Der Neustart: Ab nach Ghana!

Nach kurzen Schwierigkeiten bei der Suche des Anschluss-Airbnbs war dieses ein echter Glücksfall. Zwar kostete es etwas Kraft, die Fahrräder sowie Gepäck in den vierten Stock hochzutragen, doch die Wohnung war mindestens genauso modern und geräumig wie die erste – perfekt für drei weitere Regenerationstage!

Geräumiger Komfort.

Eine Baustelle blieb jedoch noch: Ich musste mein Fahrrad noch einmal bei einem Bikeshop vorführen, da der erste leider nur ungenügende Arbeit geleistet hat.

Ansonsten war ebenso die Lage des Airbnbs super: Ein großer Supermarkt ums Eck, Ausblick über den Insel-Stadtteil vom Balkon aus sowie die fußläufige Erreichbarkeit vom Plateau-Viertel.

Blick vom Balkon des Airbnb zur Grande Mosquée de Treichville

Der am besten bewertete Fahrradladen war jedoch gute 6,5 Kilometer entfernt. Hierfür musste ich mich am nächsten Tag wieder mit dem Fahrrad einmal quer durch den wilden Stadtverkehr kämpfen, ein paar wurde es auch echt kritisch, bspw. wenn man sich beim Linksabbiegen einordnen muss und die Autos von hinten mit 70 Stundenkilometern angeschossen kommen…im Zweifel dann lieber rechts ranfahren und bei einer Ampelkreuzung auf das Rotlicht warten, ehe man entspannt über die Straße schieben kann.

Letztlich kam ich jedoch lebend an dem Fahrradladen an, der schon einen deutlich professionelleren Eindruck machte. Ja, ich bekam sogar eine eigene Auftragsnummer mit der Zusammenfassung meiner Anweisungen.

Der Fahrradladen meines Vertrauens.

Beruhigt ließ ich mein Fahrrad dort und holte mir ein Taxi, welches mich zunächst wieder zum bekannten Einkaufszentrum auf halbem Weg bringen sollte. Dort gab es nämlich auch einen Decathlon. Diesem stattete ich noch einen Besuch ab, da ich noch eine Drybag benötigte für meine Utensilien, die nicht nass werden dürfen (Elektronik und Reisepass, insbesondere wichtig im Hinblick auf die nahende Regenzeit).

Im Decathlon gab es jedoch keine normale Drybag. Lediglich kleine Minirucksäcke gab das Sortiment her, für welche man sich einen extra Regenüberzug hätte kaufen müssen für überteuerte 15.000 CFA (ca. 23 Euro). Da verzichtete ich doch lieber und griff auf Amazon zurück, da sich Ende April ein Besuch ankündigte 😉

So holte ich mir nur noch im Supermarkt vom Einkaufszentrum einen Pott Kaffeeeis (gewissermaßen die Schwächen bzw. Süchte von mir in Kombination), bevor es mit einem zweiten Taxi wieder zurück ging zur Unterkunft.

Später unternahmen wir schließlich nicht einen Spaziergang in Richtung des Plateau-Viertels mit Blick auf die vielen Hochhäuser in Bau. Generell beeindruckend, wie viel in Abidjan aktuell gebaut wird. Ich möchte keine Prognose abgeben, wo diese Stadt in 10 Jahren steht. Schon jetzt ist es mit Abstand die modernste, die wir bisher in Afrika erlebt haben seit Marokko. Zudem fühlt man sich absolut sicher, ein super Ort für eine längere Pause.

Blick Richtung Plaeau-Viertel: Es wird gebaut, gebaut und nochmals gebaut.

Der nächste Tag war dann auch schon der letzte volle Pausentag, bevor wir endlich unser Ghana-Visum abholen und weiterfahren konnten. Die Hauptaufgabe des Tages bestand darin, mein Fahrrad wieder abzuholen. Nun wurde der Hinweg mit dem Taxi zurückgelegt, ehe ich für kleines Geld ein sauberes Fahrrad mit gewechselter Kette und eingestellter Schaltung in Empfang nehmen durfte – geht doch!

