„Gambia kann man sich vorstellen wie die Füllung des Doppelkekses mit der Lage in Senegal.“

Mit dieser Methaper trifft der Mitreisende Lucas den Nagel auf den Kopf. Denn dieses kleine, ja winzige Land, umgeben vom Senegal, ist wahrscheinlich auch die Quintessenz, eine klitzekleine Abwechslung mit doch merkbar anderen Menschen und eine wundervolle Kurzerfahrung zwischen viel senegalesischem Boden, an den man sich mittlerweile gewöhnt hat – fast analog zur Schokoladenfüllung vom Doppelkeks.

Doch der Reihe nach: Nachdem unser Entschluss als Gruppe feststand, dass wir nicht auf eine „künstliche“ Safari gehen, war der nächste Halt direkt die Grenze zu Gambia fünf Kilometer weiter. Christel holte mich am Vormittag nach ihrer Wildcampingnacht ab, und wir fuhren wieder zu zweit los in Richtung Grenze. Die anderen beiden treffen wir dann irgendwo hinter der Grenze, wenn wir in einem Café oder Restaurant warten – so der Plan.

Nach wenigen Kilometern verlief der Grenzübergang dann auch fix und unkompliziert. Der Wechselkurs an der Grenze von Senegal zu Gambia war einheitlich 10 CFA=1 Dalasi. Ich wechselte rund 20.000 CFA, was ca. 30 Euro entsprach. Nur bei der Ausreise aus dem Senegal gab es kurze Schwierigkeiten aufgrund eines Missverständnissen mit dem Grenzer, der wohl meinte, dass ich mit dem Auto unterwegs sei und mich erstmal zur Registrierung schickte. Nach kurzer Zeit klärte sich der Irrtum jedoch auf und ich bekam meinen Ausreisestempel.

Aufgrund meines Bayern-Trikots war ich sowieso ein wahrer Aufmerksamkeitsfänger an der Grenze. Einer bot mir sogar 15.000 CFA für mein Trikot – nein danke, unverkäuflich, und schon gar nicht für 25 Euro🤣. Er erklärte mir, dass hier viele Bayern-Fans sind, da der Vater von Leroy Sané – Souleyman Sané – aus dieser Region stammt. Er hat Ende der 80er und Anfang der 90er u.a. für Nürnberg und Wattenscheid 09 gekickt, als diese noch in der Bundesliga waren – gute, alte Zeiten eben😉

Nach der Immigration auf gambischer Grenzseite wurden wir erstmal von einigen Kindern empfangen, die „Toubab“ skandierten („Weißer“ in westafrikanischen Ländern) und die ausgestreckte Hand zu uns hielten. Wir fuhren unbeachtend weiter raus aus dem Dorf zu einem schattigen, ruhigen Café, um auf die anderen zu warten.

Bei der einstündigen Warterei entstand ein interessantes Gespräch mit dem Betreiber, der ehemals auch per Boot nach Deutschland flüchten wollte, aber erwischt und zurückgewiesen wurde. Es ist wohl der Traum vieler Gambier, nach Deutschland zu ziehen. Das Land genießt hier im Volksmund den Ruf einer flurierenden Wirtschaft und unendlichen Verdienstmöglichkeiten. Ohne Kontakte und einen Einladungsbrief dieser wäre aber nahezu unmöglich, ein Visum zu erhalten. Ich erwiderte ihm, dass in Deutschland aktuell natürlich auch nicht alles Gold sei, was glänzt – auch wenn der Vergleich mit einem der ärmsten Länder der Welt natürlich mehr als hinkt.

