Mit liquiden Mitteln, Lebensmitteln und Wasser verließen wir unseren sicheren Übernachtungsplatz an der Polizeistation von Chami wieder. Wir wussten: Heute ist der Wind günstig, der letzte Tag mit gutem Wind – heute müssen Kilometer gemacht werden! Wir sahen auf der Karte einen guten Übernachtungsplatz in Bungalows direkt am Meer, am „Bungalow Beach“ – 150 Kilometer von hier, und so ein Bad im Atlantik hätte schon mal wieder was…mal schauen, vielleicht schaffen wir das ja heute!

Voller Motivation starteten wir nach Einkauf von letzten zusätzlichen Snacks entlang der Sandpiste von Chami wieder unsere Tour. Der Anfang war jedoch schwer: Die Straße machte nochmal einen Schlenker nach Osten, wodurch Seiten- bis Gegenwind die Folge war. Die Landschaft voller prächtiger Farben und Sanddünen war jedoch beeindruckend – genau so stellt man sich die Wüste vor!

Wüste pur.

Bei so manchen Polizei-Checkpoints verloren wir etwas Zeit, da die Beamten nach einem „Fiche“ verlangten, einer Fotokopie vom Reisepass. Ich hatte jedoch keine zur Hand, sodass die Beamten meine Daten händisch abschrieben. Warum sie nicht einfach ein Foto machten, erschloss sich mir nicht, aber egal.

Traurig war, als Lucas an einem Checkpoint nach einer Entsorgungsmöglichkeit für seinen Snackmüll fragte. Der Beamte antwortete: „Oui, tu peux le mettre dans le sable ici.“ Sinngemäß: „Du kannst es hier in den Sand werfen.“ Er sagte das in einer wirklich schockierenden Selbstverständlichkeit, wo es einem als Mitteleuropäer kalt den Rücken runterlief. Allgemein war die Wüste trotz der Schönheit total vermüllt, den Einheimischen ist es leider gar nicht bewusst, wie sehr das die Umwelt belastet – es ist einfach normal, so zu verfahren. Selbst Polizisten schmeißen ihren Müll einfach aus dem Autofenster.

Wir mussten diese Gepflogenheiten erstmal akzeptieren und fuhren weiter. Meine Kette machte immer wieder unangenehme Geräusche, als ob sie nicht mehr 100-prozentig zum Ritzel passt.

Als wir bei einem kleinen Familienmarkt – wiederum im Nirgendwo – Pause mit Tee machten, überlegte ich, meine Kette zu wechseln. Aufgrund der unbarmherzigen Hitzesonne entschied ich mich jedoch dagegen.

Bei der Weiterfahrt wurde das Geräusch jedoch immer lauter, sodass ich bei einer Nachmittagspause entschied, „schnell“ meine Kette zu wechseln.

Dies erwies sich jedoch als äußerst zeitaufwendig. Erst sah ich, dass ich den Kettennieter meines Multitools verlegt habe, er war irgendwo in meinem Gepäck. Mit Lucas‘ Kettennieter, der wohl nicht die beste Qualität hatte, ließ sich die Kette nicht öffnen. Immerhin hatte er noch einen zweiten, mit welchem die Kette schließlich in wenigen Sekunden geöffnet war.

Nach Abzählen der Kettenglieder und dem Durchfädeln, welches sich als äußerst mühsam erwies, musste das Kettenschloss geschlossen werden. Eine große Herausforderung, wenn ringsherum alles sandig ist und der Wind immer wieder Sandkörner an die Kette bläst. Der Zwischenraum bei den Kettengliedern sollte jedoch komplett frei sein, um das Kettenschloss einzusetzen. So brauchte es mehrere Reinigungen und letztendlich fünf Versuche, bis das Kettenschloss schließlich festsaß. Learning: Große Werkeleien wie den Kettenwechsel nur an „Restdays“ machen und vor allem in einer anderen Umgebung als Sandwüste!

Nach dem halben Nervenzusammenbruch war es bereits 17 Uhr, es war nur noch etwas über eine Stunde hell. Wir schauten auf die Karte von iOverlander (auch ohne Internet zuverlässig): In 17 Kilometern sollte eine Tanke mit Markt kommen. Wir peilten diese an und fuhren durch etwas hügelige Landschaft inmitten von in der Abendsonne leuchtenden Sanddünen bei nun angenehmeren Temperaturen dahin. Der Wind war kaum mehr spürbar, die Stimmung insgesamt perfekt. Nur die Kette machte weiter keine gesunden Geräusche – da muss ich mal reinigen und dann eventuell nochmal genauer schauen…

Im Abendlicht der Dünen zur Tanke.

