Sehr müde nach der von Moskitos und Hitze geprägten Nacht in Sangmelima, schafften wir es schließlich am späten Vormittag wieder auf unsere Räder, um Strecke zu machen in Richtung Republik Kongo. Eine Konstante blieb auch bei Weiterfahrt: Das hügelig-anspruchsvolle Streckenprofil.
Wir hatten jedoch keinen Stress bzw. kein festes Ziel, weshalb wir es entspannt angehen lassen konnten. Die nächste Stadt war gute 110 Kilometer entfernt – das schaffen wir heute eh nicht mehr.
Das Wetter zeigte sich angenehm bewölkt und wir fuhren aus Sangmelima heraus. Unschön war, als ein Passant am Wegesrand wieder ein Zeichen gab, dass ich anhalten solle. Wir haben gelernt: Ignorieren und einfach weiterfahren! Als er sah, dass ich nicht stoppen werde, nahm er die Handtasche seiner Freundin und warf sie mir vor das Fahrrad in der Abfahrt. Ich konnte nicht mehr ausweichen und fuhr über die Handtasche, konnte einen Sturz aber gottseidank vermeiden – das hätte böse enden können. Der Passant schickte mir noch eine A******-Geste hinterher, und ich ihm einen Mittelfinger zurück. Auf solche Vorfälle kann ich in Zukunft dann doch besser verzichten…
Schnell habe ich es auf der Weiterfahrt jedoch abgehakt, als wir weiter hügelig durch den kamerunischen Dschungel fuhren. Bei der Durchquerung von dem ein oder anderen Dorf waren die Straßen oftmals zugeparkt. Es war nämlich Sonntag – alle trafen sich zum Gottesdienst. Und die meisten Dörfer haben ja hier meistens fast nichts außer Lehmhütten, aber immerhin eine Kirche.
An einem kleinen Streetfoodstand machten wir nach knapp 30 Kilometern Pause. Hier telefonierten wir mit Omar – er wäre wohl nun in Sangmelima. Mist, da haben wir uns wohl knapp verpasst. Er fährt jedoch in die gleiche Richtung wie wir, möchte aber heute noch einen Pausentag machen.
Wir überlegten, etwas langsamer zu machen, damit er uns eventuell einholen kann. So machten wir nach Abschluss des Gespräches noch etwas länger Pause und fuhren ungestresst weiter. Nun kam die Sonne raus, an den Steigungen wurde es durchaus schweißtreibend. Die Sonne verlieh der Dschungelkulisse jedoch nochmal ein ganz anderes Flair – herrlich!

Relativ bald änderte sich das jedoch schlagartig und dunkle Wolken machten sich breit. Wir fuhren erst einmal weiter und machten weitere Höhenmeter, ehe nach etwas über 50 Kilometern pünktlich beim Erreichen eines Dorfes der sintflutartige Regen begann.

Gottseidank gab es in der kleinen Siedlung einen Unterstand, wo wir Schutz suchten. Das Gewitter kam immer näher, zwei Blitzeinschläge waren hier so nah, dass sie durch Mark und Bein gingen. Es kübelte so heftig, dass ich sogar meine Trinkflasche rausstellen konnte und diese wieder etwas mehr Wasser bekam.

Das Unwetter hörte auch gar nicht mehr auf. Um 15:30 Uhr waren wir an dem Unterstand, als es nach 17 Uhr noch immer stark regnete, überlegten wir, doch einfach dort zu zelten.
Wenn wir ehrlich waren: Ein trockener Platz und sogar nebenan ein Brunnen zur Wasserversorgung – was will man mehr?! Einen besseren Platz finden wir vielleicht gar nicht mehr. Als dann auch noch ein Dorfbewohner vorbeilief, welchen wir um Erlaubnis baten, und dieser uns ohne Probleme die Erlaubnis gab, waren die Würfel schließlich gefallen.


Snacks hatten wir gottseidank noch genug mit Spaghetti und Keksen. Als es dunkel war, konnten wir dann auch schnell schlafen. In dem ruhigen Örtchen war der Schlaf sehr erholsam. Der Unterstand war zwar direkt neben der Straße, seit Verlassen des Raumes Yaoundé ist diese jedoch kaum mehr befahren. Nun sind wir wirklich in sehr ruhigen Gefilden – im tiefsten Urwald eben.

