Kurzurlaub und Korruption

Rückkehr aus dem Mefou Nationalpark – mit den prägenden Eindrücken der Begegnung von Schimpansen und Gorillas in tropischen Gefilden ging der Blick direkt wieder nach vorne: Ein Wochenende mit Einheimischen am Strand rief.

Am Nachmittag war so freilich noch ein bisschen was zutun: Jannick brauchte nämlich nicht nur eine Luftmatratze, sondern auch ein neues T-Shirt als Backup. So holten wir uns ein Yango-Taxi und gingen auf den „Marché central“ von Yaoundé, den wohl größten Markt in ganz Kamerun. Lange besichtigten wir ihn jedoch nicht, das Gedränge und die vielen Menschen waren dann doch einfach etwas zu viel. Immerhin hatte Jannick bei der T-Shirt-Suche Erfolg. Eine Unterlage zum Schlafen im Zelt musste jedoch weiter auf sich warten lassen…

Das Wetter schien gut, doch auf der Taxirückfahrt erwartete uns ein wahrer Wolkenbruch. Die Straßen standen noch während der Fahrt komplett unter Wasser. Als wir ankamen bei unserem Schlafplatz dann die Hiobsbotschaft: Es war niemand da, und wir haben vergessen, einen Schlüssel mitzunehmen – alles war zu. So half es alles nichts, wir mussten auf Robert warten, bis dieser zurück ist von seiner Arbeit.

Da wir bereits bei dem Weg aus dem Taxi unter das Vordach vor der Tür klatschnass geduscht wurden, kühlten wir in der knappen Stunde Wartezeit ganz schön aus – es wurde echt frisch, ein Zustand, den man fast nicht mehr kannte. Der anhaltende Sintflutregen machte es möglich.

Es kübelt wie aus Eimern.

Schließlich gab’s die Erlösung und wir konnten uns im Inneren endlich aufwärmen. So verloren wir zwar eine Stunde, hatten aber noch genug Zeit, um schnell ein paar Sachen für den Kurzurlaub zusammenzupacken. Den Rest unseres Gepäcks durften wir netterweise bei Robert lassen.

Relativ früh ging’s dann auch ins Bett, da unsere einheimischen Mitreisenden um 5 Uhr in der Früh loswollten. Treffpunkt Hilton-Hotel im Zentrum von Yaoundé – ja, man kann hier sogar auch Luxus erleben, wenn man möchte 😉

So war der Wecker auf 4 Uhr gestellt – schnell einen Kaffee kochen, Frühstück in die Tupperdose packen und ab mit dem Taxi zum Treffpunkt. Ganz nach deutscher Pünktlichkeit waren wir um 5 Uhr am vereinbarten Treffpunkt.

Leider Gottes ticken die Uhren hier – wie auch in den anderen Ländern Afrikas – im wahrsten Sinne des Wortes anders. Wir warteten…und warteten…und warteten…

Nach fast 45 Minuten kam schließlich Orti, sie hatte immerhin die plausible Ausrede, dass sie zu dieser Zeit einfach kein Taxi erwischte.

Die anderen beiden Mitfahrer kamen dann erst nach 6 Uhr zum Treffpunkt – über eine Stunde hätten wir also theoretisch länger schlafen können. Na ja, was soll’s. Wir stiegen zu den Jungs ins Auto und machten uns im Morgengrauen auf den Weg raus aus dem bereits recht chaotischen Yaoundé.

Aus einem anderen Grund waren die beiden Jungs mir jedoch ziemlich schnell recht sympathisch: Mit meinen mehr oder weniger guten Französischkenntnissen konnte ich doch aufschnappen, dass sie sich über das Fußballänderspiel Frankreich gegen Spanien am Vorabend unterhielten – und natürlich die Frage, ob ein Lamine Yamal oder ein Ousmane Dembélé den Ballon d’Or mehr verdient hat – herrlich, ich hörte genüsslich zu.

Währenddessen schipperten wir über die leere Autobahn zurück in Richtung Küste, ehe wir über eine nicht unbekannte Landstraße wieder in Richtung Edéa fuhren. Es war fast ein Erlebnis, eine mit dem Fahrrad bereits befahrene Straße nochmal auf vier Rädern abzuführen und so manchen Hügel oder auch unseren Schlafplatz wiederzuerkennen.

Ab Edéa ging es dann südlich parallel zur Küste über eine sehr schlechte Straße in Richtung Kribi. Hier fingen dann auch die Polizei-Checkpoints an. Zuerst wurden wir noch durchgewunken. Am letzten Checkpoint ließ man uns jedoch anhalten, wollte von allen Insassen die Papiere sehen.

