Endlich angekommen im Hostel in unserem Dreierzimmer. Zwar war kein Zimmer mehr mit Klimaanlage verfügbar, aber immerhin konnte man auch bei nicht funktionierender Dusche sich im Badezimmer nebenan eine der bereits bekannten Eimerduschen über sein Haupt kippen, um die Luft im Hostelzimmer einigermaßen zu ertragen.

Wir ruhten ein bis zwei Stunden, ehe es bereits dunkel war. Anschließend machten wir uns mit neuer Kraft an unsere Baustellen: Ein ATM musste schleunigst her, mit dem wenigstens bei einem von uns dreien die Beschaffung von Bargeld funktioniert. Außerdem schrien unsere Körper langsam nach etwas Nahrhaftem, nachdem die letzte Mahlzeit mittags im Hafen stattfand.
So machten wir uns auf zu einem abendlichen ATM-Spaziergang: Ein Geldautomat nach dem anderen wurde kreuz und quer abgeklappert – zunächst leider vergeblich. Entweder nahm der Geldautomat keine Mastercard, oder er hatte kein Bargeld mehr – oder er wurde komplett renoviert, wie beispielsweise bei der Vistabank, die in Guinea so gut funktioniert hatte. Erst im bestimmt achten Anlauf kamen wir endlich an überlebenswichtiges Bargeld. Das Limit war zwar 800 Leones (ca. 35 Euro), aber man konnte mehrmals abheben ohne Gebühr – der Abend war gerettet.
Anschließend machten wir noch einem Abstecher zu dem Markt, den wir bereits mit unseren Rädern überqueren mussten. Hier fanden wir einen prächtigen gemischten Salat in Form von Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Ei und Nudeln – natürlich getränkt wiederum in Ketchup und Mayonnaise, es darf auch ja nicht zu gesund sein 😉
Auf dem Rückweg zum Hostel mussten wir dann wieder das Militärgelände passieren. Da es jedoch sehr spät war, ließen die Wachmänner uns nur in Begleitschutz passieren. Na ja – letztlich kamen wir wohlbehalten an der Unterkunft an und fielen nach einem langen Tag in unsere Betten.
Da der kommende Tag ein Sonntag war und das Land Sierra Leone wieder mehr christlich geprägt ist, fielen an diesem Tag die meisten geplanten Aktivitäten wie Museumbesuche schon einmal flach. Hierdurch galt dieser Tag ganz dem Zeichen der Erholung.
Wir versuchten zwar, einen Elektronikladen aufzutreiben, wo Lucas nach einem neuen Handy Ausschau halten kann – aber leider keine Chance. Er musste sich also noch etwas gedulden mit der Reintegration in die Onlinewelt 😉
Anschließend wurde sich um Dinge wie Handwäsche von stark verschwitzter Sportkleidung gekümmert – hier muss jetzt wirklich jede Gelegenheit zur Reinigung mitgenommen werden. Diese werden nämlich bald noch seltener.

Abends unternahmen wir dann nach einem schönen Sonnenuntergang auf dem Balkon des Hostels wieder einen Spaziergang auf dem Markt, um unseren Salat zu genießen. Hier trafen wir außerdem einige Einheimische, die sich für uns interessierten und ganz erstaunt waren, als wir ihnen erzählten, dass wir von Deutschland aus bis hierher mit dem Fahrrad gefahren sind. Wir tauschten Nummern und auch Instagram aus, damit diese Bekanntschaften über unsere Reise auf dem Laufenden gehalten werden konnten.

Wo Licht ist, da ist jedoch auch Schatten: Weil selbst hier in der Hauptstadt immer wieder der Strom und damit die Straßenbeleuchtung ausfiel, war dieser belebte Markt nicht unbedingt als ein sicherer Ort zu bezeichnen. Außerdem trieben sich einige Einheimische dort herum, die uns immer und immer wieder nach Geld fragten. Insbesondere eine Person konnte von Jannick kaum ablassen, ehe dieser etwas bestimmter ablehnte. Als die Person anschließend dazu tendierte, handgreiflich zu werden, musste diese von Einheimischen zurechtgewiesen werden. Ich möchte hier auch keinen falschen Eindruck erwecken – wir würden gerne etwas geben. Nur leider können wir nicht jeder Person Geld zustecken, die uns danach frägt. Allgemein halten sich die Arten von Menschen hier in Sierra Leone ziemlich die Waage: 50 Prozent interessieren sich für dich als Menschen sowie deinen Hintergrund und möchten dich kennenlernen, die anderen 50 Prozent haben vor allem eine Verkaufsabsicht oder möchten Geld von einem erbetteln. Das ist im Vergleich zu Guinea prozentual gesehen schon einmal ein großer Schritt nach vorne. Ich persönlich kann konstatieren: Ich mag die Menschen in Sierra Leone!
Bald machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Hostel. Hier fiel uns eine mächtige, grüne Frucht am Wegesrand auf. Es war eine sog. Brotfrucht, die bevorzugt in tropischen Breiten vorkommt. Wir nahmen diese mit ins Hostelzimmer, wo ich ziemlich gedankenlos einfach reingebissen habe. Eine nachträgliche Recherche ergab, dass insbesondere eine unreife Brotfrucht unbedingt gekocht werden sollte vor dem Verzehr, da sie roh nur schwer verdaulich sei. Na, ob ich diesen Biss nicht noch bereuen werde?!?!

