Eine Woche Sightseeing

Nach einer Woche Erholung bei guten Freunden, wollten wir diesen auch nicht länger „auf den Sack gehen“. Zudem müssen wir die Zeit ja auch irgendwie nutzen – die Frage war nur: Wie genau?

Eine Mietwagentour war Teil der Überlegungen. Hierbei gab es in der Dreierbesprechung jedoch so einige Diskrepanzen in den Vorstellungen. Das Thema des Budgets und der zumutbaren Kosten war mal wieder ein Hauptbestandteil der Diskussionen. Es ist Tourismus-Hauptsaison in Namibia. Die Mietwägen waren fast ausgebucht, das Angebot dementsprechend knapp.

Wer auch nur ein klein wenig vom Markt versteht, der kann nachvollziehen, dass es die Kosten durchaus in sich haben bei einer solchen Lage. Zumindest sind sie weit über dem normalen Budget von Low-Budget Radreisenden.

Extreme Unterschiede in dem noch vorhandenen „Restguthaben“ für die Reise und unabhängig davon auch deutliche Unterschiede in der „willingness to pay“ ließen uns für die Woche schließlich aufsplitten: Omar und ich nahmen uns einen Mietwagen, während Jannick in der Gegend um Omaruru nochmal mit dem Fahrrad loszog.

Nach langer Recherche nach Angeboten konnten wir es schließlich einfädeln, dass wir gleich einen Mietwagen für drei Wochen mieten, den dann mein kommender Besuch gleich übernehmen kann. Jürgen, unser absoluter Namibia-Experte, bastelte uns sogleich eine einwöchige Tour durch den Süden Namibias, wo so einige Highlights mitgenommen werden konnten, die größtenteils auch nicht auf dem Plan unserer anschließenden Fortsetzung der Fahrradtour standen.

Als alles geklärt war, splitteten wir uns also nach einer Woche in Omaruru auf. Omar und ich fuhren per Taxi in die Hauptstadt Windhoek, um hier den gebuchten Mietwagen abzuholen. Nach kurzer Einweisung in das Auto war alles geklärt und wir konnten starten.

Ziel für den ersten Tag war die nur 100 Kilometer südlich entfernte Gegend rund um die Kleinstadt Rehobooth. In Null komma nichts waren wir durch die wunderschön bergige Landschaft rund um Windhoek am Ziel. Unglaublich, wie schnell man so doch im Vergleich zum Fahrrad vorankommt. Das ist man definitiv nicht mehr gewohnt.

Wo übernachten? Ein Blick auf die Karte zeigte einen vielversprechenden Campingplatz am Damm des Lake Oanob. Unkompliziert einigten wir uns auf diese Location und ließen an dem idyllischen See die Seele baumeln.

Abendstimmung am Lake Oanob.

Viel passierte dann auch nicht mehr. Nach dem ereignisreichen Tag waren wir froh über Ruhe und Erholung, ehe es am nächsten Tag nach einer Nacht im Dachzelt wieder losging. Einmal in Rehobooth volltanken und dann ging es ab auf die Gravelstraßen. Ziel war der Remhoogte Pass.

Begleitet von den Berggestalten der westlichen Ausläufer des Namib-Naukluft-Parks schraubte sich die Straße in atemberaubender Szenerie in die Höhe bis auf knapp 1.600 Meter, ehe es durch einige ausgetrocknete Flussbetten Richtung Südwesten wieder abwärts ging. In so mancher Passage waren wir doch über den 4×4-Mietwagen froh. Auch ohne das Fahrrad ein wahres Abenteuer. Natürlich mit weniger Schweiß- und Kalorienverbrauch. Aber einmal kann man es sich ja gönnen 😉

Landschaftliche Kulisse am Pass.
Hier geht es wieder abwärts.
Felskulisse der Naukluft-Berge.

Nach dem Pass ging es noch einige Zeit weiter durch beeindruckende Berglandschaften, stellenweise im absoluten Nirgendwo. Als Radfahrer muss man hier auf jeden Fall gut planen. Bemerkenswert an Namibia sind jedoch auch die abrupten Veränderungen der Landschaft. Aus bergiger Kulisse wurde auf einmal weitläufige, farbenfrohe Wüstenlandschaft, mal mehr auf Schotter, mal auch durch stellenweise tieferen Sand.

