Zurück in den Osten

Mit satten fünf vollen Erholungstagen in der insgesamt doch sehr modernen Hauptstadt Accra ging es auf in die letzten etwas über 200 Kilometer des Landes, nächstes Ziel war Lomé, die Hauptstadt des nächsten Landes Togo.

Nach einer Freiluftnacht am Strand ging der Tag trotz eines herrlichen Sonnenaufgangs erst einmal schleppend los. Grund hierfür waren Rippenschmerzen bei Jannick, die bereits am vorherigen Tag ihren Lauf genommen haben. Ein Glück, dass wir erst einmal langsam machen konnten. Für die etwas über 200 Kilometer bis Lomé hatten wir fünf Tage Zeit, 40 Kilometer pro Tag sollten ja auch mit Rippenschmerzen irgendwie gehen.

Herrlicher Morgen.

Wir ließen es also wieder einmal langsam angehen, ehe wir am späten Vormittag schließlich die Energie fanden, uns noch einmal in den hektischen Verkehr der ghanaischen Hauptstadt zu stürzen, um wieder in ländlichere Regionen zu flüchten.

Nachdem es an unserem Übernachtungsrestaurant leider kein Frühstück gab, fanden wir nach wenigen Kilometern an der hektischen Straße zumindest noch einmal eine Tanke mit Cappuccino. Inmitten von Staub, Hektik und unasphaltierten Straßenabschnitten kämpften wir uns immer weiter raus aus Accra. Das Verkehrschaos inmitten von so manchem Straßenmarkt mit Stau ließ aber erstmal kaum nach. Aufgrund der Verkehrsbehinderungen kamen wir nur sehr langsam voran, es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir nach 20 Kilometern wieder an der Hauptverkehrsverbindung waren, die in Richtung Togo führt.

Immerhin gab es hier ein recht modernes Restaurant, das mehr als gebratenen Reis mit Hähnchen oder Fufu zu bieten hatte. Bei einer Mittagspause im klimatisierten Innenraum erhalten wir uns von dem strapaziösen Stadtverkehr.

Wer nun aber meinte, der Verkehr würde nun besser werden, der sah sich getäuscht. Auf der Hauptstraße floss nun zwar der Verkehr, sie bot jedoch rechts kaum Platz und man sah sich wieder einmal wilden Überholmanövern ausgesetzt. Hinzu kamen in den östlichen Vororten von Accra mal wieder die ghanatypischen Baustellen, die den Verkehr auf manchen Passagen regelrecht zusammenbrechen ließen.

Wir kämpften uns im Slalom durch die Stop-and-Go-Blechlawine rund um den Vorort Tema, ehe wir im selbigen am späten Nachmittag nochmal eine kleine Pause einlegten. Wir einigten uns darauf, bald einen obligatorischen Tankstellenschlafplatz aufzusuchen, sobald es endlich ruhiger wird.

Nachdem wir eingekauft und ein paar Snacks direkt vernichtet haben, war nach Durchfahrt von Tema und 40 Kilometern auf dem Tacho endlich ruhigeres Gefilde erreicht. Dieser hektische Großraum rund um Accra, er zieht sich doch arg in die Länge. Berücksichtigen wir die Hinfahrt nach Accra durch die westlichen Vororte, so mussten wir uns insgesamt doch rund 80 Kilometer durch geradezu wilde Verkehrsverhältnisse kämpfen.

Nun wurde es also mit einem Schlag ruhiger und außer ein paar kleinen Ortschaften war nicht viel geboten. Nachdem wir uns von der ersten Tanke am Weg eine Absage einholten, konnten wir bei zweiter Gelegenheit unser Lager aufschlagen in einem versteckten Eck. Unpassend war nun aber, dass Jannick im Supermarkt nicht an den Abendsnack dachte. Hier waren wir nun schlagartig nach allem dem städtischen Flair so tief in der ländlichen Pampa, dass auch die Verpflegung eine Herausforderung darstellte.

Schlafplatz: Eine ruhige Tanke.

