Zurück an unserem Lagerplatz in Yaoundé für die Wartezeit aufs Kongo-Visum, wussten wir nun nach dem Kurzurlaub-Wochenende, wo wir ausnahmsweise mal auf vier statt zwei Rädern unterwegs waren, dass die Wartezeit bald ein Ende haben sollte.
Nach der entspannten Pool-Pause bei herrlichem Wetter bei Wiederankunft machten wir uns am späten Nachmittag gleich nochmal an die Planung für die Weiterfahrt, um Vorräte einzukaufen. Insbesondere haltbare Lebensmittel standen nun im Kurs. Es hieß, dass die Bevölkerungsdichte sowie Versorgungslage und Infrastruktur südlich von Yaoundé stark abnehmen würden. So wurde insbesondere wieder ein Vorrat meiner geliebten Doppelkekse angelegt – dann hat man während der Fahrt immer zumindest schnell verfügbare Energie 😉

Der Wochenstart am Montag wurde dann noch einmal zu etwas wie einem letzten klassischen Urlaubstag. Das Wetter war perfekt und wir ließen die Seele am Pool baumeln, ehe ich mittags eine WhatsApp-Nachricht bekam: Es war ein Mitarbeiter aus der Kongo-Botschaft – unsere Visas waren fertig.
Ernsthaft? Uns wurde doch klar kommuniziert, dass es bis Dienstag, also sieben Werktage, dauern würde. Zudem haben wir noch darüber gegrübelt, ob es nicht sogar länger dauert als Dienstag. Am vorherigen Freitag war schließlich das islamische Opferfest, weshalb weite Teile der Bevölkerung nicht zur Arbeit mussten – ob das dann als Werktag zählt?! Einerlei, nun hatten wir das Visa sogar früher als erhofft.
Leider konnten wir jedoch so spontan nicht umplanen, da wir ganz damit gerechnet haben, am morgigen Tag das Visum zu erhalten und dann gleich alle weiteren Vorbereitungen zu erledigen. Immerhin schafften wir es, spontan die Botschaft auszusuchen, um wieder Verfügung über unseren Reisepass als Ausweisdokument zu haben.
So wichen wir nun jedoch nicht von unserem Zeitplan ab und nutzen hierdurch den Dienstag nur, um in der Stadt die letzten notwendigen Sachen einzukaufen. Jannick brauchte immernoch eine Unterlage zum Schlafen für die kommenden Zeltnächte. In einem kleinen Einkaufszentrum wurden wir schließlich fündig in Form einer Yogamatte – schauen wir mal, ob das für erholsamen Schlaf ausreicht.
Weiter ging’s in ein anderes Einkaufszentrum, um noch einmal mögliche Snacks einzukaufen. Ich persönlich musste mir auch nochmals ein Pack Unterhosen holen – mit vier Unterhosen im Gepäck wird es bei tagelangen Fahrten durch die Prärie ohne ernsthafte Waschmöglichkeit doch schnell sehr unhygienisch. Zudem kaufte ich mir einen neuen Rasierer, nachdem ein vorheriger schon längere Zeit defekt war und man mit der Zeit immer mehr wie ein Alm-Öhi aussah. Meine Frisur wuchert ja schon nur so dahin. Aber es hilft nichts: Der Gang zum Friseur erfolgt erst wieder nach Ankunft in Südafrika, so die Wette…immerhin der Bart wurde mal glattrasiert, um nun wieder länger Ruhe zu haben – Verjüngungskur inklusive.
Nach dem letzten Auffüllen von Haferflocken war alles angerichtet für die Weiterfahrt. Natürlich gab’s für unseren Gastgeber der letzten fast zwei Wochen, den Weinfan Robert, noch ein kleines Abschiedsgeschenk in Form eines edlen Tropfens. So viel Dankbarkeit muss auf jeden Fall sein, wenn wir uns durch ihn schon Übernachtungskosten für fast zwei Wochen sparen konnten.
Nach einem gemeinsamen letzten Abendessen war es dann auch höchste Zeit, wieder weiterzufahren. Insbesondere Jannicks Schlafrythmus machte seinem seiner Eigenschaft als klassische Nachteule nun wieder alle Ehre. In der letzten Nacht vor Weiterfahrt war er erst um halb 3 im Bett. „Ich bin mittlerweile einfach unausgelastet“, so seine einfache, aber prägnante Erklärung. Ich betete derweil, dass ich morgens nicht wieder zu lange warten muss…

Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück mit Robert am nächsten Morgen machten wir uns abfahrbereit, als dieser auf dem Weg zur Arbeit war. Hierbei lief jedoch längst nicht alles ohne Probleme. Zwar habe ich schnell fertig gepackt, jedoch habe ich beim Holen meines Fahrrades zur Installation des Gepäcks bemerkt, dass die Vorderradbremse mal wieder schleift…ich habe während der Pause mal die Bremsbeläge gewechselt, da war noch alles gut. Es war aber wohl keine gute Idee, das Fahrrad danach stehen zu lassen und nicht einzubremsen.
Als ich versuchte, das zu korrigieren, führte dies jedoch zu einer klassischen Verschlimmbesserung. Als ich den Bremssattel anders einstellen wollte, drehte ich bei meiner hydraulischen Scheibenbremse an der falschen Schraube – Bremsflüssigkeit trat aus. Ich versuchte verzweifelt zu retten, was nicht mehr zu retten war – die Bremse hatte sofort keine Wirkung mehr, eine Entlüftung musste her.
Ein schneller Aufbruch schien schlagartig in weite Ferne gerückt, wir waren geschockt – nun muss das Fahrrad erst einmal repariert werden. Immerhin folgte dem Schock rasch eine rationale, lösungsorientierte Reaktion. Schließlich waren wir ja noch in der Stadt, es gab Fahrradläden – also einfach sein Glück versuchen. Vielleicht kann ja irgendjemand den Eingriff vornehmen…
Ich verständigte mich mit Jannick, dass er noch entspannt packen und das Zimmer fertig für die Abreise machen kann. Ich kümmere mich um mein Fahrrad und wir treffen uns hinterher zum Losfahren wieder in der Stadt.
Durchaus riskant fuhr ich ohne funktionierende Vorderradbremse den Hügel unserer Unterkunft hinab in die Innenstadt. So wie es kommen musste, bremste auch ein Taxifahrer bei der Abfahrt vor mir stark ab, sodass ich mit der Hinterradbremse eine Vollbremsung einlegen musste – der Geruch danach erinnerte stark an eine längere Autofahrt mit angezogener Handbremse – kupplungsartig.
Immerhin kam ich letztlich heile an am Fahrradladen. Durch die Vorbereitung der Problemerklärung lernte ich immerhin wieder etwas Fahrrad-Französisch: „Bonjour, j’ai des problemes avec mon frein hydraulique. Est-ce que vous êtes capable de purger le frein? Malheureusement, j’ai ouvert la mauvaise vis quand j’ai voulu regler le frein…“ („Guten Tag, ich habe Probleme mit meiner hydraulischen Bremse. Könnt ihr die Bremse entlüften? Unglücklicherweise habe ich die falsche Schraube geöffnet, als ich die Bremse einstellen wollte…“).
Die Mitarbeiter verstanden dann auch sofort und konnten mir glücklicherweise direkt im ersten Anlauf helfen. Ich musste gottseidank nicht einmal mein Gepäck abbauen. Angelehnt an die Wand hatten die Mitarbeiter auch so Zugang zu allen relevanten Bauteilen.
Der Eingriff zog sich jedoch in die Länge. Man probierte die Entlüftung mehrmals, jedoch geriet immer wieder direkt Luft in das System, weshalb die Bremse keinen Druckpunkt fand. Ursache war eine defekte Dichtung am Bremshebel, wohl auch klassischer Materialverschleiß aufgrund der hohen Belastung. So musste die Bremse einmal auseinandergenommen, die Einzelteile gründlich gereinigt und anschließend wieder alles zusammengebaut werden.

