Nun waren wir also in dem Land, dem wohl gefährlichsten auf unserer Reise, vor dem jeder gewarnt hat – ja, sogar das Überspringen dieses Landes per Fähre oder Flugzeug wurde uns nahegelegt.
Mit diesen Vorzeichen legten wir unsere ersten Kilometer in Nigeria zurück, Kurs Richtung Lagos. Wir durchquerten wie immer vereinzelte Siedlungen und Orte mit regem Markttreiben, während sich ein Checkpoint nach den anderen reihte, stellenweise im 5-Kilometer-Takt.
Zu unserer Überraschung wurden wir jedoch stets freundlich duechgewunken. Ja, die meisten Polizisten gaben sogar einen Daumen nach oben. Manche jubelten uns sogar zu – wir erregten Aufmerksamkeit im positiven Sinne. Ganz vereinzelt hielten uns die Polizisten an, da sie kurz schwätzen wollten, um zum Abschluss noch ein gemeinsames Foto zu knipsen.

Brav kamen wir dem Wunsch jeweils nach, machten uns aber gleichzeitig auch etwas Sorgen: Schaffen wir es rechtzeitig nach Lagos, wenn wir alle paar Kilometer anhalten müssen, um Fotos mit Polizisten zu knipsen? Aufgrund des langen Grenzübertritts trennten uns um 11:30 Uhr immernoch 86 Kilometer von Lagos. Wir mussten Gas geben, schließlich sollte man ja möglichst um halb 5 im sicheren Hotel sein…

Gottseidank konnten wir uns durch so manches Marktgedränge gut durchwurschteln, sodass wir insgesamt gut vorankamen. Auf halber Strecke legten wir dann an einem kleinen Restaurant eine Shawrama-Pause ein. Shawrama ist hier so ziemlich das Pendant zum Döner in Deutschland – Fleisch mit viel Mayo und etwas Salat gewissermaßen als Wrap serviert. Wir schlungen es schnell runter, der Kalorienaufnahme wegen. Danach ging es schnell weiter.
Nach noch ein paar letzten ruhigeren Kilometern begann dann ca. 35 Kilometer vor dem Ziel der Einzugsberich von Lagos. Die Orte wurden größer, das Verkehrschaos nahm zu. Man schlängelte sich kilometerlang zwischen Trucks und Verkäufern am Straßenmarkt durch die enge Straße.
Der Verkehr wurde aber auch beim Erreichen der Innenstadt von Lagos kaum mehr wirklich schlimmer, irgendwie kam man durch bis zu unserem gebuchten Hotel, nachdem wir sogar an einem Spar-Supermarkt vorbeigefahren sind – Lagos zeigte direkt eine ungewohnt moderne Seite. Auch die moderne Architektur der Hauptstraßen in Form von Brücken hatte etwas außergewöhnliches, was es davor in der Weise auch nur in Abidjan gab.

Nachdem wir unser etwas versteckt gelegenes Hotel gefunden haben, wurde uns zuerst ein kleines und eher schlechtes Zimmer zugeteilt. Als hier das Schloss jedoch kaputt war, durften wir umziehen in eine große Suite – fast Luxus zum Preis von umgerechnet 6,50 Euro pro Person und Nacht. Zu bedenken ist hierbei jedoch, dass Nigerianer im Durchschnitt ca. 200 US-Dollar im Monar verdienen. Unter dem Gesichtspunkt ist der Preis schon sehr teuer, für einen Mitteleuropäer natürlich ein Schnäppchen.
Praktischerweise gab es einen Supermarkt nebenan mit der Möglichkeit, sich ein Shawrama zubereiten zu lassen. Zudem sind Fertigmüslis mit Joghurt und Trauben in nigerianischen Supermärkten ein wahrer Klassiker. In Kombination mit Eis war unsere Ernährung für die nächsten Tage gesichert. Angetan hat es mir zudem ein tiefgekühlter Drink aus Erdmandeln, Kokosnuss, Ingwer und Datteln – köstlich!