Schließlich fand er wenigstens noch einen Stand, an dem Banku verkauft wurde, eine kloßartige Masse aus Maismehl mit Sauce. Jannick war insgesamt nur semibegeistert, aber immerhin den Zweck der Kalorienaufnahme erfüllte es. So ging ein recht unspektakulärer Abend zu Ende, an dem wir früh schlafen gingen. Na ja, wir versuchten es.

Ich auf jeden Fall konnte wegen einer Affenhitze in meinem Zelt erst einmal kaum schlafen, sodass ich spontan noch mein Visum für Benin machte. Es war deutlich leichter zu beantragen als die Vorgänger, hatte jedoch seinen Preis. Eine Transitvariante durch das schmale Land zwischen Togo und Nigeria ist nicht mehr möglich, das normale für 30 Tage kostet 50 Euro. Viel Geld für eine kurze Durchreise…allgemein bin ich gespannt, wieviel Geld am Ende der Reise für den Posten der Visas draufgegangen ist. Es wird im Spätherbst bei einer ausführlichen Analyse und Auswertung der Reisefinanzen zu lesen sein 😉

Stand dieses Freitagabends nahm ich es erst einmal so hin und konnte zumindest mal eine weitere notwendige Arbeit abhaken im Kopf, ehe ich dann doch die Augen schloss.

Jannick konnte wohl ganz gut durchschlafen, denn überraschenderweise war er nur kurz nach mir um halb 8 auch wach. Entspannt packten wir zusammen und waren trotz fehlendem Zeitstress erstaunlich früh am Weg, der nun weiterhin als Kontrast zum gestrigen Tag erst einmal kilometerlang durch die Prärie führte.

Erst einmal kilometerlang nur Landschaft.

Diese Prärie wurde zunächst auch nur von kleinen Ortschaften unterbrochen. Zumindest fanden wir ein nettes Restaurant zur Mittagspause. Erst mit Erreichen der Ortschaft Sege wurde es wieder deutlich belebter. Auf dem Weg hierhin war unser Weg bereits stets von einer bedrohlich wirkenden Wolkenfront in unserer Fahrtrichtung begleitet, welche gefühlt immer näher kam.

Ortsnamen als Abwechslung: Dieser erinnert mit viel Fantasie an einen Comedian.

Mit Erreichen der Ortschaft frischte dann auch der Wind deutlich auf, wodurch es erst einmal nur ein Motto gab: Unterschlupf finden. Ein freundlicher Ladenbetreiber ließ mich in seine Garage, ehe der Wolkenbruch dann auch so richtig begann. Jannick war kurz hinter mir und suchte bei der Tankstelle gegenüber einen überdachten Platz.

Die Allee in Richtung Unwetter.
Die letzten trockenen Sekunden.

Der tropische Gewitterregen hatte es wirklich in sich und ließ die Straßen innerhalb weniger Minuten überfluten. Jaja, die Regenzeit steht eben vor der Tür. Als die Intensität etwas nachließ, zig ich zu Jannick an die Tanke um. Die Wassermassen hatten einen Vorteil: Am Abfluss der Regenrinne konnte man sich die dringend benötigte Dusche abholen. 🚿

Ein tropischer Wolkenbruch.
Dringend benötigte Naturdusche.

Als es dann nach guten 45 Minuten Pause nur noch nieselte, machten wir uns wieder auf den Weg in Regenjacken. Blöd nur, wenn es nach wenigen Minuten wieder stärker anfängt zu regnen. Hinzu kommt, dass Jannicks Gepäcktaschen nicht mehr die neuesten waren und daher die Feuchtigkeit schnell eindringen konnte. Aufgrund dieser doch miesen Voraussetzungen legten wir am Beginn des Ortes Kasseh eine weitere Pause in einem einladenden Restaurant ein.

Es regnet sich ein.

Bei einem Bier und Wassermelone als mitgebrachten Snack ließen wir die Zeit ins Lande streichen, während es sich in Form von Landregen so richtig einregnete. Insgeheim liebäugelten wir damit, hier vielleicht gleich übernachten zu können.

Nachdem wir also erst einmal etwas konsumiert haben, fragten wir bei der charmanten Kellnerin höflich nach. Nach Rücksprache mit dem Manager stellte sich heraus, dass dieser auch die Tankstelle gegenüber verwaltet. Hier durften wir ohne Probleme die Nacht verbringen – juhuu!