Bei einer Kontrolle der Hinterradbremse bemerkte der Mechaniker anschließend, dass hier das gleiche Problem vorliegt. Bei jedem Bremsvorgang gelangt ein kleines bisschen Luft in das System. So lässt sich auch erklären, warum der Druckpunkt meiner beiden Bremsen in letzter Zeit immer so schnell nachlässt – das war bereits auf den Fahrten nach Yaoundé und durch Nigeria sehr auffällig.
Da es nun also die doppelte Zeit dauerte und das ganze Prozedere wiederholt werden musste, holte ich mir im Einkaufszentrum nebenan gleich noch ein Mittagessen. Dann müssen wir bei Losfahrt immerhin nicht nochmal stoppen, sondern können bis Sonnenuntergang durchfahren.

Nach dem kleinen Snack war bei Rückkehr am Bikeshop das Fahrrad dann auch pünktlich fertig und einsatzbereit. Am großen Hilton-Hotel im Zentrum von Yaoundé traf ich mich schließlich wieder mir Jannick, der dank meiner über zweistündigen Fahrradreparatur nun auch noch etwas mehr Zeit zum „chillen“ hatte.
Jetzt aber auf! Doch vorher gab es noch einen kleinen Zwischenstopp bei der Arbeitsstelle von Orty, von welcher wir uns herzlich verabschiedeten. Danke für die coole Zeit, die tiefen Gespräche und vor allem die Einladung für das Kurzurlaubswochenende in Kribi! Und wer weiß: Man sieht sich ja bekanntlich immer zweimal im Leben…

Wir verloren nach obligatorischem Abschiedsfoto nicht mehr viel Zeit und machten uns auf den Weg raus aus Yaoundé – dieser ist extrem hügelig. Es geht konstant rauf und runter. Die Stadt der sieben Hügel macht ihrem Namen noch einmal so richtig alle Ehre. Insbesondere nach fast zwei Wochen Pause war es mühsam, gleich so intensiv zu starten. Man fühlte sich doch deutlich träger als vor der Pause. Na ja, man wird schnell wieder reinkommen, sagte ich mir.
Für den Moment biss ich auf die Zähne und wir kämpften uns durch Hügel, Autos und Markttreiben, ehe es nach 15 Kilometern endlich ruhiger wurde. Nach ein paar Siedlungen im Einzugsbereich südlich von Yaoundé wurde es dann auch schnell immer ländlicher, das Dschungelfeeling kam schnell wieder hoch.

Nach dem späten Start um 14:30 Uhr schafften wie letztlich noch 40 Kilometer, die mit deutlich über 500 Höhenmetern doch als ziemlich knackig zu bezeichnen waren. Wir fanden, bereits wieder auf dem kompletten Land Kameruns angekommen, schließlich eine Schule mit einem Vordach und einer komplett ebenen Grasfläche davor. Auf Nachfrage in der kleinen Siedlung wurde uns ohne Probleme erlaubt, unter dem Vordach der Schule unser Lager aufzuschlagen. Bei der aktuellen Regenzeit geht man doch besser auf Nummer sicher…

Nachdem wir unser Lager aufgeschlagen haben, machten wir uns an die Aufgabe der Kalorienaufnahme. Wir fragten bei den Einwohnern. Es gab zwar kein klassisches Restaurant, aber man bot uns an, Omelette mit Brot für uns vorzubereiten. Zusätzlich gab man uns sogar noch ein Bier aus – eine super nette Geste, für die wir dann auch gerne noch ein freiwilliges Entgeld gaben. Man muss auch immer dran denken, woher wir kommen im Vergleich zu den großzügigen Einwohnern hier.

