Luanda – ein Pausenparadies

Mit einem gebuchten Rückflug, neuem Optimismus und gepackten Taschen verlies ich das kleine, aber feine City-Hostel in Luanda. Nächster Halt war ein Bikeshop in der Nähe des Hafens, um mein Fahrrad vorzubereiten für die finalen 4.000 Kilometer.

Direkt auf dem Weg lag eine Möglichkeit zum Geldwechseln, weshalb ich mich mal nicht lumpen ließ und mein Glück versuchte, trotz bescheidener Verhandlungskünste. Der angebotene Kurs war jedoch überragend: Für 100 Euro wurden mir 130.000 Kwanza geboten. Der offizielle Kurs lag bei ca. 106.000 Kzwanza – da kann man dann fast schon von einer Rendite sprechen 😉

Das Geld war aber auch nötig, wusste ich doch nicht, was an meinem Fahrrad alles gemacht werden muss, als ich es vorführte in dem sehr modernen Fahrradladen, ausgestattet mit Rennrädern im Wert jenseits der 10.000 Euro.

Ich separierte mein Gepäck, deponierte alles im Lager des Geschäftes und machte mich auf zu einem kleinen Spaziergang durch die mit Wolkenkratzern gespickte Gegend – eine hochmoderne, spektakuläre Stadt! Genau das, was mir in letzter Zeit, insbesondere im recht trostlosen Kongo, irgendwie gefehlt hat! Bei einem preiswerten Burger (eines der am meisten verfügbaren Gerichte in Angola, eigentlich in fast jedem Restaurant), genoss ich die Dubai-ähnliche Aussicht.

Erster Vorgeschmack auf die Hafengegend.

Nach fast zwei Stunden ging ich zurück zum Bikeshop, jedoch war das Fahrrad noch nicht ganz fertig, da wie immer schleifende Bremsen ein Problem darstellten. Bis der Abstand perfekt eingestellt war, verging noch einiges an Zeit. Zudem wurde das Fahrrad wirklich gründlichst gereinigt – vielen Dank für die gewissenhafte Arbeit! Mit umgerechnet 20 Euro zudem aus meiner Sicht durchaus preiswert – inklusive Austausch beider Bremsbeläge!

Zum Schluss teilte man mir aber noch eine Hiobsbotschaft mit: Die Kurbel war mal wieder locker. Das Tretlager, das zuletzt in Agadir in Marokko bereits ausgetauscht wurde, ist wohl mal wieder angeschlagen. Man bot mir an, es zu reparieren. Dafür müsste ich aber das Fahrrad einen Tag dort lassen. Da ich aber gerade beim Umzug in den Yachthafen war und alles Gepäck dabei hatte, verblieben wir dabei, dass ich es mir bis zum nächsten Tag überlege und dann gegebenenfalls noch einmal zurückkomme…

Es war bereits später Nachmittag und die Sonne stand tief, als ich meinen Weg in den Yachthafen vom Bikeshop aus fortsetzte. Nun konnte ich erst die moderne Seite von Luanda so richtig erleben – was für eine Skyline hier in dem chicen Hafen! An der Promenade gibt’s sogar einen Fahrradweg – wann habe ich das zum letzten Mal erlebt?!?! Fast sprachlos sog ich mit all meinen Sinnen diese Eindrücke und Stimmungen auf, ehe ich frühabends in dem Yachthafen ankam und vom Manager überaus freundlich empfangen wurde.

Eine absolute Rarität in Afrika.
Früher Abend in Luanda.

Auf einer kleinen Wiese am Fuße der Yachten konnte man sein Zelt aufschlagen. Zu dem Zeitpunkt meines Erscheinens blieb noch ein winziges Eck, da noch zwei andere Radler aus Frankreich zu Besuch waren.

Schöner Übernachtungsplatz für die nächsten Tage.

Ums Eck fand man den Tennisplatz des Yachtclubs inklusive Restaurant und ein paar Merchandising-Luxusgeschäfte vor. Zwischendrin gab es Toiletten und Warmwasserduschen – wir durften beides kostenlos benutzen. Was will man mehr als Radreisender, der eine Pause braucht?!

