Eine harte Entscheidung

Makoua am Äquator – es war schon sehr skurril. Nach fast 15.000 gefahrenen Kilometern sind wir nun offiziell auf der Südhalbkugel angekommen. Champagner kaltstellen und erstmal den großen Meilenstein feiern, sollte man meinen. Stattdessen: Körperliche Beschwerden und psychisches Loch gepaart mit Ausgelaugtheit.

Seit der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé hatte sich die Landschaft kaum verändert. Immer wieder der endlose Dschungel in Verbindung mit endlosen Hügeln und ein paar Lehmhüttendörfern. War die Verpflegungslage auf kamerunischer Seite noch halbwegs in Ordnung, so herrschte in dieser Hinsicht spätestens auf kongolesischer Seite ebenfalls Ebbe.

Es verändert sich einfach nichts, insbesondere landschaftlich. Und wenn man dutzende hundert Kilometer durch den Busch fährt, so macht das vor allem auch psychisch etwas mit einem – man sehnte sich nach Veränderung, etwas Neuem…

Hier in Makoua war Brazzaville als nächste Großstadt noch immer über 500 Kilometer entfernt. Es kam uns in diesem Moment endlos vor. Aber wir sahen das Positive: Wir sind immerhin mal wieder in der Zivilisation und einem Hotel. Jetzt soll Jannick mal wieder fit werden und nach der Pause ist die Motivation ja vielleicht auch wieder etwas höher, sich noch einige weitere 100 Kilometer hier den gleichen Trott zu geben…

Vorab buchten wir drei Nächte. Zwei volle Tage hatten wir eh geplant, hier Pause zu machen und einmal zu verschnaufen. Hiernach müssen wir dann schauen, wie es Jannick geht. Und wer weiß, vielleicht gibt es hier ja seit langem auch mal wieder gutes Essen?! Immerhin lief das Internet schonmal wieder tadellos.

Auf unserer geliebten App iOverlander war direkt in der Nähe schonmal ein Restaurant mit kamerunischen Spezialitäten eingezeichnet, das wir am selben Abend noch auscheckten. Hier gab’s an diesem Tag leckeren Fisch mit Kochbananen – wahrhaft eine Wohltat nach den vergangenen Tagen.

Ein Frühstückscafé war am folgenden Morgen auch schnell gefunden. Hier gab’s den bereits in der Elfenbeinküste viel konsumierten Café au lait mit extrem süßer Kondensmilch sowie – natürlich – Omelette. Wir waren über halbwegs gutes Essen mehr als froh, die letzten Tage inklusive Krankheit haben einen doch ziemlich ausgehungert.

Blöd nur, dass Jannick weiterhin grippeähnliche Symptome aufwies mit Schüttelfrost und Müdigkeit. Da war natürlich der Appetit auch nicht allzu hoch. Kerle, du hast doch die letzten Tage schon wegen der schlechten Versorgung im Dschungel kaum was gegessen…ich machte mir etwas Sorgen um ihn…

So bestand der Tag dann auch mehr aus Ausruhen, am Abend kehrten wir nur wieder beim kamerunischen Restaurant ein. Schlaf und Erholung sowie gutes Essen standen an oberster Stelle auf der Prioritätenliste, um die Batterien wieder aufzuladen. Ein Studium der weiteren Route ließ einen jedoch immer wieder in das berühmt-berüchtigte Loch fallen: Bis Brazzaville ändert sich bis auf ein paar mehr Städte und tendenziell etwas offener werdende Landschaft erst einmal gar nichts.

Die Sehnsucht war groß nach Abwechslung, einem neuen Reiz. So eine spektakuläre Stadt a la New York oder Dubai – genau das wär’s jetzt! Etwas schönes essen! Kulturangebot! Modernes Ambiente! Man könnte diese Liste beliebig weiterführen. Einmal rauskommen aus dem – man muss es so hart sagen – Elend und der Armut, in der die Leute hier leben. Zum ersten Mal, so muss man es sagen, hatten wir auf dieser Reise – unabhängig von Krankheit – mit einem akuten Mangel an Motivation zu tun. Man soll das auch bitte nicht falsch verstehen. Mir ist bewusst, dass das für die Einwohner hier Standard ist. Wir machen das freiwillig, wir können dieser „Quälerei“ ganz schnell ein Ende setzen, wenn wir nur wollen. Kurzum: Wir sind immer noch privilegiert!

Komm, so sagten wir uns erneut, jetzt lass erstmal Jannick komplett gesund werden und dann geben wir dem ganzen nochmal eine Chance mit neuem Elan – auch wenn im Hinterstübchen die Option des „Cheatens“ in Form eines anderen Fortbewegungsmittels natürlich nicht mehr komplett ausgeschlossen wurde, so ehrlich muss man sein.