Für die Lebensmittelversorgung reichte die Zeit noch nach unserer Ankunft um letztlich 17 Uhr. Dann wurde es dunkel und wir verließen selbstverständlich nicht mehr unser Hotelzimmer. Nach einer Nacht ausschlafen konnten wir es kaum erwarten, am nächsten Tag Lagos auszukundschaften.
Zuerst einmal führte uns der Weg jedoch zu einem Fahrradladen in der näheren Umgebung, da Jannick die Gelegenheit nutzen wollte, um sich endlich wieder eine 9fach-Schaltung einzubauen. Bei dem doch dubiosen Fahrradladen in Abidjan wurde ihm ja eine 8fach-Schaltung eingebaut…
Nachdem wir uns nochmals vier Kilometer durch den Lagos-Verkehr zum Radladen gekämpft haben, gaben wir die Räder ab bei einem äußerst netten Chef, auch ich ließ bei der Gelegenheit gleich nochmal einen Check machen.
Als alles abgeklärt war, nahmen wir einen komplett überfüllten Bus, um auf vom Mainland auf die moderne Insel von Lagos zu gelangen. Die Ticketverkäuferin war zudem mehr als nur flirty: „I love you! Do you love me, too?!“ „Of course!“, antwortete ich mit einem Schmunzeln. Auch die anderen Fahrgäste mussten grinsen.
Schließlich mussten noch auf der berühmten Brücke, am Fuße der Insel, alle Fahrgäste aussteigen. Wir gingen zu Fuß weiter durch ein wahres Inferno aus Tuk-Tuks, Marktständen und einfach nur Menschen. Hier die Übersicht zu bewahren, war eine große Herausforderung. Vor allem als weiße Menschen erregten wir jede Menge Aufmerksamkeit. Es war kaum möglich, in Ruhe durch diese Straßen zu flanieren. Immer wieder wollte ein neuer Verkäufer auf uns einreden und uns energisch zum Kauf bewegen.

Einer wollte schließlich kaum mehr von uns lassen und verfolgte uns mehrere hundert Meter durch die Straße. Nachdem wir mehrere Male gesagt haben, dass wir nicht an einem Kauf interessiert sein bei irgendeinem Laden, wofür er wahrscheinlich Provision bekommen hätte, wollte er uns begleiten und durch die Stadt führen, quasi eine erzwungene Dienstleistung. Irgendwann mussten wir die Reißleine ziehen und verschwanden in einem Restaurant, um erstmal etwas zu essen. In der Zeit verschwand der Zeitgenosse gottseidank und wir hatten wieder etwas mehr unsere Ruhe.

Ruhe ist natürlich immer relativ, waren wir doch gefühlt die einzigen Weißen auf weiter Flur und hatten dadurch eine gewisse Aufmerksamkeit einfach sicher. Wir gingen weiter zum Tinbu Square, quasi dem Hauptplatz auf der Insel mit Blick auf die modernen Bank- und Bürogebäude hier. Am selben Ort jedoch fanden sich jedoch auch verlassene und dadurch komplett verkommene Bauten – der Kontrast war mal wieder enorm.

Bald haben wir genug gesehen und wir buchten einen Uber-Fahrer, um uns wieder zurück aufs Mainland von Lagos zum Fahrradladen zu bringen. Die Zeit bis zur Ankunft nutzten wir nochmals zum Geld abheben, was mit meiner neuen Kreditkarte nun gottseidank ohne Probleme funktionierte. Der einzige Haken hierbei: Man kann nur maximal 20.000 Naira am Geldautomaten ziehen, was ungefähr 11,50 Euro entspricht. Eine Session am Geldautomaten kann also sehr lange dauern, wenn man mehr Geld braucht…
Nach einem letzten Spaziergang rund um die Gassen vom Hauptplatz war unser Fahrer dann da und wir kämpften uns über abenteuerliche Straßen und viel Getümmel wieder in Richtung Brücke zum Mainland von Lagos.

Hierbei kam es dann leider zu einem Missverständnis, weil unser Fahrer uns zu einer gleichnamigen Straße am anderen Ende vom Mainland von Lagos führte. Nach Aufklärung des Missverständnisses fuhr er uns aber ohne Klagen noch zum Fahrradladen.
Hier kam eine neues Hiobsbotschaft: Der Chef des Fahrradladens hat sich vertan und Jannick nun eine 10fach Schaltung eingebaut bei einem 9-Gang-Antrieb. Von 8fach- zur 10fach-Schaltung – manchmal läufts einfach blöd. Immerhin stellte er Jannick deshalb nur die Kosten für die Schaltung in Rechnung, der Einbau war kostenlos. Außerdem säuberte er mein Fahrrad kostenlos inklusive eines schnellen Check-ups. Er war begeistert von unserer Tour und liebt es selber, mit seinem Rennrad auf gelegentliche Kurztrips zu gehen.