Erleichtert bestellte ich mir nun auch etwas im Restaurant zu Essen. Vorher zögerte ich noch aufgrund von möglichen Zeitproblemen bei einer Absage, wenn wir noch einen Schlafplatz finden müssen. Diese Befürchtung war nicht gegenstandslos: Auf meinen Reis mit Hühnchen wartete ich anschließend fast 1,5 Stunden. Man muss es hier einfach mit Humor nehmen. Vielleicht musste ja vorher das Huhn noch geschlachtet werden – zumindest war das bei einer Ziege am Straßenrand der Fall…mit der Bitte, meinen Kommentar mit einem Augenzwinkern zu sehen. Es spiegelt halt die Realität hier wieder 😉

Mahlzeit.

Was auch immer nun der wahre Grund für die Wartezeit war – als Folge hiervon kamen wir erst im Dunkeln an unseren Schlafplatz. Uns wurde die erste Ebene des Tankstellenkomplexes zugewiesen. Hier hatten wir nun wahrlich unsere Ruhe und konnten entspannt unser Lager aufschlagen – eine Sitzgelegenheit bedeutete wahren Luxus. Aufgrund der Dubkelheit wurde uns der äußerst heruntergekommene Zustand dieses Komplexes dann auch erst am nächsten Morgen bewusst.

Schlafplatz.

Trotz des kurzen Tages konnten wir uns dank eines weiteren Meilensteines nochmal auf die Schulter klopfen: Wir befinden uns nun wieder auf östlicher Länge, der Nullmeridian ist wieder überquert, nachdem wir an dem westlichsten Punkt unserer Reise, Dakar, zwischenzeitlich auf 11 Grad westlicher Länge unterwegs waren. Das Kapitel „Westen“, nach der erstmaligen Überquerung des Nullmeridians kurz hinter Barcelona ist es nach ca. 9.000 Kilometern nun also zu Ende. Weniger als die gleiche Distanz nochmal auf östlicher Länge, dann sind wir auch schon am Ziel – unglaubliche Gedankenspiele!

Abgesehen vom vielen Lärm von der vielbefahrenen Straße durchlebten wir ansonsten eine ruhige Nacht. Richtig erholsam war sie jedoch nicht, da meine Luftmatratze ein verstecktes Loch hatte, das mich mehrmals in der Nacht im wahrsten Sinne des Wortes auf dem harten Boden der Realität aufwachen ließ. Wie gut, dass wir nach mehreren Problemen ein Airbnb in Lomé gebucht haben, das eine Badewanne besaß. Hier sollte ich also das Loch identifizieren können, die Zeit des wenig erholsamen Schlafes sollte daher hoffentlich überschaubar bleiben…

Nach einem fast schon traditionellen Eis aus dem Shop der Tanke und viel Instantkaffee in kaltem Wasser (man gewöhnt sich unter Abstinenz einer Gaskartusche dran), war auch Jannick irgendwann wach, sodass wir alsbald zusammenpackten, um nochmal bei unserem gestrigen Restaurant eine letzte Stärkung abzuholen.

Ein unerfreulicher Moment war, als der Tankstellenpächter bei unserer Abreise auf einmal ein Trinkgeld verlangte für die Übernachtung, obwohl nicht ausgemacht. Wir gaben ihm umgerechnet knapp zwei Euro, für mehr reichte es auch insbesondere nicht vor dem Hintergrund, dass wir ja am Ende von Ghana sind und unser Bargeld noch bis zur Grenze reichen sollte. Als Reaktion schaute er uns verdutzt an, nach dem Motto: „Was? Nur so wenig?!“ Gottseidank waren wir abfahrbereit und suchten bei einer solchen Mentalität dann doch schnell das Weite, bzw. das Restaurant auf.

