Kurz kam Hoffnung auf in der Früh an unserem Zeltplatz: Die Morgensonne war draußen und brannte auf meine Wäsche. Letztendlich reichte die Zeit jedoch nicht – wir wollten ja weiter. Also alles eingepackt und los!
Für das Fahren in diesem anstrengenden Gelände waren die Vorzeichen freilich nicht so gut – und es sollte auch ein sehr anstrengender Tag werden, weil die Sonne wahrhaft brannte. Noch langsamer als sonst kamen wir so voran und mussten auch früh Pause einlegen. Vor allem Jannick schien etwas kraftlos.

Nach einer kleinen Snackpause fuhren wir weiter bis zur Stadt Mintom II. Aufgrund der sehr heißen Bedingungen machten wir hier länger Pause und erledigten unsere Einkäufe: Kaffee, Waschpulver für Handwäsche und andere Sachen. Gleichzeitig mussten wir jedoch auch auf unser Bargeld achten – bis zur Stadt Ouesso über 300 Kilometer hinter der kongolesischen Grenze sollte es keinen Geldautomaten mehr geben.


Schließlich gab’s noch Omelette, das Notnahrungsmittel hier im Dschungel, ehe wir uns am frühen Nachmittag schließlich weiter aufmachten. Die hügelige Strecke in der Nachmittagssonne forderte jedoch ihren Tribut. Bald waren die Akkus irgendwie leer an diesem Tag, der ganz im Zeichen von Energielosigkeit stand.

Nach einer weiteren großen Schattenpause irgendwo im Nirgendwo an einem kleinen Unterstand rafften wir uns nochmal auf. Das Problem: Hier gab es auch nicht mal mehr etwas zum Essen, und selbst das Wasser war unglaublich teuer mit fast einem Euro pro 1,5 Liter Flasche.

Schließlich fanden wir eine kleine Siedlung, wo zumindest wieder Omelette und Maniok erhältlich waren – das wahrhaft höchste der Gefühle hier. Nach der spätnachmittäglichen Mahlzeit fragten wir nach dem Chef du Village des Dorfes. Hierzu wurden wir noch einmal fünf Kilometer und einige Höhenmeter weitergeschickt, ehe auf einem Hügel die kamerunische Flagge thronte, die oftmals das Anwesen des selbigen verriet – so auch hier.
Wiederum war es meine Aufgabe, die Übernachtung abzuklären, da die anderen beiden immer noch keine wirklichen Fortschritte im Bezug auf ihre Französischkenntnisse gemacht haben – ich versuche ihnen mittlerweile zu vermitteln, dass ich ja immer dasselbe sage 😉
Relativ problemlos durften wir jedoch bleiben, ja, wir durften wiederum sogar im Innenraum seiner Hütte schlafen auf meine ebenso standardmäßige Nachfrage: „Vous avez une place protegée s’il pleut?“ („Habt ihr einen geschützten Platz, falls es regnet?“). Man stellte uns sogar einen Tank Wasser zur Verfügung, damit wir alle eine Eimerdusche genießen konnten, sowie einen Mehrfachstecker für das Aufladen von Powerbanks und Handys – wirklich alles, was wir brauchten!

Obendrein gab’s einen großartigen Sternenhimmel, wodurch ich am Abend noch lange damit beschäftigt war, diesen halbwegs ansprechend in Szene zu setzen, ehe ich mich schlafen legte. Zudem hatte man sogar hier noch leichten Internetempfang.

Bis zur Grenze waren es noch knapp 80 Kilometer – mit wiederum sehr vielen Höhenmetern. Wir fragten den Chef du Village, ob es auf dem Weg in den Grenzort Ntam irgendwelche Verpflegungsmöglichkeiten geben würde. „Rien!“, so die klare Antwort: „Nichts!“. So starteten wir etwas später und ließen uns von den Einheimischen nochmals Omelette zubereiten zum Frühstück, damit wir dann bis zur Grenze durchfahren können.

Da ich bereits Haferflocken gefrühstückt habe, war das für mich fast ein bisschen viel. Mit übervollem Magen ging’s um 11 Uhr schließlich sehr spät los. Auf den ersten Kilometern gab’s gleich zwei Zufälle zu berichten. Einerseits unterhielten wir uns in der Früh über andere Reisende, die wir bereits kennengelernt haben. Unter ihnen ein Schweizer Paar, das mit dem Camper auf dem Weg nach Südafrika war. Wir haben sie in Ghana auf einem Campingplatz kennengelernt.