Erst einmal versuchten wir uns, auf die schönen Dinge hier in dem kleinen Städtchen zu fokussieren. Beispielsweise, dass wir in dem kamerunischen Restaurant auf Anfrage das erste Mal Ndolé probieren konnten, das kamerunische Nationalgericht. Auf der Durchquerung des Landes war es uns leider nicht vergönnt.

So gut habe ich lange nicht mehr gegessen.

An diesem Abend war es dann auch ein absolutes Geschmackshighlight inklusive sensationeller Kochbananen. Blöd nur, dass es Jannick an diesem Abend, unserem zweiten vollen Tag in Makoua, noch deutlich schlechter ging und er sich vor lauter Schwindelattacken kaum auf den Beinen halten konnte – wie mit über einem Promille Alkohol im Blut. Der Appetit war dann auch leider dementsprechend, Jannick hatte so seit guten fünf Tagen kaum was gegessen. Das ist natürlich nicht gerade förderlich für mehr Energie und Kraft zum Losfahren.

Ich jedenfalls verabschiedete mich von der Hoffnung, dass wir am nächsten Tag weiterfahren können und empfahl Jannick, doch lieber das Krankenhaus in Makoua aufzusuchen aufgrund von möglicher Malaria oder anderer tropischer Krankheiten. Jannick entschied sich jedoch dafür, das erstmal auskurieren zu wollen. Grund hierfür war auch eine mögliche Vorstreckung der Behandlungskosten, bevor man über die Krankenversicherung abrechnen kann. Kartenzahlung ist hier nicht üblich und unser Bargeld war begrenzt. Einen Geldautomaten gab es erst in der übernächsten Stadt in 180 Kilometern…

Aus diesem Grund konnten wir an die regulär bezahlten drei Nächte auch nur noch maximal zwei Nächte dranhängen. Sonst wäre es zu eng geworden mit dem Geld. Wieder waren wir in der Situation, dass wir in dem Fall irgendwie weiterkommen mussten.

Erst einmal jedoch verlängerten wir um eine Nacht, ich besuchte wie immer mein Stamm-Frühstücklokal und genoss bei Kaffee und Omelette wie jeden Morgen hier die Ruhe. Langsam habe ich jedoch alles gesehen und in mir kam fast so etwas wie Langeweile auf, während ich darauf wartete, dass Jannick endlich Besserung erfährt.

Meine Morgenroutine.

Ja, was kann ich sonst noch tun hier?! Eventuell doch mal die verfilzten Locken schneiden? Dann ist meine eigene Wette zwar verloren, aber komm, dann warst du mal in Afrika beim Friseur! Nach kurzer Überlegung ging ich zu einem lokalen kleinen „Coiffeur“ in einer Holzhütte und ließ mir in rabiater Art und Weise die verfilzten Locken abraspeln. Schmerzhaft, aber endlich wieder weniger Ballast auf dem Kopf!

Haare ab in Afrika.

Dann fiel mir noch ein: Jannick und ich müssen unbedingt noch ein gemeinsames Foto am Äquatordenkmal machen, wenn wir schonmal hier sind. Ich motivierte ihn zu einem kleinen Spaziergang, auch wenn sein Gesundheitszustand immer noch bescheiden war. Ob das morgen schon klappt? Ich war skeptisch…

Gemeinsam am Äquator.

Dennoch: Gesundheit geht vor! „Hör wirklich auf deinen Körper und zeig keinen falschen Ehrgeiz! Danach wollen wir auch endlich weiterkommen und nicht nach zwei Tagen wieder Pause machen müssen, weil du dich zu früh überforderst. Also gib morgen nur grünes Licht zum Fahren, wenn du dich wirklich bereit fühlst, nachhaltig zu fahren! Sonst lieber nochmal eine Nacht dranhängen!“, redete ich ihm ins Gewissen.

So kam es dann auch und wir blieben nochmals einen ganzen Tag. Danach gab es eh keine Wahl mehr, weil eben das Bargeld langsam knapp wurde. Jannick gab immerhin am Abend Rückmeldung, dass es nun wirklich deutlich besser sei und er sich bereit fühle zum Fahren. Na also! Dann können wir es ja probieren…

Durch die viele Pausenzeit war auch genug selbige vorhanden, um am Vorabend das Gepäck startklar zu machen und früh wieder loszulegen. Ziel war die nächste Stadt Owando in 70 Kilometern. Vorher packte ich aus Motivationsgründen noch einen Brief eines guten Freundes aus, den er mir vor Reisestart mitgegeben hat. Ich solle ihn öffnen, wenn es in Afrika schwierige, herausfordernde Zeiten gäbe – wie jetzt eben. Und diese Worte – sie gehen echt runter wie Öl 🥹

Starke Motivation!