Den Rückweg konnte ich durch das Befahren von Nebenstraßen lange Zeit stressfrei gestalten, ehe ich kurz vor der Unterkunft noch einmal anhielt, um den Palais des Sports zu besichtigen, wo regelmäßig Sportevents und auch Konzerte stattfinden. Eine beeindruckende Anlage, die fast ein wenig an die Stierkampfarena in Madrid vor einigen Monaten erinnerte…

Eine auffällige und beeindruckende Arena.

Wie dem auch sei: Mit erledigter Fahrradreparatur konnten wir den Aufenthalt in Abidjan entspannt ausklingen lassen – wäre da am Abend nicht noch ein Problem gewesen: Auf einmal war es so weit, mein bereits leicht beschädigtes Handy ließ sich nicht mehr laden. So half es alles nichts, ich musste am Morgen direkt los und einen Laden zur Reparatur finden.

Gottseidank fand ich nach zweimal Nachfragen auch direkt eine Werkstatt, 50 Meter vom Airbnb entfernt einmal ums Eck. Ich gab mein Handy nach Schilderung des Problems ab und man versicherte mir, man könne innerhalb von einer Stunde die Ladebuchse austauschen. Vermutlich versuchten die Herrschaften jedoch, mir eine billige Ersatzbuchse einzubauen, die wohl nicht funktionierte. Als ich wiederkam, bekam ich auf jeden Fall die Rückmeldung, dass es 15 Euro mehr kosten würde, da sie die Original-Ladebuchse von Samsung einbauen müssten. Außerdem dauere es doch etwas länger. Na gut – bei einem Gesamtpreis von 23 Euro (15.000 CFA) wollte ich mich kaum beschweren, wenn ich dafür mit den wichtigsten Gegenstand der Reise auch weiterhin verwenden kann…

Immerhin konnten wir mit unserem Host bereits ausmachen, dass wir bis 13 Uhr in der Unterkunft bleiben dürfen und unser Gepäck unterstellen konnten, bis wir zurückkommen von Botschaft nach der Abholung unserer Reisepässe.

So nahm ich mit dem Check-out wieder mein repariertes Handy in Empfang, ehe wir das nächste Taxi anhielten, um zur Botschaft zu fahren. Praktisch, dass wir hier nochmal einen anderen Teil des Plateau-Viertels durchquerten, der fast nochmal eine Spur moderner war.

Ist das wirklich Afrika?

An der Botschaft ging es relativ schnell. Wir mussten nur kurz unsere Handynummern hinterlassen, ehe wir auch schon unsere Reisepässe mit den eingeklebten Visas in Empfang nehmen konnten – endlich, ab nach Ghana!

Anschließend noch schnell ein paar Snacks einkaufen und nochmal einen Sicherheitsgroschen für die letzten Tage in der Elfenbeinküste ziehen, ehe wir uns ein Taxi zurück zur Unterkunft nahmen. Da kein Folgegast gebucht hat, konnten wir uns auch noch kurz Zeit nehmen für einen letzten Snack.

Schließlich war es halb 4, als ich mein Fahrrad vom Balkon nehmen wollte, um es zu bepacken und dann endlich loszukommen. Hier der Schock: Der Reifen lag auf der Felge, der Schlauch war auf einer Länge von ca. 40 Zentimetern komplett gerissen, ein Fall für den Müll.

Die Ursache war naheliegend: Am Morgen pumpte ich nämlich noch ein paar Bar Luftdruck auf die Reifen, um auf dem vielen Asphalt schneller voranzukommen. Die Mitarbeiter vom ersten Fahrradladen müssen aber wohl beim Reifentausch geschludert haben und den Schlauch beim Einbau des Reifens zwischen diesem und der Felge eingeklemmt haben. So stand der Schlauch unter Spannung und eine Erhöhung des Luftdrucks führte zum Riss. Ich nahm ihn zwar nicht mehr wahr, da ich nur kurz Luft draufpumpte und wieder wegging, doch der platte Reifen muss relativ bald darauf da gewesen sein…

Ich war hin und hergerissen: Kann man das als den ersten Platten meiner Reise ansehen? Er passierte ja nicht beim Fahren und war außerdem ein Fremdverschulden. Das können gerne die Leser für sich bewerten 😁

In dem Moment half es freilich wenig, statt Aufbruch war nun ein Schlauchwechsel angesagt. Das erste Mal auf dieser Tour musste ich hier also selbst tätig werden. Als ich fertig war, kontrollierte Jannick aufgrund meiner Ungeübtheit lieber nochmal, ob auch alles gut saß, er gab jedoch schnell grünes Licht. Juhuu, im Notfall kann ich es also auch selber! Gut zu wissen!

