Hart verdiente drei statt zwei volle Erholungstage in der Gebirgsstadt Lubango waren nun vorbei – ab in Richtung der Grenze zu Namibia!
Bevor wir an dem Morgen des 2. August 2025 loskamen, war jedoch erstmal aufräumen angesagt. Wenn drei Männer sich drei volle Tage lang eine Airbnb-WG teilen, so kann es danach schon mal wie in einem Saustall aussehen. Über zwei Stunden dauerte es, bis die Wohnung wieder halbwegs vorzeigbar aussah.
Inklusive Frühstück und Schlüsselübergabe sowie dem mühseligen Transport von Gepäck und Rädern aus dem 5. Stock wieder runter zur Straße war es nach 12 Uhr bis zum Aufbruch. Unter der bereits gewohnten Knallesonne hier oben in den Bergen machten wir uns auf, erstmal gemächlich nochmal einen kleinen Anstieg wieder raus aus dem Hochtalkessel von Lubango.
Nach 15 Kilometern waren wir endgültig raus aus dem Einzugsbereich und machten nochmals Pause an einer Tankstelle bei der Hitze. Leider versuchten wir vergeblich, einen Teil unseres Geldes gleich in namibische Dollar einzutauschen bei einem von Namibia kommenden LKW-Fahrer. Wir erhofften uns natürlich einen besseren Kurs als die an der Grenze oftmals angegebenen 60 Kzwanza für einen namibischen Dollar.
Aber es eilte ja nicht – noch waren es mehr als 350 Kilometer bis zu unserer angepeilten Grenzüberquerung beim Ort Calueque. Wir hatten nämlich die Wahl, entweder über die B1-Hauptstraße Richtung Windhoek Namibia zu durchqueren, oder die anstrengendere, aber auch sehenswertere Gravelroute über Opuwo, Sesfontein, Palmwag, Tweiyfelfontein und Uis zu nahmen.
Ein familiärer Besuch Ende August stellte einen fixen Eckpunkt der Planung dar. Da wir in Namibia Bekannte kennen, war der beschauliche Ort Omaruru, nordwestlich von Windhoek, als Treffpunkt ausgemacht. In beiden Optionen waren es von der Grenze aus ca. 650-700 Kilometer, um nach Omaruru zu kommen.
Da wir nun in wenigen Tagen an der Grenze sein sollten und dadurch ca. drei Wochen Zeit hatten, um nach Omaruru zu kommen, fiel die Wahl letztendlich auf die langsamere Gravelvariante – die Zeit muss ausgenutzt werden!
Zudem waren es bis zu dieser Grenze etwas weniger Kilometer. Hierbei muss jedoch bedacht werden, dass die letzten 90 Kilometer über sandigen Gravel führen, ausgehend von der letzten größeren Stadt auf angolanischer Seite, Xangongo. Egal, alles machbar! Wir haben so viel Zeit!
„Wir haben so viel Zeit!“ – mit diesem Motto beendeten wir an diesem Tag die nachmittägliche Tour auch, als wir nach etwas mehr als einem Marathon die nächste Stadt Chibia erreichten. Das Wetter war gnadenlos heiß und unsere Tagesform irgendwie alles andere als berauschend. Insbesondere unseren Mitfahrer plagten große Müdigkeit und allgemein Schlappheit.

Als wir daher in all der überschaubaren Infrastruktur einen kleinen Shop mit Innenhof und Sitzgelegenheit fanden, fragten wir wegen Zeltaufbau. Nach unkomplizierter Zusage war der Fahrradtag um halb 4 beendet, obwohl wir natürlich noch locker zwei Stunden hätten fahren können. Aber unter den Voraussetzungen war es schlauer, sich zu regenerieren.
Wir durften sogar in den Räumlichkeiten einer stillgelegten Bar unser Lager aufschlagen. Die Hoffnung war daher groß, dass uns die erwartungsgemäß gebirgsfrische Nacht hier nicht zu sehr im wahrsten Sinne „kalt erwischen“ wird.

