Die Stadt der sieben Hügel

Yaoundé – mit dem Erreichen der kamerunischen Hauptstadt war ein weiterer Meilenstein unserer Reise erreicht, vom Entdecker Richard Kund Ende des 19. Jahrhunderts auch „Stadt der sieben Hügel“ genannt. Heute gliedert sich die Stadt in sieben Bezirke.

Auf einem der Hügel lag unser Pausenort für die nächsten anderthalb bis zwei Wochen. Hier trafen wir nicht nur auf unseren Gastgeber Robert, sondern auch auf zwei andere deutsche Fernradler: Omar und Sandra, ebenso auf dem Weg nach Südafrika. Sie haben ebenso in Yaoundé eine längere Pause gemacht, um auf das Visum für die Republik Kongo zu warten. Ursprünglich wollten wir auch gemeinsam Nigeria durchqueren, doch aufgrund der Umstände, u.a. dem Besuch meines Vaters, waren wir zu langsam unterwegs. Nun haben wir sie quasi „eingeholt“.

Da Omar, wie Jannick, ein leidenschaftlicher Koch ist, wurde uns abends direkt ein fürstliches Mahl kredenzt. Wir tauschten uns über die bisherigen Reiseerfahrungen aus. Immer wieder schön, auf Gleichgesinnte zu treffen.

Nach dem Kennenlernabend galt unser Fokus am Tag danach erst einmal ganz der Beantragung des Visums für Kongo. Ich möchte hier noch einmal groß betonen: Wir fahren durch die Republik Kongo, nicht durch die Demokratische Republik Kongo. In ersterem wird die Lage sogar vom auswärtigen Amt als „stabil“ bewertet, sodass diese Routenwahl für uns im absolut vertretbaren Bereich lag. Die Route über Gabun funktioniert aufgrund von im vorherigen Blog erläuterten Umständen nicht. Theoretisch könnte man noch über Äquatorialguinea nach Gabun fahren, die Beschaffung des Visums ist jedoch sehr schwierig und zudem teuer. Die Fahrt durch die Republik Kongo stellte für uns auch aus Kosten-Nutzen-Überlegungen eine optimale Wahl dar…

Der Fußweg zur Botschaft war von unserem Schlafplatz aus nur anderthalb Kilometer entfernt. Jedoch mussten wir noch weiter gehen zu einem Copy-Shop, da wieder einmal der Ausdruck von einer Hotelübernachtung sowie den üblichen Dokumenten gefordert war. Zudem habe ich leider meine Passbilder entweder verlegt oder verschlampt, weshalb ich dort nochmals neue anfertigen musste.

Bis 13 Uhr hatten wir Zeit, damit unser Visa-Antrag am selben Tag noch durchgeht. Nach dem Ausfüllen eines großen Formulars schafften wir es letztlich noch rechtzeitig. Natürlich wurden wir noch bekehrt, eventuell doch das Expressvisum zu machen (die Botschaft will ja auch Geld verdienen). Insbesondere, wenn man nicht der französischen Sprache mächtig ist, gehen sie einem wohl mächtig auf den Leim…

So übernahm ich die Gesprächsführung und stellte sofort klar: „Non merci, ce n’est pas necessaire, nous avons assez du temps!“ („Nein, danke, das ist nicht notwendig – wir haben genug Zeit!“). Schließlich wurde das dann auch relativ schnell genehmigt: „OK bien, comme vous voulez…“ („OK gut, wie ihr wollt…“).

Schließlich wurde uns der Dienstag, den 10. Juli, als Tag der Visa-Abholung Bescheid gegeben. Bei Beantragung schrieben wir Freitag, den 30. Mai. Wir schafften es noch vor dem Wochenende, mussten nun aber trotzdem geschlagene 11 Tage bzw. sieben Werktage warten. Na ja, es hilft ja nichts – man muss das beste drauß machen!

Das beinhaltete bpsw. das erste Mal feiern seit bereits sehr langer Zeit. Unser Gastgeber hatte nämlich eine Hausparty geplant mit seinen bisherigen Gästen Omar und Sandra, zu der er einige Kollegen und Bekanntschaften einlud. Eine hervorragende Gelegenheit also, Anschluss zu finden bei der lokalen Bevölkerung!