Im letzten Tageslicht unter leuchtenden Sanddünen erreichten wir die Müllhalde namens Tankstelle. Kein schöner Anblick – dennoch ein sicherer Ort zum Schlafen. Wir fragten bei den Betreibern nach wegen einer Übernachtungsmöglichkeit. Selbstverständlich durften wir unser Zelt inmitten des Mülls aufbauen, für 100 MRU (2,50 Euro pro Person) durften wir auch in einem äußerst kleinen Raum dort schlafen.

Das übliche Chaos.

Aufgrund des Wüstenwindes entschieden wir uns für die kleine Investition und breiteten unser Lager in der kleinen Barake aus. Hier hatte ich gar keinen Empfang, sodass dieser Abend das erste Mal so richtig einem „digital detox“ entsprach. Einprägsam war außerhalb des Handys vor allem, wie sich um 19 Uhr nach Sonnenuntergang eine große Gruppe an der Straße zum lautstarken Beten traf, ehe sie in einen Urlaub nach Marokko aufbrachen. Einer aus der Gruppe, ein einheimischer Mauretanier, konnte sehr gutes Englisch, sodass wir einen netten Smalltalk führten – eine der nettesten Begegnungen bisher auf dieser Reise.

In Erinnerung blieb zudem, als Lucas nach einer Toilette fragte, und der Betreiber der Tanke antwortete: „Le sable est notre toilette.“ Sinngemäß: „Der Sand ist unsere Toilette.“ Aber liegt natürlich nahe, hier gab es eben keine Wasserversorgung und hier mitten in der Wüste ist eben auch keine adäquate Wasserquelle in der Nähe bzw. der Bau von Infrastruktur lohnt sich wahrscheinlich auch nicht wegen einer Tankstelle auf weiter Flur…das Trinkwasser wird hier ja auch lediglich mit LKWs angeliefert…

Im Laden gab es immerhin Erbsen und Mais aus der Konserve, die wir wiederum unserem Reis hinzufügten – damit war unser Abendessen fertig, immerhin ein paar Vitamine!

Gespannt blickten wir dem nächsten Tag entgegen – der Wind sollte ja ab dem Vormittag drehen und uns dem unangenehmen Gegenwind aussetzen. Mal schauen…der Bungalow Beach war ca. 60 Kilometer entfernt…das sollte ja eventuell auch bei schlechtem Wind irgendwie funktionieren.

Aufgrund der guten Windverhältnisse vor 12 Uhr wollten wir früh loskommen. Hieraus wurde jedoch leider nichts, denn aufgrund der Kettengeräusche kontrollierte ich noch einmal mein Fahrrad – und tatsächlich: Die Kette war in der Hektik am Umwerfer falsch eingefädelt worden, schliff dadurch am Rahmen. Da half leider alles nichts: Kette wieder öffnen, richtig einfädeln und wieder schließen. Für 17 Kilometer gestern mag das vielleicht gut gegangen sein, gesund ist aber definitiv was anderes…

Durch diesen notwendigen Eingriff verloren wir wichtige Zeit, nach Einkauf von Trinkjoghurt und Co. sowie dem notwendigen Frühstück aufgrund wiederum keiner einzigen Versorgungsmöglichkeit auf den kommenden ca. 45 Kilometern bis zum nächsten Dorf war es doch halb 11, bis wir schließlich im Sattel saßen.

Der Wind hatte bereits von Nordost auf Ost gedreht, wir hatten aber aufgrund der Fahrtrichtung nach Südwest immer noch keinen wirklich schlechten Wind, er kam sogar leicht schräg von hinten. Auf die Geschwindigkeit drückte jedoch die weiterhin doch recht hügelige Landschaft mit sogar einigen größeren Hügeln. Für mich gab es der tollen Wüstenlandschaft im Gegenzug aber noch einmal das gewisse Extra. In einem Linksschlenker der Straße merkten wir jedoch bereits, wie erschöpfend das sein wird, wenn der Weg erstens von Südwest auf Kurs komplett Süd dreht, und zweitens der Wind von Ost auf Südost drehen wird.

Die Wüste bleibt farbenprächtig.

