßen eine Ruine.

In den verlassenen Wänden.

Wir begutachteten die „Räumlichkeiten“. Innen war der Boden voller Steine und wenig einladend, jedoch boten sich in den Ecken jeweils akzeptable Flächen, um ein Zelt aufzustellen. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit und mangels Alternativen nahmen wir diesen Spot. Nach 80 Kilometern war für heute also Schluss – bis Tan-Tan waren es noch knapp 35 Kilometer. Schnell waren wir uns einig: Dort wird morgen Mittagspause gemacht.

Zu später Stunde machten wir noch ein Lagerfeuer und philosophierten ein wenig über den weiteren Verlauf der Wüstendurchquerung. Schon heftig, dass man bspw. ein und derselben Straße nun bis an die mauretanische Grenze folgt – quasi die nächsten ca. 1.200 Kilometer einfach nur geradeaus fahren. Wie, als wenn man nun in Deutschland die A7 von Flensburg bis nach Füssen runterfahren möchte.

Bis zurück zum Atlantik waren es zudem noch ca. 65 Kilometer. Wir einigten uns darauf, dass wir gemeinsam baden gehen, wenn dieser erreicht ist.

Nach einem ruhigen Abend frischte dann in der Nacht der Wind deutlich auf, in der Früh wehte er stürmisch, fast hatte man Angst, dass er das Zelt wegwehen würde. Der Abbau war eine große Herausforderung.

Die gute Nachricht war, dass Jannick sich bereits deutlich besser fühlte. So begannen wir frohen Mutes die Strecke nach Tan-Tan mit Seitenwind sowie einem nochmals kleinen 50-Höhenmeter-Pass. Von hier oben konnte man in der Ferne bereits Tan-Tan als einsame Stadt inmitten der weiten Wüste erkennen. Es wirkte greifbar nahe. Unglaublich, dass es laut Komoot noch 29 Kilometer bis dahin waren…

Tan-Tan in der Ferne: 29 Kilometer Distanz.

Zuerst einmal wartete eine wahrhaft rauschhafte Abfahrt, ehe man sich unten noch einmal kurz dem Seitenwind erwehren musste. Nach einer großen Rechtskurve kam der Wind dann endlich aus der richtigen Richtung – bei leichter Steigung schwebte man trotzdem mit über 20 Stundenkilometern dahin. Bald konnte man das in Kessellage befindliche Tan-Tan erkennen. Leon und ich genossen die Abfahrt hinunter in diese Stadt, die einen wirklich interessanten Kontrast zu der kargen Landschaft rundherum bot.

Das Fahrrad in der Weite der Wüste: Ein beliebtes Fotomotiv!

Im Zentrum gab es dann auch eine Straße mit Cafés, Restaurants und kleinen Märkten. Bei Kaffee, Orangensaft und einer Tajine wurde die Mittagspause genossen.

Als die anderen auch da waren und ihre Rast eingelegt haben, ging es zu dem Fahrradladen in Tan-Tan. Christel ließ hier ihre Kette richten. Auch ich hatte ein weiteres kleines Problem ausfindig gemacht: An meinem vorderen, rechten Gepäckträger bildete sich an einem von fünf Befestigungspunkten unten eine Bruchstelle. Der Betreiber meinte, dass ich mich darum erstmal nicht weiter kümmern müsste…na ja, ich suche trotzdem mal in Noukschatt nach einem Fahrradladen, der auch die Gerätschaften für Schweißen oder Löten besitzt. Mit Kabelbindern lässt sich die Stelle ja auch erst einmal sehr gut stabilisieren.

Nachdem Lucas noch eine Ersatzkette erworben hatte und auf dem Markt ums Eck noch ein paar Snacks erworben wurden, setzten wir unseren Weg fort an die Atlantikküste – knappe 30 Kilometer.

Zuerst einmal galt es, 150 Höhenmeter wieder aus dem Kessel von Tan-Tan hochzukurbeln. Oben angekommen waren die Strapazen jedoch mehr als vergessen: Wir hatten den Wind absolut perfekt im Rücken, die verbleibenden 25 Kilometer waren in einer Dreiviertelstunde Geschwindigkeitsrausch überwinden, ehe der Ozean auch schon erreicht war.

Rückblick auf Tan-Tan.
Die Entfernungen kurz nach Tan-Tan.