Nun aber wirklich Aufbruchstimmung: Alles runtertragen, am Fahrrad festmachen und los! Bis wir dann im Sattel saßen, war es schließlich bereits halb 5. Zwei Stunden bis Einbruch der Dunkelheit hatten wir also noch Zeit, Strecke zu machen und aus Abidjan rauszukommen. Im Visier hatten wir bereits ein Restaurant am Strand auf einer kleinen Landzunge zwischen Abidjan und Grand-Bassam, wo der Restaurantleiter Reisende anscheinend herzlich willkommen heißt zum Campieren.

Zuerst einmal hieß es, sich durch das Chaos der modernen, mehrspurigen Autobahn aus der Stadt rauszukämpfen. Zur Rushhour war es wirklich sehr schwer, sich durch so manchen Stau durchzuschlängeln. Immerhin mussten wir immer nur geradeaus, bis wir nach 15 Kilometern wieder am Meer sein sollten und die Straße der Küstenlinie folgt.

Moderne Straße und Verkehrschaos.

Hier war dann auch der Verkehr wieder in Ordnung, ehe wir nach weiteren zehn Kilometern rechts auf die deutlich ruhigere Landzunge abbogen. Hier folgten wir auch wieder einer sandigen Gravelstraße, die jedoch noch in Ordnung war. Zumindest konnten wir die letzten fünf Kilometer schnell hinter uns bringen, ehe wir um halb 7 im allerletzten Abendlicht den Spot erreichten.

Letztendlich war es mit der Vorgeschichte zwar etwas stressig, aber es war einfach angenehm, so spürbar ausgeruht und mir fast komplett verteilten Wunden sowie frischen Beinen dahinzukurbeln – das Energielevel war wieder ein ganz anderes als vorher!

Ein paar Kilometer Gravel im letzten Licht.
Angekommen: Erstmal kurz entspannen!

Der Restaurantleiter nahm uns sogleich auch herzlich in Empfang, da wir bereits vorher auf WhatsApp geschrieben haben. Er konnte sogar gebrochenes Deutsch, da er bereits in der Schweiz gearbeitet hat. Wir durften direkt mit Blick auf den von tosenden Wellen dominierten Strand in erster Reihe unsere Zelte aufschlagen. Als Genugtuung für die Gastfreundschaft bestellte ich natürlich in Form von Meeresfrüchtesalat auch etwas im Restaurant. Sogar eine Steckdose sowie eine Möglichkeit zum Duschen gab es in dem Freiluft-Restaurant in einer nun an der Küste auch natürlich insgesamt sehr modernen Gegend.

Das Meeresrauschen war die perfekte Untermalung für eine erholsame Nacht, die Meeresbrise ließ den Aufenthalt im Zelt erträglich gestalten. Vielleicht war es auch die kühlende Meeresbrise, die Jannick im Zelt lange schlafen ließ. Nach einem entspannten Morgen und einem kleinen Durchspüler in der Meeresbrandung (Schwimmen wäre zu gefährlich gewesen) weckte ich ihn schließlich um 10 Uhr.

Ein idyllischer Morgen.
Richtig schwimmen: Finger weg!

Immerhin war er schnell abfahrbereit und um 11 Uhr saßen wir im Sattel nach warmer Verabschiedung von unserem Gastgeber. Noch weitere sechs Kilometer führte die Strecke über doch etwas sandige Gravelpiste. Hin oder wieder war man kurz vor dem Schieben.

Die Küste war jedoch wunderschön. Mit etwas weniger Müll am Strand, der den Eindruck etwas trübte, hätte diese Gegend auf jeden Fall riesiges touristisches Potential.

Wunderschöne Route.