So trugen natürlich auch Jannick und ich unseren Teil zu den Planungen der Party bei und machten am nächsten Morgen einen großen Einkauf in einem wieder einmal modernen Einkaufszentrum in der Stadt. Im Laufe des Tages wurde so eine Nahrungsmittelauswahl für die Partygäste bereitgestellt, die fast einem professionellen Catering glich.

Blöd nur, wenn man selber dann bei der großen Schlemmerei gar nicht dabei ist, wenn auch freiwillig. Ich bin einfach zu großer Fußballfan, als dass ich mir das Champions-League-Finale entgehen lassen konnte an diesem Samstagabend. Mit der Empfehlung von Robert ging ich abends (leider alleine, die anderen sind leider nicht so fußballbegeistert wie ich) in ein nahegelegenes Restaurant mit fünf Fernsehern zur Übertragung.

Fußballabend.

Interessant war die Atmosphäre: Jeder Tisch war mit einer Fahne von Paris St.-Germain geschmückt, als Einstimmung lief „Ramenez la coupe à la maison„. Zumindest fußballtechnisch scheint man hier der ehemaligen Kolonialmacht wohl sehr wohlgesonnen zu sein.

Tischdekoration.

So kamen die meisten Zuschauer natürlich auf ihre Kosten und bejubelten den historischen 5:0-Sieg für PSG, inklusive überschwänglicher Kommentare im Austausch mit den anderen Zuschauern: „C’est justement merité pour Paris. Luis Enrique est le meilleur entraîneur du monde!“ („Das ist einfach nur verdient. Luis Enrique ist der beste Trainer der Welt!“)

Ganz abstreiten konnte ich diese Aussage sicherlich nicht, als ich mich wieder auf den Rückweg zu der Party machte. Auch hier waren einige Fußballfans zugegen, die Stimmung dementsprechend gut, DJ Omar heizte den knapp 20 Partygästen zusätzlich ein (wobei Techno jetzt wahrlich nicht mein Ding war und ist). In Kombination mit meiner wie immer einsetzenden Müdigkeit kam ich leider nicht mehr richtig in die Partygänge, sodass ich mich nach ein paar Drinks und ein bisschen Smalltalk auch um 2 Uhr verabschiedete ins Bett. Mit einsetzendem Dauerregen wurde es auch etwas frisch draußen…

Party.

So war ich am nächsten Tag wenigstens fit, während die anderen Partyteilnehmer unter diesem Dach natürlich etwas unter dem Hangover litten. Der Tag verlief so abgesehen von Aufräumen der Partyspuren recht ereignislos.

Aufgrund dieses „Katersonntages“ verschoben auch Omar und Sandra noch einmal ihren Wiederbeginn. Sie waren uns ja etwas voraus bzw. haben das Visum für Kongo bereits abholen können. Mir war es Recht – so konnten wir mit diesen angenehmen Bekanntschaften noch länger Zeit verbringen.

So auch an dem Montag drauf, wo alle wieder hergestellt waren. Dieser Tag stand nun ganz im Zeichen der Beschaffung von dringend benötigten Materialien. Jannick brauchte ja dringend eine neue Unterlage zum Schlafen – nun war der Zeitpunkt, sich für den weiteren Verlauf darum zu kümmern. Omar sah sich nach einer Standpumpe für die Fahrradreifen um. Wir besitzen ja gottseidank schon lange eine, seit Jannick bereits in Europa seine Statistik platter Reifen ordentlich nach oben schraubte…ich brauchte ausnahmsweise nichts, die Reparatur meiner Luftmatratze gestaltete sich jedoch äußerst mühsam.

Nach Besuch vom zentralen Markt in Yaoundé und dem bereits bekannten, großen Einkaufszentrum war nur Omar erfolgreich. Jannicks Baustelle einer fehlenden Luftmatratze blieb bestehen. Kurz überlegten wir, ein Polster für Gartenmöbel zweckzuentfremden. Der Preis, die Sperrigkeit sowie Saugeigenschaft des Materials sprachen jedoch dagegen…immerhin konnten wir an diesem Ort einen guten Blick auf das Fußballstadion werfen, in dem die Nationalmannschaft Kameruns seine Länderspiele aufträgt.

Das Fußballstadion von Yaoundé.