Bald kamen auch neue Besucher in das Café, die vermuten ließen, dass Gambia wohl doch ein touristisch attraktives Reiseziel darstellt. Der Betreiber bestätigte mich hierin, insbesondere Niederländer seien eine beliebte Zielgruppe. Bestimmt ist es auch attraktiv, weil Gambia ehemals britische Kolonie war und man sich dementsprechend wieder problemlos auf Englisch verständigen kann 😉

Nach Eintreffen der anderen beiden fuhren wir weiter in Richtung des Ortes Barra, wo die Fähre nach Banjul übersetzt über den berühmten Gambia-Fluss. Auf dem Weg wurden wir einmal an einem Polizei-Checkpoint gestoppt und später noch einmal an einem Militärposten. Letzterer wollte jedoch nicht unsere Reisepässe sehen, sondern sich lediglich nett und interessiert mit uns unterhalten über unsere Reise – das Sturmgewehr steckte währenddessen in seiner Uniform. Schon allein deswegen ein Smalltalk, den man so schnell nicht vergessen wird.

Warten auf die Fähre…

Nach 15 Kilometern waren wir an der Fähre angekommen. Sogleich nahm uns ein anscheinender Mitarbeiter in Empfang und half uns bei dem Kauf eines Fährentickets mit Fahrrad. Anschließend wollte er uns in allemögliche Restaurants herumführen, mit denen wir die Wartezeit von angeblich einer Stunde auf die Fähre überbrücken können. Naheliegend, dass er durch seine „Hilfe“ Geld verdienen wollte. Komisch nur, dass die Fähre dann bereits nach 30 Minuten bereit war zum Einstieg…

Einerlei – ich holte mir ein Sandwich und einen schmackhaften Baobabsaft, ehe ich vor dem Betritt der Fähre dem doch etwas aufdringlichen Herrn einen Groschen in die Hand drückte, um Ruhe zu haben.

Auf der Fähre war es voll und chaotisch, wir wurden mit unseren Fahrrädern zwischen den Autos irgendwie reingequetscht bzw. positioniert. Nur Christel und ich fanden noch irgendwie einen Durchgang, um unser Fahrrad am Rand abzustellen. Das Runterkommen von der Fähre gestaltete sich nach 20-minütiger Überfahrt jedoch mehr als mühsam, weil sich alle Fährenkunden zwischen meinem Fahrrad und den Autos durchdrängelten, ehe ich mal die Chance hatte, voranzukommen. Als einer der letzten verließ ich schließlich die Fähre, ehe wir auf der anderen Seite des Gambia-Rivers in Banjul standen.

Auf der Fähre.

Da unsere gebuchte Unterkunft in Bakau nur 10 Kilometer entfernt war, machten wir noch einen Erkundungsstopp beim Albert-Markt in Banjul, so ziemlich dem zentralen Straßenmarkt hier. Natürlich sprachen einen wieder sämtliche Verkäufer an, worauf ich jedoch nur reagiere, wenn ich wirklich etwas brauche.

Der zentrale Markt von Banjul.

Der Unterschied: Diesmal brauche ich wirklich etwas! Den ganz aufmerksamen, detailversessenen Lesern ist eventuell bereits aufgefallen, dass auf dem letzten Foto aus dem letzten Blog nur ein Flipflop zu sehen war – der andere muss wohl auf der Buckelpiste der letzten Senegal-Etappe rausgefallen sein…also gab’s für umgerechnet zwei Euro neue vom Markt – eingekauft bei Standbetreibern, die sich schön im FC-Bayern-Trikot präsentierten. Da lässt man gerne sein Geld und knipst noch ein Foto 😉

In den Farben vereint.

Unverändert war zudem die Hitze. Hinter dem Markt ging es gottseidank raus ans Meer, wodurch ich mich einmal erfrischte im Delta des Gambia-Rivers – danach war’s schon deutlich angenehmer 😉

Nach einigem Erkunden ging’s dann los über den Highway auf die letzten Kilometer rüber zur Unterkunft. Diese letzten Kilometer waren jedoch nichts für schwache Nerven, der Verkehr erforderte höchste Aufmerksamkeit. Im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Sattel“ ging ich, als ein LKW-Fahrer tatsächlich keinen Zentimeter nach links ausscherte beim Vorbeifahren und die Seitenwand seines Trucks einmal an meinen Gepäckträgertaschen entlangschliff. Ein Zentimeter weiter rechts, und das hätte deutlich böser geendet…eine erneute Grenzerfahrung.