Nach dem Abendessen war es dann auch alsbald dunkel und wir legten uns in die Zelte. Der Platz unter dem Vordach war weise gewählt, denn alsbald begann es dann auch, sintflutartig zu schiffen. Immerhin half das Prasseln des Regens perfekt, um friedlich einzuschlafen und wieder im Abenteuer anzukommen nach fast zwei Wochen Komfortpause.
Meine größte Befürchtung am nächsten Morgen war: Wann wird Jannick wach mit seinem nun aus dem Abenteuertakt geratenen Schlafrhythmus?! Ich hoffte, dass die Sonne ihren Job macht und ihm nach Sonnenaufgang im Zelt gleich ordentlich einheizt. Sie schien dann zwar auch, die Strahlen erreichten sein Zelt jedoch nur teilweise. Die Isomatte scheint wohl für einen mehr als gesunden Schlaf zu sorgen.

Ich frühstückte so in Ruhe und packte erst einmal meine Sachen fertig, ehe ich um 9 Uhr fast abfahrbereit war und ihn dann doch aufweckte. Während ich auf ihn wartete, hatte ich noch viel Zeit, die Schule, an der wir schliefen, zu inspizieren. Da in Kamerun schon Sommerferien waren, hatten wir hier unsere absolute Ruhe. Beim letzten Unterricht vor den Ferien muss es sich wohl um Mathematik gehandelt haben. Schwer einzuschätzen, welche Klasse das wohl war. Die Kopfrechenaufgaben waren jedenfalls nicht komplett ohne.


Zudem gab es einen extra „Präsidentensitz“. Ob es sich hierbei um den Platz vom Lehrer oder Klassensprecher handelte? Eineinhalb Stunden hatte ich Zeit, mir hierüber Gedanken zu machen, ehe Jannick auch abfahrbereit war und wir um halb 11 loskamen. Na ja, aller Neuanfang ist eben schwer…
Wir peilten durch das hügelige Gelände gleich die nächste Stadt Mbalmayo an, ca. 15 wieder durchaus hügelige Kilometer entfernt. Hier gab’s dann gewissermaßen eine Brunch-Pause, ehe wir zur Sicherheit auch nochmal unkompliziert mobiles Internet nachluden. Ab jetzt geht es größtenteils nur noch durch den Dschungel. Wer weiß, ob das später noch so leicht geht. Ein Kompliment nebenbei: Die Netzabdeckung in Kamerun ist echt der absolute Hammer, selbst in den entlegendsten Ecken im Regenwald hat man 4G. Hier kann sich Deutschland durchaus mal ein Beispiel nehmen. 😉
Auffällig an Mbalmayo waren neben dem Löwen, der im Zentrum thront, auch die durchaus ansehnlichen Kirchen verschiedenster Glaubensrichtung. Auch für die Bewohner Kameruns hat Spiritualität wohl einen sehr hohen Stellenwert.


Hinter der Stadt wurde es bald noch ruhiger, auch der Verkehr war nun quasi nicht mehr existent. Außer kleineren Siedlungen, die natürlich alle mit einer Kirche geschmückt waren, prägten Natur und Ruhe unsere weiterhin hügelige Fahrt durch den kamerunischen Regenwald. Auffällig war zudem, dass zwischen all den Lehmhüttensiedlungen immer wieder eine wahre Dschungelresidenz thronte. Große soziale Ungleichheiten konnten wir hier auf engstem Raum bewundern.