Letztlich kauften wir schließlich nur noch Lebensmittel ein und genossen einen schönen, letzten Abend mit Omar und Sandra, ehe diese weiterzogen. Wer weiß, vielleicht kreuzen sich ja die Wege bald nochmal…viel Erfolg euch!

Nach der Verabschiedung machte ich mich auf in die Stadt, um endlich etwas Kulturprogramm zu erleben. Ziel war das Nationalmuseum von Kamerun.

Das Museum befindet sich in dem ehemaligen Präsidentenpalast bis 1988. Zu deutschen Kolonialzeiten war es die Residenz des Offiziers und Leiters der Station Yaoundé, Hans Dominik. Nach dem 1. Weltkrieg war es der Sitz des französischen Gouverneurs, ehe nach der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1961 der Präsident von Kamerun hierin wohnte. Erst 1988 begann das Projekt eines Nationalmuseums in der riesigen Anlage mit üppigem Garten.

Das Nationalmuseum.

Die Ausstellung durch die Räumlichkeiten des Palastes gliederte sich in mehrere Themenschwerpunkte, einer davon war die deutsche Kolonialzeit. Mein Guide blickte auf diese Zeit nicht nur negativ zurück: „Die Deutschen haben in 30 Jahren mehr für die kamerunische Infrastruktur getan als die Franzosen und Briten zusammen.“

Tatsächlich waren auf einer Karte bspw. schön die vielen Eisenbahnprojekte zu dieser Zeit skizziert. Auch Brücken gehörten zu einem Schwerpunkt des Infrastrukturausbaus, bspw. die Pont allemand in Edéa, die wir überquert haben.

Infrastrukturprojekte zu deutschen Kolonialzeiten.

Dennoch ist die Zeit natürlich sehr von Unterdrückung geprägt. Mein Guide erklärte mir, dass diese insbesondere mit dem Namen Rudolf Duala Manga Bell in Verbindung steht. Er war zu deutschen Kolonialzeiten König des Stammes der Duala im Südwesten Kameruns (hiervon leitet sich auch der Name der Stadt Douala ab). Er leistete Widerstand gegen die Unterdrückung der Stammesmitglieder durch die deutschen Kolonialisten. Hierbei wandten sich er und andere Stammesmitglieder sogar in einem Brief an Kaiser Wilhelm.

Manga Bell war bis zuletzt um ein gutes Verhältnis zum deutschen Kaiserreich bemüht, verbrachte sogar einige Jahre in Deutschland inklusive Schulabschluss und lernte Deutsch.

Manga Bell in Aalen, Deutschland.

Als die deutsche Kolonialverwaltung jedoch die Duala komplett aus ihrer Heimat vertreiben wollte, intensivierte Manga Bell den Widerstand und geriet somit ebenfalls ins Visier der Kolonialisten.

Als dieser sich weiter wehrte, wurde ihm in Form einer großen Intrige von deutscher Seite vorgeworfen, bei den Briten und Franzosen um Unterstützung gebeten und damit „Hochverrat“ begangen zu haben. So wurde er zur Todesstrafe verurteilt. Er hatte anschließend trotz des Fehlens jeglicher Beweise keinen Anspruch auf eine faire Gerichtsverhandlung, ehe er 1914 schließlich „rechtskräftig“ hingerichtet wurde.

Auch ich war schockiert von der Geschichte dieses Mannes, bzw. wie skrupellos die Kolonialherren gegen jeglichen Widerstand vorgegangen sind. Eventuell werde ich bei meinem nächsten Besuch in Ulm nun auch man den Rudolf-Manga-Bell-Platz bewusster wahrnehmen 😉

Weiters waren weitere Artefakte ausgestellt wie bspw. das Geld zu dieser Zeit bzw. eine Karte zur Landnutzung durch die Kolonialmacht.

Geld zur deutschen Kolonialzeit.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung wurde die Entwicklung von der deutschen Kolonialmacht hin zur „Republique unité de Cameroon“ aufgezeigt im Jahre 1972.

Die Flagge von Kamerun im Laufe der Zeit.