Landschaftswechsel.

Insgesamt blieb es jedoch hügelig. Jede Kuppe bedeutete oben angekommen einen neuen Ausblick und neue atemberaubende Eindrücke. Nach 400 Kilometern Gravel waren wir spätnachmittags am Ziel des Duwisib Castles und definitiv mehr als „geflasht“ von den landschaftlichen Eindrücken.

Das Schloss mit ebenso kolonialem Hintergrund war dank der Campsite ein willkommener Erholungsort. Im netten Gespräch mit einem mexikanisch-spanischem Paar, das von Kapstadt kommend mit dem Mietwagen Namibia, Sambia, Botswana und Simbabwe erkunden möchte, ließen wir den Abend ausklingen.

Aufgrund der doch strammen Kälte in der Nacht im Dachzelt war diese nur mäßig erholsam, doch es half nichts. Am nächsten Tag war wieder volles Programm geplant: Über die D707 sollte es bis nach Aus gehen. Die D707 ist bekannt für seine atemberaubenden Landschaften. Vielleicht die schönste unter den eh schon schönen Straßen in Namibia. Wir wollten sie uns unbedingt anschauen. Also nichts wie los im ersten Morgengrauen!

Auf dem Weg zur Tanke: Ein spektakulärer Tag deutet sich an.

So schnell sollte es dann aber doch nicht gehen. Der linke, hintere Reifen war platt. Na gut, zur nächsten Tanke 20 Kilometer entfernt hat es noch gereicht, ehe uns die Prozedur des Radwechsels doch eine gute halbe Stunde kostete. Dann aber ging es los – freie Fahrt!

Im Morgenlicht gaben erste atemberaubende Landschaften einen Vorgeschmack, ehe der Abzweig nach rechts kam und die Straße begann. Über mehr oder weniger „smoothe“ Sandpiste zog sich die Strecke unter beeindruckender Kulisse dahin.

Erste landschaftliche Highlights.

Die Straße stellt quasi die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Landschaften dar. Linkerhand erheben sich die Tirasberge, während rechterhand die farbenprächtigen Ausläufer so mancher Dünen der Namib-Wüste zu bewundern sind. Die ein oder andere Oryx-Antilope, die sich links und rechts in der Nähe der Straße verirrte, machte die fast kitschigen Eindrücke perfekt.

Die Tirasberge linkerhand…
…und spektakuläre Wüstenausläufer rechterhand.
Unglaubliche Farben.
Kitsch pur.

Diese Route – sollte man ihr nicht auch mit dem Fahrrad später eine Chance geben? Eine Überlegung ist es wert – auch wenn das Terrain durchaus anspruchsvoll und entnervend sein kann. Wir werden sehen…

Na ja, erst einmal genossen wir die Eindrücke weiter auf vier Rädern. Die Kehrseite von all der landschaftlichen Idylle war natürlich, dass es hier bis auf einen Resort ein paar Kilometer abseits der Piste im tiefen Sand so gut wie keine Infrastruktur gab.

Eindrücke an dem Resort mitten im Nirgendwo.
Ausblick in die Tirasberge.

An diesem überaus idyllischen, abgelegenen Wüstenresort gaben wir unser letztes Bargeld für einen Kaffee aus, während wir die Ausblicke genossen.

Am Ende dieser wirklich atemberaubend schönen Gravelpiste wollten wir an einer kleinen Siedlung nochmals einen Kaffee holen. Leider war auch hier natürlich keine Kartenzahlung möglich. Wir brauchten also einen Geldautomaten. Immerhin war Aus nur noch gute 50 Kilometer entfernt und die Zivilisation damit nicht mehr allzu weit weg.

Mit dem Auto hat man das gottseidank auch bei Gravelpiste in Null komma Nichts überwunden. Hier trafen wir auch wieder auf Asphalt. Eine Bargeldabhebung, eine Tankfüllung und ein paar Snacks später waren wir wieder startklar und besichteten die Naturschönheiten rund um Aus.

Hier war Südafrika nicht mehr weit und die Landschaft änderte sich wiedermal abrupt. Aus Wüste wurde nun blühende Landschaft bei majestätischen Berggestalten.

Ohne Worte.
Frühling.