Nach gemeinsamem Start fuhr ich etwas vor, da ich nach der langen Pause doch das starke Bedürfnis spürte, mich mal wieder etwas auszupowern. Jannick sollte sich dagegen nicht überfordern und sein Tempo fahren im noch angeschlagenen Zustand. Nach hügeligem Beginn wurde es zunehmend flacher und am frühen Mittag kam ich in Owando an. Jannick folgte eine Stunde später gegen 13 Uhr, 70 Kilometer als Halbtagestour – läuft.

Ab nach Owando: Noch 60 Kilometer.
Kouyou River kurz vor Owando.

Die Wartezeit in einem kleinen Restaurant (wo es wie so häufig trotzdem kein Essen gab…) verbrachte ich damit, mit einem Einheimischen aus Owando ins Gespräch zu kommen auf Französisch. Ich erzählte ihm von der Reise und dass wir auch durch Brazzaville kommen würden. Er hat hier seinen Arbeitsplatz und lud mich ein, uns in der Hauptstadt zu treffen – eine schöne, spontane Bekanntschaft. Vielleicht bis in ein paar Tagen!

Bekanntschaft in Owando.

An einem anderen Tag wären wir wahrscheinlich zu der frühen Uhrzeit noch weiter gefahren. Jetzt war es besser, sich nicht zu überlasten und von Stadt zu Stadt zu schauen.

Zuerst einmal wurde in Owando bei der Stadtverwaltung mit dem „Präsident“ der Stadt der sichere Schlafplatz zum Zelten vor dem Eingang des Verwaltungsgebäudes abgeklärt, dann ging es wieder auf die schwierige Verpflegungssuche. Immerhin gab’s einen Markt mit Tomaten, Zwiebeln und Gurken – Vitamine!!

Der sichere Schlafplatz an der Treppe des „Präsidentengebäudes“.

Jannick brachte zwar die Tour körperlich an diesem Tag gut zu Ende, ein Blick auf die zahlreichen pickelartigen Pusteln an seinem Bein ließ jedoch nichts Gutes erahnen. In der Pause hatte er sie noch standhaft ignoriert. Nun suchte er abends doch lieber einen Arzt auf, der zufällig in der Nähe war.

Die Diagnose war erschütternd: Jannick hatte sich wohl mit einer sog. Myiasis infiziert, umgangssprachlich „Fliegenmadenkrankheit“. Hierbei legen tropische Fliegen ihre Larven auf der Haut des Wirtes (in diesem Fall Jannick ab), diese dringen anschließend in den Körper ein und sorgen für die Erkrankung – wahrscheinlich lag Jannick deswegen auch so lange flach.

Ihm wurden Antibiotika und antiparasitäre Mittel für eine Woche verordnet. Das bedeutete: Eine Woche lang im besten Fall wenig bis gar kein Sport. Jannick informierte mich über diese Hiobsbotschaft und bat um eine weitere Pause.

Ich war hin- und hergerissen, reagierte unfairerweise sogar erst vorwurfsvoll: „Warum hast du das nicht in der großen Pause im Krankenhaus abchecken lassen? Ich hab dich extra gefragt, ob du dich wirklich fit fühlst um nachhaltig fahren zu können. Ich will jetzt nicht schon wieder Pause machen müssen und irgendwo in einer Kleinstadt im kongolesischen Dschungel rumdümpeln müssen…“

Wir diskutierten Lösungsansätze für diese schwierige Situation. Ich schlug Jannick vor, ob er nicht einen Bus nach Brazzaville nehmen möchte. Dann kann er sich dort so lange ausruhen, bis ich per Fahrrad nachkomme…oder er nimmt sich einen LKW. Nur eins war für mich klar: Nochmal tagelang hier bleiben will ich nicht! Und in die nächste Stadt müssen wir ja eh wegen Geld…

Wir fragten die Security unseres Übernachtungsplatzes nach Busverbindungen nach Brazzaville oder wenigstens in die nächste Stadt Oyo am nächsten Tag. Es gäbe wohl welche zwischen 7 und 8 Uhr in der Früh….

So verblieben wir damit, dass Jannick erst einmal versucht, per Bus in die nächste Stadt zu fahren und ich radelnd hinterherkomme. Danach sehen wir weiter. In aller Herrgottsfrühe standen wir auf, packten unsere Sachen und ließen uns von dem Security zum Bus führen.