Unser Reisepass war leider auf der kongelesischen Botschaft in Yaoundé aufgrund der Visa-Bearbeitung. Eine Kopie des selbigen sowie der Zahlungsbeleg mit Stempel der Botschaft als Beweis, dass die Pässe dort sind, sollte aber laut den Mitarbeitern dort eigentlich ausreichen.

Nun ist aber leider die gute, alte Korruption hier doch sehr gängig. Ein Polizeibeamter machte uns natürlich weis, dass das nicht ausreichen würde. Nur gegen die Zahlung eines Korruptionsgeldes könnten wir weiterfahren.

Ich war relativ entspannt und nutzte die Pause zur Vernichtung meiner Nudelreste vom Vorabend in der Tupperdose, während die anderen Mitreisenden verhandelten. Schließlich ließ man uns sogar ohne Zahlung passieren – nochmal gut gegangen. Ohne weitere Hindernisse kamen wir gegen halb 11 nach insgesamt etwas über 4 1/2 Stunden Fahrt am Ziel an der kamerunischen Küste bei Kribi an. Ja, für Autofahrten muss man in Kamerun definitiv Zeit haben. Auch, weil manche Straßen dann doch akut von Schlaglöchern durchsät sind.

Es lohnte sich jedoch: Das Domicil für den Kurzurlaub war ein traumhaftes Landhaus an der Küste mit Blick aufs Meer, den man auf dem Balkon so richtig genießen konnte. So kamen wir an, bezogen unsere Zimmer, bevor uns unser erster Weg erst einmal zum traumhaften Strand führte.

Ausblick.
Traumhaftes Flair.

Mit unseren beiden Mitreisenden kam ich durch das Thema Fußball sehr gut in Kontakt, wie ich es mir bereits dachte. Fußball ist auch hier in Kamerun das Thema Nummer eins, um mit den Leuten in ein Gespräch zu kommen.

Unsere neuen Freunde.

Nach dem Eintauchen bei karibischem Flair ging’s bald per Auto in die Kleinstadt Kribi auf den Fischmarkt, um das Abendessen einzukaufen. Im Supermarkt nebenan wurde schließlich auch sie flüssige Versorgung sichergestellt. Denn das ist neben Fußball die nächste Konstante in Kamerun: Alkohol. Die Einheimischen sind definitiv sehr trinkfreudig. Stellenweise ist es in manchen Shops sogar leichter, an Bier, als an Wasser zu kommen. 

Am Fischmarkt von Kribi.

Den rohen Fisch ließen wir uns anschließend am Strand von Kribi bei einem Restaurant vorbereiten. Auf dem Weg hierhin durch den Ort fuhren wir an einigen Landmarken und Sehenswürdigkeiten vorbei. Unter anderem der Kirche von Kribi, die verdächtig deutschen Stil hatte und natürlich auch zu deutschen Kolonialzeiten erbaut wurde. Kribi hat allgemein einen sehr deutschen Hintergrund, lag der Ursprung dieser Stadt doch in der Ansiedlung deutscher Seeleute.

Dass Kribi über schöne Strände verfügt, wenn nicht sogar die schönsten Strände an der kamerunischen Küste, durften wir dann in dem Restaurant erfahren, als wir zum Überbrücken der Wartezeit natürlich einen Fisch verspeisten. Beim Fotografieren des Strandes wurde ich natürlich wieder „Opfer“ eines Fotografen. Aber ja, für ein humanes Entgelt von 1,50 Euro werde ich doch schwach und lasse ein paar Erinnerungsbilder von mir schießen.

Am Strand von Kribi mit Kamerun-Trikot.

Nach diesem herrlichen Nachmittag in dem Städtchen ging’s zurück zum idyllischen Landhaus, ein köstliches Abendmahl wurde in die Wege geleitet. Mit viel Fisch und auch Bier genossen wir auf dem Balkon den Sonnenuntergang über dem Atlantik. Einzig ein Ölterminal der Tschad-Kamerun-Pipeline am Horizont trübte den idyllischen Eindruck.

Dinner…
…mit Ausblick.

Bei der anschließenden Party mit viel Dosenbier musste ich mich jedoch relativ bald verabschieden. Ich vertrage diesen Alkohol einfach nicht mehr wirklich. Selbst drei Bier habe ich am nächsten Morgen beim Aufwachen leicht in meinem Schädel gespürt – kenne deine Grenzen, die sich im Vergleich zu früheren Zeiten noch weiter zurückziehen.