Jannick war am nächsten Morgen fast zur gleichen Zeit wach wie ich – was ist denn da los?! Er war wohl genauso früh schlafen. So kam es, dass wir diesmal bereits um 9 Uhr loskamen – nach einer neuen Kreation der Haferflockenkombination bei mir: Haferflocken mit Sardinen und Pesto – lecker! Etwas befremdlich war in der Früh lediglich, dass beim Aufwachen unsere Zelte bereits wieder von fünf neugierigen Kindern umringt waren, weshalb ich doch etwas bestimmter auffordern musste, unsere Privatsphäre bitte zu respektieren – auch wenn die Kleinen natürlich sehr süß waren!
Ziel war nun die Stadt Djoum, wo wir auf Omar warten wollten – wiederum etwas über 55 Kilometer entfernt. Eine Konstante blieb wiederum: Es war extrem hügelig, die Fahrt glich einer Achterbahnfahrt – rauf, runter, rauf, runter. Ein ebenes Stück Straße suchte man fast vergeblich.

Immer wieder lagen einzelne Dörfer auf dem Weg, teils wieder mit einer netten Kirche. Ein weiteres Merkmal kam hier jedoch dazu: Viele Siedlungen hatten eine Art improvisierten Bolzplatz. Fußball steht wohl auch hier mitten im Dschungel hoch im Kurs.

Auf Hälfte des Weges gab es auch eine Möglichkeit zur Essensversorgung. Das Problem ist nur, dass Jannick einfach nicht der geborene Frühstücker ist und immer noch nicht so richtig Appetit hatte. Junge, du musst doch was essen bei der fordernden Strecke!
Auf den folgenden 30 Kilometern bis in den Ort Djoum kam dann auch nichts mehr. Da Jannick auch keine adäquaten Snacks mit dabei hatte, musste er sich ohne ein einziges Kalorien durch die etwas über 50 Kilometer und am Ende 800 Höhenmeter kämpfen.

Als wir mittags bei Ankunft in dem Ort eine Tanke fanden, war er komplett ausgehungert und er bekam endlich die dringend benötigten Kalorien. Hier in Djoum war die Tour dann auch zu Ende, um auf Omar zu warten. Er wollte uns von Sangmelima aus einholen. 110 Kilometer und 1600 Höhenmeter – ein sportliches Unterfangen!
Wir suchten derweil nach etwas zum Essen. Jannick gelüstete es nach gegrilltem Fisch, der in Kamerun einfach vorzüglich schmeckt. Die Suche nach einem geeigneten Restaurant gestaltete sich jedoch schwierig. Schließlich fanden wir immerhin ein Stück Fisch mit Reis als Mittagessen.