Es war zudem mit Securities und Überwachungskameras mehr als sicher, sein Gepäck konnte man ohne Sorgen in und am Zelt lassen – Luxus!

Der Blick über die Yachten in Richtung der Skyline von Luanda nach Sonnenuntergang war atemberaubend. Da stellt man sich mal wieder die Frage: Ist das wirklich noch Afrika?! Hinzu kam mal wieder ein prächtiger Mondaufgang zwischen den Booten – ja, hier lässt es sich durchaus ein paar Tage aushalten.

Mond inmitten der Yachten.
Dubai oder Luanda?

Ca. 10 Gehminuten entfernt lag ein Fischrestaurant. Nach wiederum zäher Verhandlung des Preises (je nach Größe des Fisches) war das frisch gegrillte Resultat köstlich, inklusive Beilagen in Form von Salat oder Kochbananen. Wiederum ein Segen für uns und die belasteten Körper.

Am nächsten Morgen nach einer ruhigen Zeltnacht im Hafen konnte man sogar bei Sonnenaufgang den Blick auf die Wolkenkratzer von Luanda begutachten. Das war jedoch eher eine Rarität, da sich hier in der Nacht häufig von der See her Hochnebel bildete, der erst gegen Mittag langsam der Sonne Platz machte. So waren die Morgende auch jeweils vergleichsweise frisch.

Sonnenaufgang im Yachthafen.

Ich hatte immer noch das Bedürfnis, etwas Zeit für mich alleine zu verbringen, sodass ich als bekennender Frühaufsteher gleich zur Öffnungszeit das Einkaufszentrum in der Nähe auskundschaftete. Die Zielgruppe waren durchaus gefülltere Geldbeutel. Egal ob Prada, Gucci oder auch Lacoste – alle bekannten Marken waren hier vertreten.

An Markenkleidung hatte ich in diesem Moment jedoch weniger Interesse als an einem guten Frühstück. Dafür gab’s eine Bäckerei mit vorzüglichen Sandwiches. Zudem der erste richtige Cappuccino seit…ja seit wann eigentlich?! Ich kann mich gar nicht mehr richtig erinnern! Eine Geschmacksexplosion als bekennender Kaffeeliebhaber! Das Preisniveau war zwar europäisch, aber in diesem Fall muss man sich auch mal etwas gutes tun – oder umgangssprachlich „gönnen“ 😉

Ein Raritätsfrühstück!

Meine Mitreisenden fanden derweil ein anderes Frühstückscafé unter der weit verbreiteten Marke „Kibabo“ im Zentrum. Kaffee und das bekannte Süßgebäck „Pastei de Nata“ für ca. einen Euro – auch hier ein super Ort, um zu entspannen. Vor der Reise, bzw. auch noch in Europa, hätte ich nie gedacht, dass ich solche Dinge mal so schätzen würde. Sie waren einfach zu selbstverständlich in unserer Überflussgesellschaft – man muss es leider so ausdrücken.

Morgende in Luanda an der Promenade.

Die beiden führenden Supermarktketten in Angola, „Maxi“ und „Shoprite“ waren hier ebenso gut vertreten – so leicht hatten wir es lange nicht mehr, an abwechslungsreiche Lebensmittel zu gelangen. Sollte das Geld aufgrund doch einiger, teurer Importprodukte aus Europa doch nicht allzu locker sitzen, so gab’s mit „AngloMart“ eine günstige Alternative, quasi mit NoName-Produkten.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass trotz der modernen Ausstattung die Gegensätze in Luanda nicht größer sein könnten – wohlhabendes Clientel trifft auf teilweise extreme Armut. Vor allem in Hafennähe tummeln sich viele Bettler,  insbesondere Kinder. Sie sprechen einen mit „Boss“, „Amigo“ oder „Mister“ an und strecken einem direkt danach die offene Hand aus.

Für einen selber ist es natürlich ein zweischneidiges Schwert. Tagtäglich wird man mehrmals damit konfrontiert – natürlich kann man nicht jeder Person Geld geben. Zudem gibt es wiederum das Problem: Es tummeln sich häufig viele Personen an einem Fleck. Wenn man einer etwas gibt und die anderen sehen das, so kommt man aus der Situation so schnell nicht wieder raus.

