Angekommen in unserem Airbnb in der togolesichen Hauptstadt, die sich direkt an der Grenze zwischen Ghana und Togo befindet, rissen die Herausforderung erst einmal so schnell nicht ab.
Zuerst einmal war der Strom nicht da. Grund: In Togo gibt es ein Prepaid-System. Man kauft sich quasi erst Strom und verbraucht diesen anschließend. Dass Elektrizität nicht im Buchungspreis inbegriffen war, stand im Kleingedruckten des Inserates. Leicht verärgert drückten wir dem Hausmeister etwas Geld in die Hand, um den so wichtigen Strom zu haben.
Immerhin hatte das Airbnb eine Badewanne, was schon bei der Buchung ein ausschlaggebender Grund war. Hierdurch konnte man nämlich die Luftmatratze eintauchen und endlich die Löcher identifizieren, um entsprechend zu reparieren. Der Grund meiner Nächte auf dem Boden war dann auch schnell identifiziert in Form von Luftbläschen: Ein kleines, feines Löchlein direkt an einer Naht mit verheerenden Auswirkungen. Trocknen lassen, Flicken drauf – Problem gelöst!
Weitere Probleme: Wie immer Bargeld und Verpflegung. In der unmittelbaren Umgebung der Unterkunft befand sich kein ATM, und wir brauchen ja wieder CFA im französischsprachigen Togo. Immerhin kam mein Vater erst um 20 Uhr an mit seinem Air-France-Flieger, sodass noch genügend Zeit für einen nachmittäglichen Powernap blieb bei unwetterartigem Gewitterregen.

Am späten Nachmittag machten wir uns schließlich auf zu einem Spaziergang in Richtung Zentrum durch die überfluteten Nebenstraßen, bis wir an einer Hauptverkehrsader mit Supermarkt, Geldautomat und Fast-Food-Restaurant herauskamen.
Für einen in Fett getränkten Snack reichten meine 5.000 CFA Geldreserve noch, ehe direkt der ATM nebenan probiert wurde. Er funktionierte ohne Probleme und Gebühren – hier hätte ich meine rettende Visakarte also gar nicht braucht, die in ein paar Stunden mit meinem Vater ankommen wird.
Wieder mehr als liquide machten wir uns auf in den modernen Supermarkt, der bei vielen importierten französischen Produkten durchaus europäisches Preisniveau aufwies. Gleiches galt für einen Supermarkt der Kette „Le Champion“ einen Kilometer weiter Richtung Stadtzentrum.
Der Weg hierhin führte durch eine wilde Gasse mit einheimischem Markt und einem auffälligen Geruch nach verbrannter Kohle. Ganz wohl war einmal hier irgendwie nicht in der blauen Stunde nach Sonnenuntergang und wir waren froh, als wir nach dem Supermarktbesuch wieder an der Hauptstraße waren.
Ein weiterer Unterschied ergab sich zu Ghana: In großen Städten wie Accra rollten hier die Taxis geradezu in Form einer Lawine durch die Innenstadt, hier waren Taxis Mangelware, wenn überhaupt fahren ein paar Tuk-Tuks. Immerhin nahm uns ein netter Autofahrer mitsamt der schwer beladenen Einkaufstüten wieder zurück zur Unterkunft.
Dort angekommen gab’s die nächste Herausforderung: Ich wollte meinen Vater natürlich damit überraschen, dass ich ihn vom Flughafen abhole. Nur wie hinkommen? Taxis sind ja schwierig hier…
Nach Rücksprache versprach mir dann der Hausmeister, einen Fahrer zum Flughafen zu organisieren für kleines Geld um 19:40 Uhr. So verstauten wir entspannt die Einkäufe und standen danach pünktlich bereit. Und warteten…und warteten…und warteten…
Als es bereits Viertel nach acht war, wurde es uns zu bunt. Dann fährt er halt umsonst – wer zu spät kommt, den bestraft ja wohl das Leben. Wir gingen los und suchten nach einer anderen Möglichkeit. Direkt trafen wir zwei Motorradfahrer, die anhielten und uns für jeweils 80 Cent zum Flughafen brachten. Wir mussten gar nicht lange überlegen und sprangen direkt hinten auf.
Im Gespräch mit dem netten Motorradfahrer waren wir in wenigen Minuten am Ziel. Er konnte neben Französisch auch ein paar Brocken Englisch und Deutsch und verwies auf Deutsch als eine so schöne Sprache, da sie so anspruchsvoll ist. Vor dem Hintergrund des kolonialen Fußabdruckes wird in Togo sogar Deutsch gelehrt. Ich jedenfalls antwortete, dass mir Französisch ebenso besser gefällt als Englisch und eine sehr charmante Sprache ist – er musste lachen.