Danach fuhren wir weiter in ein Hotel am Ortsende von Djoum, dass wir auf iOverlander gefunden haben. Die Preise für ein Zimmer waren in Ordnung, sodass wir eincheckten und auf Omar warteten. Unsere Fahrräder konnten wir sicher in der Lobby verwahren. Hier gab es jedoch ein Problem, als die Rezeptionistin als einzige Arbeitskraft des Hotels auf einmal am frühen Nachmittag Mittagspause machte und die Tür zum Innenraum absperrte. Wir wollten eigentlich an unser Gepäck…insbesondere Jannick stand nun nur in Badehose da, ohne Zugriff zu seiner Kleidung zu haben. Über eine Stunde mussten wir ausharren, bis die Dame zurück war und wir wieder an die Räder konnten. Afrika eben!
Wenig später war dann auch Omar da, der echt gut durchgefahren sein muss. Maschine! Da wir nun zu dritt waren und er sich sonst ein Einzelzimmer hätte nehmen müssen, legte er seine Isomatte quer auf den Boden unseres Zimmers – sehr kuschelig! Die Hotelfrau bekam hiervon Wind und wollte uns davon abhalten, auch aufgrund polizeilicher Kontrollen. Wir argumentierten jedoch, dass wir ja für das Zimmer gezahlt haben, und nicht pro Person. Zähneknirschend akzeptierte die Dame.
So gingen wir abends noch in der Stadt einen gegrillten Fisch essen, da es diese Möglichkeit hier wohl immer erst zur späten Tageszeit gab. Wir wollten am nächsten Tag möglichst früh starten, um näher an die Grenze zur Republik Kongo zu kommen. Diese war nun noch ca. 170 Kilometer entfernt.
Beim Aufwachen am nächsten Morgen gab es jedoch eine unschöne Überraschung: Regen – sintflutartiger Regen! So war an Losfahren kaum zu denken, zumal Omar mit seiner Brille so einfach nichts sieht. Desweiteren haben wir ja eigentlich unsere Wäsche zum Trocknen draußen aufgehangen – die konnte man nun auswringen. Nass ins Gepäck und am Abend wieder probieren!
Den Vormittag verbrachten wir dann mit fertig gepackten Fahrrädern damit, den Regen auszuharren und auf Besserung zu hoffen. Es sich jedoch ganz schön in die Länge – erst um kurz vor 13 Uhr wurde der Regen schließlich weniger. Nach den ersten Kilometern bei leichtem Niesel und einer kurzen Mahlzeit am Straßenrand war es schließlich trocken und wir durften uns der Fortsetzung der Dschungel-Achterbahnfahrt widmen.

Den ganzen Nachmittag versuchten wir so, noch so viele Kilometer wie möglich zu schaffen, immerhin war es nun bewölkt und die Luft vergleichsweise herrlich angenehm. Deren 50 waren es schließlich noch bis zum späten Nachmittag, mit wiederum 800 Höhenmetern.

Hier fanden wir einen Straßenladen, der Eier verkaufte. So ließen wir uns hier Omelette zubereiten zum Mitnehmen zu unserem späteren Schlafplatz. Beim Warten schaute natürlich wiedermal das ganze Dorf neugierig auf uns. Insbesondere einige Frauen waren sehr flirty und touchy, auch unter merklichem Alkoholeinfluss.
Nachdem wir das Omelette in der Tupperdose mitnahmen, machten wir uns wieder vom Acker. Wir suchten den Chef du Village („Dorfchef“) auf wegen der Erlaubnis zum Campen an der Schule des Dorfes. Beim Durchfragen im Ort wurden wir noch drei Kilometer weitergeschickt, ehe wir schließlich den Dorfchef erreichten. „Wenn der die Erlaubnis gibt, dann haben auch gleich die Einwohner Respekt vor dir und lassen dich in Ruhe“, erklärte Omar.
In unserem Fall hat der Dorfchef uns direkt erlaubt, bei ihm in einem Erdgeschossraum die Zelte aufzuschlagen. Regengeschützt standen nun die Zelte in dem Innenraum. Dieser war jedoch sehr offen, weshalb man sich vor herumliegenden Vögel und deren Kot sehr in Acht nehmen musste. Die vergitterten Fenster eigneten sich immerhin perfekt, die nasse Wäsche noch einmal rauszuhängen…
Am späteren Abend luden uns schließlich noch die Einheimischen ein, in ihrem Kreise ihr traditionelles Essen zu verköstigen. In dem Fall wieder Reis mit Fisch oder Fleisch. Leider waren wir durch das Omelette jedoch bereits satt und lehnten ab, ehe wir uns schlafen legten.

Ein interessanter statistischer Randaspekt: Die letzten vier Tage sind wir immer jeweils genau 53 Kilometer gefahren – mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, würde man wohl sagen. Es waren nun noch 120 Kilometer, bis wir endlich das nächste Land erreichen sollten, die Republik Kongo. Die Etappen hier zogen sich in dem hügeligen Gelände, die schwüle Luft mitten im Dschungel tat ihr Übriges. Auch wenn die Straße sich in perfektem Zustand und bestens asphaltiert präsentierte. Hier hat der kamerunische Präsident Paul Biya doch ganze Arbeit geleistet! Und sie sollte bis Brazzaville, die Hauptstadt von Kongo, auch so bleiben…


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