Nicht ganz erholt trotz eines „freien“ Tages brachen wir auf zur Weiterreise ins 800 Kilometer entfernte Brazzaville. Ab hier kannte der Weg nur noch eine Richtung: Nach Süden!
Auf dem Weg sollte es wahrlich in den „Busch“ gehen. Erst gibt es keine bis kaum Zivilisation, anschließend immerhin alle knapp 100 Kilometer mal ein Städtchen mit mehr Infrastruktur. Immerhin sollte man sich im ersten Teil der Strecke auf sehr viele Möglichkeiten zur Wildtierbeobachtung freuen können.
Wir starteten voller Motivation wieder raus aus der Zivilisation in Ouesso, hinein in den Busch. Bald waren wir wieder in Keta an dem Abzweig der Straße, die wir von Westen hergefahren sind. Irgendwie fühlte es sich jedoch an dem Tag nicht gut an. Ich kenne meinen Körper mittlerweile sehr gut, und irgendwie fehlte an diesem Tag doch das letzte bisschen Energie. Vielleicht lag es auch daran, dass die Sonne diesmal extrem brannte.
Dennoch gaben wir erstmal weiter Vollgas in dem doch wieder zunehmend hügeliger werdenden Terrain. Ich ignorierte erst einmal die Warnzeichen meines Körpers – geht schon irgendwie. Trotz späten Starts waren wir sehr schnell unterwegs und am frühen Nachmittag waren bereits über 60 Kilometer zurückgelegt.
Als wir in einer kleinen Siedlung mit Schattenplatz schließlich Pause machten, merkte ich beim zur Ruhe kommen meines Körpers jedoch erst so richtig, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt. Ich war total erschöpft, hätte eigentlich am liebsten hier direkt mein Zelt aufgeschlagen und mich ausgeruht. Ein Stirncheck ließ zudem leicht erhöhte Temperatur vermuten – Malaria im Anmarsch?!
Ich fragte die Einheimischen nach der nächsten Krankenstation. „23 kilometre“ – die Entfernung bis zum nächsten größeren Dorf Liouesso, wo es wohl auch Testmöglichkeiten für Malaria gibt. „Eigentlich wäre es auch schade, wenn wir jetzt schon aufhören. Meinst du, du schaffst das noch?“, fragte mich Omar. Eigentlich war ich in dem Pausenmoment platt. Aber geeignete medizinische Infrastruktur wäre im Fall der Fälle wohl doch besser. So biss ich auf die Zähne und quälte mich durch. Wobei – was heißt durchquälen?! So lange ich in Bewegung war, ging es sehr gut. Nur bei kurzen Pausen war mein Körper schnell dem Delirium nicht mehr weit entfernt.
Bei Ankunft in Liouesso musste noch das übliche Geplänkel des Gesprächs mit dem Chef du Village erledigt werden – er ließ uns in einer kleinen Kirche direkt neben einem improvisierten Fußballplatz mit tosenden Kindern schlafen. Endlich hatten wir einen Schlafplatz – nun war ich wirklich tot und fix und fertig. Omar fragte ich mich noch, ob ich nicht gleich noch einen Malariatest machen will. „Ich baue nur noch mein Zelt auf und dann verlasse ich das bis morgen früh nicht mehr!“, so meine Antwort. Nur etwas essen musste ich noch, da ich seit dem Mittag nichts mehr zu mir genommen habe. Immerhin gab’s den altbekannten Maniok und Jannick konnte mir ein Exemplar zum Zelt vorbeibringen. Eine gute Quelle, um die wichtigen Kohlenhydrate wieder aufzufüllen und sehr sättigend.
Ansonsten versuchte ich direkt zu schlafen und hoffte, dass am nächsten Morgen wieder alles besser ist. Liebend gerne hätte ich mit den Dorfkindern in dem echt sehr afrikatypischen Ort noch dem Ball hinterhergejagt, doch heute war ich einfach zu schlapp. Diesen Part übernahm der vor Energie strotzende Omar in diesem Moment 😉