Auch bei der Einfahrt nach Grand Bassam merkten wir, dass es hier wahrlich schon deutlich touristischer ist als in der übrigen Elfenbeinküste. Restaurants und gehobene Hotels säumten unseren zum Museum der Kostüme. Für 100 CFA (1,50 Euro) musste ich nicht lange überlegen, diesem einen kleinen Besuch abzustatten, während es leider Jannicks Interessen nicht komplett entsprach und er daher schon einmal zu einem Lebensmitteleinkauf weiterfuhr.

Das im Kolonialgebäude von außen.

Gut bewacht stellte ich also mein Fahrrad ab und machte eine Runde durch das zweistöckige Kolonialgebäude, in welchem in Kolonialzeiten auch der französische Gouverneur gewohnt hatte. Im Erdgeschoss war eine kleine Ausstellung zur französischen Kolonialgeschichte der Elfenbeinküste vorzufinden, ehe diese unter dem ersten Staatspräsident Félix Houphouët-Boigny 1960 unabhängig wurde.

Im Obergeschoss waren traditionelle Trachten der verschiedenen 60 Ethnien des Landes angestellt. Zudem konnte man das französische Badezimmer des Kolonialgebäudes bestaunen.

Chic.
Mein Favorit.

Länger wollte ich dann Jannick jedoch nicht warten lassen und nach einer halben Stunde Besichtigung fuhr ich weiter zum Supermarkt. Da Jannick hier noch nicht fertig war, holte ich mir nochmal Wasser sowie natürlich Eiscreme als kleinen Mittagssnack, ehe wir um 13 Uhr schließlich rausfuhren aus dem Touristenort Grand-Bassam.

Entlang des gut ausgebauten Seitenstreifens der komfortablen Autobahn kamen wir gut voran, ehe wir im Örtchen Banoua nochmal eine kleine Mittagspause einlegten. Von hier aus waren es noch 120 Kilometer bis Ghana, die nächste und letzte größere Stadt vor Ghana, Aboisso, lag genau auf der Hälfte bei 60 Kilometern.

Immer weiter weg von der Küste peilten wir diese auch an und gaben Gas. Abgesehen von zwei kleineren Pausen fuhren wir einige Kilometer weg in der doch wieder hügeliger werdenden Landschaft, die hauptsächlich einzelnen kleinen Ortschaften und riesigen Palmplantagen geprägt war.

Auf iOverlander fanden wir ein Hotel zu einem Preis von weniger als fünf Euro pro Person ca. zehn Kilometer vor Aboisso, weshalb wir dort nach Erreichen eine Übernachtung anfragen.

Leider war das Hotel jedoch ausgebucht. Auf Nachfrage durften wir jedoch im Hinterhof des Gebäudes unsere Zelte aufschlagen, was wir gerne annahmen in Ermangelung an realistischen Alternativen.

Leider ausgebucht, also ab hinters Gebäude!

Dank des Einkaufs von acht Ananassen auf dem Weg war auch das Abendessen gesichert neben dem Rest von zwanzig noch in der Unterkunft  hartgekochten Eiern. Ja, kulinarische Highlights sehen anders aus, aber man muss eben damit zurecht kommen was man hat! 😉

Idyllischer Hinterhof – darauf erstmal 🍍

Die Kehrseite des windgeschützten Zeltplatzes war, dass die tropische Hitze hier geradeso stand. Selbst am späten Abend war des mit geschlossenen Vorzelt schier unaushaltbar, wodurch ich das erste Mal mit offenem Vorzelt schlief und theoretisch jeder Besucher mir beim Schlafen hätte zuschauen können – aber von wirklicher Privatsphäre habe ich mich auch dieser Reise eh schon verabschiedet…

Hinterhofblick.

Da die Sonne auch relativ früh am Morgen in den Hinterhof brannte, waren wir mit halb 10 ungewöhnlich früh abfahrbereit. Länger ließ sich’s fast nicht aushalten aufgrund der Hitze. 70 Kilometer blieben noch bis zur Grenze, dem heutigen Tagesziel.

Erstes Zwischenziel war die angesprochene Stadt Aboisso in zehn Kilometern, wo bei Kaffee und Kuchen an einer Bäckerei noch einmal die gute Infrastruktur genossen wurde.