Es wirkte geradezu zynisch wie simpel: Ab jetzt einfach nur 2.000 Kilometer parallel zur Küste dahinpedalieren, dann ist die Wüste überwunden und wir befinden uns bereits in Dakar, der senegalesischen Hauptstadt – darauf gab’s erst einmal ein gepflegtes Bad in den tosenden Atlantikwellen bei erfrischenden 17 Grad Wassertemperatur – auch wenn man vorher bei dem Rückenwind eh kaum geschwitzt hatte 😉

Ein gemeinsames Gruppenfoto musste hinterher noch gemacht werden, da sich unsere Zusammensetzung wiederum bereits den Ende zuneigen sollte: Leon hatte nämlich angekündigt, dass er gerne alleine weiterfahren würde, da er schneller die Wüste durchqueren möchte. Wenn er in Eile war, so konnte ich ihn durchaus verstehen – eine Gruppe ist eben immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied, daher sollte man Reisende mit höheren Ambitionen generell nicht aufhalten – vielleicht kreuzen sich ja die Wege dann im Senegal wieder!

Am Strand: Lucas, Christel, Jannick, Leon und ich (v.r.n.l.)

Zuerst einmal machten wir an diesem Tag aber noch gemeinsam weiter. Aufgrund der günstigen Windverhältnisse beschlossen wir nämlich, in die Nacht reinzuradeln.

Nach einem wunderbaren Sonnenuntergang am Atlantik-Horizont kam bei mir alsbald ein neues Problem auf: Meine Stirnlampe funktionierte nicht, die Batterien waren wohl leer. Um mein kaputtes Licht am Fahrrad habe ich mich bis jetzt nicht gekümmert. Na ja, so musste die Handytaschenlampe herhalten…

Was ein Sonnenuntergang über dem Meer.

Eisern versuchte ich an Leon dranzubleiben, der ein durchaus strammes Tempo fuhr. Nach etwas über einer Stunde Nachtfahrt waren die anderen bereits so weit hinten dran, dass Leon auf mich wartete und wir gemeinsam nach einem Übernachtungsplatz schauten. Wir fanden schließlich am Rand einer Nebenstraße eine baustellenartige Ausbuchtung, die wir dem nachkommenden Trio vorschlugen.

Diese waren jedoch wenig überzeugt. So fuhren wir nochmals fünf Kilometer weiter zu einem Biwakplatz, der in Leons Karte als legaler Wildcampingplatz eingezeichnet war. So weit die Theorie – der Platz befand sich am Rande einer kleinen Siedlung. Hier mussten wir erst einmal durch einen Polizei-Checkpoint. Leon und ich waren wiederum als erste da. Leon fragte vorsichtshalber bei den Polizisten nach, ob wir dort wirklich campen dürfen – wir wurden ohne Beschwerde durchgewunken.

Der Platz befand sich schließlich einen Kilometer weiter über eine Schotterpiste an einem anscheinend verlassenen Haus. Wir kundschafteten kurz den Ort aus, dachten uns dann aber nichts weiter und fingen mit dem Aufbau an. Nach kurzer Zeit kamen zwei Herren von einem Militärstützpunkt in der Nähe vorbei – leicht verwundert, was wir denn dort wollen.

Wir erklärten den Herrschaften die Lage. Nach einer Passkontrolle waren diese einverstanden, sie brachten uns sogar noch Wasser und Snacks vorbei. Alles schien soweit gut, ehe ein etwas säuerlich wirkender Herr vorbeikam, dem wohl das Grundstück gehörte. Mit dem Hinweis des Verbots von Wildcampen an der Küste wollte er uns wegschicken. Wir erklärten ihm, dass wir bereits eine Erlaubnis haben, dort zu übernachten und alles abgeklärt sei.

So ging der Herr mit Leon und Lucas zu dem Militärstützpunkt und schaffte es anscheinend, die verantwortlichen beiden Herren umzustimmen, dass wir doch besser gehen sollten.

Wir versuchten in unserer Verzweiflung zu argumentieren, dass es halb 10 Uhr abends sowie stockdunkel ist – wir können jetzt unmöglich wieder alles zusammenpacken und nochmal weiterfahren…

Schließlich ließ der Herr doch mit sich reden. Wir mussten jedoch gute 100 Meter zu seinem Wohnhaus umziehen, wo er uns im Blick hat. Und um Punkt 6 Uhr in der Früh müssen wir weg sein.

Wir erwiderten, dass dies schwer zu realisieren sei, weil es da noch dunkel ist und wir um 4 Uhr aufstehen müssten, um bis dahin abfahrbereit zu sein. Als Endergebnis konnten wir schließlich zumindest 8 Uhr heraushandeln und mussten froh sein, dass wir überhaupt bleiben durften. Ihm wäre es ja egal, meinte der Grundstücksbesitzer…aber laut Regel sei Wildcampen am Strand halt nunmal verboten.