Am nächsten Morgen kümmerten wir uns nach einem, wie bereits am Vortag, relativ spartanischen Frühstück bestehend aus einem Brot und einem Kaffee, um Lucas‘ neues Handy. Nach mühsamer Entscheidungsfindung in zwei Elektronikläden im Zentrum Freetowns gestaltete sich die Bezahlung jedoch ebenso mühsam. Eine Kartenzahlung ist hier in den meisten. Fällen einfach unmöglich. Und außerdem war sein Tageslimit für Bargeldabhebung in seinem Online-Banking noch auf 150 Euro eingestellt – nicht optimal, wenn man ein halbwegs wertiges, neues Handy kaufen möchte. Schließlich liehen Jannick und ich ihm etwas von unserem Bargeld, das wir aktuell nicht brauchten, sodass schließlich die Bezahlung doch funktionierte.
Nachdem wir uns also bis dato hauptsächlich um unsere akuten, organisatorischen Probleme gekümmert haben, wollte ich nun endlich mit etwas Sightseeing starten. So machte ich einen Abstecher in das Nationalmuseum von Sierra Leone. Hier führte mich für 100 Leones (ca. 4,30 Euro) ein Guide durch verschiedene, interessante Ausstellungen.
Zuerst gab er mir einen Überblick über die dominanten Stämme in Sierra Leone, deren Sprachen auch heute noch neben Englisch regional gesprochen werden: Die Creole, Limba und auch Mende. Die Creole waren afrikanische bzw. auch afroamerikansiche Sklaven, die das westliche Sierra Leone besiedelten, also die Gegend rund um Freetown. In unserer aktuellen Stadt wird also noch hauptsächlich Creole gesprochen neben Englisch. Die größere Stammesgruppe sind die Limba mit knapp 10 Prozent Verbreitung in Sierra Leone. Ihre Sprache ist vor allem im Norden des Landes verbreitet. Der größte Stamm sind die Mende mit gut einem Drittel Verbreitung in ganz Sierra Leone, vorzugsweise wird deren Sprache in den südlichen Landesteilen gesprochen.
Weiters gab er mir einen Überblick über die verschiedenen Präsidenten von Sierra Leone nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1968. Hervorzuheben ist hier insbesondere die Amtszeit von Dr. Ahmed Tejan Kabbah von 1996 bis 2007, in welcher der Bürgerkrieg in Sierra Leone im Jahr 2002 endlich beigelegt werden konnte – hierauf gehe ich später noch einmal ein.
Nebenan waren in der Ausstellung alle Geldscheine von Sierra Leone seit der Unabhängigkeit von Großbritannien dargestellt. Ich persönlich finde ja das heutige Geld von Sierra Leone am schönsten – der 20-Leone-Schein hat gewisse Ähnlichkeit zu dem 50-Euro-Schein aus der Heimat und suggeriert einen verblüffend hohen Wert, entspricht aber in der Realität nicht mal einem Euro…und das als wertvollste Geldnote. Tätigt man hier eine größere Investition in Cash, so muss man wohl fast die gute alte Schubkarre hervorkramen…