Bei in so einem Minimarkt natürlich etwas spartanischem Lebensmittelangebot ließen wir den Tag ereignislos zu Ende gehen und genossen die Nachtruhe hier auf der angolanischen Hochebene.
Am nächsten Morgen war ebenso nicht mit einem frühen Start zu rechnen. Die Leser kennen ja mittlerweile fast alle Jannicks natürliche Verfassung frühmorgens. Und auch unsere Begleitung, sonst Frühaufsteher in Person, schlief aufgrund körperlicher Angeschlagenheit bis halb 8, ehe ich den „Ruheverderber“ spielte. Ja, manchmal lasse ich mich eben auch mal zu unpopulären Tätigkeiten hinreißen.
Nachdem ein Großteil der Einkaufsvorräte aus Lubango als Frühstück vernichtet wurde, ging’s los bei überwiegend flachem Gelände, aber auch komischem Wind. Mal Rückenwind, dann durchaus unangenehmer Gegenwind. Dennoch kamen wir respektabel voran, ehe ich kurz langsamer wurde und meine beiden Mitfahrer mich überholten.
Just in dem Moment, als die beiden in vielleicht 300 Metern Entfernung hinter der nächsten Kurve verschwanden, erkannte ich den Grund: Mein Hinterreifen war platt! Innerhalb weniger Tage Nummer 2. Ich versuchte mich noch akustisch bemerkbar zu machen, das war jedoch nutzlos – die anderen beiden waren zu weit weg.
Netz gab es hier fernab jeglicher Städte sowieso nicht, ich war nun also auf mich allein gestellt – gewissermaßen der erste richtige Ernstfall bezüglich einer Reifenpanne. Das Loch habe ich schnell gefunden nach dem Entfernen des Mantels, ich beeilte mich, um die anderen nicht zu lange warten zu lassen.
Dennoch gibt es aus meiner südbayerischen Heimat ein schönes Sprichwort: „Bloß it hudla!“, auf Hochdeutsch übersetzt bedeutet es soviel wie „Bloß nichts überstürzen!“ oder „Eile mit Weile!“. Das hätte ich mir bei einer Tätigkeit wie einer Reifenreparatur, die ein Mindestmaß an Gewissenhaftigkeit erfordert, ruhig mal zu Herzen nehmen dürfen.
Um die Sache schnell zu erledigen, habe ich nur schnell den Schlauch gewechselt und wollte den Beschädigten später ohne Zeitdruck reparieren. Das Bett des Mantels habe ich nur flüchtig kontrolliert, ohne dass mir irgendwelche Fremdkörper aufgefallen wären. So zog ich den Mantel wieder auf die Felge, baute das Rad wieder ein und machte mich wieder abfahrbereit.
Da mein Hinterrad zunächst (mal wieder) am Bremsbelag schliff und ich beim Einbau nachjustieren musste, sowie aufgrund meiner generellen Unerfahrenheit, dauerte der Eingriff natürlich trotzdem über eine halbe Stunde. Als ich wieder auf dem Weg war, kam unser Mitreisender mir mit einem Einheimischen per Motorroller entgegen, da er sich bereits Sorgen um mich gemacht hatte.
Das ehrt ihn natürlich sehr, ebenso wie das Nebenherfahren auf dem Motorroller und Anschieben per Fußtritt an manchen Stellen, damit ich schneller wieder am Pausenplatz der beiden anderen war.
Hier offenbarte er mir, dass seine Verfassung immer noch bescheiden sei, er sogar Malariasymptome habe. Wir studierten die Karte von iOverlander: In ca. 45 Kilometer soll es in der nächsten größeren Stadt, Chibemba, sogar ein Hotel geben. Das wäre in diesem Fall eventuell sogar der klassischen Zeltübernachtung vorzuziehen. Ich gab ihm daher eine meiner Ibuprofen-Tabletten und er entschied sich, auf die Zähne zu beißen. Es half ja auch nichts, hier in der angolanischen Prärie…
Bei nun günstiger werdendem Wind kamen wir auch gut voran, doch dann musste nochmals eine Zwangspause eingelegt werden. Die ganze Zeit kam mir beim Fahren schon irgendwas komisch vor. Als wir einen schattigen Platz mit kleinem Laden nebenan fanden, hielt ich an und checkte nochmal meinen Hinterreifen. Tatsächlich – der verlor schon wieder Luft, hatte vielleicht noch so 2 Bar Luftdruck drauf.
Es half alles nichts – das war mein zweiter Platter an einem Tag. Also alles nochmal von vorne. Nun beobachtete Omar mich doch sehr kritisch bei der Herangehensweise und gab mir eine wahre Lehrstunde bezüglich der Effizienz bei den einzelnen Arbeitsschritten, angefangen beim Ausbau des Rades bis hin zum Wiedereinbau.
Da er natürlich auch ein Interesse an baldiger Erholung hatte, griff er mir zudem unter die Arme. Als ich nun meinen Schlauch flickte, kontrollierte er parallel die Innenseite meines Reifens. Tatsächlich steckten unmittelbar nebeneinander gleich zwei Spitze Drähte in dem Mantel, die sich durchgebohrt haben. Na, da war es kein Wunder, dass ich schon wieder einen Platten hatte!