Nach Austausch der Nummern verabschiedeten wir uns. Wo jedoch ein Problem gelöst war, kam das nächste: Zum Einlass aufs Flughafengelände war ein Ausweisdokument vonnöten. Mein Reisepass lag in der Unterkunft – Mist! Nur Jannick hatte seinen Personalausweis standardmäßig dabei. Meiner ist ja schon länger gestohlen…
Ich flehte den Aufpasser vor dem Eingang an, doch nichts zu machen. Fast hätte ich heulen können, doch er blieb hart. Schließlich schickte ich Jannick vor, meinen Vater abzuholen, während ich zornesröter als ein Uli Hoeneß auf den Boden stampfte und im Affekt einen kurzen Frustschrei von mir ließ, als ich mich ins Eck vor dem Eingang kauerte.
Der Aufpasser ließ mich noch kurz schmollen, ehe er ein schelmisches Grinsen aufsetzte: „You can go!“ Was? Ich kann gehen?! Verdutzt schaute ich ihn an – er zeigte unmissverständlich auf den Eingang. Ich verstand die Welt nicht mehr – willst du mich wohl komplett veräppeln?! Der Kollege lachte sich ins Fäustchen, während ich nicht wusste, ob ich lachen soll oder sauer sein soll ob dieses Pranks…
Ich traf also wieder auf Jannick, ehe nun neben uns wiederum eine Person herlief, der die Zornesröte ins Gesicht stand: Unser Taxifahrer, den wir versetzt haben, beschwerte sich bitter über unser Verhalten. „Mais tu dois comprendre: L’avion n’attend pas. Tu as été en retard!“, antwortete ich („Aber du musst verstehen: Das Flugzeug wartet nicht. Du warst zu spät.“). Der Taxifahrer zeigte sich dann halbwegs einsichtig. Wie passend, dass in diesem Moment von meinem Vater die Nachricht kam, dass er Verspätung hatte und nun erst gelandet ist…
So warteten wir noch kurz, ehe er auch schon ums Eck kam: Das erste Mal Heimatbesuch seit über fünf Monaten! Was ein epochaler Moment! Überglücklich ließen wir uns vom halbwegs versöhnten Taxifahrer wieder zur Unterkunft fahren.
Hier gab es dann erst einmal so etwas wie eine kleine Bescherung: Mein Vater hatte nämlich reichlich Gepäck mit dabei – von Autan über Ladekabel, Uhren und Powerbanks hin zu Fahrradersatzteilen, die bei der Zollkontrolle am Flughafen erst einmal kritischen Blicken unterzogen wurden.

Das wichtigste war natürlich auch dabei: Meine Visa-Karte! Jetzt kann doch hoffentlich beim Abheben nichts mehr schief gehen. Ein vorgezogenes Weihnachten! Darauf gingen wir erst einmal alle brav schlafen. Insbesondere mein Vater, der dank der zweistündigen Zeitverschiebung noch einmal müder war als normal nach einer solchen Anreise…
Aufgrund jener Zeitverschiebung war er dann aber am nächsten Morgen noch einmal früher wach als normal, ehe wir folgten. Nach kurzem Frühstück ging es erst einmal rein in die Wellen des ca. 10 Fußminuten entfernten Atlantiks. Ordentlich durchgespült von der starken Brandung ging es weiter entlang der Küste in Richtung Zentrum mit Straßenmarkt.


