Abenteuer Westsahara

Ein Innenhof mit zwei Meter hohen Mauern ringsrum – da denkt man erstmal an Windschutz. Auch wir bauten in der Erwartung einer ruhigen Nacht unsere Zelte auf und legten uns entspannt schlafen. Eine krasse Fehleinschätzung.

Gegen 2 Uhr nachts ging es los: Ein wahrer Wüstensturm zog auf, die Mauern boten zudem äußerst begrenzten Schutz. Aufgrund der Bodenbeschaffenheit konnte das Zelt nicht mit Heringen befestigt werden. Aufgrund meiner immerhin noch recht soliden knapp 70 Kilogramm inklusive Zubehör im Zelt war die Gefahr des Wegwehens vom Zelt zwar nicht gegeben, dennoch war die zweite Nachthälfte äußerst turbulent. Ja, immer wieder wachte ich trotz Ohrenstöpseln auf, weil es wirklich ordentlich rumpelte.

Etwas übernächtigt wachte ich in der Früh auf. Die erste Maßnahme war der Abbau des Zeltes, da ich dieses eh nicht verlassen konnte, ohne dass es im Begriff war, wegzufliegen. Christel war gottseidank schon wach und half mir dabei, das Zelt festzuhalten, als ich die Stangen rauszog. Es fielen einem fast ein paar Steine vom Herzen, als das Zelt endlich sicher verpackt war.

Der Hausbesitzer war auch bereits in der Früh da. Er lud uns zu einem Tee bei sich in der Stube ein. Außerdem durften wir unser Frühstück drinnen genießen, um wenigstens hierbei Ruhe vor dem Wind zu haben.

Da Kaffeekochen bei dem Wind eh nicht drin war, machte ich mich dann auch sehr schnell abfahrbereit, um die nächste Tanke in genau 23 Kilometern anzupeilen – der sehnsüchtig erwartete Kaffee als Motivation.

Der Sturm hatte zudem einen Vorteil: Er kam perfekt aus der richtigen Richtung, nämlich Osten, während der Weg wieder nach Westen zur Küste führte. Ohne große Anstrengung konnte man sich zur Tankstelle schieben lassen. Auf dem Weg warteten zudem spektakuläre Sanddünen, die man am Abend vorher nur im letzten Tageslicht erahnen konnte. Nun waren sie hell erleuchtet.

Die Sanddünen bei Tageslicht.

Nach genau 47 Minuten waren die 23 Kilometer absolviert und die Tankstelle mitten im Nichts erreicht. Ich genoss zwei Kaffee, während ich auf die anderen wartete, die es etwas gemächlicher angehen ließen. Das bedeutete außerdem wichtigen Strom für meine Powerbank – ein sinnvoller Benefit der Warterei.

Im Shop der Tankstelle wurden nochmals Wasser und Doppelkekse nachgekauft, dann ging es nach über einer Stunde Pause weiter – noch ca. 35 Kilometer bis Tarfaya, der nächsten größeren Stadt. Übrigens auf gleicher Höhe mit den kanarischen Inseln. Fuerteventura und Lanzarote liegen nur ca. 200 Kilometer entfernt. Leider fuhr hier keine Fähre, sonst hätte man noch mit der Idee eines kurzen Abstechers liebäugeln können 😉 Die karge Landschaft erinnerte jedenfalls schon sehr an die beiden Inseln…

Der Wind drehte nun eher auf Südost, während wir nun wieder eher nach Südwesten fuhren. Die Folge war Seitenwind, der einen eher mit etwas unter 20 Stundenkilometern dahindackeln ließ. Stürmische Seitenböen sorgten zudem wieder einmal für sandsturmähnliche Verhältnisse – Skibrille und Gesichtstuch wurden hervorgeholt. In Linksschlenkern hatten wir dann sogar leicht frontalen Seitenwind – unangenehm.

Da die Wegesrichtung nach Tarfaya von Südwest mehr auf Süd drehte und somit seitlicher Gegenwind die Folge gewesen wäre, beschlossen wir, länger Pause in Tarfaya zu machen und an diesem Tage nicht mehr weit zu fahren.

Als wir Tarfaya nach weiteren zwei Stunden Fahrt erreichten, begrüßte uns eine kleine, beschauliche Hafenstadt, im Zentrum mit ein zwei kleinen Märkten für Obst und Gemüse und einigen kleineren Restaurants – sowie mehreren ATMs.