Omar zog die Übeltäter mit der Zange aus dem Mantel, ehe wir die letzten Arbeitsschritte und den Wiedereinbau vervollständigen. Nun war hoffentlich Ruhe! Plattenstatistik nun auf einmal 21:3, vor nicht einmal einer Woche noch 21:0. Eine für mich fast besorgniserregende Entwicklung…auch wenn ich selbst Schuld war in diesem Fall.
Die letzten 20 Kilometer gestalteten sich schließlich zäh, da der Wind wieder drehte und wir ihn nun wieder im Gesicht hatten. Die weiterhin beeindruckend offene Landschaft im Nachmittagslicht entschädigte jedoch mal wieder für die Strapazen.

Nach einem letzten, anstrengenden Hügel war Chibemba erreicht und wir machten erst einmal Halt am nächsten kleinen Shop. Praktischerweise gab’s hier sogar eine Gesundheitsstation, wo Omar einen Malariatest machen konnte. Wenn auch nur einen Schnelltest, für den Bluttest fehlte das Labor. Immerhin: Der Schnelltest war negativ. Also konnte man mal vorsichtig optimistisch sein, dass es nichts zu ernsthaftes ist…
Nun wollten wir in das Hotel einchecken. Problem hierbei: Das Hotel ist anscheinend längst geschlossen und außer Betrieb. Und nun? Ein Plan B zum Übernachten musste her, in weniger als einer Stunde ist es dunkel. Wir gingen zu einem ebenfalls in unserer treuen Begleitapp „iOverlander“ eingezeichneten Restaurant, wo wir um Erlaubnis für das Aufstellen der Zelte baten.
Die Betreiberin war sehr hilfsbereit. Sie baute aktuell ein Haus für sich und ihre Familie in dem Ort, einige hundert Meter entfernt. In dem halbfertigen und unverputzten Entwurf stand unten ein Sofa, es war zudem genug Platz für Fahrräder und Gepäck. Wir durften im Garten unsere Zelte aufstellen oder auf dem Sofa im Haus übernachten – ein liebenswertes Angebot. Wiedermal fanden wir durch extrem hilfsbereite Menschen in einer schwierigen Situation eine schnelle und unkomplizierte Lösung.
Jannick und Omar durften sich das Sofa teilen, während ich mein Zelt draußen an diesem landschaftlich fast magischen Platz installierte. Die hilfsbereite Restaurantbesitzerin brachte uns auf Wunsch sogar noch eigens gekochte Suppe sowie Brötchen für das Frühstück am nächsten Morgen.