Immerhin war ich am nächsten Morgen ausgeruht und fit, um mit unseren neuen Freunden ein vorzügliches Frühstück mit Eiern und Sardinen aus der Dose zu verköstigen, welches Jannick hingegen als geborener Langschläfer leider verschlief.

Später war er dann jedoch wach, als es per Auto wieder nach Kribi ging, bzw. durch den Ort hindurch und etwas dahinter zu einem Wasserfall, den Chutes de Lobé, wo der Lobé-Fluss in den Atlantik fließt.

Mit dabei waren nun auch zwei weitere von Ortys Freundinnen, die dazugestoßen sind. Es hätte alles so unkompliziert sein können, doch kurz vor dem Wasserfall gab es natürlich wieder einen Polizei-Checkpoint. Natürlich wollte man wieder unsere Reisepässe sehen, und natürlich waren diese noch immer auf der kongelesischen Botschaft…und natürlich wollten die Herrschaften wieder Korruptionsgeld. Erst nach langer Wartezeit klärte sich die Situation, leider doch gegen eine kleine Zahlung, wie wir erst hinterher erfuhren.

Wie dem auch sei, danach machten wir es uns an dem Strand bequem und natürlich gab’s auch das ein oder andere Bierchen. Insbesondere unsere einheimische Gesellschaft war ordentlich am Bechern. Nebenbei lud die halbwegs erfrischende See zu einem kleinen Bad ein.

Erst lehnte ich den Alkohol ab, für mich gab’s an diesem Samstag doch nichts zu feiern, dachte ich mir. Erst gegen 16 Uhr Ortszeit, als ich die vergangenen zwei Stunden vor allem an meinem Handy verbrachte und gebannt den Ticker meines Heimatvereines TSV Bernbeuren/Burggen verfolgte, der im Relegationsspiel die Chance hatte, eine Liga aufzusteigen, gönnte ich mir auch ein Bier.

Aufstieg!!

Nun gab es nämlich etwas zu feiern: Dank eines 2:0-Erfolges gelang der Sprung von der Kreisklasse in die Kreisliga. Als ich den anderen erklärte, dass ich wegen Fußballgründen etwas abwesend bin und aufs Handy starrte, waren ich ihnen natürlich auch gleich viel symphatischer. Viel besser, sie fanden es sogar „herzzereißend“, wie ich mitfieberte und meine Leidenschaft für Fußball auslebte. Gratulation nochmal am die Jungs aus der Heimat! So war natürlich die Partystimmung auch bei mir gleich etwas besser aufgestellt.

Der Strand am frühen Abend.

Nebenbei wurde natürlich auch noch der idyllische Wasserfall noch besichtigt, eingebettet in die tropische Dschungellandschaft. Auf die vielen, angebotenen Bootstouren in den kleinen Becken des Wasserfalls verzichteten wir dankend und betrachteten die Naturgewalt vom Ufer aus.

Schöner Wasserfall.

Anschließend ging’s wieder zurück zu dem Fischrestaurant vom Vortag am Strand von Kribi, um bei einem malerischen Sonnenuntergang über dem Meer einen großen, frischen „poisson brassé“ (gegrillter Fisch) aus dem Atlantik als Abendessen zu verköstigen.

Schöne Szenerie.

Noch bis weit in den Abend saßen wir bei der aufgrund der Meeresbrise angenehmen Luft beisammen, bevor es zurück ging, um im Landhaus noch ein wenig weiter zu feiern.

Wiederum jedoch ohne mich, da ich erneut bereits nach 21 Uhr einfach zu müde war und mich schlafen legte. Es liegt nahe, dass der Alkoholkonsum tagsüber mich einfach schon zu müde machte. Es ging zwar anscheinend am späten Abend noch hoch her, aber ich denke kaum, dass ich etwas verpasst habe…

Zu meiner Irritation wurde ich jedoch um 6 Uhr aus dem Schlaf geholt, mit der Bitte mich sofort abfahrbereit zu machen. Ich war sehr verwirrt, der Plan war ursprünglich mal, um die Zeit bereits zurückzufahren, wurde aber zwischendurch eigentlich zugunsten eines entspannten Tagesstarts verworfen. Nun wohl doch…

Immerhin bin ich Morgenmensch und Aufstehen bereitete mir noch nie ein Problem. So sprang ich auf und schmiss spontan mein Gepäck zusammen, ehe der nächste Weg auch schon ins Auto zur Abfahrt führte um halb 7. Der Grund: Der Weg beinhaltet viele Polizei-Checkpoints, und sonntags sind die obersten Polizeiinstanzen sehr schwer zu erreichen. Korruption steht an diesem Wochentag also besonders hoch im Kurs.