Natürlich wurde man mal wieder von einem Verkäufer nach dem anderen angesprochen, stets gab es eine nette Ablehnung: „Je suis desolé, je n’ai pas besoin de ça!“ („Es tut mir leid, ich brauch das nicht!“). Leute, wo kommen wir auch hin, wie soll ich das denn alles in meinem Gepäck verstauen, wenn ich jedem Verkaufswunsch nachkomme…
Irgendwann hatte ein Verkäufer aber doch Glück, schließlich brauchte ich ja das Togo-Trikot in meiner Sammlung von Fußballtrikots. Für wie immer standardmäßig 10.000 CFA (15 Euro) bekam ich eines, das ich nun stolz noch in diesem Land tragen werde. Damit genügend Platz für alle Fußballtrikots auf dem Rest der Reise ist, habe ich ja nun die Chance, etwas Klamottenbalast abzuladen 😉
Nach Passieren des hektischen Marktes ging es zur römisch-katholischen Kirche von Lomé, die 1902 von deutschen Siedlern während der heimatlichen Kolonialzeit in Togo eröffnet wurde. Rein vom architektonischen Stil her vermutete mein Vater bereits, dass diese Kirche von „Kaiser Wilhelm persönlich“ dort hingestellt wurde.


Bei der Besichtigung verwöhnte uns ein prächtiger Kinderchor, wodurch wir nach ein paar Fotos auch wieder weiterzogen, zurück in Richtung des prächtigen Stadtstrandes. Wir nahmen eines der Restaurants am weiteren Strandverlauf ins Visier. Ein Tuk-Tuk-Fahrer hatte auf Nachfrage kein Interesse, uns mitzunehmen, sodass wir weiter spazieren gingen, vorbei an der doch sehr unscheinbar wirkenden Nationalversammlung Togos sowie schließlich auch der deutschen Botschaft in Togo.

Schließlich fanden wir am Strand ein nettes Restaurant, wo wir zu dritt jeweils einen frisch gefangenen Fisch mit Couscous genießten. Vor der Zubereitung wurden uns sogar die Fische gezeigt und wir mussten absegnen, dass diese für uns passen zum Verzehr – sehr professionell! Hinter dem Fang dieser Fische steckt harte Arbeit: Tagtäglich verlegen hart arbeitende Menschen die Fischernetze bis weit raus ins Meer. Einige begeben sich auf gefährliche Art und Weise weit raus in Wellen und Strömung des Atlantiks, um die Ausbeute zu kontrollieren. Schließlich müssen die Netze in einem wahren Kraftakt in Form von Tauziehen von ca. 30 Menschen wieder eingeholt werden. Sagen wir es so: Ich möchte mein Fahrrad nicht gegen diesen Job eintauschen – auch wenn es mal eine Erfahrung wert wäre.


In dem Moment genossen wir dann lediglich das Resultat dieser Arbeit, als zwei togolesische Damen an unseren Tisch kamen, mit der Frage, ob wir ihnen helfen könnten, nach Deutschland zu kommen. Wir verwiesen nett auf die Aushänge an der deutschen Botschaft, wo Schritt für Schritt erklärt wird, wie man ein Schengen-Visum bekommt und auch langfristig in Deutschland bleiben kann, es war dennoch ein sehr interessanter Austausch. Der Traum des Auswanderns nach Deutschland ist doch eine auffällige Konstante in ganz Westafrika.
Nachdem wir dann unsere Mahlzeit genossen haben, ging es wieder zurück am Strand, vorbei an der alten Landungsbrücke aus deutschen Kolonialzeiten Anfang des 20. Jahrhunderts. Hiervon sind nur spärliche Überreste vorhanden, vergleichsweise gut erhalten haben sich die französischen Landungsbrücken direkt nebenan aus der nachfolgenden Kolonialzeit. Dieser Anleger war zu deutschen Kolonialzeiten von großer Bedeutung für den Bau einer Eisenbahnlinie in Lomé sowie den Export von Rohstoffen. Seit der Inbetriebnahme des Hafens im östlichen Teil Lomés verkommen die Landungsbrücken jedoch nur noch aufgrund ihrer Bedeutungslosigkeit…was bleibt, ist koloniales Erbe der Überreste.