Anschließend lernte ich etwas über die prägenden Persönlichkeiten aus der Geschichte Sierra Leones. Beispielsweise Issac Theopilus Akuna Wallace-Johnson, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Freiheitskämpfer für die Rechte des Volkes und der Arbeiter von Sierra Leone einsetzte sowie an der ersten Handelsunion Sierra Leones maßgeblich beteiligt war. Oder Constance Agatha Cummings John, ebenfalls Freiheitskämpferin und Politikerin, die sich ebenso für die Emanzipation uns Gleichberechtigung von Frauen in dem von den konservativen, britischen Kolonialmächten geprägten Sierra Leone einsetzte. In diesem Sinne kann man auch Ella Koblo Gulama aufzählen, die erste Politikerin in Sierra Leone, die in den 1950er Jahren ins Parlament gewählt wurde und aktiv auf Bundesebene mitbestimmen und Einfluss nehmen durfte.
Hervorzuheben ist auch Bai Bureh, der sich mit allen Mitteln in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Unterdrückung durch die britischen Kolonialmächte entgegenstemmte. Hiermit untrennbar verbunden ist der Begriff des „Hut Tax War“, als die Briten einheimische Hüttenbesitzer zur Kasse beten wollten. Steuern an Fremde zahlen für den Besitz von Hütten im eigenen Land – das wollte sich Bai Bureh nicht bieten lassen und wehrte sich im Jahr 1898 in Form einer Guerilla-Revolte, eben dem „Hut Tax War“. Schließlich verloren seine Truppen die Auseinandersetzung und er wurde von den Kolonialherren ins Exil geschickt, dennoch gilt er aufgrund seines Kampfes gegen die Kolonialmächte bis heute als Volksheld.
Besonders interessant fand ich die Geschichte von Oafalaby Taylor, einem Reisepionier aus Sierra Leone, der im Jahr 1957 mit dem Fahrrad von Sierra Leone nach Uganda gefahren ist. Es gab also sogar vor fast 70 Jahren schon so manchen Verrückten 😉

Ferner dreht sich das Museum natürlich vor allem um die Kolonialgeschichte Sierra Leones. Hierbei spielt vor allem die Halbinsel auf der Landkarte Sierra Leones, auf der sich eben auch Freetown befindet, eine gewichtige Rolle. Dieser kam sogar bereits bei der Namensgebung von Sierra Leone entscheidende Bedeutung zu. Da diese im Vergleich zum Rest der umliegenden westafrikanischen Küste markant auf den Ozean hinausragt und sich zudem – wie bereits im vorherigen Blogbeitrag angedeutet – durch schroffe, tropische Berggestalten auszeichnet, ist sie auch einem portugiesischen Seefahrer als erstes aufgefallen vor einigen hundert Jahren.
Diese auffällige Landzunge nannte er aufgrund der wilden, bergigen Landschaft „Serra Loya“, zu Deutsch „Löwengebirge“. Hiervon abgewandelt entstand durch britische Kolonialisten schließlich der Ländername „Sierra Leone“.
Wie dem auch sei – nördlich wird diese Halbinsel durch den mächtigen Sierra Leone River begrenzt, ein strategisch natürlich sehr wichtiger Fluss für Sklavenhandel. Zwei Tage vorher haben wir ihn ja selbst bei der Anreise per Fähre überquert. Auf diesem befand sich die Insel „Bunce Island“ mit ihrem Sklavenschloss, wo unzählige Sklaven gefangen gehalten wurden, um nach Amerika, insbesondere nach Georgia und South Carolina, verfrachtet zu werden.
Interessant war, dass insbesondere Reisbauern eine wichtige Zielgruppe für Sklavenhandel darstellten, da sich Sierra Leone mitten in der sog. „Rice Coast“ von Senegal im Norden bis Liberia im Süden befand. Dieser Name rührte daher, dass der Anbau von Reis in dieser Region bereits eine lange Tradition besaß und sich durch die unterschiedlichen landschaftlichen und klimatischen Bedingungen zwischen dem Ende der Wüste im Norden und dem tropischen Regenwald im Süden vielfältigste Anbaumethoden entwickelt haben, um den Gegebenheiten Herr zu werden – genau dieses Know-how wollten sich die Sklaventreiber in Amerika zu Nutze machen.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Sklavenhandel auf Bunce Island durch das britische Parlament schließlich verboten und streng überwacht.
Freetown kam schließlich die Bedeutung als Zufluchtsort von befreiten Sklaven zu – in diesem Fall kommt die Namensgebung dieser Stadt also nicht von ungefähr, nachdem hier bereits Ende des 18. Jahrhunderts befreite Sklaven, eben die Creole, übergesiedelt sind und die Region so bennant haben 😉
Anachließend wollte man die Insel erfolglos zu einer Baumwollplantage umfunktionieren, ehe die Insel ihre Bedeutung verlor und die Überreste des Sklavenschlosses im Dschungel verschwanden – man kann sie aber noch heute bewundern. Wir verzichteten jedoch auf eine Tour, der Museumsbesuch muss ausreichend sein 😉
Überraschenderweise traf ich bei der Museumsführung auf einen niederländischen Hostelmitbesucher, mit dem wir uns bereits am Tag vorher beim Frühstück ausgetauscht haben. Er fragte mich, ob ich direkt mitkommen möchte zu einem Schimpansen-Reservat im Western Area Nationalpark südlich von Freetown. Liebend gerne, nur leider handelte es sich um eine terminierte Führung, wo man direkt hätte losfahren müssen. Darauf war ich nicht vorbereitet, sodass ich dann doch erstmal zum Hostel zurückkehrte.
Beim Ausgang aus dem Museum entdeckte ich dann den berühmten Cotton Tree von Freetown, gewissermaßen das Wahrzeichen der Stadt. Der Baum soll dort schon bei Ankunft der ersten Siedler Ende des 18. Jahrhunderts gestanden sein, es ist sogar von bis zu 500 Jahren die Rede. Heute ist der Baum ein Symbol des Friedens für das gesamte Land Sierra Leone.