Die größte Buslinie Kongos, Occean du Nord, stellte sich jedoch quer, Fahrräder mitzunehmen wegen der zu geringen Kapazität. Ein anderer Bus war bereits zu ausgebucht, um ein Fahrrad mitzunehmen. Auch andere Optionen erwiesen sich als unbrauchbar.

Was nun?! „Ich versuche, die 105 Kilometer bis Oyo zu radeln“, legte sich Jannick fest. „Na gut, aber bei der Gelegenheit eines Trucks nimmst du ihn an und fährst zumindest bis Oyo mit, bei Antibiotika ist nicht zu spaßen…“, entgegnete ich etwas belehrend. „Aber ich würde schon gerne bis Brazzaville radeln, können wir nicht einfach langsam machen?“, fragte Jannick.

Diese Situation hatte nun wieder enormes Konfliktpotenzial. Bei aller Liebe, aber wir fahren seit Ewigkeiten durch diese gleiche Dschungellandschaft. Gerade ist eine Situation, wo ich das einfach nicht mehr kann! Ich will jetzt Gas geben, um endlich einen Tapetenwechsel zu haben! Ich hab die Schnauze voll! In diesem Moment kam meine egoistische Ader so richtig zum Vorschein.

„Wärst du denn damit einverstanden, wenn wir uns trennen und du einfach dein Tempo fährst und wir uns in Brazzaville wieder treffen? Dann habe ich wenigstens Stadt und Infrastruktur sowie gutes Essen, während ich auf dich warte…“ Jannick war wenig begeistert, aber ließ mir meine freie Entscheidung.

In dem Moment war die Sache für mich klar – ich preschte voran. Der Kerl ist erwachsen und kann doch auch für sich selbst entscheiden. Er kann sich ja jederzeit dazu entscheiden, einen Truck anzuhalten und ohne unnötige körperliche Belastung in die nächste Stadt oder gar nach Brazzaville zu gelangen…

Ein anderer tropischer Fluss auf dem Weg nach Oyo.
Ein wertvoller Brunnen: Wasserversorgung im kongolesischen Nirgendwo.

So fuhr ich, etwas überfordert mit dieser schwierigen Situation und auch dem vielleicht falschen sportlichen Ehrgeiz von Jannick, für mich dahin, ehe ein folgenschwerer Anruf von Omar reinkam, von dem wir uns ja neulich wieder getrennt haben. Er war bereits in Brazzaville per LKW und ist dann ebenfalls per LKW in die Küstenstadt Point-Noire weitergefahren, um hier im Krankenhaus eventuell eine Lösung für seine gesundheitlichen Probleme zu finden.

„Und wenn ihr gleich per LKW nach Point-Noire zu mir kommt? Dann können wir auch gemeinsam durch Angola fahren…“ „Aber dann würden wir ja sau viel cheaten…“, antwortete ich wenig überzeugt. „Pass mal auf. Jannick sollte in der Situation eh keinen Sport machen. Sei ehrlich, ihr seid in einer Art Teufelskreis: Aufgrund immer gleicher Landschaft und wenig Abwechslung seid ihr in einem mentalen Tief. Ihr müsstet jetzt eigentlich viele Kilometer pro Tag machen, um schnell neue Reize zu bekommen und damit neue Motivation zu tanken. Jetzt kann Jannick sich aber nicht voll belasten und ihr müsstet langsam machen. Dadurch fallt ihr nur noch mehr ins Loch, weil es gefühlt Ewigkeiten dauert, bis ihr da rauskommt. Um da auszubrechen hilft in der Lage nur eins: Cheaten!“

Bei der Weiterfahrt beschäftigten mich diese Worte lange, während sich die Landschaft zumindest etwas änderte: Sie wurde nun deutlich offener. Stellenweise gab es sogar Ranches und große Kuhweiden, man fühlte sich fast heimisch. Wird diese Strecke eventuell doch noch einmal interessanter?!

Fast wie im heimischen Alpenvorland.