Die Einheimischen grüßten und waren größtenteils auch sehr freundlich. Lediglich sporadisch bekam man wiedermal den Ausruf „Donne-moi l’argent!“ („Gib mir Geld!“) zu hören. Eine Einheimische rief mir gar vorwurfsvoll bei der Durchfahrt hinterher: „Tu as rien pour les pauvres?!“ („Du hast nichts für die Armen?!“). Natürlich habe ich jedoch auch Verständnis für diese Menschen. Die Leute leben hier im Dschungel in größtenteils Lehmhütten, haben wenig bis nichts. Wenn ich es mir rational überlege: Würde ich nicht genauso handeln, wenn ich in der Lage wäre und einen – überspitzt formuliert und überhaupt nicht rassistisch gemeint – „hellhäutigen mobilen ATM auf zwei Rädern“ sehe? Ich kann es zumindest nicht ausschließen, würde es doch ein gutes Extra-Taschengeld bedeuten. Allgemein merkt man, dass man die verarmten Zustände zwar immer wieder live miterlebt, aber nie so wirklich fühlen kann. Fast 30 Jahre Leben in mitteleuropäischem Überfluss sorgen dafür, dass manche Dinge immer noch so selbstverständlich sind, dass man es sich kaum anders vorstellen kann. Kurzum: Wir führen ein sehr privilegiertes Leben!

Immerhin fand man in den entlegenen Dörfern auch hin und wieder etwas zu essen – in unserem Fall gab’s leckere Kochbananen und Lebersuppe. Sogar der lange vermisste Bissap war erhältlich. Das gab einem einen ordentlich Schub, um noch einmal knappe 40 Kilometer zu fahren, ehe wir abends wiederum ein Dorf mit Schule erreichten.

Nach dem üblichen Missverständnis (die Personen vor Ort, die wir um Erlaubnis gebeten haben, dachten, wir wollen in der Herberge gegenüber nächtigen), wurde uns die „Installation des tents devant l’école“ ohne Probleme genehmigt. Auf der weitläufigen Fläche des Pausenhofs wurden natürlich schnell andere, spielende Kinder auf uns aufmerksam, die uns belagerten. Immerhin nicht zu lange, wodurch wir doch bald wieder die Ruhe genießen konnten (manchmal ist einem auch einfach nicht nach dem üblichen Smalltalk mit Einheimischen sowie den üblichen Fragen, ob man Geld, Essen oder sonstiges geben könnte…).

Gestört wurden wir später nur noch von einem gut angetrunkenen Einheimischen, der uns aus den Zelten holte und quatschen wollte über Gott und die Welt, wobei – hauptsächlich über die materiellen Ungerechtigkeiten zwischen Kamerun und Deutschland. Ganz Unrecht hat er nicht, doch in diesem Fall waren wir doch froh, dass wir die Alkoholfahne nur wenige Minuten ertragen mussten.
Nach im Anschluss unspektakulärer Nacht war ich natürlich wieder weit vor Jannick wach und genoss in Ruhe mein traditionelles Haferflockenfrühstück, ehe Jannick ebenfalls bald aus seinem Zelt kam – er kommt wider Erwarten wohl doch schnell wieder rein 😉
Lange hatten wir jedoch nicht mehr unsere Ruhe, da bald die Dorfkinder wieder unseren Schlafplatz belagerten. Sie waren so neugierig und wollten gar nicht mehr gehen, bis ich doch geneigt war, eine nette, aber bestimmte Ansage zu machen: „Je suis desolé, mais nous voudrons avoir un petit peu de temps pour nous-memes dans le matin. Est-ce que c’est possible que vous partez?“ („Es tut mir leid, aber wir hätten gerne in der Früh etwas Zeit für uns. Wäre es möglich, dass ihr abhaut?“). Man fühlt sich zwar in dem Moment doch irgendwie unhöflich, aber manchmal müssen doch klare Grenzen gesetzt werden…
Immerhin hörten die Kids direkt und wir konnten in Ruhe unser Zeug packen und uns abfahrbereit machen. Ziel war Sangmelima als nächste größere Stadt, ca. 50 Kilometer entfernt.
50 Kilometer, die es durchaus in sich haben sollten. War der Weg vorher schon hügelig, so legte diese Etappe definitiv noch einmal eine Schippe drauf. Nachdem wir letztendlich doch wieder erst um halb 11 loskamen, musste Jannick relativ zeitig auch ein dringendes Telefonat führen. Ja, wir sind zwar ungebunden und unterwegs, die Heimat und ganz vereinzelte Verpflichtungen in Deutschland lassen sich jedoch auch so nicht gänzlich vermeiden.
All das kostet natürlich zusätzlich Zeit, wo wir aufgrund des anspruchsvollen Terrains eh schon langsam vorankamen…