Weiters bemerkte ich beim Heimgehen, wie sich mein Gesundheitszustand merklich verschlechterte. Nach Rückkehr ins Hostel verbrachte ich den Rest des Tages doch mehr oder weniger im Hostel mit starken Bauchschmerzen – hätte ich mich am Vortag doch besser mal gezügelt…oh Mann, zu gerne hätte ich endlich mal Schimpansen gesehen!
Stattdessen lag ich den Rest des Tages im Bett. Na ja – immerhin ein Sightseeing-Highlight von Freetown ist abgehakt und ich habe viel über die Geschichte von Sierra Leone gelernt.
Am nächsten Morgen ging es mir dann auch wieder besser, bereit, um einem in vielen Communities empfohlenen Fahrradladen in Freetown einen Besuch abzustatten, da mein Fahrrad so manche kleinere Baustelle hatte. Nach einem wiederum spärlichen Frühstück machten Lucas und ich uns auf den drei Kilometer langen Weg zum Shop, während Jannick neue Kraft für die Weiterfahrt tankte. Wiederum mussten Lucas und ich uns durch dichtes Markttreiben kämpfen, ehe wir uns vor dem Fahrradladen von Richard wiederfanden.
Richard hieß uns herzlich willkommen. Er selbst führt einen eigenen Fahrradclub, die „Flames“. Ihr stärkster Rennfahrer konnte bei einem Rennradevent über 100 Kilometer diese Distanz immerhin von etwas über zwei Stunden bewältigen – beeindruckend! Da sind wir deutlich langsamer unterwegs…

Wie dem auch sei, wir zeigten dem Mechanikerteam unsere Problemstellen am Fahrrad. Insbesondere mein hinteres Ritzel hatte schon wieder Spiel. Eine Untersuchung der Mechaniker ergab nun, dass der Aufsatz vom Ritzel überhaupt nicht zu dem Zahnkranz passt – hier muss wohl ein Produktionsfehler vorliegen. Die Ersatzteilbeschaffung war kompliziert und zeitaufwendig.

Lucas und ich vertrieben uns die Zeit auf dem Markt gegenüber. Zwei Verkäufer luden uns nach dem Kauf von Erdnussbutter zum gemeinsamen Mittagessen ein, während wir Ihnen von unserer Reise erzählten. In einem kleinen Laden fanden wir sogar die heiß begehrten Haferflocken. Die Zeit rannte jedoch, und die Reparatur der Räder ging aufgrund der Ersatzteilbeschaffung kaum voran. Lucas und ich wollten am Nachmittag unbedingt noch das Sierra Leone Peace Museum besuchen, welches sich vier Kilometer vom Fahrradladen entfernt befand.
Schließlich kämpften wir uns, bevor dieses um 17 Uhr schließen sollte, per Bus und Tuk-Tuk zu einem überteuerten Preis dahin, ehe wir hinterher wieder die Räder abholen wollten.

Die Besichtigung des Museums, welches sich mit dem Bürgerkrieg von 1991 bis 2002 befasst, war kostenlos. Ehrenamtlich gab uns Patrick, der selbst unverschuldet während des Krieges inhaftiert wurde, eine authentische Führung. Wir erfuhren vieles über die Umstände und das grauenvolle Leid, welches vielen unschuldigen Bürgern von Sierra Leone widerfahren ist, maßgeblich u.a. forciert durch die Rebellengruppe der RUF („Revolutionary United Front“), deren maßgebliches Ziel der Sturz der Regierung war.
Hierfür nahm man bewusst auch Zivilisten ins Visier, die nach Meinung der Rebellenarmee die Regierung unerwünscht unterstützten. Hierdurch wurde nach 1998 die „Operation no living“ gestartet, wobei die RUF vor keinerlei Methoden der Zerstümmelung von Zivilisten zurückschreckte. Egal ob sexuelle Übergriffe oder sogar ein Schlachthaus, Kannibalismus in Reinkultur. Erst die Intervention von Großbritannien und die Besiegung der RUF läutete das Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2002 ein. Hier mal ein paar ausgestellte Erfahrungsberichte von Zeitzeugen, die keinerlei weiterer Kommentare bedürfen…