Aufgrund der doch angespannten Cash-Situation bei einigen Mitreisenden bei noch einigen 100 Kilometern in Westsahara entschieden wir uns nochmals für eine große Abhebung für alle, um uns Gebühren zu sparen. Schulden abrechnen kann man ja dann eh mit Paypal und Co.

Nach einer nachmittäglichen Tajine- und Orangensaftpause sowie einem kurzen Einkaufsbummel am Markt für Obst und Gemüse fuhren wir weiter zum etwas außerhalb liegenden Strand von Tarfaya. Eine perfekte Erfrischung am späten Nachmittag, da es doch wieder sehr warm wurde im Laufe des Tages.

Erfrischen am Strand von Tarfaya.

Anschließend schauten wir auf die Uhr: Es war bereits fast 18 Uhr, in einer Stunde wird es dunkel. Der Wind war zwar nun besser, doch auch auf Christels Wunsch mieden wir nun Fahrten in der Dunkelheit. Ein Blick auf iOverlander zeigte eine Tanke in 10 Kilometern Entfernung – hier kann man ja dann fragen, ob man das Zelt aufstellen kann.

Alle waren mit diesem Plan soweit einverstanden, sodass wir es an diesem Tag schließlich bei knapp 70 Kilometern beließen. Die Tankstellenbesitzer waren äußerst nett, wiesen uns wie selbstverständlich einen Platz für die Zelte am Rande des Geländes und stellten sogar einen Aufpasser ab, der dafür sorgen sollte, dass uns in der Nacht weder etwas passiert noch etwas gestohlen wird.

Der Komplex hatte zudem echt alles: Einen Shop für Lebensmittel, ein großes Restaurant sowie große Toiletten. In den Räumlichkeiten der Gaststätte war ein großer Fernseher installiert, wo – wie sollte es anders sein – natürlich Fußball lief: Borussia Dortmund gegen Bayern München!

Abendunterhaltung an der Tanke in der Wüste.

Herrlich! Ich durfte als Fan der Gastmannschaft mal wieder eine Partie in voller Intensität verfolgen, die Kellner amüsierten sich über mich und hatten definitiv ihren Spaß. Auch Jannick meinte, er hätte mich noch nie so mitfiebern sehen. Bei dem Kopfball von Goldjunge Musiala zum 1:1-Ausgleich war dann sogar ein kleiner Ausraster die Folge…

Nach dieser emotionalen Achterbahnfahrt sowie einem langen Zusammenhocken bauten wir zu später Stunde unser Lager auf, wir vier von der Tankstelle…

Die vier von der Tanke.

Der Etappenplan für den nächsten Tag war ausnahmsweise mal wieder in Stein gemeißelt: Mit Laayoune war in 90 Kilometern eine größere Stadt in Reichweite. Wir buchten hier ein Airbnb, um mal wieder ein Bett, eine Dusche und vor allem eine Waschmaschine zu haben.

Ein Blick auf die Windvorhersage zeigte zunächst bescheidene Aussichten, die jedoch im Tagesverlauf besser werden sollten – perfekt für alle Spätaufsteher aus der Gruppe. Dementsprechend wurde der Tag nach dem Aufwachen langsam angegangen, ausgiebig gefrühstückt.

Erst nach 11 Uhr war Aufbruch, der sich mit Seitenwind als äußerst mühsam erwiesen, die Geschwindigkeit schwankte zwischen 15 und 20 Stundenkilometern. Von der Tankstelle bis zur Grenze zur Westsahara waren es gute 23 Kilometer. Aber was heißt „Grenze“?! Eigentlich gehört das Gebiet ja zu Marokko, das es für sich beansprucht. Jedenfalls habe ich weder Polizisten, noch Checkpoints oder ähnliches gesichtet. Einzig Google Maps verriet mir irgendwann, dass ich jetzt wohl in Westsahara bin…

Auch hier wurde der Wind jedoch nicht besser, im Gegenteil: Aus Seiten- wurde immer mehr Gegenwind, sodass wir in der für Fußballfans etwas ulkig klingenden Ortschaft „Tah“ direkt nach der Grenze wieder eine längere Pause einlegten. Knapp 70 Kilometer waren es von hier aus noch bis zum Airbnb, doch wir wussten auch: Wenn der Wind denn mal günstig ist, dann sind diese Kilometer in 2 1/2 bis drei Stunden ohne jede Quälerei hinter sich gebracht.

Ein Ort für Fußballfans.

So ließen wir wiederum bei Tajine, Kaffee und Orangensaft die Zeit ins Lande ziehen, ehe wir um 15:30 Uhr dann doch langsam beschlossen, weiterzufahren. Um 19 Uhr wird es ja dann auch dunkel.