Der Plan war daher, durchzukommen, bevor die Checkpoints besetzt sind – macht definitiv Sinn. Nur in der Praxis haperte dieser Plan dann doch ganz gewaltig.

Direkt beim ersten Checkpoint im Ort Londgi wurden wir gestoppt und natürlich die Papiere verlangt. Ohne Reisepass hielt man uns natürlich fest. Die Forderung: 100.000 CFA Strafe für mich und Jannick pro Person, also fast 160 Euro. Eine extrem dreiste Forderung, gegen die wir alle Hebel in Bewegung setzen wollten, um uns zu wehren.

Wir drohten mit einem Anruf bei der deutschen Botschaft in Yaoundé, doch der Polizist ließ sich davon zunächst nicht aus der Ruhe bringen. Leider war auch das Internet zu schlecht, weshalb wir die Nummer nicht recherchieren konnten.

So kam der pfiffige Jannick auf die Idee, einfach einen Fake-Anruf vorzutäuschen. Er wusste, dass der Beamte kein Deutsch verstand, und redete ins Telefon auf Deutsch über Gott und die Welt. Kurz darauf legte er wieder auf. Ich übersetzte für ihn an den Polizisten, dass die Botschaft nun informiert sei und weitere Schritte einleitet bzw. sich dann wieder melden wird.

Der Polizist wurde langsam etwas aggressiv. Als Jannick kurz aufs Handy schauen wollte anschließend, fuhr dieser ihn an, er dürfe hier auf der Polizeistation kein Mobiltelefon benutzen. So schaffte es Jannick immerhin, sich noch schnell einen Wecker zu stellen, der einen Rückruf simuliert.

Wir gaben dem Polizeibeamten nun zu verstehen, dass obere Instanzen bereits am Weg seien und Konsequenzen für ihn drohen würden.

Wir wurden nun weiter festgehalten, doch dieser Schachzug zeigte definitiv Wirkung: Der Beamte ging mit seiner Forderung deutlich runter auf ca. 30 Euro (20.000 CFA). Zudem wandte er sich nun an unseren Fahrer, da er verstand, dass wir nicht auch nur einen Cent bezahlen würden.

Leider ging unser Fahrer aus Zeitgründen hierauf ein und bezahlte die geforderte Summe, was wir natürlich nicht wirklich gut hießen – so bekommen diese Banditen ihre Bestätigung und machen es immer wieder.

Na ja – wenigstens kamen wir so endlich weiter. Aber auch nicht lange, denn bald kam der nächste Checkpoint und das Spiel ging von vorne los. „Diesmal wird nichts gezahlt! Zur Not campen wir hier!“, meinte Jannick nun stur. Ich musste ihm beipflichten.

Nun beklagten sich die Beamten, dass wir das Visum nur digital auf dem Handy abfotografiert haben – so wie uns die kongolesische Botschaft die Auskunft gab, dass es ausreichen würde. Wir schalteten diesmal die Botschaft ein, da der Empfang besser war hier. Über unseren durchorganisierten Freund und Helfer Omar bekamen wir schnell die Telefonnummer. Ich leitete diese an meine Familie weiter, da ich in Kamerun nur Internet hatte – kein Telefonguthaben.

Meine Familie erreichte tatsächlich jemanden, der mich danach anrief. Ich erklärte ihm die Situation und gab den Hörer an den Polizeibeamten weiter. Fünf Minuten verhandelten die beiden, ehe ich wieder in der Leitung war. Der Ansprechpartner aus der deutschen Botschaft gab mir folgendes mit: „Ich habe mit ihm geredet, der lässt euch bald gehen. Einfach entspannt und nett bleiben und zeigen, dass ihr Zeit habt. Aber auf keinen Fall zahlen! Aussitzen!“

Ich hörte auf den Rat. Der Polizeibeamte meinte, wenn wir unsere Visum-Fotos beim Copyshop im nächsten Ort ausdrucken, ließe er mit sich reden. Den Wunsch befolgte ich sogar. Gemeinsam mit Fahrer Tony steuerten wir per Mototaxi den nächsten „Copyshop“ zwei Kilometer entfernt an. Aufgrund unmoderner Technik und etwas Sprachbarriere (mein Bürokratie-Französisch hat seine Grenzen) dauerte der Ausdruck von zwei Bildern über eine halbe Stunde, ehe wir zurückkehrten.