Wir spazierten einmal durch die scharfe Brandung an den Brücken und machten anschließend noch einmal Kaffeepause. Interessant hierbei zu beobachten: Im Restaurant werden einzelne Arbeitsschritte ausgelagert, bspw. an externe Kellner und Kellnerinnen, damit möglichst viele etwas verdienen – ein interessanter Ansatz.
Wir machten uns an den Rückweg zur Unterkunft, vorbei an einem weiteren Straßenmarkt zu einem weiteren supermodernen Einkaufsladen einer französischen Kette. Fast, wie wenn man daheim im Rewe einkauft. Und das direkt neben dem wilden Straßenmarkt…diese Unterschiede auf engstem Raum sind stellenweise wahrhaftig beeindruckend.

Die Preise waren dann natürlich auch wieder europäisch, diese Läden sind dann in Togo sehr wahrscheinlich der einheimischen Oberschicht vorbehalten – und eventuell den Touristen wie uns 😉
Spaß beiseite – eingedeckt mit Snacks gingen wir die letzten zwei Kilometer zurück zur Unterkunft und wollten nach 20.000 Schritten und viel Sightseeing erst einmal ruhen. Die Betonung liegt auf „wollten“ – der Strom war leer, im ganzen Haus stand die Hitze. Haben wir ernsthaft 15 Euro Strom an einem Tag verbraten?! Etwas geschockt fragten wir beim Hausmeister nach. Tatsächlich, die Klimaanlagen sind wohl extrem ineffizient und ein wahrer Stromfresser…und wir haben sie durchlaufen lassen. Wir einigten uns von nun an auf einen radikalen Sparkurs im Bezug auf Strom. Licht aus, Klimaanlage nachts aus – wenn man finanziell so bluten muss, lernt man auf diese Weise wieder das Strom sparen.
Immerhin war nach einer Aufladung der Strom schnell wieder da, und der Rest des Tages war von Entspannung geprägt. Am nächsten Tag stand der Voodoo-Markt im östlichen Teil von Lomé an. Wiederum nach kurzem Frühstück gingen wir los, immer über sandige Nebenstraßen, auf denen die einheimischen Kinder wiedermal eifrig kickten.

Schließlich erreichten wir den Markt, es ist anscheinend der größte Voodoo-Markt der Welt. Erst einmal mussten wir einen stattlichen Eintritt zahlen für drei Personen plus eine, die Bilder macht. Hier findet man allerlei ausgestopfte Tierarten, der Geruch war dementsprechend. Souvenirs hiervon waren bei entsprechend tiefem Griff in die Tasche reichlich zu erwerben gewesen. Ein Guide erzählte uns in leidenschaftlich gestikulierender Art und Weise von den verschiedensten Heilmethoden, für welche die Tiere benutzt werden – teilweise sehr gewöhnungsbedürftig für einen wissenschaftsorientierten Mitteleuropäer. Achtung: Triggerwarnung für die kommenden Eindrücke!!!



Dennoch war es auch sehr amüsant, als mein Vater anscheinend gesegnet wurde und wir noch verschiedene Fetische erwerben konnten, die einen in allerlei Situationen einen Schutz geben sollen. Jannick und ich holten uns einen Telefonfetisch aus Holz. Hiermit soll man vor Unfällen jeglicher Art geschützt sein – das nimmt man dann doch gerne 😉 Man muss halt nur fest genug dran glauben…

Nach diesem Exkurs in die togolesiche Voodookultur gingen wir über einem Straßenmarkt wieder zurück zur Küste, wobei wir noch einen Blick in den Hafen werfen konnten, der die beiden Anleger aus Kolonialzeiten in die Bedeutungslosigkeit verbannte.
Auf dem Rückweg am Strand bekamen wir dann wieder einmal an kleinen Details zu sehen, dass das deutsche Kolonialerbe immer noch allgegenwärtig ist…