Außerdem steht, wie im vorherigen Blog bereits erwähnt, Alkohol in Angola sehr hoch im Kurs. Viele Bettler sprechen einen an und sofort zieht eine unangenehme Alkoholfahne in die Nase. Der Verdacht liegt also nahe, dass viele sich auch nur das nächste Getränk kaufen möchten, wofür ich ehrlich gesagt nicht der Sponsor sein möchte.

So musste ich leider immer wieder ablehnen. Anders sah es nur aus, als niemand in der Nähe schien und mir eine augenscheinlich wirklich bedürftige Person im Supermarkt ein paar Lebensmittel in die Hand drückte – da kann ich dann gerne bezahlen, da weiß ich, wofür es genutzt wird! Der Gegensatz zwischen arm und reich, in kaum einer Stadt ist er so hautnah mitzuerleben wie in Luanda. Man selbst steht mittendrin.

Pfarrkirche „Unserer Lieben Frau der Heilmittel“ – auch Angolaner sind spirituell.
Modernes Basketballambiente im Hafen.

Im Hafen, unserer „Touristenbubble“, trafen wir anschließend auch wieder unsere Bekanntschaft aus Israel sowie den Mexikaner Gustavo, der ebenso seit weit über einem Jahr mit dem Fahrrad durch Afrika unterwegs ist – eine spannende Persönlichkeit!

Mit Gustavo.

Apropos Yachthafen – wir hatten dort wirklich fast absolute Narrenfreiheit, konnten sogar schwimmen gehen inmitten der Luxusboote. Es glich jedoch schon mindestens einer größeren Erfrischung. Der Atlantik ist hier nämlich wieder deutlich frischer als in der Badewanne rund um Ghana, Togo oder die Elfenbeinküste. Der sog. Benguelastrom kühlt hier schon merklich den Ozean herunter, mehr als 20 Grad hatte das Wasser mit Sicherheit nicht.

Frisch.

Allgemein merkte man, dass man sich aktuell im Südhalbkugelnwinter befindet. Die Nächte waren, wie bereits angesprochen, durchaus frisch. Niederschlag war in dieser Trockenzeit immerhin kaum ein Thema und die Temperaturen waren nachmittags mit 25 Grad mehr als aushaltbar.

Kaum erwähnt blieben in diesem Blog bisher kulturelle Highlights und Sehenswürdigkeiten in Luanda. Ja, das kommt nicht von ungefähr. Wir haben einfach unsere Pause und die moderne Stadt genossen, der Fokus lag definitiv auf der Kulinarik. Dennoch gibt es zahlreiche Museen in Luanda. Eines über Anthropologie, eines über die Geschichte der Währung des Kwanzas, eines über die Flora und Fauna in Angola sowie eines über die Militärgeschichte Angolas.

Aussicht vom Fort des Militärmuseums.

Aufgrund der aussichtsreichen Lage in Form eines Forts auf einem Hügel besuchte ich lediglich letzteres. Richtig überzeugend war der Besuch aber leider nicht, da die Beschreibungen nur auf Portugiesisch sind, was wohl in den anderen Museen nicht anders sein soll. So verstand ich natürlich herzlich wenig, auch nach zwei Wochen Angola kann ich bisher nur einige, wenige Brocken dieser Sprache. Na ja – die Aussicht war schön und der Eintritt günstig 😉

T-6-Militärflugzeug.

Insgesamt wurde der militärische Weg zur Unabhängigkeit im Jahre 1975 von Portugal thematisiert, nach dieser wurde das Museum im Jahre 1978 eröffnet.

Apropos Unabhängigkeit: Im Hafen kamen wir in Kontakt zu einer einheimischen Reisegruppe, die anlässlich zu 50 Jahren Unabhängigkeit zwei Wochen auf Tournee durchs Land reist und für die Kolonialgeschichte Angolas sensibilisiert – spannend! Sie hatten auch durchaus ansehnliche Tshirts im Gepäck anlässlich zu dem Unabhängigkeitsjubiläum. Leider war der Bestand nicht ausreichend, um irgendwelchen dahergelaufenen Touristen eins auszuhändigen…