Ansonsten war aufgrund des instabilen Internetempfangs eh schnell Nachtruhe angesagt. Am nächsten Morgen fühlte ich mich dann auch wieder mehr oder weniger fit. Ich gab grünes Licht, dass wir weiterfahren können. Auch vor dem Hintergrund, dass aufgrund einer Dschungelexpedition nach der heutigen Etappe eh ein Tag Pause angesagt war. Zudem waren es nur 60 Kilometer – das sollte doch gut machbar sein.
Aufgrund meines akzeptablen körperlichen Zustandes verzichtete ich auch erst einmal auf einen Malariatest, es war ja anscheinend doch alles soweit in Ordnung.
Nicht in Ordnung war das Wetter, bald zog während dem Zusammenpacken starker Regen auf, sodass wir erst einmal ausharrten und erst am späten Vormittag die Etappe starteten. Es begann gleich mit einem 100-Höhenmeter-Anstieg, ehe die kleine Regenpause auch schon wieder vorbei war und wir in einer kleinen Siedlung Regenschutz suchten vor der gewittrigen Front.
Herzerwärmend war die Fürsorglichkeit der Bewohner, die uns direkt einen Platz unter einem Vordach freimachten und auch unsere Fahrräder gleich mit einer Plane vor dem Starkregen schützten. Zudem machten sie uns ein Feuer, als wir doch leicht auszukühlen drohten in unserer klammen Kleidung bei den Umständen – vielen Dank hierfür! Die Kommunikation erfolgte hierbei mehr oder weniger mit Händen und Füßen sowie etwas Französisch, denn in Kongo hat, wie wir von Einheimischen gelernt haben, quasi jede Siedlung ihre eigene Stammessprache. Wenn man sprachbegeistert ist, kann man hier also viel lernen.