Je tiefer ich in mich ging, desto mehr musste ich mir eingestehen: Omar hat Recht! Verstärkt wurde dieser Eindruck durch seine abschließenden Worte: „Mal ehrlich: Ihr seid mittlerweile gute 15.000 Kilometer aus eigener Kraft gefahren. Was spielt es denn da für eine Rolle, wenn man mal ein paar hundert Kilometer überspringt?!  Ihr würdet das easy auch so schaffen. Aber müsst ihr denn irgendwem etwas beweisen? Ihr wollt doch keinen Weltrekord aufstellen, ihr wollt mit dem Fahrrad reisen!“

Ich rang mit mir und meinem Sportlergewissen, doch eigentlich ist bei mir bereits eine Entscheidung gefallen, als ich eine lange Mittagspause machte und nochmals in mich ging. Jetzt muss ich diese Idee nur noch mit Jannick besprechen…

Als ich von meiner Mittagspause die Fortsetzung antrat, erfuhr ich, dass mich dieser wohl heimlich, still und leise überholt hatte – er schien ordentlich Gas zu geben trotz der Medikamente. Bald traf ich ihn wieder und entgegen meiner anfänglichen Erwartungen schafften wir beide gut die Etappe über hundert Kilometer in die nächste Stadt Oyo. Von hier aus wären es noch 400 Kilometer bis Brazzaville gewesen.

Nun hatten wir erst einmal eine Priorität: Geld abheben. Hierbei der Schock – keine unserer Karten funktionierte. Gut, ohne Bargeld hätten wir es sowieso nicht nach Brazzaville geschafft ohne fremde Hilfe…

Nach all den Geldproblemen wurde es auch bereits spät und wir hatten wenig Zeit, noch irgendwo einen kostenlosen, sicheren Schlafplatz zu organisieren. So buchten wir uns schnell in einem Hotel ein, wo wir auf Nachfrage immerhin noch Bargeld tauschen konnten in dieser akuten Notsituation, sogar zu einem recht guten Kurs. Vorher machte ich unmissverständlich klar: Wir können das Zimmer nur bezahlen, wenn Geldwechsel möglich ist. Natürlich wieder zwei Einzelzimmer aus bereits aus vorherigen Blogs bekannten Gründen…

Angekommen am Hotel in Oyo.

Zwar schien die Entscheidung gefallen, doch immer wieder meldete sich bei mir nochmals eine innere Stimme: Ist es wirklich okay, jetzt einfach so 800 Kilometer zu überspringen? Sollte ich nicht einfach Jannick nach Brazzaville vorschicken per Bus oder LKW, um anschließend nachzuradeln? Andererseits, so Omar, werden es eben von Brazzaville nach Pointe Noire, nochmals 400 sehr hügelige Kilometer sein durch die Prärie, die einen mental sehr belasten können, insbesondere in der jetzigen Situation.

Man muss so ehrlich sein – das beste ist wohl wirklich ein radikaler Tapetenwechsel. Auch, weil wir dann die Chance haben, mit Omar zu dritt die ebenso sportlich ambitionierte Durchquerung von Angola in 30 Tagen Visazeit anzugehen.

Und was sind 800 Kilometer schon im Vergleich zu 15.000 bereits gefahrenen Kilometern?! Rechnerisch etwas mehr als fünf Prozent. Und ob man bei der Distanz am Ende 90 oder 100 Prozent selbst gefahren ist?! Drauf gesch*****!

Aufgrund der Gesamtsituation entschieden wir uns bei der Verköstigung eines Burgers in unserem Hotel im doch vergleichsweise sehr modernen Oyo zu diesem folgenschweren Schritt: Morgen werden wir Ausschau nach einer motorisierten Fahrgelegenheit halten!

Der Hotelchef gab uns die Auskunft, dass die Busse immer um 6 Uhr, 8 Uhr und 9 Uhr fuhren. Man solle jedoch immer eine Stunde vor Abfahrt da sein. Das hieß dann natürlich auch wieder früh aufstehen und nebenbei nach einem eventuellen Truck Ausschau halten. Nun hatten wir also eine andere große, organisatorische Aufgabe, die sich ausnahmsweise mal deutlich vom Strampeln unterschied.

Schweren Herzens entschieden wir uns daher auch dafür, die Hauptstadt Brazzaville zu überspringen und direkt nach Point-Noire an die Küste zu kommen. Gerne hätte ich den Lesern hier ein Bild mit Blick über den Kongofluss nach Kinshasa präsentiert, doch manchmal soll es wohl einfach nicht sein. So musste ich auch meiner Bekanntschaft aus Brazzaville absagen.

Die Republik Kongo, wenn man es so hart ausdrücken will, sie ist das erste Land auf dieser Reise, das uns gesundheitlich und vor allem auch mental so richtig in die Knie gezwungen hat. Und wie gesagt: Gerne hätte ich bzw.   hätten wir auch alles mit dem Fahrrad gefahren. Doch es gibt manchmal Dinge, die eben wichtiger sind. Frei nach dem Motto: Gesundheit geht vor! Sowohl physisch, als auch psychisch…

Hinterlasse einen Kommentar