Da nun jeder sein eigenes Tempo fuhr, zog sich die Gruppe schnell wie eine Zieharmonika auseinander, ich fuhr voraus. Der Wind war immer noch nicht perfekt, man konnte fast fluchen. Erst um halb 5 Uhr schließlich wurde es besser, der Wind drehte immer mehr.

Ewig immer nur geradeaus durch die weite Wüste.

Das war auch dringend notwendig, schließlich mussten noch einige Kilometer überwunden werden. Im Gegensatz zu den anderen verlor ich an einem ersten Polizei-Checkpoint auf halber Strecke keine Zeit, wurde durchgewunken. Mit fortschreitender Tageszeit war die Hitze zudem aushaltbar, was der Geschwindigkeit noch weiter zugute kam – die Kilometer purzelten am späten Nachmittag bei motivierender Schlagermusik nur so dahin.

Unmittelbar vor Laayoune wurde ein weiteres Schild mit Distanzen zu allen größeren Städten in nächster Zeit gesichtet – für mich ja immer extrem motivierend, wenn ich sehe, wie viele Kilometer seit dem letzten Schild schon wieder gefahren wurden.

Der neue Kilometerstand.

Direkt dahinter am Eingang von Laayoune erwischte mich dann jedoch auch die erste Polizeikontrolle. Da es bereits halb 7 war, wollten die Beamten neben der Sichtung meines Reisepasses wissen, wo ich schlafe, sodass ich ihnen die Buchung des AirBnbs zeigte. Es war letztendlich jedoch unkompliziert und nach besten Wünschen einer guten Reise durfte ich weiterradeln und die letzten fünf Kilometer zum Airbnb hinter mich bringen.

Als dann ein bis zwei Kilometer später im Laayoune begann, konnte ich meinen Augen bei den Eindrücken im Sonnenuntergang kaum trauen: Direkt an einem Fluss gelegen zeigen sich hier viele Palmen und allgemein saftiges Grün – ein kompletter Kontrast zur umliegenden Wüste! Außerdem ist die Stadt auch durchaus hügelig – die ersten Höhenmeter seit langem, man hat es sich ja schon mehr oder weniger abgewöhnt!

Im letzten Tageslicht erreichte ich das Airbnb nach 94 Kilometern, der Vermieter half mir beim Verladen von Taschen und Fahrrad in den dritten Stock, sodass die Logistik nach 10 Minuten erledigt war und ich eine heiß ersehnte Dusche – abgesehen von Meerwasser die erste seit einer Woche – nehmen konnte, ehe die anderen eintrudelten.

Gemeinsam packte jeder beim Verladen der Räder und des Gepäcks an, ehe wir einen Abstecher auf den Souk von Laayoune machten – der erste richtige seit Guelmim. Tonnenweise Gemüse und Pasta wurden gekauft, um ein Abendmahl für vier hungrige Fahrradfahrer zu zaubern. Was heißt Abendmahl?! Bis wir mit allem fertig waren, zeigte die Uhr 0:30 an – schnell ein paar Stunden Bettkomfort genießen, dann geht es auch schon weiter!

Jannick dachte immerhin noch daran, seine Wäsche zu waschen. Wir mussten aufgrund der engen Taktung leider passen…

Zumindest wurde nach dem nachmittäglichen Kraftakt und der späten Kocheinlage am nächsten Morgen die Zeit bis zum Check-out um 12 Uhr voll ausgenutzt. Ausgiebig wurde auf der Dachterrasse das Frühstück mit Blick auf den Kontrast zwischen Grün und Sanddünen am Stadtrand genossen.

Laayoune am Morgen.

Schließlich wollten die anderen noch eine kleine Fahrt durch Laayoune unternehmen, da sie ja erst im Dunkeln angekommen sind. Da ich im Sonnenuntergang bei Durchfahrt bereits einen meiner Meinung nach ausreichenden Eindruck von der Wüstenstadt hatte, machte ich mich direkt auf den Weg in den Küstenort Marsa Beach knapp 25 Kilometer entfernt – nach Laayoune ging es nämlich etwas landinwärts. Zudem wollte ich den Rückenwind aus Ost mitnehmen, ehe dieser später bei Ankunft an der Küste wieder aus Nordost wehen die Fahrt nach Südwesten erleichtern sollte – perfekte Voraussetzungen!

Das grüne Laayoune als perfekter Gegensatz zur kargen Wüste.