Da wir am vorherigen Abend so lange auf das Essen gewartet haben, baten wir nun vorsichtshalber darum, ob man uns das Essen denn auch in 30 Minuten fertig machen könne, da wir ja noch Fahrrad fahren wollen…

Die äußerst zuvorkommende Kellnerin kam unserer Forderung anschließend nach und beeilte sich, sodass wir mit vollem Magen unsere Tour starten konnten – erst einmal mit viel Rückenwind auf gerader Straße wieder weg von der Küste, ehe wir im Ort Sokpo bei nun Seitenwind den Volta-Fluss überquerten, der vom gleichnamigen Voltasee aus Richtung Südosten fließt. Der Voltasee markiert den Nullmeridian, ähnlich wie Greenwich. Da unsere Route aber weiter südlich verläuft und der Fluss ja nach Südosten ausfließt, sind wir nun schon lange auf der östlichen Halfte der Weltkugel.

Überquerung des Voltaflusses.

Wenige Kilometer später kam dann nach gut 30 Kilometern ein Abzweig nach rechts ab, um wieder zur Küste in Richtung „Keta Lagoon“ zu fahren. Wieder in Richtung Küste – das bedeutet normal eins: Gegenwind! Wir stellten uns innerlich auf fast 40 Kilometer Qual vor…

Schließlich war es jedoch halb so wild, der Tag sehr windschwach. Trotz eines Hauches von seitlichem Gegenwind kamen wir super voran, es ging „ratzfatz“ in Richtung Lagune, ehe wir mit nur einer kurzen Pause am mittleren Nachmittag auch schon Anloga erreicht haben, der Ort, an dem die Lagunenstraße in Richtung Lomé losgeht.

Das Problem: Wir hatten nun Hunger, und die Gegend war bei Weitem nicht so touristisch, wie wir uns das mit der Lagunenlage zwischen „Keta Lagoon“ und offenem Meer vielleicht ausgemalt haben. Fast schon verzweifelt fuhren wir die Straße entlang und fragten bei jeder Gelegenheit nach Essen – vergeblich.

Nach der x-ten Nachfrage trafen wir auf einen einheimischen Herren auf dem Motorroller, der „friends“ mit uns werden wollte. Wir waren zuerst wieder etwas misstrauisch und abwehrend, doch der Herr wollte uns zu einem Restaurant führen und da wir sonst eh keine Option haben, folgten wir einfach mal.

Nach vier Kilometerchen fanden wir so tatsächlich etwas abseits der Straße ein verstecktes Restaurant, wo man sich fast standardmäßig wieder seinen „Fried rice with chicken“ abholen konnte. Wir bedankten uns bei dem Herren für die Hilfe, dieser ließ aber nicht locker. „Do you already have a sleeping place?“ Kann der Typ Gedanken lesen?!?! Genau das wäre unser nächstes Problem gewesen!

„Not yet, we always look spontaneously“, antworteten wir. „Do you want to come to my home? It’s only one kilometer from here!“, schob er direkt nach. Wir zögerten kurz, nahmen dann aber an, da wir uns so die vielleicht stressige Schlafplatzsuche ersparen. Was ein Glück!

Wir folgten ihm hinter dem Motorroller zu seinem Anwesen, ein doch moderneres für die Verhältnisse hier. Das Haus war eine Wohngemeinschaft, seine Familie teilte sich die Anlage mit der eines Priesters. Dementsprechend viele Menschen kamen auf uns zu, um uns zu begrüßen.

Stone (der Name unseres Gastgebers) ist Politiker und hat sich wohl sogar für die Präsidentenwahl im vergangenen Jahr aufstellen lassen – leider ohne Erfolg. Wir erzählten ihm lange von unserer Reise, ehe er uns zu Banku als Abendessen einlud. Zudem gab er uns Cider aus der Plastikdose, der zumindest mir nach langem Sport trotz nur fünf Prozent Alkoholgehalt sehr zu Kopf stieg. Kurios war zudem, als Stone nicht wirklich gefiel, dass wir alle Gräten vom Fisch aussortierten: „The small ones you can eat easily!“

Banku mit klassischem Maisklos in Plastikfolie.
Fast schon zu heftig für mich.