Das französische Mandatsgebiet erlangte bereits 1961 die Unabhängigkeit, während das britische Mandatsgebiet hieran angeschlossen wurde in Form einer förderativen Republik. Erst im Jahr 1972 wurde die Vereinigung von britischem und englischem Mandatsgebiet zu einem Einheitsstaat beschlossen. Das Wort „Einheit“ ist hierbei natürlich relativ – wie in einem der vorherigen Blogs erläutert, gibt es noch immer Konflikte, da der anglophone Teil der Bevölkerung sich benachteiligt und nicht gleichbehandelt sieht.

Des Weiteren wurden Portraits von den bedeutenden kamerunischen Persönlichkeiten in der Geschichte präsentiert. Unter anderem der bekannte Fußballer Samuel Eto’o oder der jetzige Präsident Paul Biya, der seit 1982 im Amt ist und auch mit seinen über 90 Jahren tapfer weitermacht, das älteste Staatsoberhaupt der Welt.

Zwei prägende Persönlichkeiten.

Der zweite Teil der Führung handelte schwerpunktmäßig vom kulturellen Erbe Kameruns sowie den dominanten kulturellen Regionen: Die Fang-Beti im Südosten sowie der Zentralregion, die Sawa im Südwesten, die Grassfields im Nordwesten und Westen sowie die Soudano-Sahelienne im Norden.

Traditionelles Wohnen der kamerunischen Stämme mit Bett, Kochstelle und Licht.

Zum Ende wurde noch der Sklavenhandel thematisiert, der natürlich auch vor Kamerun nicht haltmachte, praktiziert durch Portugiesen, die das Land zuerst besiedelt haben. Im Vergleich zu den Museen anderer Länder hat dieses Thema hier jedoch einen vergleichsweise geringen Stellenwert.

Auch hier war unmenschlicher Umgang Praxis.

Nach all diesen Eindrücken und Geschichtslektionen war ich dann auch erst einmal fertig für den Tag und verbrachte den Rest des Tages damit, mein Gepäck etwas zu pflegen.

Der Vorteil war, dass unser Zimmer bei Robert eine Badewanne hatte. So konnte ich nach mehreren Monaten mal wieder mein durch Schweiß und anderen Dreck sehr mitgenommenes Zelt mal wieder auswaschen. Die schnelle Eintrübung des Badewannenwassers zeigte, wie dringend dieser Eingriff war.

Zelt pflegen.

Das Wetter zeigte sich unfreundlich für weitere Unternehmungen, während meines Museumsbesuches hat es begonnen, sich richtig einzuregnen. Die Regenzeit zeigte ihre Zähne.

Wer will schwimmen?

Lediglich Orti kam am Nachmittag nochmal zu Besuch. Wir kannten sie bereits von der Party und verstanden uns sofort sehr gut. Als eine der wenigen konnte sie sogar gutes Englisch. So kamen wir schnell mit ihr auf eine tiefere Gesprächsebene. Sie erzählte uns, dass es noch immer hart ist, als Frau in Kamerun arbeiten zu gehen, dass sie von männlichen Kollegen nicht nur einmal unterdrückt wurde, obwohl sie eigentlich eine höhere Position hat.

Zudem ist es wohl in Kamerun üblich, dass man bspw. selbst als Arzt mit fertigem Studium erst einmal ein Jahr ein unbezahltes Praktikum zum Berufseinstieg machen müsse. Entsprechende Überbrückungshilfen vom Staat für diese Zeit sind wohl auch Mangelware, zudem gibt es allgemein zu wenige Arbeitsplätze für zu viele Bewerber. Da würde ich im Vergleich die Wirtschaftspolitik in Deutschland fast als positiv bewerten, auch wenn daheim natürlich auch nicht alles perfekt ist.

Mich freute es allgemein, dass man sich mal etwas tiefer austauschen konnte. Abgesehen von Fußball kann man sich mit den Einheimischen hier meistens nur oberflächlich austauschen.

Wie der Zufall es wollte, lud sie uns anschließend ein, mit ein paar ihrer Freunde ein Wochenende in der Küstenstadt Kribi zu verbringen. Wir willigten begeistert ein, auch um unserem super charmanten Host Robert eine verdiente Pause zu geben am Wochenende. Zudem muss man es schonmal nutzen, wenn man die Möglichkeit hat, mit Einheimischen unterwegs zu sein…

Ursprünglich wollte ich am Wochenende den Mefou Nationalpark besuchen. So plante ich spontan um und vorverlegte den Besuch auf Donnerstag. Dank Arend, den ich ebenfalls auf Roberts Hausparty kennenlernte, Guide im Mefou Nationalpark, konnte ich kurzfristig ein Taxi in den 35 Kilometer von Yaoundé gelegenen Park, sowie eine Führung arrangieren.