Fast wieder auf Höhe von unserer Unterkunft legten wir dann nach dem Duchwaten eines Flusslaufes, der den Strand einmal teilte, aufgrund der Hitze noch einmal eine Badepause am Strand ein. Schnell wurden viele Hilfsarbeiter beim Fischen nebenan auf uns aufmerksam, Kinder wollten mit uns baden. Da die Strömung und Wellen doch ein elementares Schwimmkönnen erforderten, bat uns ein Fischer, wieder aus dem Wasser zu gehen – wir sind wohl ein schlechtes Vorbild für die neugierigen Kinder.

Wir akzeptieren und machten uns ans Mittagessen an einer Strandbude nebenan. Unser Essen dauerte mal wieder außgerwöhnliche lange, eine knappe Stunde durften wir an unserem Platz warten, vor allem bei Jannicks Bestellung mit Fisch: „Bestimmt gab’s gerade keinen frischen Fang und jetzt müssen sie den Fisch am Markt kaufen“, witzelten wir. Als nach halber Wartezeit die Entschuldigung kam, dass Schwierigkeiten bei der Beschaffung auftraten, glaubten wir zumindest an ein Fünkchen Wahrheit bei unseren Vermutungen 😉
Währenddessen war auf den Straßen bereits Ausnahmezustand, die Feierlichkeiten für den Maifeiertag (1. Mai) in vollem Gange. Es scheint hier ein besonderer Feiertag zu sein, der das Zusammengehörigkeitsgefühl und Besinnung auf die eigenen Traditionen betonen soll.

Wir jedenfalls kämpften uns durch die feierwütigen Straßen und machten daheim bereits Pläne für den nächsten Tag. Der Strom hat übrigens mit ausgeschalteten Klimanlagen während der Abwesenheit gut gehalten 👍
Zwischen der Planung des weiteren Tages wurde noch kurz der Einbau meines neuen Zahnkranzes erledigt. Der vorherige sah nach deutlich über 12.000 Kilometern bereits mehr als schlimm aus, die berühmt-berüchtigten Haifischzähne waren deutlich erkennbar, ein Ersatz überfällig. Danke an Radsport Zacherl und Müller für die problemlose Beschaffung von Ersatzteilen!

Der Plan war, einen Ausflug ins Inland von Togo zu machen zu den Wli Agumatsa Wasserfällen in der Nähe von Kpalimé, knappe 200 Kilometer von Lomé entfernt. Mit dem Taxi wohl knappe drei Stunden, anschließend anderthalb Stunden Fußmarsch. Aufgrund dieses doch langen Tagestrips wurde unser privater Fahrer für 6 Uhr bestellt, am nächsten Tag war er dann auch pünktlich da und wir machten uns auf den Weg.
Schnell wich die Hektik von Lomé einer ruhigen Straße durch den Regenwald, nur unterbrochen von so manchem Dörfchen. Bei überschaubarem Verkehr waren wie bereits in aller Frühe in Kpalimé, wo wir uns nochmal mit ein paar kleinen Snacks von der Tankstelle stärkten, ehe wir weiterfuhren.
Hier gab es jedoch ein kleines Missverständnis: Unser Fahrer dachte, wir wollen zur Cascade de Kpimé, die direkt hinter Kpalimé am Fuße der Berge des Togo-Atakora-Gebirges liegt. Der angepeilte Wasserfall befand sich jedoch tief in diesem Gebirge, man hätte bis zum Ausgangspunkt der Wanderung erstmal lange über Schotter fahren müssen. Wir wollten den eh schon gestressten Fahrer auch ob der zunehmend regnerischen Bedingungen nicht weiter stressen und gaben der Cascade de Kpimé eine Chance.
Hierzu musste man auch einen halbstündigen Fußmarsch hinlegen. Zu dessen Ausgangspunkt stand ebenfalls eine Fahrt über ca. 300 Höhenmeter und holprige Schotterpiste in die Berge an. Die letzten Meter zum Ausgangspunkt der Wanderung mussten wir auf einer steilen und vom Regen schlammigen Piste den Taxifahrer sogar einmal anschieben.