Nach etwas über 30 Kilometern machten die Straße nochmal einen markanten Linksschlenker, der uns für drei bis fünf Kilometer mit 13 Stundenkilometern schleichen ließ. Da anschließend der Wind komplett auf Südost gedreht hatte, hatten wir auch auch im Anschluss nun Seitenwind.

Mit der Kulisse ist Gegenwind aushaltbar.

Etwas erschöpft erreichten wir das Dorf nach 45 Kilometern, wo wir aber sogleich an einem kleinen Verkaufsstand von Einheimischen zum gemeinsamen Reisessen eingeladen wurden – mit den Händen! Wir akzeptierten diese Netiquette nach Reinigung der Hände mit hochgezogener Augenbraue – man muss sich eben an die Kultur adaptieren. Die zuvorkommenden Bewohner gaben uns zudem zwei Flaschen Wasser.

Da auch hier der Empfang kaum für eine WhatsApp ausreichte, fragten wir nach der Freigabe eines mobilen Hotspots für uns, um kurz Internet zu haben. Leider wurden wir missverstanden und die Leute wollten uns eine SIM-Karte verkaufen, wodurch wir es frustriert aufgaben. Wer braucht auch schon Internet?!

Nach langer Pause motivierten wir uns, weiterzufahren – wohlwissend, dass der Weg nun statt nach Südwesten eher weiter nach Süden geht und wir erste Erfahrungen mit dem Gegenwind machen werden. Vorher musste jedoch nochmals einer der geliebten Trinkjoghurte eingekauft werden als Snack für die Weiterfahrt 😉 Und natürlich Wasser, es war wahrlich wieder wüstisch…die Hitze steigert sich hier zunehmend.

Waren die erwachsenen Bewohner dieses Wüstendorfes äußerst warmherzig und zuvorkommend, kann ich dies leider von den Kindern nur bedingt behaupten. Als wir unsere Fshrt durch den Ort fortsetzten, sprangen diese auf die Straße und versuchten, uns aufzuhalten bzw. sich uns in den Weg zu stellen. Hierbei schrien sie laut „CADEAU! CADEAU!“, auf Deutsch „GESCHENK! GESCHENK!“. „Malheureusement, je n’ai pas de cadeau“, antwortete ich („Leider habe ich kein Geschenk“), als ich dann einmal angehalten habe. Daraufhin schauten mich zwei Mädchen sehr böse an, weshalb ich schließlich die Faxen dicke hatte und im Gegenzug fragte: „Mais…est-ce que vous avez un cadeau pour moi?“ („Aber habt ihr denn ein Geschenk für mich?“). Die Blicke hierauf waren durchaus überrascht, ehe einige auf mich zurannten und versuchten, nach den Seitentaschen meines Gepäcks zu greifen – woraufhin ich mich dann doch schnell vom Acker machte.

Klar, ich verstehe, dass diese Kinder in ihrem Leben wohl auf ewig in diesem Dorf mitten in der Wüste gefangen sein werden, nie das Privileg einer Reise wie meiner genießen werden und auch sonst kaum adäquate Bildung oder sonstiges genießen werden. Natürlich ist mir auch klar, dass dieses Verhalten wahrscheinlich daraus resultiert, dass öfters Touristen durch dieses Dorf fahren, die großzügiger sind und häufig eine Gabe hinterlassen. Aber wenn ich nichts zum Schenken habe, dann habe ich nunmal nichts zum Schenken – auch wenn Weihnachten vor der Tür steht, so leid es mir auch tut und so gerne ich etwas gegeben hätte. Als Fahrradreisender bin ich eh schon minimalistisch unterwegs, alles was ich bei mir trage, brauche ich auch. Und selbst wenn ich etwas gehabt hätte, wäre ich wohl trotzdem weitergefahren, denn erstens möchte ich ein solches doch forderndes Verhalten nicht auch noch unterstützen.