Leider fiel Jannick beim Fahren hinter mir auf, dass mein Hinterrad wohl eiert. Da die Bremsscheibe gerade lief, war ein fehlerhaft eingesetztes Hinterrad auszuschließen – das sah nach einem typischen „Achter“ aus, der eine Zentrierung der Speichen nötig machte – oje…

Immerhin schien der Achter nicht dramatisch, sodass ich nicht sofort einen Fahrradladen aufsuchen musste. In Accra, der Hauptstadt von Ghana, sollte es völlig ausreichen…

So fuhren wir erst einmal ohne Bedenken aus Aboisso raus aufs hügelige Land. In einem kleinen Dörfchen gab’s 15 Kilometer später nochmals eine kleine Mittagspause, ehe wir entspannt auf der Asphaltstraße die Kilometer wegmachten bei weiterhin spürbaren Steigungen inmitten von endlosen Palmplantagen.

Hügelig in endlosen Palmplantagen.

Auf dem Weg hielt uns ein Motorradreisender aus Frankreich an, der begeistert war von unserer Tour und ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit uns wollte – den Gefallen taten wir ihm gerne.

Eine nette Begegnung.
Der Stein zeigt: Noch 10 Kilometer bis zur Grenze!

Ansonsten fuhren wir halt so dahin, ehe wir auch schon um halb 5 Uhr im Grenzort Noé ankamen. Am Ausreisehäuschen ließ man unsere Fingerabdrücke registrieren (warum, wenn man doch das Land verlässt?!), dann bekamen wir auch schon den Ausreisestempel und wurden beim Übertritt zur Einreisestation in Ghana von einem großen Straßenschild verabschiedet sowie dem nächsten in Ghana begrüßt.

Merci beaucoup, Côte d’Ivoire!
Welcome to Ghana!

Die Einreise zog sich leider etwas. Wir mussten nämlich nochmal ein großes Einreiseformular ausfüllen mit all unseren Daten. Bzw. ich musste es zweimal ausfüllen, da ich Idiot nicht in Großbuchstaben schrieb und auch sonst einiges falsch machte in den Augen der Beamten.

Für den Stempel wurden wir schließlich in ein Häuschen gelotst, wo wir nochmal unsere Fingerabdrücke scannen sowie Fotos machen mussten. Danach erhielten wir schließlich den Einreisestempel, der jedoch sehr verwaschen war. Man erkannte nicht einmal das Datum – das könnte Schwierigkeiten bei der Ausreise geben. Wir reklamierten das und der Grenzbeamte schrieb dann schließlich von Hand noch das Datum drauf – so kann man das Problem natürlich elegant lösen.

Nun gab es noch eine weitere Baustelle: SIM-Karte. In offiziellen Shops bekam man diese nämlich nur als Einheimischer. Man hätte einen Einwohner ansprechen und gegebenfalls schmieren müssen, dass dieser eine SIM-Karte auf dich registrieren lässt.

Nun wurden jedoch wieder Second-hand-SIM-Karten angeboten. Natürlich etwas teurer als sonst, in diesem Fall für 3.000 CFA (4,50 Euro) für die Karte und dann 1.000 CFA pro Gigabyte. Da ich gerade den 10.000 CFA-Schein in der Hand hatte, holte ich mir 7 Gigabyte.

Das Problem war lediglich, dass der Verkäufer die Karte nicht selbst aktivieren konnte und seinen nicht erreichbaren Kumpel kontaktieren musste. Das kostete wertvolle Zeit, fast 20 Minuten dauerte es zusätzlich, bis das Datenvolumen schließlich gebucht und ich online war.

Mittlerweile war es nach 18 Uhr und es wurde langsam dunkel. Jetzt hatten wir noch zwei Baustellen: Geld holen und Schlafplatz finden. Geld holen sollte ein leichtes sein, glaubte man unseren vorausgefahrenen Kollegen: Viele ATMs, kein Wechseln an der Grenze nötig.

Wir probierten dann auch gleich den ersten Automaten nach der Grenze, und den zweiten, und den dritten – nichts funktionierte. Beim xten Versuch kam sogar ständig die Meldung dass die Abhebung von unserer Bank abgelehnt wurde.