Anschließend ging es in einem wahren Regentanz über einen steilen, schmalen Regenwaldpfad zu dem ersehnten Wasserfall, der bei den regnerischen Bedingungen noch einmal ein eigenes, geheimnisvolles Flair hatte.


Nach kurzer Hochdruckmassage für Kopf und Schultern unter dem scheppernden Wasserfall und einer kleinen Badeeinheit ging’s wieder zurück Richtung Taxi, und nach etwas über einer Stunde war der Ausflug auch schon beendet. Hier gab es noch eine böse Überraschung, da der Guide (immerhin Bayern-München-Fan) aufgrund des Ausbleibens einer vorherigen Preisvereinbarung auf einmal 20.000 CFA (ca. 30 Euro) pro Person für den kleinen Ausflug haben wollte.
Wir hatten gar nicht so viel Bargeld dabei und konnten ihn so immerhin auf insgesamt 40.000 CFA runterhandeln, dennoch haben wir so wieder einmal auf bittere Art und Weise erfahren: Immer vorher fragen, ob es zusätzlich kostet!
Nach diesem kostspieligen Wasserfallbesuch war uns dann auch nicht mehr so wirklich nach weiterer Erkundung der Gegend zu Mute, auch wenn der Ausblick zum Mont Agou, dem mit 986 Metern höchsten Berg Togos, bei aufklarendem Wetter beim Rückweg durchaus als nett zu bezeichnen war.

In Kpalimé konnte man uns als Sightseeinghighlight beim Rückweg nur den Besuch des lokalen Marktes anbieten. Unsere Konsumlaune sowie die Lust auf aufdringliche Verkäufer hielt sich in dem Moment jedoch in Grenzen, wodurch wir uns wieder straight zurück nach Lomé an den Strand chauffieren ließen, nach einem kleinen Stopp beim Monument du mort in Kpalimé – ganz nett, mehr auch nicht. Ein Denkmal für die im Krieg verstorbenen Soldaten aus Togo.

Immerhin hatten wir dann für unseren doch vorzüglichen Taxifahrer noch ein Trinkgeld übrig, ehe wir bereits mittags wieder zurück waren und am Strand wiederum unseren Fisch genossen. Auffällig waren hierbei wiederum zahlreiche Verkäufer, die einem am Tisch die verschiedensten Gegenstände verkaufen wollten – von Kleidung über Mehrfachsteckdosen. Da fragt man sich wahrhaft, wer sich denn spontan im Restaurant einen Mehrfachstecker kauft 😉
Aufgrund der Fürsorglichkeit unseres Taxifahrers war auch der Weg zum Airbnb als Rückzugsort zur Entspannung nicht mehr weit. Ursprünglich wollten wir dort rausgelassen werden, wo wir zwei Tage vorher auch Mittagspause gemacht haben. „No! Il y a beaucoup des voleurs!“, war seine Reaktion hierauf („Nein, da sind sehr viele Diebe!“). Auf dem Fußmarsch zur Unterkunft durften wir dann am Strand noch die vermüllten Überreste der wohl wahrhaft rauschhaften Party der Vornacht bewundern. Auch im Airbnb konnte man noch akustisch erahnen, wie die Feierlichkeiten unter den Einheimischen getobt haben müssen.
Nach der Verarbeitung des ereignisreichen Tages war am nächsten Tag bereits der letzte Akt dieses Kurzurlaubs angebrochen, am Abend sollte mein Vater wieder den Heimweg antreten – mit vielen Fußballtrikots von mir im Gepäck, die ich nun kaum mehr tragen werde, da ich die jeweiligen Länder ja schon hinter mir habe.
Da Jannick an seinem Fahrrad mehr zutun hatte als nur den Zahnkranz zu wechseln, klingte er sich für den Tag von Sightseeingaktivitäten aus – am nächsten Tag hieß es schließlich wieder Vollgas geben und in die Pedale treten!
So machten sich mein Vater und ich gemeinsam auf zu einem Spaziergang zum historischen Nationalmuseum von Togo. Hierbei wurde natürlich das obligatorische Eintunken ins Meer in den Fußmarsch integriert. Als sich ein potenzieller Langfinger interessiert unseren Sachen am Meeresufer näherte, mussten wir wieder an die Worte unseres Taxifahrers am vorherigen Tag denken. Dann eben nur einzeln baden gehen!
Der verdächtige Passant folgte uns auch auf dem weiteren Spaziergang noch lange, ehe er doch von Dannen zog. Bald hätten wir ihn doch mal zur Rede gestellt…
Egal, wir durchquerten noch einmal den hektischen Markt im Zentrum von Lomé, ehe wir uns im Regierungsviertel wiederfanden. Hier tat sich ein ganz anderes Flair auf – modern und hoch gepflegt. Repräsentativer Charakter eben, wenn doch mal hohe Persönlichkeiten zu Gast sind 😉 Trotzdem: Dieses Gegensätze – einfach nur krass!