Ein sehr nettes Treffen – wir machten noch jede Menge gemeinsame Bilder und machten uns mach dem ereignisreichen Tag dann wieder auf zwei Rädern zurück auf den Weg zur Unterkunft. Alles war bereit, am nächsten Tag wieder aufzubrechen, nachdem wir uns abends wieder mit köstlichem Shawrama und Snacks aus dem Supermarkt versorgt haben.
Es kam letztlich jedoch ein Problem dazwischen: Seit der Durchspülung in den atlantischen Wellen in Lomé, wo Jannick wohl Wasser in sein Ohr gedrückt bekam, klagt er über Schmerzen im Ohr, die tendenziell jeden Tag immer schlimmer wurden. Am nächsten Morgen dann schließlich der Schock: Jannick winkte ab, es wird heute nichts mit Fahren in seinem Zustand. Hilft alles nichts – hier in Lagos sind wir eigentlich in einem sicheren Viertel und sicheren Hotel, also geht Gesundheit definitiv vor!
Immerhin hatte Jannick seine Ohren, in denen sich wohl eine Entzündung ausgebreitet hatte, gleich mit Alkohollösung ausgespült und behandelt. Dann ging es wieder Schlafen, während ich die Zeit nutzte, um die Gegend bei einem kleinen Spaziergang zu erkundschaften.

Wenn etwas bei den Nigerianern auffällig ist, dann ihr Style: Sie laufen alle sehr modisch gekleidet herum. Auch auf der Straße gab es allerhand Shops, wo man sich mit durchaus ansehnlichen Kleidungsstücken eindecken konnte. Eines fiel mir schon am Vortag ins Auge. Aus Transportgründen entschied ich mich jedoch dagegen. Nun kam ich wieder an dem Laden vorbei und wurde schwach – das Hemd landete in meinem Gepäck. Fündig wurde ich nun auch bezüglich eines Nationaltrikots von Nigeria: Ich besorgte mir jenes, das bei der WM 2018 getragen wurde – ein weiteres Stück für die immer größer werdende Sammlung! Der freudige Verkäufer wollte natürlich gleich noch ein gemeinsames Bild, wenn er schon mal einen weißen Abnehmer fand.

Praktischerweise gab’s in der Nähe auch einen ATM, der ruhig und unbesucht war. So ließ ich mir Zeit und hob einige Male die 20.000 Naira ab, um einen erst einmal guten Vorrat an Bargeld zu haben. Schließlich funktionierte meine Visa beim Bezahlen des Hotels nicht und wir mussten die Nächte in Bargeld bezahlen…also lieber zu viel als zu wenig abheben, falls das der Regelfall sein sollte!
Als ich nach zwei Stunden wieder auf das Zimmer kam, war Jannick immer noch tief und fest am Schlafen. Erst am Nachmittag rafften wir uns noch einmal auf. Jannick hatte ja immernoch kein mobiles Internet, weshalb wir uns auf die Suche nach einem Standort vom Anbieter MTN machten – einer sollte am Samstag geöffnet sein, zu dem wir fast zwei Kilometer hinliefen.
Relativ schnell wurden wir jedoch von den unfreundlichen Mitarbeiterinnen abgewiesen: Sonntags kein SIM-Karten-Verkauf. Jegliche Diskussionsversuche wurden schlicht abgeblockt und ignoriert, sauer zogen wir wieder davon und gönnten uns noch eine Mahlzeit im Burger King nebenan – ja, hier in Nigeria gibt’s auch wieder Burger King, ebenso wie in der Elfenbeinküste! Das Pendant des McDonald’s muss derweil noch bis Südafrika warten.
Das Rindfleisch meines Burgers schmeckte zwar nicht mehr ganz frisch, dennoch machte ich mir in dem Moment keine großen Gedanken, frei nach dem Motto: „Der Hunger treibt’s rein!“
Am Ende des Tages holten wir uns wieder unser Shawrama und trafen die letzten Vorkehrungen für den Start am nächsten Tag – Jannick gab grünes Licht, sein Ohr hat sich stark verbessert im Tagesverlauf mit mehrmaliger Spülung in Form von Alkohollösung. Jetzt kann der Weiterfahrt morgen ja wirklich nichts mehr im Wege stehen, auch ich war hochmotiviert!
Umso überraschter war ich dafür, als ich am nächsten Morgen extrem träge war und einfach nicht aus dem Bett kam. Der Grund war dann schnell offensichtlich: Mein Magen grummelte, der Toiletten-Dauerbesuch war bald unumgänglich. Ob das Rindfleisch von dem Burger der Auslöser war?! Einerlei, an Weiterfahren war so natürlich nicht zu denken, wodurch ein weiterer Ruhetag unumgänglich war.
Immerhin war es eine wohl nur leichte Magen-Darm-Verstimmung. Bereits mittags ging es mir deutlich besser. Ja, ich hätte mich sogar als fahrtüchtig bezeichnet. Aber nun war es zu spät…so stand dieser Tag letztendlich ganz im Zeichen der Regeneration. Auch Jannick gönnte seinem Ohr noch einmal die dringend benötigte Ruhe. Vielleicht ist es einfach besser so, auf dass wir am nächsten Tag dann voll durchstarten können.