Der Platz hatte zwar wenig mit Strand zutun und ich verstand nicht, warum er uns dann nicht einfach machen lässt und uns lediglich den Hinweis des Verbotes gibt, wenn es ihm doch egal sei, aber na ja…immerhin haben wir ja vorher von Polizei und Soldaten die Erlaubnis bekommen. Egal – einfach froh sein, dass wir bleiben konnten!

Es war bereits 10 Uhr abends, nach schnellem Aufbau und ein paar Snacks wurde schnell geschlafen, immerhin mussten wir spätestens um 7 Uhr mit dem Abbau beginnen.

In der Früh beim Abbau musste man feststellen, dass der Herr uns tatsächlich ums Eck die ganze Zeit beobachtete, mir war er nicht sehr geheuer, ein kompletter Kontrast zur Gastfreundschaft, die uns sonst in Marokko entgegen kam.

Hat der Platz jetzt so viel mit Strand zutun?

Um etwas nach 8 Uhr waren wir schließlich fertig, die Beschwerden des Grundstückbesitzers hielten sich jedoch immerhin in Grenzen. Damit war auch der Abschied von Leon gekommen, der nun voranpreschen wollte. Lucas überlegte bis zuletzt, mit Leon mitzukommen, schließlich war ihm der Stress bei geplanten 150 bis 200 Kilometern pro Tag jedoch zu groß und er blieb mit uns in der Gruppe. Letztendlich soll ja auch der Spaß im Vordergrund stehen, und nicht die Rekordjagd.

Nach Aufbruch war Leon schnell davongezogen, während wir nach ein paar Kilometern nochmals eine Frühstückspause einlegten, um nachzuholen, was wir in der Hektik des Abbaus in der Früh leider verschieben mussten.

Es war auch dringend nötig, denn bis zur nächsten Siedlung Akhfenir mit Möglichkeit zur Rast mussten 60 Kilometer zurückgelegt werden. Als Motivation diente mir die Aussicht eines Kaffees, auf den ich aus bekannten Gründen in der Früh ebenfalls verzichten musste.

Immer wieder kleine Atlantikbuchten auf dem Weg nach Akhfenir.

Mit leichtem seitlichem Rückenwind trat ich ordentlich in die Pedale, sodass die Kilometer schnell davonzogen. In meiner Gier nach der Kaffeepause vergaß ich sogar, dass Leon eine Felsformation kurz vor der Ortschaft recherchierte, die wohl sehr sehenswert sein soll in Form einer Klippe am Atlantik. Ich erinnerte mich daran, als ich in der Ortschaft wieder auf Leon traf, der eben jene Sightseeingpause einlegte.

Von langer Dauer war die Wiedersehensfreude jedoch nicht: Leon holte nur kurz Proviant und fuhr anschließend weiter, hatte wohl noch einiges vor an diesem Tag…dann mal vielleicht bis im Senegal und gute Reise! Ich werde es nun erstmal gemütlicher angehen und auf die anderen warten…

Ärgern wollte ich mich zudem nicht: Die Reise geht noch so lang, ich werde auf den kommenden über 13.000 Kilometern noch genügend Sehenswürdigkeiten zu Gesicht bekommen – ich sehe das ganz pragmatisch! Lieber nutzte ich nun die Zeit, wieder meine Powerbanks zu laden sowie einen (oder auch zwei) Kaffee zu genießen.

Fast 60 Kilometer strampeln für diesen Kaffee.

Bald traf auch Lucas ein und wir stärkten uns mit einem Omelett für die Weiterfahrt, während die anderen beiden Mitfahrer Tajine im Restaurant gegenüber bevorzugten.

Anschließend wurden auf dem kleinen Markt von Akhfenir noch Snacks eingekauft in Form von Obst und kleinen Süßigkeiten. Das war auch bitter Notwendig: Bis zur nächsten Stadt, Tarfaya, waren es nun gute 100 Kilometer. Zwischendrin stand nur eine kleine Tankstelle nach etwas über 60 Kilometern zur Verfügung als Versorgungspunkt.

Leider waren Mandarinen und Äpfel bereits überreif und lagen dem Aussehen nach zu urteilen bereits eine halbe Ewigkeit auf dem Markt. Liegt es eventuell schon an den langen Transportwegen und äußerst bescheidenen Anbaubedingungen hier in der Wüste? Egal, wir namen letztlich, was wir kriegten.

Vor der Weiterfahrt wurde sich noch einmal in voller Montur am Strand nebenan in den Atlantikwellen erfrischt, um der doch heftigen Nachmittagshitze ein Schnippchen zu schlagen, bevor es schließlich weiterging.

Kurz Eintauchen am Strand von Akhfenir.