Schließlich kamen wir doch wohlbehalten abends in der super hübschen Unterkunft einer gambischen Familie als Gastgeber an, wo die kleinen Kinder in der Straße fröhlich dem runden Leder hinterher jagten.

Harter Zweikampf.

Nach kurzem Ankommen wurde noch ein Abendspaziergang durch den Ort unternommen, inklusive Abendessen an einem Streetfoodstand: Bohnen sowie ein Omelette mit einer eingekochten Kartoffel – anscheinend eine Spezialität hier. Der Betreiber erzählte uns mehr vom Leben und der aktuellen Situation in Gambia. Er und viele andere würden bspw. vom Osten in den Westen des Landes rund um den Großraum Serekunda/Banjul pendeln, da hier die Jobmöglichkeiten auch aufgrund des Tourismus einfach besser sind. Im Osten des Landes sind die Möglichkeiten rar und die ohnehin schon armen Menschdn noch ärmer…

Yummi.

Nach dem interessanten Gespräch mit dem Verkäufer beendeten wir den Tag nach Rückkehr in die Unterkunft bei einem Bier, da Christel ihren 33. Geburtstag feierte – auch in diesem Blog noch einmal Gratulation hierzu!

Leider war es bereits eines der letzten gemeinsamen Biere, da Christel ihre Tour am Ende von Senegal beenden wollte…schade, war schön mit dir knapp 4.000 Kilometer seit Portugal gemeinsam zu fahren! Viel Glück für deine Zukunft!

Derweil genossen wir einen der letzten gemeinsamen Tage. Bereits vormittags brach ich auf zu einem Spaziergang zum Strand von Bakau. Das paradiesische Flair wurde nur durch etwas nervige Verkäufer getrübt, sodass ich lieber weiter spazierte über versteckte Strandbuchten, um ein bisschen die Ruhe zu genießen.

Paradiesische Ruhe.

Wieder im Ort am lokalen Markt, traf ich einen Einheimischen, der mich bereits am Vortag auf dem Rad gegrüßt hatte. Ich kam mit ihm ins Gespräch und machte einen langen Spaziergang mit ihm durch Bakau, wobei er mir einiges über die gambische Kultur erklärte. Bspw. sind die Menschen hier sehr spirituell, man grüßt sich standesgemäß mit „Salam Aleykum“ („Friede sei mit dir“). Die richtige Antwort hierauf lautet dann „Maleikum Salam“ („Und Friede sei mit dir“). Er erklärte mir noch weitere Vokabeln auf Mandinka, der Hauptsprache Gambias, die jedoch nur begrenzt hängen geblieben sind – muss ich nochmal nachbereiten😉

Zudem spürt man, wie Fußball die Einheimischen begeistert. Überall, in jeder Straße rennen Kinder und auch Erwachsene dem Ball nach. Auch meine Bekanntschaft schwärmt von diesem Sport. Und ich dachte, in Deutschland wäre es der Volkssport…

Möchte man Einheimischen zudem eine Freude bereiten, so kauft man ihnen Reis, da in Gambia aufgrund der Armut viele Menschen Hunger leiden und insbesondere für Familien mit vielen Kindern (die hier normal sind) ist es das Hauptnahrungsmittel schlechthin, um Zuganz zu wichtigen und einfachen Kalorien für das Wachstum dieser zu bekommen. So bedanke ich mich am Ende dann natürlich auch für den Spaziergang in Form einer großzügigen Reisspende.

Fußballfelder aus Sand – eine Konstante in Bakau.

Nach diesem informativen langen Spaziergang in der gambischen Mittagshitze beließ ich es an dem Tag nur noch bei kleinen Wartungsarbeiten am Fahrrad sowie der Wäsche, Erholung vor der erneuten Ausreise aus Gambia am nächsten Tag.

