Früher Freitagmorgen im Hotel in Soyo: Wir haben die Fährfahrt gut überstanden, auch die Konfliktsituation von der Anfahrt Cabindas, verursacht durch die Kombination von Stress und einhergehendem Egoismus sowie gesundheitlicher Angeschlagenheit bei einer bedingungslos zu schaffenden Etappe war nach kurzer Aussprache beigelegt.
Das Ziel war es nun, zusammen zu bleiben. Weil wir in Angola aber aufgrund der Visazeit ein gewisses Tagespensum erfüllen müssen, wurden klare Regeln aufgestellt: Wir bleiben möglichst zusammen. Sofern jemand das Bedürfnis hat, mal kurz sein eigenes Tempo bzw. für sich zu fahren, so wird alsbald gewartet bzw. ein fixer Treffpunkt ausgemacht, der nicht zu weit entfernt ist. Damit gegenseitige Rücksichtnahme ohne die Gefahr größerer Konfliktsituationen möglich ist, müssen jedoch insgesamt entspannte Rahmenbedingungen mit viel Zeit geschaffen werden.
Regel Nummer zwei war daher, dass früh aufgestanden wird und je nach Situation zwischen 7 und 8 Uhr in der Früh Aufbruch ist. Bei ersterem standen Omar und speziell auch ich in der Pflicht, bei letzterem Jannick als bekennender Morgenmuffel. Stichwort Kompromisse finden.
Wie bereits im vorherigen Blog beschrieben, spielte das an diesem Morgen aber erst einmal keine Rolle, ein ausnahmsweise später Start war angedacht. Entspannt wurden auf dem Hotelzimmer nochmals alle Powerbanks vollgemacht, ehe Omar auch eine SIM-Karte hatte und jeder nun im Zweifel telefonisch erreichbar war.
Da ich an diesem Morgen ausnahmsweise ein wenig trödelte, fuhren die beiden schon einmal los, um eine Frühstücksmöglichkeit zu finden. Wenig später war auch ich wieder im Sattel und suchte nach den anderen entlang der zunehmend schlaglöchrigen und sandigen Piste von Soyo. Da ich vorher noch Snacks für die nächsten Tage in einem Supermarkt einkaufte, waren die anderen beiden bereits fertig mit ihrer Mahlzeit, als ich sie erreicht habe.

Da wir nun Gegenwind hatten und es sinnvoll war, in Dreiergruppe Windschatten zu fahren, ließ ich ausnahmsweise ein Frühstück ausfallen und schloss mich den anderen beiden an. Heute war ich der „Morgenmuffel“.

Sobald wir aus der auf der einen Seite modernen, auf der anderen aber auch irgendwie typisch afrikanischen Stadt Soyo rausgefahren sind, war die Straße auch wieder besser, man erfreute sich bestem Asphalt. Trotz Windschattenfahrens war es aber natürlich mühselig, gegen den Wind anzustrampeln. Da wir uns nun aber auf der Südhalbkugel befinden und die Grundwindrichtung wegen dem Passatwind aus Süd vorherrscht, werden wir uns mittelfristig daran gewöhnen müssen.
Eine kleine Tankstellenpause nach 25 Kilometern nutzte ich, um mit ein paar Haferkeksen wenigstens etwas Energie für den noch langen Tag zu tanken. Allgemein steckte mir das fehlende Frühstück aber in den Knochen, ich fühlte mich nicht wirklich energetisch…
Ganz im Gegensatz zu Jannick, er war an diesem Tag in einer ausgezeichneten Verfassung und zog nach der Pause gemeinsam mit Omar schnell mir davon. Trotz Schlusslichtes der Dreierreihe und perfektem Windschatten musste ich abreißen lassen und war nun erst einmal auf mich allein gestellt.
Der Wind war quälend, dennoch genoss ich diesen Moment auch, denn das erste Mal seit langer Zeit fühlte ich so etwas wie Lagerkoller. Nach vielen, teilweise ausführlich beschriebenen Konflikten und Auseinandersetzungen aufgrund des Themas der Rücksichtnahme war ich dies einfach satt. Mir fehlte in diesen Tagen manchmal die notwendige Energie und Ausgeglichenheit, auf andere und deren Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Klingt hart und nicht unbedingt schmeichelhaft, ist aber leider so. Vielleicht auch ausgelöst durch das immer noch vorherrschende mentale Tief und generelle Reisemüdigkeit. Da Psyche und Physis bei mir untrennbar miteinander verbunden sind, konnte bei mir auch bei weitem nicht von sportlicher Topform die Rede sein, ich schleppte mich eher so durch. Kurzum: Mein Kopf war einfach nicht frei, ich einfach nicht ausgeglichen.
Nach 25 Kilometern für mich alleine im Privatkampf gegen den Wind traf ich in einem kleinen Dorf mit Shop wieder auf die anderen. Auf ein Neues versuchten wir es mit Windschattenfahren. Nun war ich der, auf den die anderen Rücksicht nehmen mussten. Auch wenn ich aus bekannten Gründen gerne anbot, dass die beiden ihr eigenes Tempo fahren und wir uns später wieder treffen können.