Pünktlich zu Wochenbeginn sollte es dann nach ungeplanten gleich drei Ruhetagen am Stück auch endlich klappen. Beide waren mehr oder weniger fit (der Stuhlgang meldete sich doch hin und wieder noch), den 96 Kilometern bis in die Kleinstadt Ijebu-Ode stand so nichts mehr im Wege.
Erstaunlich unkompliziert konnten wir auf schnellem Wege wieder über die berühmte Third Bridge die zweitgrößte Stadt Afrikas verlassen, waren schnell wieder in ruhigeren Gefilden. Abgesehen natürlich von so manchem Verkehrschaos in den Märkten der Kleinstädte, durch welche wir zwangsläufig fuhren. Insbesondere die Durchfahrt der Stadt Ikorodu kostete einiges an Nerven.


Mittagspause machten wir schließlich nach guten 45 Kilometern an einem schattigen Stand des Mobilfunkanbieters „Glo“, dem dritten großen Anbieter in Nigeria neben MTN und Airtel. Hier witterte Jannick seine Chance auf Internet. Das Problem war jedoch, dass der Ladenleiter bei der Registrierung seiner SIM-Karte so langsam arbeitete, dass bereits über 40 Minuten vergangen sind, ehe sich das Formular aufhing. Wir mussten aber noch gut 50 Kilometer Fahrrad fahren bis zum Etappenziel…leicht entnervt winkten wir wir ab, als die Person fragte, ob wir es nochmal probieren sollten. Nein, wir haben zu wenig Zeit für den Spaß!

Immerhin hatten wir durch die lange Pause nun genug Power, um unter der knallenden Sonne mit Ausnahme von zwei bis drei kürzeren Softdrinkpausen durchzufahren bis in den Zielort. Etwas geschafft von den äußeren Bedingungen und auch so manchem sandigem Buckelpistenabschnitt, entdeckten wir in dem von Moscheen gepickten Ort auch einen weiteren Standort von Glo, zwei Kilometer von unserem geplanten Zielhotel entfernt. Mit kurz nach 16 Uhr war die Uhrzeit ebenfalls völlig in Ordnung.

So wagten wir einen zweiten Versuch. Nun ging die Registrierung, doch Jannicks Handy fand einfach kein Internet. Über eine Stunde wurden diverse APN-Zugänge und Netzbetreiber getestet – ohne Erfolg. Aufgrund der anscheinend erfolgreichen Registrierung musste Jannick trotzdem zahlen.
Leicht gefrustet zogen wir nach fast zwei verschwendeten Stunden am frühen Abend wieder los und checkten ins zwei Kilometer entfernte Hotel ein. Natürlich hatte dieses auch kein WLAN, weshalb das Motto für Jannick nun wohl hieß: Digital Detox!
Ansonsten war schnelle Regeneration angesagt, denn am nächsten Tag warteten weitere 112 Kilometer bis in den Ort Ore. Dank eines Swimmingpools konnten man sich im Hotel vor der eigentlichen Dusche immerhin schnell und unkompliziert erfrischen.

Die Nacht lief dann erholsam und ohne weitere Zwischenfälle waren wir um halb 9 wieder im Sattel. Wobei, nicht gänzlich ohne Zwischenfälle. Jannick hatte auf einmal doch Internet am nächsten Morgen – eventuell wird die SIM-Karte wohl nur zu Geschäftszeiten von Glo aktiviert. Egal, das nehmen wir natürlich gerne.
Der Weg war nun denkbar einfach. Wir mussten nur wieder auf die Schnellstraßenverbindung, die bis nach Benin-City führt, die nächste größere Stadt. Nach Erreichen dieser Hauptstraße mussten wir anschließend nur noch genau 100 Kilometer geradeaus fahren, dann war das Ziel erreicht.