Erstmal weiterhin mit schrägem Rückenwind aus Ost die Küste entlang Richtung Südwesten. Rechterhand zeigte der Atlantik seine tosende Brandung, linkerhand brach sich die endlose Weite der Sahara Bahn. Bald wurden auch erstmals Sanddünen gesichtet – in perfekten Licht der Nachmittagssonne ein beeindruckendes Spektakel!

Atlantikbrandung.
Erste Sanddünen.

Der nächste Wegpunkt hinter dem Örtchen Akhfenir war der Parc National de Khenifiss. Dieser Nationalpark umfasst die größte Lagune der marrokanischen Atlantikküste und ist Brutplatz für allerlei Vogelarten.

Diese Lagune mussten wir jedoch umfahren, sodass der Weg bald einen abrupten Schlenker Weg von der Küste machte. Zack – und auf einmal hatten wir statt seitlichem Rückenwind den seitlichen Gegenwind, die Geschwindigkeit sank von deutlich über 20 auf unter 15 Stundenkilometer, sodass wir doch häufiger eine Doppelkeks-Pause einlegten, um die Landschaft zu genießen.

Nach einigen Minuten innehalten und einer kleinen Debatte über den Schlafplatz einigten wir uns auf ein verlassenes Gebäude in knapp 20 Kilometern, welches in iOverlander gekennzeichnet war. Auch um 18 Uhr noch durchaus machbar bei einer Stunde bis Sonnenuntergang, da der Gegenwind uns ja nur noch begleiten wir bis zur erneuten Richtungsänderung der Straße zurück zur Küste.

Jannick und ich fuhren vor, während Lucas auf Christel warten wollte, die an diesem Tag sowie den Tagen davor etwas langsamer unterwegs war – ein wahrer holländischer Gentlemen eben!

Als Jannick und ich weiterfuhren, war der Gegenwind dann auch bald kein Thema mehr, die Geschwindigkeit ging wieder deutlich nach oben, ehe die letzten fünf Kilometer mit deutlich über 25 Stundenkilometern zurückgelegt wurden.

Als wir nach einer Dreiviertelstunde an dem Haus waren, merkten wir, dass dieses wohl doch nicht verlassen ist – wir trafen den Besitzer an. Ich verständigte mich mit Händen und Füßen bzw. Mimik und Gestik mit ihm, da er nur Arabisch konnte. Wir durften unsere Zelte im Innenhof des Gebäudes aufbauen. Zudem fragte er zuvorkommend, ob wir Wasser bräuchten.

Da ich sechs Liter in meinem Gepäck habe und allgemein weniger brauche als der Durchschnitt, verneinte ich. Vielleicht etwas unkollegial gegenüber den anderen Gruppenmitgliedern, andererseits wollte ich auch nicht, dass er jetzt extra Wasser für uns holt. Die nächsten Möglichkeiten waren schließlich jeweils mindestens 20 Kilometer weg, wir waren mitten in der Wüste…

Vor dem Zeltaufbau kundschaftete ich im letzten Tageslicht ein wenig die Umgebung aus. Hinter dem Gebäude zeigte sich hinter einer Böschung eine beeindruckende Dünenlandschaft im letzten Abendlicht – ein ebenfalls reizender Lagerplatz, wenn es nicht so abschüssig gewesen wäre. Zudem kommt man wohl mit dem Fahrrad sehr schlecht durch den tiefen Sand…

Dünenlandschaft im letzten Tageslicht.

Bereits in der Dunkelheit trafen dann auch Christel und Lucas ein, doch etwas später als gedacht. Christel meinte nur, dass sie keinen guten Tag hatte und ziemlich am Ende sei nach den heutigen 100 Kilometern trotz vornehmlich gutem Wind. Passiert, es wird auch wieder bessere Etappen geben und du hast es ja trotzdem durchgezogen😉

Beim Aufbau des Lagers ergab sich dann noch eine Kuriosität: Da im Innenhof ein Wassertank war, der das gleiche Liegegefühl wie ein Wasserbett bot, entschieden Christel und Jannick spontan, hierauf zu schlafen.

Als gemeinsamen Tagesabschluss kochten wir Pasta mit Gemüsesoße. Ach – was heißt wir? Aufgrund meiner Talentfreiheit half ich im Zweifel natürlich gerne, ließ den Feinschmeckern innerhalb der Gruppe jedoch gerne den Vortritt.

Nach der ausgiebigen Mahlzeit legten wir uns schlafen inmitten des Innenhofes des Gebäudes im Nirgendwo mitten in der Sahara, wohlwissend: Jetzt hat das Abenteuer wirklich begonnen.

Das Lager.

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