Der Regen jedoch zog sich, erst nach halb 2 wurde es langsam weniger, sodass wir einen neuen Versuch wagten. Nun blieb es trocken, jedoch begann wieder die klassische Achterbahnfahrt in dem extrem hügeligen Gelände, einige steile Anstiege mussten bezwungen werden.
Bald verschlechterte sich auch mein Allgemeinzustand wieder rapide und irgendwann zählte ich nur noch die Kilometer bis zum Ziel. Noch 11…noch 10…noch 9…
Dank des Geländeprofils zog es sich, doch letztlich kamen wir im letzten Tageslicht in dem Dörfchen Lungo an. Dieses lag komplett fernab jeglicher Zivilisation. Kein Strom, kein Internet, Wasser aus dem Fluss sowie Nudeln, Süßigkeiten und Brot als das höchste der Gefühle an Nahrungsmitteln.
Wir gingen wiederum auf den Chef du Village zu, der uns in den Innenraum seiner Lehmhütte wies, um unsere Zelte aufzustellen. Mir war der Platz jedoch eh herzlich egal – wiederum war ich fix und fertig und wollte mich nur in mein Zelt legen und schlafen. Diesmal konnte ich auch nichts mehr wirklich essen am Abend.
Immerhin konnte ich den beiden Mitreisenden aufgrund der französischen Sprachbarriere noch weiterhelfen, als sie wegen einer Tour durch den Urwald zur Beobachtung von Schimpansen und Gorillas sowie anderer Wildtiere anfragten. Für schließlich günstige 10.000 CFA pro Person konnten sie eine geführte Tour durch den Urwald heraushandeln. Zum Vergleich: Im Camp vom Odzola Nationalpark ein paar Kilometer weiter kostet eine Übernachtung über 400 (!) US-Dollar, wobei eine Exkursion zur Wildtierbeobachtung noch gar nicht inkludiert ist – da kann man dann sicher von Luxustourismus sprechen.
Da macht man es lieber in einem untouristischen Dschungeldorf im absoluten „Busch“ über den Chef du Village. Ich wäre natürlich auch gerne dabei gewesen, doch ich musste mich an dem Abend festlegen, und es sah nicht gut aus – ich fühlte mich sehr krank. Nach Einbruch der Dunkelheit war ich relativ zügig am Schlafen in meinem Zelt.
Am nächsten Morgen war ich zwar wie immer mittlerweile um 6 Uhr wach, doch ich sah, dass der Verzicht auf die Wildtiertour diesmal die richtige Entscheidung war. Diesmal waren die Krankheitssymptome nicht über Nacht weg. Im Gegenteil – ich fühlte mich schlapp und vor allem extrem schwummrig und schwindelig, konnte kaum mich auf den Beinen halten beim Aufstehen, wie bei akuten Kreislaufproblemen – verdächtige Malariasymptome. Na ja, erstmal legte ich mich wieder in mein Zelt und ruhte, während die anderen beiden unterwegs waren.
Auch Jannick plagte seit der Nacht Schüttelfrost, er fühlte sich aber fit genug, die Tour durchziehen zu können – toi, toi, toi! Hunger hatte ich derweil in mei em Zustand immer noch nicht wirklich, es gab ja auch nichts wirklich zu essen. In der Früh zwängte ich mir ein Brot mit etwas Resthonig aus meinem Gepäck hinter die Kiemen, um wenigstens irgendetwas gegessen zu haben.
Immerhin, das muss erwähnt werden, kümmerte sich der Chef du Village rührend um mich – ist ja hier auch eine Sache von Stolz und Ehre bei seinen Gästen in dem Dorf. Ich fragte beispielsweise nach Trinkwasser, und er kochte mir gesammeltes Flusswasser über dem Feuer ab. So war das Trinkwasser zwar extrem rauchig, doch immerhin konnte ich mich hydrieren. Als ich dann am späten Vormittag doch etwas Hunger bekam, machte er mir sofort eine große Portion Spaghetti.
Früher als erwartet waren die anderen beiden dann auch mittags schon wieder zurück von ihrer Wanderung. Jannick hat es wohl auch heftig ausgeknockt, denn die Tour war anscheinend extrem anstrengend. Der Guide schlug zwar mit seiner Machete den Weg durch den Urwald frei, dennoch musste man sich wohl mit Händen und Füßen durch den Busch kämpfen – das klang auch für mich wahrhaft kräftezehrend. Gesehen haben die beiden zudem leider nur kleinere Affen und Wildschweine. Schimpansen und Gorillas waren ihnen nicht vergönnt. Immerhin konnten sie bewundern, wie der Guide direkt während der Tour noch eben ein angelocktes Wildschwein geschlachtet hat. Joa, das landet dann wohl am Abend auf dem Teller der Dorfbewohner. Das ist hier wohl tatsächlich noch eine ganz ursprüngliche Kultur der Jäger und Sammler. Omar und Jannick soll wohl der Mund sehr weit offen gestanden haben – vor Fassungslosigkeit, versteht sich.
Jannick verschwand sogleich in seinem Zelt zum Schlafen, während ich aufgrund meiner akuten Symptome den Chef du Village nach einem Malariatest fragte. Diesen gab es aber leider erst im nächsten Dorf. Und anscheinend hatte kein Motorrad Benzin. Und Sprit gab’s hier sowieso nirgendwo. „Mais comment vous bougez?“, fragte ich langsam erstaunt. „Si c’est loin, nous arrêtons un camio“, so die einfache Erklärung („Für größere Distanzen stoppen wir einen LKW.“).
Mir wurde klar: Hier erleben wir in vielen Facetten, was das Leben im kongolesischen Busch fernab jeglicher Zivilisation wirklich bedeutet. Die Menschen hier haben wahrlich nicht viel, aber sie leben ihr Leben auf ihre eigene Weise. Hier kennt es nicht anders, als mit einem Minimum zurecht zu kommen. Für mich auch auf eine gewisse Weise beeindruckend. Wie passend, dass ich ausgerechnet hier flachliege…und Jannick jetzt eventuell auch…
Den Nachmittag verbrachten wir also alle mit ausruhen. Gegessen habe ich bis auf die Portion Spaghetti an diesem Krankheitstag nichts mehr. Im Gegenteil: Die Spaghetti kamen am Abend wieder oben raus. Ganz klar – mein Körper wollte irgendwas unbedingt loswerden. Störend für die Nachtruhe war, dass in der Dorfcommunity jeden Abend laute Partymusik lief. Hierzu passt, dass trotz der Lebensmittelengpässe Alkohol auch hier überall leicht verfügbar war – leichter als Wasser. Da werden wohl Prioritäten gesetzt😉
Am nächsten Morgen ging es dann auch mir und Jannick keinen Deut besser. Omar war soweit fit fürs Radfahren, hatte jedoch selbst gesundheitliche Probleme. Natürlich hatten wir Verständnis dafür, wenn er dann trotzdem nicht hier im Busch ohne jegliche Infrastruktur bleiben möchte, sondern sich um bessere medizinische Versorgung kümmern wollte. So war es für uns kein Problem, dass er an diesem Morgen in der Früh weiterfuhr. In Makoua, dem Ort, wo der Äquator überquert wird, soll es wohl ein Krankenhaus geben.
Dieser Ort mit Äquatorüberquerung war nämlich nur 110 Kilometer entfernt. Ja, wir waren unmittelbar vor einem Meilenstein. Wie schön wäre es, wenn wir es wenigstens bis dahin schaffen würden, um uns dann richtig auszukurieren. 110 Kilometer entfernt von etwas Zivilisation…
Nachdem Omar längst unterwegs war, belieferten immerhin Motorrollerfahrer den kleinen Dorfladen mit Brot, Süßigkeiten und Softdrinks. Wasser musste weiter aus dem Fluss genommen und abgekocht werden. Aber so hatten wir immerhin ein paar Snacks und Kalorien zur Verfügung. Im Tagesverlauf wurde auch der Zustand von mir und Jannick etwas besser.
Ob wir doch etwas weiterfahren sollen? In 30 Kilometern gibt es immerhin den nächsten Funkturm, wo man zumindest mal wieder Internet haben sollte und Freunde bzw. Verwandte updaten kann. Zudem soll die Chance für Gorillas und Schimpansen hier in der Früh und am Abend deutlich erhöht sein. Am nächsten Tag kann man sich ja dann irgendwie die restlichen 80 Kilometer bis Makoua durchbeißen, um sich dann wirklich zu regenerieren und die Äquatorüberquerung zu feiern. Klingt doch wahrlich nach einem Plan!
Obwohl weit entfernt von einem wirklich fitten, körperlichen Zustand, entschieden wir uns mittags, die Zelte abzubrechen und weiterzukommen. Wir bedankten uns bei dem Chef du Village für die Möglichkeit zum Zelten, sowie die Fürsorglichkeit in den letzten anderthalb Tagen. Der Abschied hatte jedoch einen faden Beigeschmack: Mir wurde erklärt, dass der bereits angereiste Omar noch nicht die gestrige Tour gezahlt hätte. Aufgrund fehlender Internetverbindung konnten wir nicht miteinander kommunizieren. Als ich antwortete, dass ich mir sicher bin, dass er gezahlt hat, wurde der Ton etwas rauer. Schließlich zahlte ich das Geld zur Vermeidung des Konflikts. Wie sich herausstellte, hatte Omar tatsächlich bereits gezahlt und wir wurden dreist angelogen – unschön, auch wenn ich ihm das Geld natürlich an sich gönne!