Blöd aus der Wäsche schauten wir, als an dem Standort des Nationalmuseums laut Google Maps nun der Neubau des Nationalkongress stand.
Auf Nachfrage teilte man uns mit, dass dieses nun kombiniert mit einer Kunstausstellung im Palais de Lomé zu finden sei. Also wieder zurück an die Küste, zum Wohnsitz der ehemaligen Gouverneure aus deutschen und französischen Kolonialzeiten. Die Residenz war dann auch durchaus ansehnlich in einem gepflegten Gartengrundstück gelegen, das mit dem Pendant des englischen Gartens in München durchaus mithalten kann.

Das Museum war dann ebenfalls ganz nett, insbesondere die Ausstellung über die architektonischen Highlights und Großprojekte in Lomé konnte sich sehen lassen. Diese vereinzelten, beeindruckenden Bauten waren bereits bei Besichtigung der Stadt mehr als auffällig als Kontrast zu all dem „Klotterkram“, wie mein Vater gerne zu sagen pflegte.

Traurig hierbei war jedoch, dass viele Bauprojekte einfach eingestampft wurden und die halbfertigen Gebäude nun dahinvegetieren…sei es aus finanziellen oder anderweitigen Gründen.

Schnell war dann die Besichtigung der überschaubaren Ausstellung auch abgeschlossen und nach dem Genuss einen letzten Fischs beim Restaurant gegenüber riefen wir unseren Taxifahrer an, uns mit einem Zwischenstopp beim Supermarkt wieder zur Unterkunft zu bringen.
Somit war der restliche Tag nur noch von ersten Vorbereitungen zur Abreise geprägt, ehe unser Taxifahrer wiederum pünktlich um 19:30 Uhr bereit war und uns zum Flughafen fuhr. Diesmal vergaß ich meinen Reisepass nicht. Dieser wäre jedoch nun nicht nötig gewesen, da es bei dem Flughafen bereits kurz hinter dem Eingang eine Sicherheitskontrolle gab, die für Jannick und mich die Endstation bedeutete – Abschied nehmen war angesagt!


Während mein Vater sich auf den Rückweg machte, wussten wir, dass es das nun nochmals für ca. sechs Monate war mit Heimatgefühlen. Hoffentlich falle ich nicht noch einmal in ein kleines Loch wie nach dem Familienbesuch im November in Marokko…
Für den Moment war hierfür jedoch wenig Zeit. Unser Taxifahrer brachte uns zurück zur Unterkunft und machte sogar noch einen Zwischenstopp an einem Supermarkt, sodass wir noch ein paar weitere Snacks für die Weiterfahrt holen konnten. Nach dem Zwischenfall zu Beginn verabschiedeten wir uns inklusive Trinkgeld äußerst versöhnlich von dem Taxifahrer.
Nun galt es mit Rückkehr ins Airbnb auch für uns, die Weichen zu stellen für die Weiterfahrt am nächsten Tag mit vielen aussortierten Gegenständen und viel neuer Ausrüstung. Nächste Stationen: Benin und dann Nigeria…


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