Erwähnenswert war zudem, dass wir auf dem Weg zu dem Privathaus der Dame noch einen Südafrikaner im Camper trafen, der beruflich in Angola unterwegs war. Er durfte auch auf dem Grundstück parken und bei einem Lagerfeuer aufgrund der bereits nach Sonnenuntergang frischen Temperaturen gab er uns einige Tipps für Namibia. Einige bedeuteten natürlich einen großen Umweg und waren dadurch mehr oder weniger gut machbar mit dem Fahrrad.
Die Nacht war mal wieder ausgesprochen frisch. Durhgefroren quälte ich mich am nächsten Morgen aus dem Zelt. Die Morgensonne wärmte beim Frühstück immerhin schnell. Unserem Begleiter ging es immer noch nicht gut, er war aber fahrtüchtig. So konnte eine Malaria nun immerhin zu 99 Prozent ausgeschlossen werden. Sonst ginge es ihm vermutlich schon rapide schlechter…
Nach üppigem Frühstück ging’s schließlich los. Wir verabschiedeten uns von dem Südafrikaner und verblieben mit einem baldigen Wiedersehen in Kapstadt. Er schenkte uns zum Abschied noch übrig gebliebenen Kleber, um platte Reifen zu reparieren. Ob er eine Vorahnung hatte?!
Das üppige Frühstück war übrigens durchaus notwendig. 60 Kilometer mussten bis zur nächsten Stadt Cahama überwunden werden. Dazwischen gab es – wie sollte es anders sein – nichts.
Der Wind meinte es nun jedoch gnädig mit uns, er schob uns mit durchschnittlich um die 25 Sachen stellenweise geradezu an. Schnell überquerten wir die Grenze von der Provinz Huila in die bereits südlichste Angolas, Cunene.

Pünktlich zum Mittagessen waren wir bereits in der Stadt, nach kurzem Supermarktstopp gab’s eine lange, schattige Pause bei Hähnchen und Cola.
Als die Sonne nicht mehr ganz so heftig runterbrannte, machten wir uns kurz vor 15 Uhr wieder auf den Weg. Nun stellten sich uns wiedermal 100 Kilometer Niemandsland in den Weg, ehe mit Xangongo die letzte große Stadt vor der Grenze erreicht ist und der Gravelspaß beginnen sollte.
Der Wind war nun eher wieder ungünstiger bzw. drehte oft. Wir waren deutlich langsamer unterwegs, als wir Kilometer für Kilometer über das angolanische Land wegmachten, unterbrochen nur von der ein oder anderen Siedlung. Auf der Strecke trafen wir wieder auf das französische Paar aus Luanda, welchem wir in den Vortagen bereits oftmals begegnet sind. Gemeinsam tauschten wir uns aus und fuhren durch die wundervolle Savannenlandschaft in bestem Spätnachmittagslicht. Irgendwie schon auch ein Traum. Dazu hatte man, ganz afrikatypisch, immer mal wieder wilde, tierische Begleitung links und rechts der Straße.


Blöd nur, dass dieser Spaß auf einmal wieder eine abrupte Unterbrechung fand: Nun hat es Jannick wieder erwischt, der nächste platte Reifen. 22:3!
Man muss hier dazusagen: Hier in der Savanne ist es links und rechts der Straße extrem pieksig, überall wachsen Sträucher mit entsprechenden Dornen. Insbesondere die kleinen Dornen sind Gift für die Fahrradreifen, da sie entsprechende Spannung besitzen. Die längeren brechen ab, bevor sie sich durch den Mantel bohren können…

Immerhin hat Jannick natürlich viel Erfahrung, das Ding war in 15 bis 20 Minuten repariert und weiter geht’s! Langsam wurde es spät, und Schlafplätze sind hier leider Mangelware – es lief auf Wildcampen hinaus.
In iOverlander war ein Platz eingezeichnet. Unserem begleitenden Paar war dieser Platz, umgeben von Baobabbäumen im Wald, wohl etwas suspekt, da ganz in der Nähe Stimmen zu hören waren. Sie fuhren noch weiter, während es uns nun ob der Uhrzeit egal war: Ab ins Gebüsch und Lager aufschlagen! Nach 106 Kilometern war Feierabend. Von den 100 Kilometern bis zur nächsten Stadt haben wir fast die Hälfte am Nachmittag schon weggemacht – wir konnten zufrieden sein!
Man machte sich natürlich hier auch Sorgen um das Zelt, denn der Boden war hier wirklich gesät von den piecksigen Dingern. Die kommen sogar in die Schuhe rein und verursachen einen höllischen Schmerz, wenn die Dorne auf einmal beim Gehen in die Fußsohle sticht…
Vorteil der Campingstelle war, dass viel Holz verfügbar war und dieses extrem trocken war aufgrund des vielen Windes und der ausbleibenden Niederschläge. So konnten wir bei Lagerfeuer einen fast romantischen Campingabend verbringen, bevor wir uns bei spürbar frischeren Temperaturen in unsere Zelte verkrochen.
In der Nacht wurde ich ob der einsetzenden Kälte sogar wach und musste mir nochmals mehrere Lagen warme Klamotten überziehen, die ich im Gepäck hatte. Weniger als 8 Grad waren es in der Früh! Brrr!! Wohl die kälteste Nacht seit den Tagen im marokkanischen Gebirge letzten November.
Der kommende Morgen fühlte sich beim Verlassen des Zeltes einfach nur schmerzhaft an. Man ist keine niedrigen Temperaturen mehr gewöhnt. Immerhin war der langsam wieder fittere und damit entsprechend frühaufstehende Omar direkt zur Stelle und hatte das Lagerfeuer wieder angefacht – da ließ es sich dann doch schon deutlich angenehmer frühstücken!