Alsbald machten wir uns vom Acker und kamen zumindest langsam aber stetig voran auf unserer Halbtagestour zum Funkturm. Ein paar Hügel waren natürlich wie immer auch dabei. Immerhin sah Jannick wohl als Highlight einen Schimpansen im Gebüsch neben der Straße. Leider war die Zeit nur zu kurz, um ein Foto zu machen…
Die nur 30 Kilometer zogen sich hin, wie man es sonst selten erlebt hat. Ich konnte aufgrund meiner anhaltenden Nackensteifigkeit eh nicht den Kopf zur Seite wenden, um eventuell Tiere zu sehen.
Schließlich haben wir eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang den Funkturm erreicht – wenigstens Internet! Hier waren noch zwei andere Einheimische, die jedoch kein Problem damit hatten, dass wir hier einfach schnell unser Zelt aufschlagen. 80 Kilometer bis zur Zivilisation – einfach kurz hinlegen und morgen dann auf die Zähne beißen!

Ernähren mussten wir uns an dem Abend dann von den eingekauften Süßigkeiten am Vormittag – sonst gab’s hier ja kein Essen. Immerhin konnten wir unser Wasser nochmal auffüllen mit dem abgekochten Flusswasser.
Bezüglich Schimpansen und Gorillas raschelte es an dem Übernachtungsplatz in den späten Abend- und frühen Morgenstunden immer wieder auffällig im nahen Gebüsch. Eine Sichtung war mir jedoch nicht vergönnt – zum Haareraufen!
Immerhin waren meine Beschwerden über Nacht quasi komplett weg – ich fühlte mich mehr oder weniger fit, hätte sogar darauf gebrannt, früh loszufahren, da die Gegend prädestiniert dafür ist, in der Früh am Straßenrand vielleicht doch noch Gorillas und Schimpansen zu sichten.
Leider kam Jannick extrem schwer aus dem Zelt, sein Zustand hatte sich eher verschlechtert, er war sehr schwach. Leider half es in diesem Moment nichts – die 80 Kilometer mussten irgendwie weggemacht werden.
Langsam aber sicher konnte sich Jannick rausquälen und wir kamen um 9 Uhr los. Natürlich war es in dem Moment, wo man es am wenigsten braucht, auch wieder super hügelig. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich immer etwas vorfahre und dann an einem geeigneten Platz wieder auf Jannick warte, damit er sein Tempo fahren kann und sich nicht überfordert. Für gesundheitliche Notfälle gab’s immerhin wieder genügend Funktürme, nachdem diese vorher in 50 Kilometern Entfernung standen. Die Internetverbindung wurde tendenziell wieder besser.