Das muss ja irgendwann auch noch gemacht werden 😉

Nach zwei Nächten in der vorzüglichen Unterkunft in Bakau war ich am nächsten Morgen etwas träger als sonst, jedoch um halb 11 dann doch fertig zum Losfahren. Auch Christel war wiedermal so gut wie fertig, sodass ich losfuhr und wir uns für ein späteres Wiedersehen verabredeten.

Bald kam ich aus dem recht beschaulichen Bakau raus ins benachbarte Serekunda. Hier ging im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab, das Verkehrschaos war real, auf der verstopften Straße neben den Märkten ging wenig bis nichts. Hin und wieder konnte man sich zwischen den Autos durchschlängeln am Rand, doch oftmals verhinderte hier Sand das Vorankommen. Es zog sich, ehe in Richtung des einzigen Flughafens Gambias sich der Verkehr wieder beruhigte.

Erschwerend kam hinzu, dass an meinem Vorderrad die Bremsscheibe ständig am Belag schliff. Auch viele Einstellungsversuche brachten keine Besserung. So hielt ich spontan bei einem lokalen Fahrradhändler an im Örtchen Busumbala. Hier stellten mir die kleinen Kinder des Betreibers die Bremse korrekt ein in fünf Minuten, sodass sich das Rad wieder frei drehen ließ. Manchmal fühlt man sich dann doch einfach unfähig 😉

Weiter ging’s durch die brennende Mittagshitze immer weiter Richtung Senegal, natürlich jetzt etwas flotter. Nach 45 Kilometer war man an der stark mit Autos und Menschen besiedelten Grenze der Ausreise Gambias angekommen.

In dem Trubel verstand ich den Grenzbeamten im Häuschen schier nicht, als dieser eine Frage hat. So bat er mich zu sich ins Häuschen. Letztlich erhielt ich aber doch formlos meinen Ausreisestempel.

Weiter ging’s ein paar Kilometer durchs Niemandsland, ein einfaches Schild mit „Senegal“ zeigte an, dass man jetzt wieder von der Schokofüllung in den Keks übergegangen ist.

Relativ formlos.

Im nächsten Ort kam dann nach vielen Verkaufsständen schließlich die Einreisestation. Einmal kurz ein netter Smalltalk mit dem Polizisten, der fragte, wohin ich reisen würde, dann der Einreisestempel – fertig! Einer der stressfreisten und einfachsten Grenzübergänge wohl auf der ganzen Route.

Wie abgemacht, suchte ich anschließend hinter dem Ort nach einem Wildcampingspot, wo ich auf die anderen warte, die sich bisher noch nicht gemeldet haben. Es gestaltete sich sehr schwierig, potenzielle Schlupflöcher in den Wald neben der Straße waren jeweils zugewuchert. Hier hat vielleicht ein Zelt Platz, aber niemals vier…

Nach einigen Kilometern fand ich hinter einem Dorf einen Fußballplatz, wo sich zudem eine Herde Rinder tummelte. Ein perfektes Gefühl hatte ich hierbei nicht, aber wenn man sich am anderen Ende, entfernt von den Rindern niederlässt, sollte ja nichts passieren. Und auf einem Fußballplatz campen hätte ja hier auch mal was, so meine Überlegung…

Ich schreib also den anderen und ließ und ließ am Fußballplatz die Zeit verstreichen, indem ich einem Einheimischen beim Individualtraining zusah.

Der potenzielle Campingspot.

Um 16 Uhr checkte ich mein Handy und sah, dass die anderen Mitreisenden die Zeit wohl komplett vergessen haben und immer noch nicht von der Unterkunft aufgebrochen sind. Das wird also wohl nichts mit fast 60 Kilometern, bevor es dunkel wird. Und ich habe zwei Stunden lang vergeblich nach einem Wildcampingspot für uns alle gesucht…

Leicht gefrustet und auch sauer brach ich wieder auf, alleine brauche ich hier nicht wildcampen. Der Ort Diouloulou war ganz in der Nähe, hier gab es eine günstige Unterkunft in Form eines Bungalows direkt am Fluss des Bolong.