Die anderen beschlossen nachvollziehbarerweise jedoch, dass wir insgesamt lieber zusammenbleiben. Ich versuchte, dranzubleiben. Zog beispielsweise Jannick in seiner Tagesform aber doch mal an, so gab mir das definitiv den Rest – ich war platt. Umso glücklicher war ich, als wir in einem kleinen Dörfchen mit Polizeistation endlich einen Haken an diesen Tag machen konnten – übrigens nach genau 99,99 gefahrenen Kilometern. Wir haben also unser Tagessoll noch sehr gut erfüllt.

Schlafen durften wir in einem der Klassenräume in der Schule gegenüber der Polizei – das weckte doch Erinnerungen an den Kongo. In Angola gibt’s nämlich einen starken Kontrast zwischen Stadt und Land: Im urbanen Raum lebt ein anderes Clientel, adrett gekleidet und durchaus wohlhabend, während der dünn besiedelte ländliche Raum durchaus wieder an die vorangegangene, belgische Kolonie erinnert.
Dennoch ist es kaum mit der Härte der Republik Kongo zu vergleichen, da es alle paar Dutzend Kilometer immer wieder ein kleineres Städtchen, Streetfood, Tankstellen oder dergleichen gibt.
Hier in diesem Ort fühlten wir uns aber ganz an vorherige Zeiten erinnert, mit einem Shop wo Süßigkeiten und Brot (sowie immerhin auch Wasser) verkauft wurden und uns ein (immerhin sehr leckeres) Omelette gekocht wurde.
Eine weitere Parallele: Alkohol steht auch und insbesondere wohl auf dem Land Angolas sehr hoch im Kurs, bereits am frühen Abend waren die meisten Bewohner gut angetüdelt.
Wir hielten uns jedoch nicht mit Alkohol auf: Die nächsten Tage sollten sehr sportlich geprägt sein. Um die 300 Kilometer trennten uns nun noch von Luanda – der Plan war, das in drei Tagen zu schaffen. Die Devise lautete daher wieder am nächsten Tag: So weit wie möglich kommen! Wir legten 7 Uhr als Deadline zur Abfahrt fest.
Natürlich konnte diese Zeit nicht ganz eingehalten werden, dennoch waren wir um 7:20 Uhr ungewohnt früh unterwegs – und wir legten los. Bei schwachem Gegenwind und wiederum Windschattenfahren waren um 9 Uhr rasch über 30 Kilometer gefahren.

Knappe 15 Kilometer später wurde die nächste größere Stadt N’Zeto als Pausenplatz auserkoren. Die Straße wurde etwas schlechter und wir kamen auf stellenweise Schotter etwas langsamer voran, dennoch waren wir bereits um 10 Uhr am Pausenplatz – läuft!

Die „Brunch-Pause“ lief jedoch so gar nicht rund: Erst hatten wir Schwierigkeiten, ein bezahlbares Restaurant zu finden, zwischendurch musste noch Abendessen in Form von Gebäck eingekauft werden. Als wir endlich ein gutes Restaurant fanden, verstand die Betreiberin aufgrund der Sprachbarriere wiederum nicht, was wir essen wollen. Anschließend war die Portion viel zu klein für hungrige Radreisende, der Geschmack der Bohnen mit Kochbananen außerdem nur mäßig.
So musste danach ein zweites Mal eingekehrt werden. All das kostet Zeit – 1 3/4 Stunden vergingen, bis wir wieder loskamen. Danach wurde jedoch wieder munter in die Pedale getreten, die Form war insgesamt gut, bei mir deutlich besser als am Vortag. Um kurz nach 13 Uhr und knappe 1 1/2 Stunden nach Wiederaufbruch waren bereits knappe 70 Kilometer auf der Uhr. Wir hatten noch über vier Stunden Zeit, die angepeilten 120 bis 130 Kilometer waren in dem flachen Gelände durchaus im Bereich des machbaren.