Natürlich brauchten wir in der Lage Zeit, viel Zeit. Hinzu kam eine Polizeikontrolle, die uns zusätzlich Zeit kostete. Immerhin wurde es zum Ende hin tendenziell flacher, zudem motivierte die Aussicht der Überquerung des Äquators, hierfür gab es am Beginn vom Ort Makoua sogar ein eigenes Monument in Form einer Weltkugel.

Als ich die letzten Kilometer wieder vorgefahren bin wartete ich hier auf den sich in seinem Rhythmus durchbeißenden Jannick. Auf der ganzen Strecke gab’s eine einzige Möglichkeit, Getränke und zumindest Maniok zu kaufen. Sonst war bezüglich Verpflegung komplettes Niemandsland – der Busch in der Republik Kongo bringt einen wahrlich an die Grenzen. Und wir hatten ja eh schon kaum eigene Snacks, weil es ja schon vorher so gut wie nichts gab…

Es half an diesem Tag alles nichts. Jannick war de facto krank aber er musste es durchziehen. Die Strecke war zudem kaum befahren, sodass auch eine Abkürzung per LKW keine Option war.
Irgendwann am späten Nachmittag traf er schließlich auch ein am Äquator-Denkmal. Er stand so neben sich und war so fertig mit der Welt, dass er gar nicht realisierte, dass hier eine Weltkugel als Denkmal steht, wie er mir im Nachhinein sagte.
Aber alles gut – wir sind in der Zivilisation! Hier gibt’s wenigstens ein paar Supermärkte und Restaurants. Und hey! Wir sind auf der Südhalbkugel!!! Ein wahrer Erfolg, aber in diesem Moment hatten wir dann doch andere Probleme, als uns hierüber zu freuen…wir waren in Summe einfach an der Grenze in diesem Moment, sowohl physisch als auch psychisch – wenn auch in meinem Fall nur letzteres, nachdem ich auf einmal wieder fit geworden bin.
Als letzte Aufgabe des Tages stand dann nur noch das Einchecken in das anvisierte Hotel an. Auch das gestaltete sich jedoch schwierig, da in Kongo, wie im vorherigen Blog bereits erwähnt, der christliche Glaube sehr groß geschrieben wird. Der Hotelchef verlangte, dass wir uns jeweils ein Einzelzimmer nehmen müssen aufgrund eventueller homosexueller Handlungen. Diesmal half auch kein Diskutieren, wir mussten die Gepflogenheiten akzeptieren. Auch wenn wir beteuerten, dass wir uns das Zimmer wirklich nur aus Kostengründen teilten…

Immerhin konnten wir den Chef von 10.000 CFA (ca. 15 Euro) auf 7.000 CFA (ca. 10,50 Euro) pro Person und Nacht runterhandeln. Und vielleicht war es sogar besser bei dem Zustand von Jannick, dass wir getrennt waren und er sich in Ruhe erholen konnte…und für Notfälle gab es in dem Ort ja sogar ein Krankenhaus. Und eventuell findet man ja mal etwas zum Essen, was wieder etwas mehr Abwechslung und Vitamine bringt. Manchmal überlegte ich bei den Umständen schon, zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen. Auch im Hinblick auf das, was der Körper hier leisten muss…
Kommt Jannick schnell wieder auf die Beine? Können wir unsere Reise nach Brazzaville ohne Probleme fortsetzen? Wie sieht es um die mentale Stärke von uns beiden aus, die unter den Umständen nun mehr denn je gefordert ist? All das wird im nächsten Blog thematisiert.


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