Ganz netter Bungalow.
Am Bolong-Fluss.

Das Radeln in der Abendsonne kühlte mein erhitztes Gemüt dann wieder etwas ab. Nach Bezug des sehr hübschen Bungalows und einer erfrischenden Kaltdusche lud ich meine Energiereserven im Familienrestaurant nebenan wieder auf – ganz klassisch hier mit Hühnchen, Pommes und Salat, ehe ich mich im Bungalow unter dem sehr ansehnlichen Moskitonetz verkroch. Die Biester waren hier aufgrund des Flusses etwas agressiver, letztendlich habe ich sie bis dato jedoch gut in Griff dank imprägnierter, langer Kleidung und dem Mückenspray vom Tropeninstitut. Sechs Flaschen Autan als Backup schaden natürlich auch nicht 😉 Falls doch mal ein Stich durchkommt, wird eine Creme gegen Parasiten aufgetragen – schauen wir mal, ob ich damit ohne Erkrankung durchkomme…

Hose und Moskitonetz übertreffen sich gegenseitig.

Am nächsten Morgen wartete ich jedenfalls auf ein Signal meiner Mitreisenden, da diese in Gambia kein Internet kauften, daher erst wieder im Senegal Empfang haben sollten. Insbesondere wegen des Abschieds von Christel, die in dem Ort, wo ich mich befand, in die andere Richtung abbiegen wollte, wäre es wünschenswert gewesen.

Da jedoch bis halb 12 keine Meldung kam, wollte ich dann auch nicht länger warten – dann ist es halt so. Mein Ziel für den Tag war schließlich Ziguinchor, 20 Kilometer vor der Grenze zu Guinea-Bissau, um das Visum hier zu erhalten.

So ging ich alleine meines Weges auf zwei Rädern, immer den Schlaglöchern der sich in dürftigem Zustand befindlichen Straße ausweichend. Hin oder wieder war es wie Slalom fahren zwischen Schlaglöchern und auch einzelnen Rindern und Kühen auf der Straße.

Slalom fahren.

Welch Zufall traf ich auf dem Weg Xavier, ein Radreisender aus Madagaskar, der von dort auf dem Weg bis Frankreich ist. Seine Tour hat ihn bereits durch Simbabwe, Sambia, Namibia, Kongo, Kamerun, Nigeria, Togo, Benin, Ghana, die Elfenbeinküste, Guinea und nun Senegal geführt. Fast alle Länder, die ich noch vor mir habe. Wir tauschten Nummern und Instagram aus, um gegenseitig Informationen austauschen zu können.

Mit Xavier.

Schließlich fuhr ich weiter meines Weges, vorbei an einzelnen Dörfern in der fast schon sattgrünen, tropischen Landschaft und den Fruchtgebieten des Mariot de Bignone in die Ortschaft Bingnona.

Ich überlegte, hier Pause zu machen. Jedoch waren es nicht mal mehr 30 Kilometer bis Ziguinchor und zudem hatte ich bereits eine billige Unterkunft im Visier. So beschloss ich, durchzufahren, einzuchecken und im Anschluss auf Essensjagd zu gehen.

Diese 30 Kilometer zogen sich jedoch. Die Piste vorbei am Forêt de Bingnone, bestehend aus großem Mangrovenwald links und rechts, war eine huckelige Wellblechpiste. Außerdem bremsten einen die Schlaglöcher immer wieder aus – immer wieder über mehrere Kilometer mit kurzen asphaltierten Passagen.

Kurze Pause von Wellblech und Schlaglöchern.

Erst ab der Brücke über den Fluss Casamance war die Straße auf den letzten drei Kilometern wieder durchgehend asphaltiert, ehe um kurz 16 Uhr nach ca. 80 Kilometern das Hotel in Ziguinchor auch schon erreicht war.