Dennoch – so ehrlich muss man sein – richtig Lust hatten wir alle nicht, es fühlte sich mehr wie „Arbeit“ an in diesem Moment. Wir alle haben unser Tief aus dem Kongo in Verbindung mit vielen Problemen wie Jannicks Erkrankung, noch nicht nachhaltig verarbeitet. Was wir brauchten, lag auf der Hand: Eine längere Pause in guter Infrastruktur mit gutem Essen, wo jeder seine körperliche und vor allem auch soziale Batterie wieder aufladen kann.
Trotz des guten Vorankommens hielten wir daher auch immer wieder Ausschau nach einem Truck, mit dem wir eventuell die verbleibenden etwas über 200 Kilometer bis Luanda abkürzen können zugunsten einer längeren Pause. Wie das Schicksal es so will, hielt tatsächlich einer für uns an. Er hatte jedoch Bedenken wegen der Polizei-Checkpoints und hätte uns nur bis zum nächsten mitnehmen können.
Gleichzeitig stoppte er für uns jedoch zwei Kollegen mit größerem Pick-up. Diese beiden planten, an diesem Nachmittag noch bis Luanda zu fahren. Hmm – wie können wir hier die bepackten Räder denn sicher aufladen?
Die hilfsbereiten Kollegen hatten bereits eine Lösung, unter großer Anstrengung hievten wir die bepackten Dinger auf die Ladefläche und lehnten diese ans Ende bei der Fahrerkabine. Mit mehreren Spanngurten wurden sie fixiert – das sah doch tatsächlich vertrauenserweckend aus! Und wir? Wir wurden angewiesen, einfach auf der Ladefläche inmitten der anderen Fracht Platz zu nehmen.

Dann ging es auch schon los – mit Fahrtwind im Gesicht näherten wir uns der angolanischen Hauptstadt. Aufstehen während der Fahrt hätte wohl modernem Russisch-Roulette entsprochen – nochmal so ein richtiges, unerwartetes Abenteuer!

Bei noch über vier Stunden Resthelligkeit hofften wir natürlich, vielleicht sogar noch im Hellen anzukommen. Unser Ziel war der Yachthafen von Luanda, wo der Manager es Overlandern erlaubt, kostenlos zu zelten.

Dennoch, so ehrlich muss man sein, gab es natürlich auch hier einen kleinen Gruppenkonflikt bezüglich der Art der Unterkunft. Zur Auswahl standen nämlich der Yachthafen und ein Hostel mit wohl vorzüglichem Frühstück. Auch wenn man ans Zelt gewohnt ist – ein Bett würde ja eventuell mehr Regeneration bringen und wäre zumindest für ein, zwei Nächte sinnvoll investiertes Geld.
Letztendlich war es ein klassischer Gruppenkonflikt: Omar war fürs Zelten, ich für das Hostel – und Jannick unentschlossen zwischendrin. Als Jannick jedoch ebenfalls zum Zelten im Yachtclub tendierte, fügte ich mich der Mehrheit – auch weil ich mir vornahm, nach der Vorgeschichte nun wirklich mehr Rücksicht zu nehmen.
Der Pick-up war erwartungsgemäß sehr langsam. Hinzu kam eine längere Verpflegungspause in einem kleinen Örtchen mit Markt. So ging 40 Kilometer vor Luanda am Beginn des Verkehrseinzugsbereiches der Metropole bereits der Sonnenuntergang. In Verbindung mit dem Fahrtwind mussten wir uns warm anziehen.