Wie der Zufall es so wollte, fuhren sie just heute an uns vorbei (bzw. mir, da ich etwas vor den beiden anderen war). Glücklicherweise erkannten wir uns und machten ein gemeinsames Foto. Manchmal ist es einfach unglaublich!
Außerdem fand ich zweitens auf der Fahrt einen unbenutzten Kabelbinder irgendwo am Straßenrand. Das war insofern ein Segen, als dass rund um eine Stabilisierungsschraube am Rahmen mein Gepäckträger vorne links gebrochen ist. Er muss bis Brazzaville halten, ehe ich dort versuchen kann, auf dem Markt den Alu-Gepäckträger schweißen zu lassen…vorerst kann also der Kabelbinder den Gepäckträger am Rahmen stabilisieren. Das sollte sich auf dem Asphalt bis Brazzaville hoffentlich ausgehen…
Nach 30 Kilometern machten wir Pause, als Omar eine Ananas am Straßenrand fand und kaufte. Diese wurde an einem schattigen Unterstand verspeist, ehe es weiterging auf die finalen 50 Kilometer am Nachmittag. Die Strecke war wunderschön durch den Dschungel, es lag zudem, ähnlich wie in unserem Herbst, eine leichte Dunstglocke in der Luft, die für ein herrliches Licht und zudem angenehmere Luft sorgte.


Letztlich bildete sich eine Zweiergruppe von Omar und mir sowie Jannick etwas dahinter, da er noch länger Pause machen wollte. Omar und ich erreichten schließlich um kurz vor 17 Uhr den Grenzort Ntam. Wir fragten wiederum beim Chef du Village an für die Schule, hatten jedoch schon Bedenken – in Grenzorten scheint das wohl immer etwas kritischer zu sein.

Überraschend problemlos wurden wir dann jedoch zur Schule geleitet und uns ein Klassenraum aufgesperrt. Ich hing bereits meine immer noch klamme Wäsche in die Abendsonne, alles schien perfekt.

Dann jedoch kam ein scheinbarer, sehr aggressiver Polizist. Er wollte, dass wir zu unserer Sicherheit ein Hotel nehmen. „Nous nous sentons securé, rien de probleme“, bekräftigte ich. („Wir fühlen uns sicher, kein Problem“). Der Herr ließ jedoch nicht locker, sodass wir ihn nach seinem Dienstausweis fragten, ob er denn überhaupt das Recht hat, so über uns zu bestimmen. „Vous n’avez pas le droit que je vous montre ma carte d’identité!“, antwortete er nun in immer aggressiverem Ton. Als wir widersprachen, wurde der Ton immer lauter: „VOUS PARTEZ MAINTENANT!!“ („IHR GEHT JETZT!!“).
Schließlich akzeptierten wir, ich packte meine Wäsche schnell wieder in die Tüte und wir suchten ein Hotel. Eines war direkt 200 Meter weiter am Wegesrand. Als wir verhandeln wollten wegen dem Preis für eine Nacht, ist der vermeintliche Polizist uns bereits unauffällig gefolgt, schaltete sich an der Rezeption ein und instruierte den Hotelier, ja keine Verhandlungsbereitschaft zu zeigen. Der Herr behaarte dann auch auf seiner Forderung von 10.000 CFA für ein kleines Zimmer. Später nahm ich noch wahr, wie er einem Kollegen anvertraute: „Je ne connais aucun compromis avec ces touristes européens. Ils devoient payer!“ („Da kenne ich gar keinen Kompromiss bei diesen europäischen Touristen. Die sollen schön zahlen!“) Ich erspare mir mal jeglichen Kommentar zu dieser Mentalität und den Charakterzügen dieses vermeintlichen „Polizists“…
Was nun? Auf iOverlander gab’s noch eine Absteige weg von der Hauptstraße Richtung Grenze zur Republik Kongo. Da die Internetverbindung hier jedoch schlecht war, konnte niemand Jannick diesbezüglich erreichen, der noch auf dem Weg war. So übernahm Omar das Verhandeln und Reservieren der Zimmer, während ich an der Hauptstraße abwartete, um Jannick abzufangen. Dieser fuhr sein eigenes Tempo und kam schließlich im letzten Licht an.
Im Hotel trafen wir dann wieder auf Omar, es war soweit alles in Ordnung für 5.000 CFA bei einem allerdings auch sehr kleinen Raum, wo ein Bett sowie eine Toilette und eine Eimerdusche geradeso reinpassten. Ein Wunder, wie wir noch unsere Räder reinquetschen konnten…
Wir erzählten Jannick von dem Vorfall beim Abendessen. Ihm blieb die Begegnung mit dem Herrn Polizist gottseidank erspart. Obendrein hatte ich trotz 80 Kilometern mit vielen Höhenmetern aufgrund des doppelten Frühstücks immer noch nicht so richtig Hunger. Ich würgte mir das Hähnchen fast mehr oder weniger rein…
Vor dem Schlafengehen legten wir fest, dass wir am nächsten Morgen gegen 9 Uhr die Grenze überqueren wollen und bereiteten dementsprechend unser Frühstück bereits in Tupperdosen vor.
So ging’s am nächsten Morgen dann auch schnell. Die Grenze war zudem flott gemacht. Nach dem Ausstempeln ein paar hundert Meter hinter der Unterkunft fuhr man drei Kilometer durch Niemandsland, ehe man in einem Holzhäuschen nach Abschrift seiner Daten schnell den Einreisestempel in den Pass bekam. Hallo, Kongo!
Die Strecke änderte sich jedoch erst einmal kaum. Es ging weiter einfach durch die nun etwas weniger hügelige Dschungellandschaft dahin.