Wir befürchteten Schlimmes und öffneten die im Januar aktualisierten AGB. Tatsächlich – im Kleingedrucktrn steht, dass für Abhebungen in Ghana ein Geoblocking besteht. Oh nein! Was nun?!?! Wie sollen wir an Bargeld kommen?!

Ok, durchatmen! Nach der ersten Panikattacke kamen wir wieder zu uns – wir werden schon eine Lösung finden – im Ernstfall Western Union. Vorerst haben wir ja noch genug Back-up in Form von CFA und US-Dollar, das wir wechseln können. Es ist also noch keine akute Notsituation. Wir wägten unsere Optionen ab. Irgendjemand könnte ja für uns Geld holen!

Unser alter Weggefährte Lucas, der nur kurz vor uns im Nationalpark die Zeit genießt?! Wir überlegten, doch schnell musste diese Idee verworfen werden: Dort gibt es keinen ATM, der nächste ist erst in der nächsten größeren Stadt Takoradi zu finden.

Kurz darauf fiel mir auf, dass ich ja über die Plattform „Warmshowers“ in Kontakt war mit einem potenziellen Host in dieser Stadt – das wäre unsere erste Warmshowers-Übernachtung seit Portugal übrigens. Er könnte doch eventuell für uns Geld holen?!

Wir waren lediglich etwas hin und hergerissen, da wir ihn ja noch gar nicht persönlich kennen und nun eine Frage bezüglich eines sensiblen Themas wie Geld haben. Ist das wirklich noch guter Ton?

Schließlich entschieden wir uns jedoch dafür, ihn zu fragen. Wir brauchen eine Lösung, und das wäre wohl eine der unkompliziertesten – lieb fragen kostet bekanntlich nichts. Ich schrieb ihm auf WhatsApp einen halben Roman, wo ich unsere Situation und unser Problem erklärte, anschließend kreuzten wir beide unsere Finger für die positive Rückmeldung – dann wäre das Problem gelöst!

Nebenbei haben wir bereits im Dunkeln noch einen Schlafplatz an einer Tanke am Ende des Grenzorts gefunden. Der Chef ließ uns hinter der Tankstelle auf einer ruhigen Rasenfläche die Zelte aufstellen – für die Vorzeichen ein mehr als akzeptabler Platz. Wir fragten zudem nach Geldwechselmöglichkeiten. An diesem Abend war es leider nicht mehr möglich, doch direkt nebenan soll es eine Wechselstube geben. Außerdem konnten wir gottseidank an der Tankstelle noch mit CFA bezahlen – ich brauchte dringend eine Süßigkeit nach all dem Stress 😉

Der Schlafplatz war bald ruhig und erholsam, doch leider gingen noch bis spätabends irgendwelche Leute vorbei. Blöd, dass es wieder so heiß war in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit, dass ich mein Vorzelt auflassen musste und die vorbeilaufenden Menschen ungehindert meinen Astralkörper in der Horizontale begutachten konnten😉 Aber wie bereits erwähnt: In Bezug auf Privatsphäre sollte man eh hartgesotten sein, wenn man so eine Tour startet…

Am nächsten Morgen wurde man wieder früh durch Hähne und auch eine Herde Schafe geweckt, die frei auf der Wiese umherliefen.

Unerwarteter Besuch.

Sogleich kam jedoch die erlösende Antwort vom Warmshowers-Host: Er kann für uns zur Bank gehen und Geld holen! Juhuu! Problem gelöst. Wir tauschten unsere CFA und ein paar US-Dollars zu mehr oder weniger gutem Kurs in der Wechselstube ein und sollten mit den erhaltenen ghanaischen Cedis locker bis zur nächsten Stadt Takoradi kommen, zu der es ca. 200 Kilometer waren. Insgesamt tauschte ich für 1.300 Cedis, was ca. 75 Euro entsprach (Wechselkurs: 17 Cedi=1 Euro). Genug Budget, um sogar noch ein paar Tage einzubauen, um die Gegend zu genießen.

Ghanaisches Geld.

So fiel uns erstmal ein großer Stein vom Herzen, das größte Problem schien bereinigt. Jetzt konnte es nach Anlaufschwierigkeiten wirklich losgehen, das Kapitel Ghana…

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