Zur Krönung war Jannicks Reifen nach der Mittagspause auch noch platt. Uns wäre es gar nicht aufgefallen, doch dankenswerterweise riefen uns die Restaurantbesitzer am Straßenrand bei der Verabschiedung hinterher. Der Schlauchwechsel nahm uns natürlich nochmals über eine halbe Stunde Zeit, sodass wir uns schnell einig waren, dass wir nicht weiter als bis nach Sangmelima fahren – zumal die Achterbahnfahrt auf den kompletten 50 Kilometern einfach nicht aufhörte.

Wir schauten über iOverlander in Sangmelima nach Unterkünften, welche wir nach einer Verschnaufpause und vielen Höhenmetern auscheckten. Es begann damit, dass eine wohl gar nicht mehr existiert, eines viel zu teuer und eines komplett ausgebucht war. So schauten wir auf Google-Maps und fanden ein kleines Motel am Ortsausgang von Sangmelima – natürlich nochmals mit dem Erklimmen eines Hügels dazwischen.
Aus Mangel an Alternativen nahmen wir dann einfach dieses Zimmer, bevor es dunkel wurde. Da wir natürlich auch noch irgendwie etwas essen mussten, fuhren wir anschließend noch einmal per Moto-Taxi zurück ins Zentrum, um einen superleckeren Fisch zu verspeisen – das war wirklich Begeisterung pur für einen Preis von umgerechnet 3 Euro.
Unkompliziert ging’s ebenfalls per Moto-Taxi zurück zur Unterkunft. Der Abend schien einen versöhnlichen Ausklang zu nehmen – ja, wenn denn nicht in unserer Unterkunft pünktlich zur Schlafenszeit der Strom ausfiel und erst am nächsten Morgen wieder ging.
Durch den Strom ging natürlich auch der Ventilator nicht, der unser Hotelzimmer angenehm kühl halten sollte und zudem die Moskitos abhält. Nun hatten wir zahlreiche Moskitos im Zimmer, die zudem auch echt aggressiv waren und uns geradezu zerlegten. Man musste daher fast in langer Kleidung schlafen. Das Problem: Die Luft im Zimmer war so stickig und drückend-heiß, dass so an Schlafen kaum zu denken war.
Immerhin breiteten sich am späten Abend sintflutartige Gewitter aus, sodass wir immer wieder versuchten, uns kurz draußen unter die Naturdusche zu stellen und anschließend nass einzuschlafen – ohne Erfolg. Am Ende musste die Reißleine gezogen werden und die Zimmertüre geöffnet werden, um Luftaustausch zu haben – Privatsphäre war in dem Fall zweitrangig. Zudem schmierten wir einmal unsere kompletten Körper mit Autan ein, das noch nicht verbraucht wurde – so kam man irgendwann nach 2 Uhr schließlich doch zur Nachtruhe.
Dementsprechend gerädert waren wir auch am nächsten Morgen in der Früh. Weiter kamen wir so erst am späten Vormittag. Zudem natürlich auch keine optimale Regeneration nach der kräftezehrenden Etappe vom Vortag. Liebe Lesende, wundern Sie sich zudem nicht, sollte einer von uns bald nochmal Malaria bekommen. Jeder von uns hatte gefühlt 100 Stiche an diesem Abend davongetragen. Über das Hotelzimmer möchte ich sonst nicht weitere Worte verlieren, aber auf Eimerduschen habe ich trotz meines verschwitzten Zustandes in dem Badezimmer doch lieber verzichtet…aber wie gesagt: Aller Neuanfang ist eben schwer.


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