Bereits in der Dunkelheit hielt der Fahrer 18 Kilometer vor dem Hafen an. Hierbei übergab er uns die Nachricht, dass er nicht bis ins Zentrum fahren könne und uns hier herauslassen könne. Also müssen wir den Rest jetzt doch noch in der Dunkelheit hinter uns bringen. Sehr umständlich aufgrund der Sprachbarriere fragten wir, ob uns der Fahrer einfach so nah wie möglich am Hafen rauslassen könne. Wenn er aber nicht näher ranfahren würde, so könne er uns auch jetzt gleich rauslassen.
Nach zähen Kommunikationsproblemen schien der Fahrer verstanden zu haben und wies uns an, noch weiter mitzufahren. Die Betonung liegt jedoch auf „schien“ – zu unserem Entsetzen fuhr er anschließend nicht weiter in Richtung Zentrum, sondern bog ab auf die Umfahrung ab. Mit Händen und Füßen, Klopfen gegen die Fahrerkabine und Winken in den Rückspiegel versuchten wir, uns bemerkbar zu machen. Stopp! Das geht so nicht!
Der Fahrer bemerkte uns jedoch nicht und fuhr munter weiter. Erst am nächsten Autobahnkreuz südöstlich von Luanda hielt er an und wollte uns hier rauslassen – statt 18 Kilometer waren wir nun 30 Kilometer vom Hafen entfernt. Hier handelte es sich wohl um ein klassisches Missverständnis. Nach wiederum zäher Kommunikation gab der Fahrer zu, dass er uns wohl nicht ganz verstanden hat. Er wollte uns jedoch helfen, bei der Polizei nebenan einen Schlafplatz zu organisieren in dieser misslichen Lage. Es war stockdunkel, 20 Uhr abends und wir standen nun irgendwo in der Pampa, fernab unseres Ziels.
Wir verabschiedeten uns von dem Fahrer und dankten ihm trotz der Schwierigkeiten für die unkomplizierte Mitnahme. Nun war die Frage: Das Angebot der Polizei annehmen? Oder in den sauren Apfel beißen und schnell in der Dunkelheit über die Schnellstraße die Kilometer weg machen? Gewissermaßen Augen zu und durch?
Die Debatte ging nur kurz, zügig entschieden wir uns für letzteres und schwangen uns zu später Stunde nochmals auf den Sattel. Da das Hostel fünf Kilometer näher lag, entschieden wir uns nun doch, erst einmal dieses anzupeilen. Hauptsache sicher ankommen und schnell einen Schlafplatz haben!
Immerhin war die Straße perfekt ausgebaut zum schnell fahren: Immer leicht bergab und den Wind tendenziell im Rücken. Auch der Verkehr war noch human, sodass wir sogar in der Dunkelheit mit 20 Stundenkilometern vorankamen. Da mein Licht immer noch kaputt ist, fuhr ich in unserer Dreiergruppe in der Mitte, abgesichert von Jannick mit Frontlicht vorne sowie Omar mit Reflektor hinten.

Pause machen war hier aber dennoch fehl am Platz. Als wir unter einer Autobahnbrücke kurz Pinkelpause machten, warnte uns ein Passant, lieber schnell weiterzufahren, da sich hier in der Dunkelheit überall Kreaturen tummeln, die es nicht gut mit einem meinen…
Also schnell weiter! Zügig war nach einer Stunde Radeln das Hostel bereits greifbar, als wir von der Schnellstraße abfuhren und nun in belebtere Ecken nahe des Zentrums von Luanda kamen. Hier erfuhren wir erst, dass „weiße“ Autofahrer uns entdeckt haben auf der Schnellstraße und die ganze Zeit mit etwas Abstand hinter uns hergefahren sind, um uns abzusichern vor rücksichtslosen Autofahrern sowie uns vor kriminellen Handlungen in der Dunkelheit zu beschützen. Es gibt einfach so nette, hilfsbereite Menschen. Wir bedankten uns vielmals!
Nach den paar hundert Metern über schottrige Nebenstraße konnten wir schließlich aufatmen: Nach 24 Kilometern durch die Dunkelheit war das ersehnte Ziel endlich erreicht! Wir läuteten, leider von Bettlern umgeben und dadurch nicht gerade sicher fühlend, an der Tür vom Hostel.
Mit etwas Verzögerung (vermutlich rechnete er nicht damit, dass um halb 10 abends noch Gäste kommen) machte der Chef die Tür auf. Wir stellten unsere Räder ab und beteten, ob noch drei Betten frei sind – das würde endlich den ersehnten Feierabend für heute bedeuten.
Lange fünf Minuten ließ man uns zittern, dann die Erlösung: Wir können hier übernachten! Hurra! Hastig trugen wir unsere Wertsachen in den Dorm, wo bereits eine Dame im Land der Träume lag. Anschließend ging es gleich nochmal los – Abendessen musste ja auch noch irgendwie her.
Wir hatten immerhin Glück und fanden trotz später Stunde noch einen Burgergrill. Eigentlich wollte man hier gerade den Betrieb einstellen, mit der Sprachbarriere wurde die Bestellung zusätzlich erschwert. Nach langer Geburt durften wir aber letztlich doch noch einen (bzw. bei unserem Hunger mehrere) schmackhafte(n) Burger verspeisen.
Um Mitternacht schließlich lagen wir endlich in der Heia. Selbst das Duschen fiel für mich noch flach, es war einfach zu spät – obwohl das letzte Mal nun fünf Tage her war…es waren stressige Zeiten, weshalb ich mir auch fest vorgenommen habe, mir an dem morgigen, freien Tag Zeit für mich zu nehmen. Egal ob Körperpflege, ein gutes Essen oder sonstiges – irgendetwas, was die Lebensgeister in einem wieder erweckt und einen aus dem mentalen Tief holt. Ich würde nämlich tatsächlich lügen, wenn ich behaupten würde, ich habe die Reise zu diesem Zeitpunkt noch wirklich genossen.
Der Tag begann dann auch mit einem super Frühstück mit – immerhin mal wieder – Filterkaffee. Dieser wurde zwar durchaus spannend durch ein Nudelsieb gefiltert, aber wenns funktioniert…