Das hört sich jetzt nicht so abwechslungsreich an, war es ehrlich gesagt auch nicht. Immerhin war die Fahrt jedoch von zahlreichen kleineren und ein paar etwas größeren Hügeln geprägt, wodurch man immerhin manchmal einen prächtigen Ausblick auf die Dschungellandschaft ringsherum hatte, sogar ein Berg zeigte sich am Horizont Richtung Nordosten. Wobei ich jedoch echt ratlos war, um welches Gebirge es sich hier im Südwesten Nigerias handeln könnte…

Die Polizeicheckpoints waren wiedermal sehr freundlich. Wieder wurden wir nur für einen kurzen Smalltalk angehalten, sowie das ein oder andere Foto. Korruption? Fehlanzeige!

Mit kleiner Mittagspause sowie ein paar kurzen Softdrinkpausen am Straßenrand in den zahlreichen kleinen Dörfern waren wir um kurz vor 16 Uhr am Ziel und durften uns im Hotel mit Swimmingpool und Bar regenerieren. Wir merkten auch wieder, welchen Einfluss das Wetter hat: Dank bewölktem Himmel war die gefühlte Anstrengung deutlich niedriger als am Vortrag, trotz 15 Kilometern mehr.

Dennoch passierte natürlich nach einem Radler für die selbigen an der Bar nicht mehr viel, bis auf das obligatorische Herrichten der Portion Haferflocken zum Frühstück sowie der Vorbereitung des morgendlichen, kalten Kaffees mit Milchpulver.

Nach einer erholsamen Nacht waren wir dann am nächsten Morgen wiederum um halb 9 auch wieder aufbruchbereit. Nächster Halt: Benin-City, die andere große Stadt auf unserer Nigeria-Durchquerung nach Lagos.
Im Kontrast zum vorherigen Tag brannte die Sonne wiederum erbarmungslos herunter. Mit leichtem Rückenwind machten wir jedoch trotz hügeliger Strecke schnell Kilometer. Dank der viel befahrenen Straße konnte man auch den ein oder anderen Hügel durch das Dranhängen an einen LKW überspringen – mehr als praktisch.
Jannick hatte hierbei mehr Glück als ich, als nach knapp 80 gefahrenen Kilometern der größte Hügel der Strecke kam mit ca. 100 Höhenmetern. Er fand einen LKW und konnte die Hälfte des Anstieges überspringen, ich musste ohne „Mitfahrgelegenheit“ hochstrampeln. In der Hitze mit ungestörtem Sonnenschein gaben einem solche Anstiege natürlich den Rest bei fortgeschrittenener Tageszeit.
Kurz vorher mussten wir zudem das erste Mal in Nigeria bei einem Polizeicheckpoint unseren Reisepass vorzeigen sowie die Taschen öffnen zur Kontrolle. Die Beamten waren anfangs durchaus misstrauisch und etwas unfreundlich. Nachdem sie realisierten, dass wir wirklich nur unschuldige Touristen sind, wendete sich das Blatt aber auch sehr schnell und wir wurden nach kurzem Smalltalk mit einem Lächeln durchgewunken.
Ca. 20 Kilometer vor dem Ziel wurde es dann langsam stressig, da der Einzugsbereich von Benin-City begann. Hier hielt uns noch einmal ein Polizist an, um mit uns ein Foto zu machen – Schusswaffe inklusive 😉 Bei solchen speziellen Selfies lässt man sich natürlich nicht lumpen.

Anschließend wurde der Verkehr mal wieder immer chaotischer, wir schlängelten uns durch und kamen der angepeilten Unterkunft im Zentrum immer näher. Rücksichtslose Autofahrer, die sich überall durchquetschten und für welche man immer bremsbereit sein musste, ließen den Adrenalinpegel aber nochmals in die Höhe schießen, ehe es geschafft war und der große Kreisverkehr im Zentrum von Benin-City erreicht war nach mehr als 107 Kilometern.
Empfangen wurden wir dann am Hoteleingang erst einmal von sehenswerten Skulpturen des Künstlers Felix Idubor. Die gleichnamige Galerie befand sich nur eine Straße weiter, ebenso war das Nationalmuseum nur einen Katzensprung entfernt. Für den Moment war’s uns jedoch egal, wir haben nämlich hier in der Millionenstadt Benin-City eh noch einmal einen Pausentag geplant – zur Regeneration und für ein paar Sightseeing-Aktivitäten. Jetzt wurden erstmal Staub und Dreck aus der Einfahrt in die Stadt abgeduscht, von denen unsere Gesichter gezeichnet waren.


Mit etwas über 400 Fahrradkilometern durch Nigeria war hier dann auch quasi Halbzeit unserer Nigeria-Durchquerung. Ein passender Zeitpunkt für einen Erholungstag, bevor es in den zweiten Teil ging…


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