Um das auch richtig einordnen zu können für alle Lesenden: Das ganze Dorf rennt nach einem. Wenn man jemandem eine Gabe macht, dann kommt man aus der Nummer wirklich sehr schwer wieder heraus. So böse es klingt – man muss leider „nein“ sagen…

Zurück zum Radfahren: Der Gegenwind wurde anschließend auch deutlich spürbar, doch die 15 Kilometer bis zu den Bungalows kämpften wir uns noch durch. Wir hofften stark, dass eine fahrbare Piste zum Strand führt. Letztlich bogen wir, als wir in einigen hundert Metern die Bungalows rechterhand am Strand sahen, bei einem der vielen Abzweige ab und hofften einfach. Am Ende mussten wir jedoch trotzdem viel Schieben, was einem wahren Oberkörperworkout bei tropischen Temperaturen gleichkam. Ärgerlich, weil ein paar hundert Meter weiter eine komplett gespurte Fahrbahn zum Strand geführt hätte…

Egal, nach langer Suche trafen wir Mitarbeiter der Anlage an. Die Bungalows waren im Renovierungsprozess, hatten weder Strom noch Wasser. Als wir nach dem Preis fragten, kam die Antwort „mille“. 1.000/40=25. 25 Euro für einen Bungalow ohne Strom und Wasser bzw jegliche Möblierung?! „C’est trop cher!“ Anschließend merkte man jedoch, dass der Gegenüber doch an unserem Geld interessiert war und senkte das Angebot. Wir schlugen schließlich 400 MRU als Schmerzensgrenze vor, womit der Betreiber dankend einverstanden war – immerhin noch 10 Euro für quasi keine Strom-, Wasser- oder Reinigungskosten.

Klar, die Lage war direkt am Strand. Dennoch hätten wir bei den Voraussetzungen noch deutlich weiter runterhandeln können. Schließlich gönnten wir den Einhimischen jedoch auch das Geld, was diesen eine große Freude bereitet in dem doch armen Land. Und ganz ehrlich: Was sind für unser einer schon fünf Euro?! Gibt man für jeden Sch*** hin und wieder einmal mal so aus…

Zwar hatten wir keinen Strom bzw. Wasser, das Internet war äußerst schwach, dennoch hätten wir glücklicher kaum sein können – ab ins Meer und die dringend benötigte Erfrischung abholen – das ist unsere vorläufige Dusche! Es sind nunmal auf dieser Reise die kleinen Dinge, die zählen und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern!

Glücklich am Wasser – Reinigung für die Radelhose😉

Wir überlegten zwischenzeitlich sogar, einfach hier am Strand einen Pausentag einzulegen, doch das hatte einen Haken: Unsere Vorräte waren mal wieder arg gestutzt, und der nächste Versorgungspunkt war fünf Kilometer entfernt.

Nicht mal für eine adäquate Abendmahlzeit hätte es gereicht, wenn nicht die doch äußerst lieben Hosts uns Hähnchenspieße, Zwiebeln und Eier für umme gegeben hätten. Bei solchen Geschenken zahlten wir gerne die 5 Euro pro Person. So gab’s einfaches Zwiebelomelette am Abend.

Äußerst nette Hosts.
War so zumindest ganz nett.

Kurz profitierte ich sogar von Internet, da ich von den Hosts zahlreiche Bilder am Strand schoss, als diese meine Reisekamera erblickten. Zum Versenden brauchte ich natürlich selbiges. Nebenbei weiß ich nun auch, wie man die Freigabe von WLAN über Handy-Hotspot hier nennt: „Partager l’internet“. In Zukunft sollte es also keine Missverständnisse mehr geben…

Ein perfekter Abend, wenn sich nicht das Einschlafen schwierig gestaltet hätte…es kühlte hier nicht mal abends richtig ab, man fühlte sich wie in einer Sauna.

In der Früh war es jedoch dann halbwegs erträglich, um sich mit dem Morgenschwimmen im Atlantik den Frischekick für die anstehende Gegenwindfahrt zu holen – super Morgenstimmung inklusive!

Morgenstimmung am Bungalow-Beach.
Ein ganz normaler Morgen hier.

95 Kilometer waren es noch bis zur erlösende Hauptstadt Nouakchott, zurück zu Zivilisation: Bett, Strom, Internet, unbegrenzte Essensmöglichkeiten, Wäschewaschen. Lucas merkte man die Strapazen der letzten Tage an: Er kam kaum in die Gänge, wirkte wie ausgelaugt. Der erste Pausentag nach fast drei Wochen war auf jeden Fall überfällig…

Frischekick für die letzten Kilometer in die Hauptstadt.

Der Plan war, so viele Kilometer wie möglich wegzumachen trotz Gegenwind – diese Kilometer müssen wir dann schließlich morgen nicht mehr fahren. Kurz wurde vor Fahrtantritt iOverlander gecheckt: In vier Kilometern gibt’s einen Minimarkt, anschließend dann wieder in 52 Kilometern, also etwas über 45 Kilometer mussten zwischen den beiden Punkten überstanden werden. Im Optimalfall ringen wir dem Gegenwind so viele Kilometer ab, dass wir es zum zweiten Markt schaffen.