Nun wollte der Beamte uns jedoch immer noch nicht gehen lassen, da wir ja nun zwar alles richtig vorliegen hätten, wir aber unseren „Fehler“ von vorher zu büßen hätten. So durften wir nochmals 20 Minuten Löcher in die Luft starren und Aussitzen, ehe uns der Polizeibeamte nach nun ca. 1 3/4 Stunden endlich ziehen ließ. Eine harte Nuss, aber wir haben keine Zahlung geleistet!

Ich gab dem Ansprechpartner vom auswärtigen Amt die positive Rückmeldung, dass wir ohne Zahlung passieren konnten und nun weiterfahren. Aber auch nicht lange, denn aller guten Dinge sind bekanntlich drei.

Und so wurden wir kurz vor der Stadt Edéa nochmals angehalten und das Spiel begann trotz ausgedruckten Visas von vorne. Und der vorherige Polizist meinte ja noch, nun hätten wir keine Probleme mehr…

Nun hatten wir jedoch das Glück, dass der Polizist, der uns über den Tisch ziehen wollte, nicht die oberste Instanz dieses Checkpoints war. Wir wandten uns an seinen Chef und erklärten ihm die Situation, bzw. was sein Mitarbeiter hier gerade von uns möchte und dass wir ja nichts falsch gemacht haben. Zuvor drohten wir noch mit einem erneuten Anruf bei der Botschaft, was der Polizist jedoch gekonnt weglächelte: „Pah, dann ruf halt die Botschaft an!“

Schließlich redete der Chef mit seinem Mitarbeiter, der uns dann glücklicherweise nach nur 15 Minuten Wartezeit ebenso lächelnd durchwinkte: „Haha, dann fahrt halt weiter…“

Wir dachten uns unseren Teil, waren aber diesmal froh, gut aus der Sache rausgekommen zu sein. Nun war bald die Stadt Edéa erreicht, von wo aus es noch 200 Kilometer waren zurück nach Yaoundé.

Nach all dem Stress war eine kleine Verpflegungspause natürlich auch noch obligatorisch, bevor wir auf den letzten Kilometern noch den üblichen Stau ins dauerüberlastete Yaoundé hinein überstehen mussten.

Zurück bei unserem Gastgeber Robert waren wir schließlich um halb 4 nach neun Stunden Rückreise, davon drei Stunden Wartezeit an den Checkpoints.

Es war auch für uns eine Lehre, dass wir uns eventuell vorher etwas besser informieren hätten müssen, bevor wir blauäugig ohne physischen Reisepass in einen Kurzurlaub fahren. Zudem war natürlich der Sonntag als Reisetag sehr unglücklich, da obere Polizeinstanzen an diesem Tag nicht arbeiten. So können die Mitarbeiter an den Checkpoints noch mehr die Grenzen austesten und ihren Korruptionswillen weiter ausreizen. Es ist wie ein Machtkampf: Wer hat mehr Zeit, die Situation auszusitzen? Wem ist die Situation als erstes zu blöd? Dem Polizist, weil er merkt, du gibst ihm kein Geld? Oder du, weil du weiterwillst? Schließlich haben wir immerhin nur einmal als erstes nachgegeben, wenn auch gegen unseren Willen. Natürlich gaben wir aus Wissen um die unterschiedlichen Vermögensverhältnisse in Kamerun und in Deutschland unserem Fahrer das gezahlte Geld natürlich zurück!

Wir haben in Afrika bisher nur kleinere Fälle von Korruption erlebt, das war nun definitiv unsere krasseste Erfahrung diesbezüglich. Aber so haben wir auch gelernt, wie man sich in einer solchen Situation zu verhalten hat: Den Polizisten ganz klar weismachen, dass sie mit dieser Strategie nicht durchkommen!

Uns hätte es aber auch vor dem Hintergrund des anglophon-francophonen Konflikts, der eher noch im Küstengebiet wütet, klar sein müssen, dass hier viele Checkpoints sind.

Sobald wir ab Edéa wieder ins Inland fuhren, gab’s nur noch einen Checkpoint, der uns nun gottseidank durchwinkte. Wir haben schon die Luft angehalten beim Heranfahren…

Immerhin war das Wetter gut und wir konnten am Ziel im idyllischen Pool bei Sonnenschein erst einmal gut von den Vorkommnissen abschalten. Nun aber höchste Zeit, dass wir unsere Reisepässe bald endlich wieder haben und die Fahrradreise weitergeht!

Dennoch, liebe Leser, war es natürlich eine super Erfahrung, auch mal ein Wochenende mit Einhemischen „abzuhängen“. Vielen, herzlichen Dank auch nochmal an euch, dass dieser spontane Kurztrip dank eurer Geldgeschenke nicht unser Reisebudget gesprengt hat!

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