Vor dem Essen rief ich jedoch bei der verantwortlichen Person der Botschaft von Guinea-Bissau an, um mein Visum zu erhalten. So trafen wir uns auch 15 Minuten später vor der Botschaft und nach kurzem Übertrag meiner Daten und dem Bezahlen von 25.000 CFA (35 Euro) hielt ich zwei Minuten später mein Visum in der Hand – so einfach kann’s gehen!

Auf dem Rückweg schlug ich mir dann bei einem Burgerladen neben meinem Hotel bei gleich zwei Bestellungen den Bauch voll, komplettiert von einer Portion der geliebten Haferflocken, ehe ich satt war – der Appetit ist dank 80 Kilometern ohne Snackpause natürlich enorm.

Da ich eh einen Tag auf die anderen warten musste, hatte ich nun auch allerhand Zeit, mich um andere Dinge zu kümmern. Beispielsweise war das Bad des Hotelzimmers groß genug, um hier einmal sein Fahrrad abzuduschen und zu säubern.

Praktisch.

Leider gab es in Ziguinchor keinen Fahrradladen, denn auf der Tour begann mein Bike zudem, starke Geräusche von sich zu geben, die einer lockeren Schraube ähnelten. Die letzten Kilometer fuhr ich bewusst mit lauter Musik auf den Ohren, da ich das Geräusch nicht mehr ertragen konnte…

An dem „freien“ Tag kam ich dank des Auchan-Supermarktes in Ziguinchor zudem endlich dazu, Batterien für meine Stirnlampe zu kaufen – endlich ist man beim Wildcampen nicht mehr auf die Handy-Taschenlampe angewiesen.

Beim Spaziergang durch den Ort traf ich wiederum auf allerhand Kinder, die in den Nebenstraßen der Stadt dem Ball hinterherjagten. Eine dieser Gruppen forderte mich schließlich auf, mitzukicken, was ich mir freilich nicht zweimal sagen ließ. Bei dem kleinen Spiel verpasste mir eines dieser Kinder sogar frech einen Tunnel. Als ich jedoch die Vorlage zum entscheidenden Tor beitrug, kannten die Kinder natürlich kein Halten mehr. Auf dem anschließenden Selfie musste meine Sonnenbrille einiges aushalten 😉

Die Sonnenbrille in Mitleidenschaft.

Im Laufe des Tages schließlich schrieb mir jemand eine WhatsApp-Nachricht – Dieter aus der Schweiz. Er kannte mich über die Westafrika-WhatsApp-Gruppe und wusste daher, dass ich ebenfalls in seiner Gegend unterwegs bin. Da er an jenem Tag Ziguinchor erreichen sollte, trafen wir uns zum Abendessen.

Es stellte sich heraus, dass Dieter bereits 61-jährig ist und sich in den letzten Zügen seines Arbeitslebens einen längeren Urlaub nahm, um nochmal auf ein Abenteuer zu gehen. Die Benutzung eines E-Bikes sei ihm hierbei selbstverständlich verziehen. Er hat bereits zahlreiche Touren in seinem Leben ohne Tretunterstützung übernommen.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass unsere Vorstellungen zu unterschiedlich sind, um langfristig miteinander fahren zu können. Er möchte bspw. mindestens 100 Kilometer am Tag machen, um im Februar in Ghana zu sein und dort seine Reise beenden zu können, wenn der Urlaub vorbei ist. Da haben wir doch ein etwas langsameres Tempo geplant…

Da ich die Nachricht bekam, dass Jannick und Lucas noch einige Kilometer entfernt waren und zudem noch das Visum beschaffen mussten, verabredeten wir uns aber immerhin für den nächsten Morgen, um gemeinsam die Grenze nach Guinea-Bissau zu überqueren. Dann ist man immerhin einmal gemeinsam gefahren…

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