Nach dem Kauf von Snacks erblickte ich am Straßenrand ein Schild, das vor Sand auf der Straße warnte. Direkt hinter Laayoune erkannte ich den Grund: Mächtige Sandwehen in Form von Dünen türmten sich direkt neben der Straße auf! Vergesst Schneewehen, Sand ist nochmal imposanter!

Verkehrsbehinderungen der anderen Art.

Diese stellten jedoch keine Behinderung dar, mit 30 Stundenkilometern war man in Nullkommanichts wieder an der Küste. Am Polizei-Checkpoint vor dem Ort wurde ich ohne Kontrolle durchgewunken – ich sehe halt auch einfach so vertrauenserweckend aus 😉

Eigentlich wollte ich die Wartezeit auf die anderen zu einem kleinen Bad im Meer nutzen, jedoch war der gesamte Strand aufgrund von Hafengebiet abgesperrt. Na ja, dann halt nicht…

Stattdessen steuerte ich ein Café an, um auf die anderen zu warten bei einem Cappuccino. Weiterfahren hätte eh noch keinen Sinn gemacht, der Wind hat noch nicht gedreht und ekliger Seitenwind hätte wohl auch nichts gebracht – also noch abwarten!

Nach 1,5 Stunden Zeit totschlagen entschieden wir uns nach dem Einkauf von letzten Snacks schließlich, weiterzufahren. Der Wind hat noch nicht komplett gedreht, war jedoch schon deutlich besser. Schnell die neue Folge Copa TS vom Wochenende auf die Ohren und dann ab dafür – 3,5 Stunden bis Sonnenuntergang strampeln! Bis zur nächsten Versorgungsmöglichkeit in Form einer Tanke waren es nun 85 Kilometer…

Schnell separierte sich die Gruppe auf die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Jannick und ich gaben Gas, während Christel und Lucas hinterherfuhren. Immer mal wieder gab ein Blick auf die Küste oder sogar ein kleiner Küstenort in der Ferne Abwechslung, zudem ließ die ein oder andere Sanddüne die Herzen höher schlagen. Ansonsten schlängelte sich der Weg Kilometer um Kilometer durch größtenteils Steinwüste.

Die ein oder andere Düne ließ die Herzen höher schlagen.

Mit dem immer besser werdenden Wind waren wir schließlich um 18:30 Uhr bei fast 95 Kilometern – da Christel und Lucas jedoch noch aufholen mussten, gingen Jannick und ich nun zur Platzsuche über. Relativ schnell tat sich bei einem Streckenabschnitt nahe an der Küste eine Möglichkeit auf, hinter einer Klippe auf einer Art sandigen Hochebene über dem Meer zu schlafen.

Nicht nur die Aussicht war ein Argument für diesen Platz: Hier war man zudem versteckt von der Hauptstraße und außerdem bot die Klippe einen gewissen Windschutz. Beim Auskundschaften entdeckte Jannick zudem einen kleinen Einschnitt direkt im Fels, der gewissermaßen als eine Art Höhle durchgehen kann. Hier war es komplett windstill und die Wärme konnte sich unter dem Fels wunderbar halten, wodurch sich Jannick gegen den Zeltaufbau entschied und sich dort einfach hinlegte.

Logenplatz zum Zelten.

Für mich war es zu spät, eine Ecke weiter habe ich mein Zelt in einer Ausbuchtung der Klippe bereits aufgebaut. Zwar nicht komplett eben, aber windgeschützt und auf weichem Sand. Als die anderen später kamen, gesellten diese sich ebenfalls zu Jannick, weshalb ich mit meinem Zelt diesmal gewissermaßen der „Outsider“ war.

Jannicks Schlafplatz.

Die Nacht verlief jedoch ohne Zwischenfälle und sehr erholsam. Da es nun bis zur nächsten Versorgungsmöglichkeit in Form einer Tanke nur 15 Kilometer waren, beeilte ich mich in der Früh in Vorfreude auf einen Morgenkaffee. Es sind eben die kleinen Dinge, die einen antreiben😉

Am Abend vorher war ich ausnahmsweise fleißig und habe meine „Overnight Oats“ bereits vorbereitet, damit ich ohne Zeitverzögerung frühstücken konnte – hin und wieder kommt man zumindest noch an frische Haferflocken.

Morgenstimmung am Zeltplatz.

Die Tanke war zudem der letzte Versorgungspunkt, bevor 75 Kilometer bis zur nächsten Stadt, Boujdour, warteten. Zwischen Marsa Beach und Boujdour gab es auf den 160 Kilometern also insgesamt nur diese eine Tanke als Versorgungsmöglichkeit – für einen verwöhnten Mitteleuropäer unglaubliche Distanzen ohne entsprechende Infrastruktur.