Der Start bis zum ersten zeigte jedoch schon, dass es nicht einfach wird. Für bessere Laune auf der anschließenden, fordernden Strecke holte ich mir Smiley-Cookies – alles nur Psychologie 😉

Positive Vibes im Gegenwind.

Da Lucas noch etwas länger am Markt Pause machen wollte und ich nun loslegen wollte, fuhr ich vor – mit meiner eigenen Strategie bei Gegenwind: Immer nur in 5-Kilometer-Schritten denken! Fünf Kilometer durchziehen, dann fünf bis zehn Minuten Pause mit Essen und Trinken, dann voller Fokus auf die nächsten 5 Kilometer. Niemals daran denken, dass man 50 Kilometer diesem Gegenwind ausgesetzt ist, immer nur nur auf die nächsten fünf Kilometer fokussieren – es ist alles Psychologie und Kopfsache! Für mich jedenfalls hat diese Strategie super funktioniert, dem Gegenwind langsam aber sicher die Kilometer abzuringen. Die Landschaft lenkte einen außerdem wenig ab von diesem Fokus – sie war diesmal eher flach und öde, ohne Highlights.

Etwas vor dem angepeilten Ziel kam jedoch nach ca. 46 Kilometern ein Minimarkt mit ein paar Häusern, der in iOverlander nicht eingezeichnet war. Hier traf ich auch auf einen Franzosen im Campervan, der mir Wasser und Mandarinen zur Verfügung stellte. Der Betreiber des Minimarktes bot kostenlos den Ruheraum hinter dem Kiosk zum Übernachten an. Zudem lud er mich zum gemeinsamen Reisessen ein – wiederum mit den Händen – Reis ist Lifestyle hier in der Wüste. Genauso wie Trinkjoghurt und Marmeladenbrot 😉

Als Lucas schließlich auch eintraf, war dieser selbstverständlich auch einverstanden mit dem Feierabend an diesem Markt – fix und fertig legte dieser sich erstmal schlafen in dem Ruheraum.

Mohammed, der Betreiber, bot uns anschließend auch eine Dusche – freilich in Form eines Kübels zum Drüberschütten am Wassertank. Aufgrund des heißen Wetters nahm ich der Erfrischung wegen an. Die richtige Dusche wird es dann am nächsten Tag im Hostel geben 😉

Als ich zudem nach „partager I’internet“ fragte, um das Hostel buchen zu können, zeigte er sich großzügig und gab uns den Zugang zu seinem WLAN, sodass wir den ganzen Abend über gutes Internet hatten.

Es wurde jedoch noch besser, wir wurden auch noch zum gemeinsamen Abendessen eingeladen in Form einer ordentlichen Portion Couscous mit Gemüse und Fisch – endlich mal wieder eine wirklich nahrhafte Mahlzeit!

Abendmahl.

Während dem Essen erklärte Mohammed seine Großzügigkeit: „Egal, wieviel oder wie wenig ein Mensch hat – egal ob ihr als Europäer eventuell mehr Vermögen habt als wir hier in Mauretanien – wir sind trotzdem alle Menschen aus Fleisch und Blut, haben die gleichen Füße, Beine, Arme, Knochen…und selbst wenn es keine finanziellen Schwierigkeiten sind, so habt ihr auf dieser Reise doch Herausforderungen unterschiedlicher Art zu meisten, wodurch es für mich selbstverständlich ist, euch alles zu geben, was euch nur weiterhelfen kann.“

Normalerweise stehe ich dem Wasser nicht sehr nahe, aber diese Gastfreundschaft in Verbindung mit diesen Worten hat mich doch sehr berührt – und es bekräftigt mich oftmals in dem Eindruck, dass insbesondere Menschen, die selber wenig haben, ihr letztes Hemd für einen geben würden. Sowohl die Natur, als auch die Menschen in Mauretanien – sie haben es mir mittlerweile schon mehr als angetan.

Mit den Eindrücken dieses ereignisreichen Tages legten wir uns schlafen. Noch 49 Kilometer waren es bis zum fast schon erlösenden Hostel. Der Wind sollte zwar besser sein als gestern, optimal ist aber immer noch anders. Egal – einfach durchbeißen, sind lächerliche 49 Kilometer!