Sei es wegen der morgendlichen Kälte, doch Jannick schlief etwas länger, bis Omar und ich fast schon abfahrbereit waren. Wir einigten uns so auf ein Wiedersehen in der 50 Kilometer entfernten Stadt. Wir mussten uns schonmal etwas warmstrampeln bei der Kälte.

Diese Kälte war natürlich mit höherem Sonnenstand schnell kein Thema mehr. Eher der erfreuliche Rückenwind, der einen mit kurzer Wasser- und Snackpause geradezu in Richtung von Xangongo trieb. Vormittags scheint der Wind hier wirklich optimal zu sein.
Am späten Vormittag waren wir beide bereits in Humbe, dem kleinen Vorort von Xangongo. Hier gab es für 2,50 Euro eine riesige Portion mit Fisch und Salat, wo wir auf Jannick warteten, der doch recht zügig da war.

Blöd nur, dass es wahrlich nicht der Tag von meinem vormittäglichen Begleiter war. Erst ratterte er in der Früh in einem unkonzentrierten Moment durch ein tiefes Schlagloch, gottseidank ohne schweren Sturz. Nun stieß er sein Schienbein beim Holen des Essens böse an einer kniehohen Wand, eine fette Wunde musste versorgt werden. Es gibt Tage, da wäre man wohl lieber im Bett geblieben…
Nach Verpflegung und Wundversorgung machten wir uns auf die letzten Kilometer nach Xangongo. Das sollte der letzte Ort sein, wo wir gutes Internet und Asphalt genießen können bis zur Grenze in 90 Kilometern. Da es hier auch die letzte Tanke mit Kaffeegelegenheit gab, wurde ein Kilometer Umweg in Kauf genommen für eine letzte Kaffeepause.
Auf dem Rückweg zum Abzweig auf die Gravelpiste wurden letzte Einkäufe getätigt in den kleinen Shops, dann gings los. Asphalt, adé!
Die ersten Kilometer der Sandpiste waren dann auch gleich sehr zäh, der Sand stellenweise sehr tief mit nur wenig Grip. Erst mit der Zeit wurde es besser und man konnte sich zumindest immer auf einer fahrbaren Linie zwischen all dem tiefen Sand gut durchschlängeln.

Als wir nach knapp 20 absolvierten Kilometern Sandpiste eine ebene Fläche abseits der Piste entdeckt haben, hatten wir genug. Wir hatten auch schließlich mehr als genug Zeit, mussten ja erst übermorgen das Land verlassen wegen des ablaufenden Visums. Von der Grenze trennten uns nun noch 72 Kilometer – alles entspannt!
Der Plan war eh, am nächsten Tag nur zu schauen, wie nah wir an die Grenze herankommen. Über dieses Terrain würde es eh zu spät werden mit einer Grenzüberquerung. Also: Kein Stress!