Sicherheitshalber verdeckt, waren außerdem Bilder der blutigen Verstümmelung der Zivilisten im Museum ausgestellt. Wir warfen einen Blick in die Galerie, mussten jedoch tief schlucken. Diese Eindrücke erspare ich den Lesern nun lieber…
Auf dieser zutiefst eindrucksvollen Führung verging die Zeit auf jeden Fall wie im Flug. Patrick nahm sich noch extra mehr Zeit für uns, damit wir ein klareres Verständnis von dem Bürgerkrieg bekamen. Schnell war es halb 6 und wir nahmen uns ein – diesmal nicht überteuertes – Tuk-Tuk zurück zum Fahrradladen, nachdem wir Patrick für seine Mühe ein angemessenes Trinkgeld überreichten. Schnell wurden außerdem noch Nummern ausgetauscht, damit Patrick über unsere Reise auf dem Laufenden gehalten werden konnte.

Zurück am Fahrradladen, dauerte die Fertigstellung der Fahrräder noch einen Moment. Richard war jedoch bestens vorbereitet und voller Gastfreundschaft stellte er uns eine riesige Portion Reis mit Sauce hin, um die Wartezeit gut zu überbrücken. Natürlich bot er uns auch an, seinem Fahrradclub beizutreten. Wer weiß – vielleicht ja eines Tages, wenn ich nach Sierra Leone zurückkehre 😉

Nach einigen gemeinsamen Fotos fuhren wir im letzten Tageslicht zurück zum Hostel. Die Fahrräder waren nun hoffentlich bis Abidjan in der Elfenbeinküste einsatzbereit. Erst hier bietet sich wohl die nächste Möglichkeit einer Kontrolle…

Schließlich neigte sich die Zeit in der Hauptstadt bereits dem Ende entgegen, am nächsten Tag sollte es weitergehen. Wir hatten jedoch noch ein kleineres Problem: In Liberia sollte es erst in Monrovia, der Hauptstadt, wieder einen ATM geben. Also knapp 150 Kilometer nach Grenzübergang. So mussten wir noch genügend Geld zum Wechseln an der Grenze einkalkulieren. Daher war ein weiterer ATM-Besuch unumgänglich. Das wollte eigentlich bereits am Abend vorher erledigt werden. Problem nur: Der ATM, der für uns bereits so problemlos funktioniert, war nun out of service. Man versicherte mir jedoch, dass man hier am morgigen Tag wieder problemlos Geld erhält.
So versuchte ich es dann am nächsten Tag erneut, als wir dann nach dem Frühstück nur schleppend in den Tag starten konnten – ist halt auch immer schwierig, so nach drei Tagen Pause wieder loszurollen 😉
Schließlich juckte es mich dann doch alsbald zur frühen Mittagszeit in den Beinen. Da die anderen beiden noch länger Zeit benötigten, fuhr ich schon einmal vor – auch, um mich um meinen Nachschlag an Bargeld zu kümmern. So führte mich nach dem Verlassen des Hostels der Weg direkt zu dem Geldautomaten – dessen Bildschirm mal wieder schwarz war. So ließ ich mein Fahrrad bewacht stehen und ein Mitarbeiter der Bank nahm ich mit, um mit mir alle Automaten in der Umgebung abzuklappern – von denen ich jedoch bereits wusste, dass sie nicht funktionieren. Auch diesmal änderte sich daran nichts.
Schließlich fuhr ich nach 30 Minuten Verzögerung aufgrund der nicht funktionierenden Geldautomaten bei einer Bank auf dem Weg vorbei, wo es letztendlich gottseidank funktionierte – Halleluja, jedes Mal ein wahrer Krimi, an Bargeld zu kommen.
Letztendlich fand ich bei der Ausfahrt aus Freetown sogar noch einen Laden, um ein neues Ladekabel für mein Handy zu kaufen – von meinen ursprünglich fünf Kabeln war nämlich nur noch eines funktionsfähig. Drei kaputt oder defekt, eines verloren gegangen – shit happens. Schließlich kündigte nach ca. zehn Kilometern dichten Stadtverkehrs ein erster Blick auf Strände und Küste einen neuen landschaftlichen Abschnitt der Tour an: Den Western Area Nationalpark.


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