Mohammed wollte uns noch Fisch mitgeben für die Fahrt. Sehr großzügig, doch zum Mitnehmen bei dem Wetter doch eher eine Schnapsidee, weshalb wir dankend ablehnten.

Natürlich – so selbstkritisch möchte ich sein – ist es durchaus doppelmoralig und für mich fast schon beschämend, dass Mohammed uns Fisch mitgeben will, während ich mich außer Stande sehe, Almosen an die Dorfkinder zu verteilen…ich hoffe man wird es mir verzeihen. Ich nahm mir fest vor, bei entsprechender Möglichkeit etwas an die Einheimischen zurückzugeben.

Nach gemeinsamem Foto mit dem lieben Mohammed machten wir uns auf in Richtung Hauptstadt. Der Seitenwind blies unangenehm, ließ einen aber mit zumindest knapp unter 20 Stundenkilometern der Hauptstadt entgegenstreben.

Der Wüste fing an, deutlich grüner zu werden – Sträucher und einzelne Bäume wurden häufiger. Ein unverkennbares Zeichen, dass es nicht mehr weit ist bis zum Ende selbiger!

Pausenmöglichkeiten boten nun die wieder häufiger werdenden Polizei-Checkpoints, stolze sechs Stück waren es bis Nouakchott. Vier interessierten sich nicht für dich und wunken einen einfach durch, während zwischendrin gleich zwei hintereinander auf nichtmal 200 Metern den Reisepass checkten – wahrscheinlich wird hier wohl gewürfelt wegen möglichen Kontrollen 😉

Etwa 25 Kilometer vor dem Ziel war dann beim Flughafen auch erstmals ein „Nouakchott“-Schild sichtbar – hurra, nur noch wenige Kilometer bis zur Regeneration! Hier begann dann auch die ewige Fahrt durch eine Allee von Solarpanelen am Straßenrand – löbliche Energiepolitik!

Nicht mehr weit!

Erste Siedlungen ließen vermuten, dass nun der Beginn der Hauptstadt unmittelbar bevorsteht, ehe es wieder ruhiger wurde. Erst zehn Kilometer vor dem Hostel wurde es langsam immer städtischer, der Verkehr nahm zu, es stank nach Abgasen – jetzt muss man sich endgültig von der Ruhe in der Wüste verabschieden!

Es wurde immer grüner!
Unendliche Panelallee!

Der erste Eindruck war sehr heruntergekommen und vermüllt, während wir uns auf den letzten Kilometern durch den durchaus chaotischen Verkehr kämpften. Schließlich war dann jedoch das wunderschöne Hostel in ruhiger, komfortabler Lage erreicht – perfekt zum Ausspannen nach drei Wochen ohne Pause!

Entspannen im Hostel.

1.700 Kilometer wurden in diesen drei Wochen seit der letzten Pause in Agadir durch die Wüste zurückgelegt, nur noch wenige Tage trennten uns von deren Ende, ziemlich mit dem Grenzübertritt nach Senegal. Südlich von Nouakchott beginnt bereits der Übergangsbereich zur Trockensavanne – dann sind wir auch offiziell in der sog. „Sahelzone“.

Kurz noch etwas für die Statistikfreunde: Mit dem Erreichen von Nouakchott wurden auch die 8.000 Fahrradkilometer seit Beginn geknackt, in insgesamt 151 Tagen seit Beginn bzw. 116 Etappen. Wer den Reiseverlauf genauer sehen möchte, kann gerne auch einmal bei Polarsteps reinschauen.

Ich wünsche allen Lesern frohe Weihnachten – genießt die Zeit bei der Familie, die für mich dieses Jahr ausnahmsweise ausfallen wird 😉 Dennoch bin ich auch an Weihnachten in guter Gesellschaft, wie in einem der kommenden Beiträge beschrieben sein wird.

Übrigens, kleiner Reminder: Wer uns als Gruppe zu Weihnachten ein kleines „Cadeau“ machen möchte, kann gerne bei Paypal einen beliebigen, kleinen Betrag senden unter diesem Link.

Derweil genoss ich die eiskalte Dusche im Hostel – hier war es mal wieder über 30 Grad heiß. Mauretanien hat in Sachen Wüste einfach so viel mehr zu bieten als Westsahara: Mehr Sand, mehr spektakuläre Landschaft und auch viel mehr Hitze. 🥵

Die erste Dusche seit wiederum einer Woche: Man fühlt sich wie aus dem Ei gepellt!

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