Es handelte sich bei dem Ort um eine Auffangstation bzw. ein Rehabilitationszentrum für gefährdete Primaten, die im kamerunischen Urwald vorkommen, unter anderem die bekannten Gorillas und Schimpanzen. Aber auch die nur von Ghana bis Kamerun verbreitete Art der Monameerkatzen konnten bestaunt werden, bzw. kleine Weißnasenmeerkatzen, deren herausstechendes Merkmal ein weißer Fleck auf der Nase ist.

Dieses Schutzgebiet hatte wenig mit einem Zoo zutun, da die Tiere in der Gegend vorkommen und daher auch in ihrem natürlichen Lebensraum gehalten werden in Gehegen von bis zu 10 Hektar. Zudem kann man die Primaten mit etwas Glück bei einem Spaziergang durch den umliegenden Dschungel auch in komplett freier Wildbahn bestaunen, hierfür braucht es allerdings sehr viel Glück. Dass die Wildtierbeobachtung in Afrika allgemein schwerer wild, habe ich bereits in einem vorherigen Blog erläutert.

Es gibt zwei Führungen pro Tag: 9:30 Uhr und 14:30 Uhr. Ich entschied mich aus guten Gründen für die frühere. Die Wahrscheinlichkeit, dass man die Tiere in dem großen, in den Urwald gebauten Gehege antreffen kann, ist bei schlechtem Wetter nämlich erheblich gemindert. Aus Erfahrung ist das Wetter hier in Kamerun vormittags deutlich stabiler, während im späteren Tagesverlauf Schauer und Gewitter aufziehen. Außerdem suchen die Tiere mit zunehmendem Tagesgang der Temperaturen den Schatten im Dschungel auf. Auch deswegen ist die Chance der Sichtung von Tieren morgens höher bei noch angenehmen Temperaturen.

So holte mich mein Fahrer dann auch um 7:45 Uhr ab und brachte mich raus aus Yaoundé in noch angenehmem Verkehr in Richtung des Parks. So konnte ich auch einen kleinen, ersten Eindruck von unserer wunderschönen Strecke bei Weiterfahrt in Richtung Kongo. Am Ende der Taxifahrt ging es einige Kilometer über eine Piste rein in den Dschungel, ehe das Schutzgebiet erreicht war.

Eine Gruppe von Schulkindern war ebenfalls angereist, um zu Lernzwecken den Park zu erkunden. Ich bekam von Arend für vertretbares Geld eine eigene, private Führung. Er zeigte mir zuerst die Einrichtungen des Parks, wie die Unterkunft für Volunteers und Mitarbeiter, oder auch die Krankenstation für verwundete oder erkrankte Tiere. Für meinen Eindruck wird hier auf die bedrohten Tiere super Acht gegeben.

Eine Krankenstation gehört hier zum Park.

Bald ging es dann auch schon zum ersten Gorilla-Gehege. Nach kurzer Wartezeit zeigten sich die westlichen Flachlandgorillas inklusive des mächtigen, männliches Silberrücken-Gorillas als dominanter Anführer der Gruppe. Erstaunlich, dass diese mächtigen Primaten wohl sehr friedlich sind, trotz ihrer herausragenden Kraft.

Silberrücken-Gorilla.
In der Nahaufnahme.

Deutlich aggressiver sind laut Arend die Schimpansen, welchen wir als nächstes einen Besuch abstatten. Sie sind auf jeden Fall schon einmal deutlich aufgeregter und unruhiger als die Gorillas. Als ein Park-Mitarbeiter ihnen Nahrung gibt, ist lautes Gejohle die Folge.

Schimpanse im natürlichen Lebensraum.
Sieht er nicht unschuldig aus?!