Anschließend durften wir unsere Zelte auf der Terrasse aufbauen. Wir waren müde, doch leider ist es in Ghana üblich, dass man als Familie noch bis spät in die Nacht hinein zusammensitzt draußen. Mit Ohrenstöpseln konnte ich die Gespräche jedoch gut aushalten. Zudem gab’s noch eine kalte Dusche, wodurch es mit dem Einschlafen in der wiederum tropischen Luft ganz gut funktionierte.

Ein Problem hierbei waren jedoch die neugierigen Kinder. Für erträglichen Schlaf musste ich wieder mein Vorzelt offen lassen, durch welches die Kinder von Stone in der Früh sehr neugierig ins Zelt starrten, wo ich halbnackt auf meiner halbplatten Matratze lag – Privatsphäre gibt’s hier halt nicht. So stand ich lieber gleich auf und wartete auf Jannick, der selbstverständlich länger schlief als ich.

Schlafen auf der Terrasse.

Stone servierte uns anschließend noch ein traditionelles ghanaisches Frühstück: Kokli, eine Art Porridge, dem man Erdnüsse hinzufügt. Mir hat’s auf jeden Fall geschmeckt.

Frühstück in Ghana.

Zudem war es eine richtige Nervennahrung vor dem Zusammenpacken, da die Kinder von Stone doch arg auf Tuchfühlung gingen, über unsere Haut sowie unsere Haare strichen. Aber wer will es ihnen verdenken – hellhäutiger Besuch ist hier wohl doch eine absolute Rarität…

Wir fühlten uns wie Superstars, als die Kinder uns anschließend umringten und zahlreiche Bilder und Selfies mit uns knipsten. Irgendwann ließen sie doch von uns und wir konnten in Ruhe unsere Zelte einpacken, ehe wir uns von Stone verabschiedeten in Form eines gemeinsamen Fotos und uns herzlich für seine Gastfreundlichkeit bedankten.

Danke, Stone!

60 Kilometer lagen nun noch vor uns bis zum Apartement in Lomé, wo wir auf meinen Vater treffen werden. Termin zum Einchecken war erst am nächsten Tag, wir hatten daher alle Zeit der Welt und strampelten mit vielen Pausen die Lagunenstraße entlang. Es wurde zudem auch etwas touristischer, sogar Eis gab’s am Straßenrand.

Pause obligatorisch!
Links die Lagune, rechts das offene Meer mit langer Bucht.

Auf dem weiteren Weg beobachteten wir die Schönheit der Lagunenbuchten sowie die zahllosen Fischerboote, ehe wir nach Verlassen der Lagune bei einem einladenden Strand doch auch selbst noch eine kurze Badepause einlegen wollten. Ich sprang vom Fahrrad und sehnte mich nach einem Sprung in die tosenden Wellen des Atlantiks.

Da war noch alles gut…
In der Ferne konnte man bereits Lomé erahnen, ca. 25 Kilometer entfernt.

Ich war bereits auf dem Weg in die Wellen, da kam ein Einheimischer ums Eck: „I just want to warn you: There are rocks directly under the water, you can’t see them – be careful!“ Zu spät – ich bin bereits wie immer Kopf voran in die Wellen getaucht. Dieser Tauchgang fand jedoch schnell ein jähes Ende in Form eines Auffahrunfalls an einem dieser Felsen – rumms!

Geschockt tastete ich noch mit der Zunge mein Gebiss ab – alle Zähne noch dran. Erst danach kam der Schmerz, ich tauchte auf und mein Gesicht zeigte sich blutüberströmt. Statt Badespaß war nun erst einmal erste Hilfe gefragt, meine zwei Platzwunden unter dem Auge und neben der Nase wurden gemeinsam gereinigt, desinfiziert und verarztet. Der Aufprall mit doch ordentlicher Wucht vom Eintauchen passierte genau zwischen Auge, Nase und Mund. Ausgesprochenes Glück im Unglück – man möchte sich nicht vorstellen, was bei einer Kollision mit einem dieser Körperteile passiert wäre…

Ein persönliches Andenken an Ghana.

Trotz allem: Es half ja alles nichts – ab aufs Fahrrad und weiter geht’s. Mit meinem verpflasterten Gesicht war ich nun natürlich noch mehr Blickfang für alle Passanten als ohnehin schon als hellhäutiger Tourist.