Dass in diesem Land aber auch nach 50 Jahren Unabhängigkeit noch keine nachhaltige Stabilität herrscht und Konflikte immer wieder schnell entbrennen können, mussten wir im weiteren Verlauf auch selbst erfahren. Dazu aber mehr in einem der folgenden Blogs…

Ansonsten trafen wir im Yachthafen noch viele andere Overlander. Insbesondere eine dänisch-österreichische Reisegruppe auf dem Weg nach Südafrika oder auch ein südafrikanisches Pärchen, unterwegs im Camper sowie zu guter letzt ein holländisches Pärchen, das gefühlt schon überall war in Afrika. Beiden zeigten wir unser eingangs erwähntes, prächtiges Fischrestaurant an unseren letzten beiden Abenden in Luanda – auch sie waren natürlich begeistert 😉

Für umgerechnet 9,50 Euro.

Es war zudem nicht selbstverständlich, dass diese beiden Restaurantbesuche überhaupt noch stattgefunden haben. Wir sind nämlich bereits am Samstagabend angereist und wollten ursprünglich am Freitag weiter. Hier gab es wiederum einen kleinen Gruppenkonflikt, da ich aufgrund des knappen Visas gerne etwas mehr Zeit für die Weiterfahrt gehabt hätte und am Freitag bereits weiter wollte.

Schließlich, da es ja doch irgendwie entspannt war, hier in bester Infrastruktur „abzuhängen“ mit unserem mexikanischen Freund Gustavo, ging ich Samstag als Kompromiss ein. Als Omar und Jannick aber noch einen Tag dranhängen wollten, spielte ich mit dem Gedanken, alleine vorzufahren. Erst nach längerem Gespräch kam die Einsicht, dass es doch besser ist, gemeinsam weiterzufahren. So fügte ich mich der Mehrheit und verbrachte den Samstagnachmittag mit Handwäsche anstelle von Strampeln. Zudem nutzte ich die Zeit, um nun auch ein angolanisches Fußballnationaltrikot meiner Sammlung hinzuzufügen 😉

Handwäsche mit Aussicht.

Mit nur noch 20 Tagen Zeit und 1.300 verbleibenden Kilometern wurde das weitere Programm so natürlich mehr als sportlich – zumal wir auch noch in der südlichen Gebirgsstadt Lubango Pause machten wollten. Man musste sich nun also eher an 100 Kilometern pro Tag orientieren. Für eine so lange Erholungspause war es das hoffentlich wert.

Letzter Abend am Tennisplatz vom Yachtclub.

Ich jedenfalls strotzte nur so vor Energie, als wir am Sonntagvormittag nach einem letzten Frühstück „Kibabo“-Café uns wieder auf den Weg machten. Das mentale Tief aus der Zeit im Kongo und den vielen Querelen war endgültig überwunden durch diese komfortable, entspannte Zeit in Luanda mit viel Kaffee und ansprechender Kulinarik.

Am Tag vorher, dem 19. Juli, feierte ich mein einjähriges Jubiläum dieser Reise. Nun ging es wieder los auf den finalen Teil dieser Reise. Wie es die Statistik so will, genau 100 Tage vor dem Heimflug nach Deutschland und dem Ende dieses Abenteuers. Noch 4.000 Kilometer lagen vor uns – let’s go!!

Abschiedsbild vor dem Aufbruch.

P.S. Mein Tretlager habe ich übrigens nicht gewechselt, vertraute darauf, dass es schon irgendwie halten würde bis zum Ende. Mal schauen, ob ich mich da mal nicht klassisch „verpokert“ habe…

Eine gewisse Unsicherheit blieb außerdem auch bei Wiederbeginn bestehen. Wenn es einen Nachteil am Zelten im Hafen gab, dann die fiesen Moskitos, die einen nach Sonnenuntergang geradezu „zerlegten“. So schnell konnte man gar nicht Autan auftragen oder lange Kleidung anziehen, wie die Biester schon zur Stelle waren. Aufgrund der vielen Stiche ließen wir uns am Vortag zur Sicherheit nochmal auf Malaria und Typhus testen. Omar hatte bereits sein negatives Ergebnis, während die Herrschaften mich wohl irgendwie vergessen haben. Na ja, wird schon alles in Ordnung sein…

Eine Spritze, viel Ungewissheit…

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