Ich gönnte mir daher neben zwei Cappuccinos noch eine Tajine als vollverwertige Mahlzeit, ehe nach Einkauf der berüchtigten Doppelkekse als Snack für unterwegs die 75 Kilometrt bis zur nächsten Stadt angegangen wurden.

Der Wind war jedoch auf unserer Seite – perfekter Rückenwind schob einen geradezu an. Nach etwas mehr als 2 1/2 Stunden Fahrt waren die 75 Kilometer bereits absolviert – mit der Belohnung von zwei frischen Orangensäften im Zentrum von Boujdour.

Am Eingang zur Stadt gab es wie hier üblich wieder einen Polizei-Checkpoint. Auf die Frage, wo ich nächste Nacht beabsichtige zu schlafen, musste ich natürlich Boujdour sagen – wohl wissend, dass bei den Windverhältnissen hier noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Nachdem wir als Gruppe mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten uns wieder in Boujdour zusammengefunden haben und Pause gemacht haben, bevorzugte ich es, schonmal vorzufahren und einen Wildcampingspot zu suchen.

Die ernährungsbewussten Mitstreiter wollten einen Umweg über den Souk von Boujdour fahren, um Obst und Gemüse zu holen. Ich begnügte mich in meiner Faulheit mit Wasser, Mandeln und natürlich Doppelkeksen als Abendessen und Snacks, bevor ich weiterfuhr. Es war halb 6, um 19 Uhr ging die Sonne unter.

Daher beschloss ich, einfach noch eine Stunde zu fahren und dann die Augen offen zu halten, ehe die anderen kommen. Auch beim Verlassen der Stadt Boujdour stand eine Polizeikontrolle an. Der freundliche Herr fragte trotz der fortgeschrittenen Tageszeit jedoch nur nach dem Ziel meiner Fahrradreise und ließ mich überraschenderweise dann einfach passieren.

So ließ ich mich im Abendlicht noch schön eine Stunde und 30 Kilometer vom Wind schieben, ehe ich links der Straße vor einem Hügel eine Art Senke fand. Hier war es immer noch sehr stark windig, aber gefühlt etwas weniger als oben. Nach 120 Kilometern und viel Rückenwind am Nachmittag war hier also der Endpunkt der Tour. Im goldenen Abendlicht der Wüste baute ich bei strammen Wind mein Zelt auf. Ich verstehe nicht, wie ich es alleine schaffen konnte, aber durch sofortiges Legen der Fahrradtaschen in die Ecken des Zeltinneren sowie anschließendes Beschweren der Heringe im Sand stand das Ding irgendwie stabil – wenngleich es immer noch laut im Sturm flatterte.

Abendstimmung in der Steinwüste.
Blick auf die „Campingsenke“

Wenig später trudelte der Rest ein – hier wurde dann tatkräftig geholfen und Zelte festgehalten, die sonst wohl vom Winde der Sahara verweht worden wären. Beim Verstauen von Proviant wurde zudem stets Sand ins Innere der Zelte geweht, die einem wahren Sandkasten glichen.

Ein wahrer Sandkasten. Man fühlt sich wie ein kleines Kind.
Man kann den Wind fast spüren, denke ich.

Nach Aufbau kochten Christel und Lucas tatsächlich noch etwas zu Abend. Respekt – ich war zu faul und es war mir zu blöd bei den ungemütlichen Bedingungen. Mein Körper wird die Doppelkekse schon vertragen 😉

Es sah alles nach einem ruhigen Abend aus, ehe unvermittelt ein Offroad-Fahrzeug an unseren abgelegenen Spot düste, welches sich schnell als Militärauto herausstellte. In durchaus aggressiv-bestimmtem Ton begrüßten sie uns und erklärten uns, dass hier Militärzone wäre – oh nein! Müssen wir jetzt etwa gehen?!?!

Als die Soldaten merkten, dass wir ganz normale Touristen sind, mäßigte sich der Ton jedoch merklich und wir durften gottseidank bleiben. Das Militär ist wohl in dieser Gegend stets auf der Suche nach illegalen Flüchtlingen aus Mauretanien, welche man zurück in die Heimat schicken möchte.

Mauretanien – das zeigte, dass wir bereits tief in der Wüste sind und auch dieses Land nicht mehr weit weg ist. Wind und Sand sowie diese unendliche Weite zwischen den Etappenzielen in Form von Versorgungsmöglichkeiten taten ihr Übriges für eine abenteuerliche Erfahrung in der größten Wüste der Welt…

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