Bereits in dem schönen Ort Hedzranawo ca. 12 Kilometer vor der Grenze machten wir im Schatten einem Laden noch einmal Softdrinkpause. Gegenüber war eine Apotheke. Da die Blutung immer wieder aufging und mein Pflaster bereits sehr durchgesaut war, empfahl er mir, dieses bei Gelegenheit abzunehmen und stattdessen noch einmal zu desinfizieren. Ich kaufte daher noch einmal Desinfektion und Tücher bei ihm nach. Der Grund für den schwerfälligen Stop der Blutung war wohl die pralle Sonne in Verbindung mit all dem Schweiß im Gesicht. Na ja – wird schon irgendwie!

Weiterweg auf kurzer Sandpassage: Bei entsprechender Brandung kann das hier schonmal geflutet werden! (Siehe Sand)
Paradiesische letzte Kilometer in Ghana.

Nach der Trinkpause hatte erst einmal die Schlafplatzsuche höchste Priorität. Schließlich waren wir bereits weniger als 10 Kilometer vor der Grenze und unser Visum für Togo ging ja erst am nächsten Tag los. Zu nah an die Großstadt Lomé wollten wir jedoch auch nicht heran – seit Accra waren wir doch sehr traumatisiert, was Schlafplatzsuche in urbanem Raum hier angeht.

Diesmal fragten wir an einem sehr großen Parkplatz mit Grünfläche nach Erlaubnis. Der Parkwächter verweigerte erwartungsgemäß, schickte uns aber zur Polizeistation 200 Meter weiter. Hier sollten wir Zelten dürfen als sichere Option.

So steuerten wir die Polizeistation an. Die Beamten starrten natürlich erst einmal argwöhnisch auf mein Auge. Ich nahm jedoch schnell den Wind aus den Segeln: Nein, wir sind hier nicht wegen eines Gewaltdeliktes. Wir wollen lediglich einen Schlafplatz.

Es war erst einmal zäh, da der Oberkomissar nicht so wirklich mitspielen wollte. Er habe ja keine Toilette hier, meinte er abwehrend. Alle Mitarbeiter würden zum Kacken heimgehen. Wo sollen wir denn dann bitteschön unser Geschäft erledigen? „Wir entledigen uns immer am Abend vorher in einem Restaurant, dann passiert in der Nacht gar nichts“, erklärten wir uns.

Der Beamte blieb jedoch erst einmal ausweichend. Er verwies uns auf die Polizeistation direkt an der Grenze. Dort sei es noch sicherer als hier – nur acht Kilometer. „But can they guarantee us the possibility to sleep?“, fragten wir leicht kritisch. Der Polizist meinte, es sei normal kein Problem. Anrufen und für uns die Lage abklären wollte er jedoch nicht. Doch ohne hundertprozentige Zusage wollten wir nicht weiterfahren. Was, wenn wir dort eine Absage kassieren und es dann schon dunkel wird?!?!

Wir bestanden auf das Zelten an der Polizeistation. Als letzte Option wollte man uns ins Hotel nebenan schicken. „That doesn’t work. We have only a few Cedis remaining for food, we will cross the border tomorrow morning“, entgegneten wir. Schließlich ließ man uns fast etwas widerwillig neben dem Gebäude im Sand zelten. Und – oh Wunder – es gab tatsächlich eine Toilette. Diese wurde mit Eimerwasser aus dem Brunnen nebenan gespült und man wollte sie nur im Notfall benutzen – aber immerhin!

Sicherer, schattiger Schlafplatz.

So bauten wir unsere Zelte auf und holten uns etwas zu Essen, ehe es noch ein großes Problem gab: Jannick vergaß beim Visum für Togo, sich die Zusammenfassung des Visums mit QR-Code zu downloaden. Das Internet war jedoch hier so schwach, dass es eine halbe Stunde dauerte bis wir endlich auf die Seite kamen und das notwendige Formular downloaden konnten. Nach halbem Nervenzusammenbruch waren wir also gerüstet für den Grenzübertritt!