Omar und Jannick wollten nach dem Frühstück umziehen in den angesprochenen Yachthafen. Aus Kostengründen hatten sie Recht – das Hostel war zwar nicht teuer, aber eben auch kein echter Schnapper. Ich hatte auch nichts gegen diesen Plan – im Gegenteil, ich war sogar froh. In diesem Fall buchte ich freiwillig noch eine weitere Nacht für mich. Ich spürte, dass ich einfach etwas Zeit für mich alleine brauche, um wieder klarzukommen.
Meine soziale Batterie war einfach leer nach den vergangenen, turbulenten Tagen und auch vielen Konflikten aufgrund der bereits viel diskutierten Themen. Es wurde mir an einem Punkt einfach alles zuviel, vielleicht kennt dieses Gefühl ja auch der ein oder andere Leser. Einsamkeit ist manchmal nicht unbedingt etwas schlechtes, es kann zumindest für einen Tag sogar heilsam sein. Wir verblieben somit, dass ich am Tag darauf nachkomme und wir uns dann wieder sehen.
Nachdem Omar und Jannick auf dem Weg in den Hafen waren, widmete ich mich einer Dusche, die einen nach sechs Tagen wie neugeboren fühlen lässt. Ebenso wie dem Wäschewaschen und das Gepäck auf Vordermann bringen. Ja, normalerweise bin ich nicht der Typ dafür, doch ich habe sogar eine kleine Yogasession eingelegt, um zu entspannen und die negative Grundstimmung abzuschütteln.
Meine Zeit für mich wurde nur einmal kurz gestört, als ich meine Sachen in den anderen Schlafsaal umziehen musste: Wir wurden nämlich für die eine Nacht im Frauen-Schlafsaal geparkt. Natürlich sind wir mega dankbar, dass man es uns so irgendwie ermöglichen konnte, statt uns um die Uhrzeit abzusagen und unsere Nöte noch weiter vergrößern zu lassen.
Nun hatte ich an diesem Sonntag nach dem reichlich gebuchten Vortag das Hostel luxuriöserweise fast komplett für mich alleine und konnte in der Zeit mit mir selbst etwas meinen Gedanken und meiner Reflektion der letzten Reisezeit nachgehen: War es nur ein kleines psychisches Tief? War es der klassische Lagerkoller? War es eventuell nicht nur etwas Reisemüdigkeit, sondern auch Heimweh? Was wäre der optimale Ausweg, um wieder ein anderes Mindset zu bekommen und die Reise wieder so richtig genießen zu können?
Ich schaute instinktiv nach Flügen nach Hause. So ein fixes Enddatum, auf das man „hinarbeiten“ kann. Der Fakt, dass die Reise endlich ist – das würde psychologisch bestimmt sehr gut helfen, aus dem Loch rauszukommen. Ende Oktober gab es Flüge, welche ich mir vormerkte.
Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht studierte ich die Angebote nochmals beim Frühstückskaffee im Hostel und dann, mit einem Klick, war es perfekt! Diese Reise ist nun fix endlich, hat ein Enddatum. Ich fühlte sofort, wie sich in meinem Kopf nun eine gewisse Blockade löste, gewissermaßen ein Schalter umgelegt wurde. Noch 4.000 Kilometer und ca. 3 1/2 Monate Zeit – das geht sich locker aus, ist gut schaffbar. Sogar sind noch viele Pausen drin sowie die Möglichkeit, etwas anzuschauen und die Restzeit zu genießen.
Mit einem ganz neuen Elan machte ich mich nach dem Frühstück daran, meine Sachen zu packen und mein Fahrrad bei einem Bikeshop in der Stadt bereit für den finalen Abschnitt dieser Reise zu machen, ehe ich den anderen im Yachthafen joinen sollte. So ein Tag alleine mit ein paar richtigen Entscheidungen für sich, er kann manchmal Wunder wirken…insbesondere beim Fahren in Gruppe.



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