Ohne wirklichen Handyempfang war es dann auch ein Abend so richtig nach dem Geschmack der Campingromantiker: Irgendwo abseits der Zivilisation am Lagerfeuer sitzen und über Gott und die Welt philosophieren. Freiheit pur! Ohne Sorgen und Internet wird in diesen Momenten der „Alltag“ ganz weit hinter sich gelassen – wenn es denn sowas bei uns seit über einem Jahr überhaupt gibt…
Die Nacht war frisch, aber im Verhältnis zur vorherigen aushaltbar. Frei von Wald erreichten uns in der Früh auch ziemlich schnell die wärmenden Sonnenstrahlen, sodass ein Lagerfeuer lediglich ein willkommener, aber nicht notwendiger Wärmebooster war.
Wer in Afrika abseits der Zivilisation denkt, er hätte vermeintlich seine Ruhe und Privatsphäre, der irrt. Selbst hier wurden wir beobachtet. Die Einheimischen versteckten sich in einiger Entfernung hinter einzelnen Bäumen oder sogar in Baumkronen, um die eigenartigen, verrückten weißen Menschen zu beobachten.
Das bemerkte ich in einem sehr intimen Moment, als ich gerade arbeits unseres Lagerplatzes hinter einem kleinen Busch ein „Geschäft“ erledigen wollte und mich vermeintlich alleine fühlte, in der Ferne aber eine Personen in einer Baumkrone sitzen sah, die mich konzentriert, fast analytisch anstarrte – unangenehm!
Wir ließen uns aber nicht weiter stören, bei zu offensichtlichen Beobachtern grüßten wir nett, genossen unser Frühstück und zogen alsbald weiter, um die finale Strecke Richtung Grenze anzugehen.
Die ersten Kilometer war der Sand weiter unangenehm, bis wir nach 10 Kilometern endlich einen kleinen Shop auf weiter Flur in einer der paar Siedlungen neben der Straße fanden, um Wasser und Kekse aufzustocken – mehr gab’s hier eh nicht.
Auf der Weiterfahrt wurde immerhin der Gravel etwas besser – aus Sand wurde mehr festgebackener Schotter. So wurde man zwar immer wieder ordentliche durchgeschüttelt, hatte aber wieder mehr Grip auf den Rädern.
Der ein oder andere Blick auf den stets parallel verlaufenden Kunene River bot etwas Abwechslung in der kargen Savannenlandschaft, ebenso wie Kühe und Rinder, die den Weg stellenweise für sich beanspruchten. Man musste sich vorsichtig durchschlängeln.



Allrad-Autofahrer gab es hier wenige, wir hatten meist unsere Ruhe, trafen nur in so mancher Siedlung auf Menschen.
Auf Zivilisation trafen wir dann wieder im Örtchen Naulila, so 25 bis 30 Kilometer von der Grenze entfernt. Hier wurden wir auch nochmal von Polizisten abgefangen, die neugierig waren über unsere Reise und mit uns noch Selfies machen wollten – das ist einem als Mitteleuropäer bei Polizisten noch immer etwas suspekt, wenn diese sich wie ein „Kumpeltyp“ verhalten…

Nach Aufstocken von Wasser und Snacks ging es wieder los auf die nun konstant wieder schlechter werdende Piste. Stellenweise surfte man eher nur noch durch den losen Sand, manchmal half auch nur noch schieben. Diese Bedingungen bremsten uns ganz schön aus, bald war die Motivation ziemlich aufgebraucht für den Tag.

Nach 60 Kilometern machten wir etwas mehr als 10 Kilometer vor der Grenze Schluss und schlugen etwas abseits der Sandpiste in den Büschen unser Lager auf.
Dieser letzte Abend in Angola, er war nochmal so richtig genussvoll bei Lagerfeuer und ohne Internet abseits der Zivilisation. Morgen geht’s einfach nach Namibia, ins vorletzte Land! Wahnsinn!

Selbst die wirklich gesäßkalte Nacht mit nur 6 Grad und der erneute platte Reifen von Jannick in der Früh (natürlich wieder eine kleine, spitze Dorne hier abseits der Straße) konnten unsere positive Stimmung nicht verhageln.

Klar war außerdem, dass wir selbst hier im scheinbaren Nirgendwo abseits der Straße nicht allein waren. Einheimische, die nur ihrer Stammessprache mächtig waren, besuchten uns in der Früh. Sie waren aber nur neugierig, wärmten sich an diesem bitterkalten Morgen mit uns am Lagerfeuer.

Brüderlich teilten wir mit den beiden unser Frühstück, ehe mit wieder reparierem Fahrradreifen und durchschnittlich einem platten Reifen pro Tag seit Lubango die letzten Kilometer zur Grenze in Angriff nahmen. Die Vorfreude auf Namibia war riesig. Aber: Es ist manchmal nicht alles Gold, was glänzt…manchmal kommt es unerwartet. Fortsetzung im nächsten Blog…


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