Da wir am nächsten Tag nur 14 Kilometer zum gebuchten Airbnb in Lomé hatten inklusive Grenzübertritt, ließ ich Jannick ein letztes Mal ausschlafen. So holte ich mir in der Früh zwei kalte Wasser und genoss mal wieder einen kalten Instantkaffee. Wenngleich bei der Wartezeit auf Jannick ca. zwei Liter kalter Kaffee wohl doch übertrieben waren. So musste ich auch notgedrungen die Toilette benutzen und hatte damit wiedermal ein allgegenwärtiges Problem: Nicht vorhandenes Klopapier! Doch gottseidank stand direkt neben der Polizeistation ein Baum mit großen Blättern, man weiß sich ja schon immer irgendwie zu helfen 😉

Als Jannick schließlich wach war, verjubelten wir unsere letzten Cedis und bei einem Brunch, bevor wir uns aufmachten in Richtung Grenze. Der Trubel im Einzugsbereich von Lomé war bereits spürbar. Nach acht Kilometern standen wir an der Grenze, die Ausreise aus Ghana verlief reibungslos und schnell, ehe doch noch etwas Stress aufkam. Auf togolesischer Seite akzeptierte man unser digitales Visum nicht: „Go to the next copyhop and come back afterwards. That is not acceptable!“

Ernsthaft?! „But we have no Cedis left. What should we do now?!“, klagten wir. „That’s your problem!“, schmetterte der Grenzbeamte unseren Hilferuf lieblos ab. Wir versuchten nun unser Glück wieder auf der ghanaischen Seite der Grenze und gingen zurück zu den Beamten hier – die haben doch vielleicht einen Drucker! Wir schilderten unser Problem und erklärten, dass wir kein ghanaisches Geld übrig hatten inklusive der Nachfrage, ob sie es uns freundlicherweise für umsonst ausdrucken können.

Die hier deutlich freundlicheren Grenzer legten uns keine Steine in den Weg. Mit gottseidank noch etwas Restinternet konnte ich die Visas rüberschicken, welche uns problemlos ausgedruckt wurden. Also wieder zurück zur togolesischen Immigration – Problem gelöst!

Im zweiten Anlauf und nach langer Wartezeit sowie mit einem erneuten Ausfüllen eines Einreiseformulars war es schließlich geschafft und wir durften weiterfahren – geht doch!

Etwas genervt ob des zähen Prozesses und der unfreundlichen Grenzer, aber trotzdem positiver Stimmung ob des neuen Landes und der Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen mit meinem Vater rollten wir die ersten Kilometer auf togolesischem Boden in Richtung Airbnb, immer entlang an dem doch einladenden Stadtstrand, vorbei an regem Markttreiben inmitten von wildem Verkehr.

Einfahrt nach Lomé: Ein paradiesischer Stadtstrand. Linkerhand ein ganz normaler Truck hier…

Ein Problem tat sich dann aber doch noch auf: Irgendwie wollte sich meine eSIM mit einem Gigabyte für die paar Tage Togo einfach nicht mit dem Internet verbinden. Ich musste aber irgendwie die Navigation zum Airbnb reinbekommen sowie dem Host Bescheid geben, dass wir gleich da sind…

Wir machten Halt an einem Supermarkt und fragten einen Mitarbeiter nach Hotspot: „Est-ce que vous pouvez partager l’internet?“ Ach ja – hier ist es übrigens wieder französischsprachig – erneute Umstellung.

Der Mitarbeiter schickte mich ohne Probleme zum Hotel gegenüber mit offenem WLAN – perfekt. So erreichten wir nach zwei weiteren Kilometern über zuletzt aufgrund der Regenfälle der vergangenen Tage überflutete Nebenstraßen unser im Vergleich äußerst modernes Airbnb. Juhuu – endlich geschafft, hallo Togo, hallo Kurzurlaub und hoffentlich bald hallo Vater! Zudem waren auch Jannicks Rippenschmerzen längst kein Thema mehr…

Ende gut, alles gut – denkste. Auch jetzt sollten die Probleme und Herausforderungen erst einmal nicht so schnell abreißen. Fortsetzung folgt im nächsten Blog…

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