Die Suche nach etwas Nahrhaftem gestaltete sich zudem auch wieder sehr zäh. Erst nach fast 30 Kilometern kam eine Ortschaft, wo zumindest wieder das klassische Omelette erhältlich war für eine kleine Pause.

Weitere 30 Kilometer trennten uns von der nächsten Stadt Souanke. Hier sollen auch SIM-Karten erhältlich sein, um auch in Kongo Internet zu genießen. Bei dem Preis dieser mussten wir jedoch das Bargeld gut im Blick behalten: Bis zum ersten Geldautomaten in Kongo waren es immer noch gute 250 Km, bzw. drei Tage.
Immerhin erreichten wir weiter relativ flach und unproblematisch die Stadt. Ich schaute mich zugleich nach einer SIM-Karte um, an einem Second-Hand-Verkaufsstand gab’s diese jedoch nur für überteuerte 2.000 CFA + 1.000 CFA pro Gigabyte. So musste ich den umständlichen Weg gehen und beim offiziellen MTN-Shop eine registrieren lassen mit Reisepass und allem was dazugehört. Hier gab es dann auch noch technische Probleme und die Registrierung konnte nicht abgeschlossen werden.
Ich wurde weitergeschickt zu einem anderen Stand, wo es dann immerhin nach 15 Minuten geklappt hat. Insgesamt hat das jedoch fast 2 (!!) Stunden Zeit gekostet. Schließlich hatte ich 6,5 Gigabyte für 5.000 CFA, also knapp ungefähr 7,50 Euro. Internet gab’s in Afrika definitiv auch schon mal günstiger.
Hinzu kam, dass nach dem Einkauf von weiteren Snacks und Wasser sowie der Ausfahrt aus dem Dorf das Internet natürlich schon wieder komplett weg war – da hat sich die Investition ja gelohnt. Immerhin nutzte ich die Wartezeit, um mir direkt an einem Straßenmarkt ein Fußballtrikot der Republik Kongo zu holen – Sammlung erfolgreich geupdated! Ein Bild im Trikot gibt’s dann sicher mal in einem der nächsten Blogs 😉
Gute 10 Kilometer hinter Souanke fanden wir eine kleine Siedlung. Es war zwar noch früh, da jedoch danach laut Karte weit und breit nichts kam und es hier eine Schule gab, fragten wir wiederum beim Chef du Village nach einer Übernachtung – wiederum kein Problem.
Es gab zwar kein Internet, aber immerhin in einigen hundert Metern Entfernung einen Bach, in dem man sich erfrischen konnte – das war das höchste der Gefühle. Immerhin hatten wir durch unser Gespräch mit dem Chef du Village wiederum unsere Ruhe an der Schule, die Dorfbewohner hielten Abstand und respektierten unsere Privatsphäre. Da hat Omar schon Recht mit seiner Empfehlung, immer über den Chef du Village die Übernachtungsmöglichkeit anzufragen.

Zudem ist es bei den Übernachtungen in den Schulen immer wieder interessant, den letzten Tafeleintrag zu studieren. Diesmal hatten die Schüler wohl als letztes Geographie-Unterricht. Die Zeichnung des Umrisses der Republik Kongo legt dies zumindest sehr nahe.

Unser erster Tag im neuen Land gab jedoch schon einmal einen Vorgeschmack auf das, worauf wir uns einstellen müssen: Dieses Land wird anders als die vorherigen, in vielerlei Hinsicht eine wirklich harte Nuss und wahre Herausforderung. Mehr dazu in den kommenden Blogs…


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