Anschließend geht es auf den Dschungeltrail, um die Primaten eventuell in komplett freier Wildbahn zu beobachten. Wie Arend meint, wird der kamerunische Regenwald hier nicht nur von den Primaten dominiert, auch verschiedenen Vogel- und Schlangenarten kann man mit Glück begegnen, wie bspw. der grünen Mamba.

In Bezug auf die Beobachtung von Tieren in komplett freier Wildbahn hatten wir diesmal leider weniger Glück, dennoch konnte mir Arend einige besondere Landmarken des Regenwaldes zeigen, bspw. einen Dabéma-Baum, der nur in dieser Gegend in Zentralafrika rund um Kamerun, Kongo und Gabun vorkommt.

Charakteristisch ist die große Höhe von bis zu 50 Metern sowie die großen Wurzelanläufe. Diese nutzen bspw. die Schimpansen, um durch das akustische Signal der Hiebe gegen diese Wurzelanlaufbretter ihre Stärke und Dominanz zu demonstrieren.

Charakteristischer Dabéma-Baum.

Weiter ging es zu einer weiteren Landmarke, einem Gabun-Ebenholzbaum, wissenschaftlich „Djospyros Crossiflora“. Besonderes Merkmal des Holzes ist seine große Dichte, es geht sogar unter im Wasser. Zudem wird er als „Millionen-Dollar-Baum“ bezeichnet, da er nur im tropischen Regenwald vorkommt und aufgrund von Abholzung sehr gefährdet ist und Seltenheitswert besitzt. Aus dem Holz werden unter anderem Klaviere oder Schachbretter gefertigt.

Millionen-Dollar-Baum.

Nach dem Spaziergang durch den Dschungel ging es noch zu den Monameerkatzen sowie den großen Weißnasenmeerkatzen. Hier war die Beobachtung schwieriger, da die Temperatur bereits aufgrund der Tageszeit deutlich angestiegen ist und diese Schatten suchten in den Bäumen und Büschen. Zudem sind diese etwas schüchterner als bspw. Schimpansen. Dennoch konnten wir zwei neugierige Tiere beobachten und festhalten.

Monameerkatze.
Große Weißnasenmeerkatze.

Hiernach war die fast zweistündige Führung auch schon beendet, inklusive eines Abschiedsfotos mit Arend. Vielen Dank für diesen lehrreichen Vormittag! Natürlich trugen wir bei der Beobachtung auch brav Masken, da menschliche Krankheitsserreger für die Primaten tödlich sein können.

Danke vielmals!

Anschließend ging es zurück mit meinem Fahrer, der Verkehr in Yaoundé war mittlerweile deutlich chaotischer. Fast 30 Minuten lang mussten wir uns durch den verstopften Verkehr durchkämpfen, da ging gar nichts mehr…immerhin legten wir so noch einen Halt am Wiederveinigungsdenkmal Kameruns.

Das Denkmal.
Die Statue.

Das Denkmal ist durch zwei Treppenaufgänge gekennzeichnet, die sich an der Spitze vereinigen und so die Einheit von anglophonem und francophonem Teil Kameruns nach Ende der Kolonialzeit symbolisieren sollen.

Die vorgelagerte Statue repräsentiert einen alten Mann, der eine Fackel als Symbol der Freiheit schwenkt (ähnlich der Freiheitsstatue in New York). Er repräsentiert die Generation der Kameruner, die in Kolonialzeiten für die Unabhängigkeitserklärung kämpfte. Er trägt fünf Kinder, die ein offenes Kamerun repräsentieren sollen, das für Chancengleichheit steht.

Als Schmankerl hat man oben auf dem Denkmal einen beeindruckenden 360-Grad-Ausblick auf Yaoundé und die umliegende Gegend. Mit all diesen halbtägigen Eindrücken im Gepäck machte ich mich wieder auf zu unserem Schlafplatz. Nun hieß es Vorbereitung auf unseren Wochenendtrip.

Blick nach Norden.
Blick nach Süden über die Dächer von Yaoundé.

Aufgrund des islamischen Opferfestes war der Freitag vor Pfingsten nämlich ein offizieller Feiertag, wodurch wir mit unseren einheimischen Bekanntschaften in ein verlängertes Wochenende fuhren. So sollten wir vor einer langen Ozean-Pause unerwartet sogar doch noch einmal die Küstenregion Kameruns zu Augen bekommen…

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