Ich kann mich an wenige Tage in meinem Leben erinnern, an denen sich so viele unterschiedliche Landschaftseindrücke aufsaugen durfte – Wahnsinn. Aber es machte natürlich Sinn: Hier auf der Südhalbkugel steht der Frühling in den Startlöchern.

Wieder auf Asphalt ging es dann nachmittags weiter östlich in Richtung der Stadt Keetmaanshop. Die Landschaft war nicht mehr so sensationell wie vorher, aber langweilig wurde es in diesem großartigen Land trotzdem nicht. Nächstes Ziel: Der Fishriver Canyon. Es ist der größte Canyon Afrikas und sogar der zweitgrößte der Welt hinter dem wohl jedem Leser bekannten Grand Canyon in Arizona.

Da man die Aussichtspunkte auf den Canyon westlicher Ausrichtung sind, wird empfohlen, diesen in den Morgenstunden zu besuchen. Dann hat man die im Osten aufgehende Sonne im Rücken und wohl das beste Licht für atemberaubende Fotos.

Der Plan war daher, einen guten Ausgangspunkt zum Fristehen in der Nacht zu finden, um in der Früh die letzten Kilometer in den Nationalpark zu fahren.

Fündig wurden wir schließlich an einem großen See, dem Naute Reservoir etwas südlich des Abzweiges von B4 nach Keetmaanshop in Richtung des Canyons. Direkt am Seeufer schlugen wir unser Lager auf und nach kurzem Pastasnack zum Abendessen genossen wir den atemberaubenden Sonnenuntergang in Form von einer feuerroten Kulisse der den See umgebenden Berge in der Ferne.

Campingspot.
Feuerrotes Farbenspiel.

Anschließend störte auch eine Partygruppe in der Nähe die idyllische Ruhe nur marginal. Wir bewunderten den atemberaubenden Sternenhimmel. Man sah die Milchstraße so klar, wie ich es selten in meinem Leben gesehen habe. Hier am „Arsch der Welt“ gibt es nicht annähernd irgendeine Lichtverschmutzung, die die Szenerie nur irgendwie trüben würde.

Das Sternenzelt.

Mit diesen Bildern im Kopf ging’s schon bald wieder ins Land der Träume in unserem Dachzelt. Für den nächsten Tag war wieder volles Programm angesagt.

Noch vor Sonnenaufgang starteten wir die verbleibenden 70 Kilometer in Richtung des Fishriver Canyons. Die Sonnenaufgangsszenerie ließ wiedermal bereits bei der Anfahrt Großes erwarten. Schnell ein Kaffeestopp bei der Tankstelle am Weg, kurz aufgetankt, schnell den Eintritt in den Park bezahlt und ab dafür!

Morgenstimmung am Fishriver Canyon.

Nach wenigen Kilometern in den Park waren wir am ersten Aussichtspunkt – und der Blick war wiedermal umwerfend. Bei einem kleinen Snack-Frühstück absorbierten wir den weitläufigen Blick über den Canyon mit dem sogar etwas Wasser führenden Fishriver im Tal. Die morgendliche Kühle? Eventuelle Müdigkeit ob des doch straffen Programmes? Alles egal in diesem Moment! Einfach nur Genießen, diese Naturschönheit!

Müdes und frierendes, aber auch glückliches Gesicht.
Atemberaubende Canyonstrukturen.
Unten ist sogar etwas Wasser vorhanden.

In den Canyon runterwandern durfte man nur in Form einer geführten Tour, die vor unseren Augen gerade stattfand. Egal, uns reichen die Eindrücke vom Rande des Canyons hier oben.

Wir waren brav.

Anschließend hangelten wir uns von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt. In dem holprigen Terrain war ein 4×4 nun zunehmend Gold wert. Unser Ziel war nun der abgelegenste Viewpoint, der Eagles Rock Viewpoint.

Die Strecke über den holprigen Schottertrail war durchaus als herausfordernden zu bezeichnen. Zwei entgegenkommende Autos signalisierten uns sogar eindeutig, besser umzukehren. Wir machten uns jedoch unser eigenes Bild und gaben dem ganzen eine Chance.

Die Schlüsselstelle war durchaus als kritisch zu bezeichnen, der Rest lief dafür aber erstaunlich smooth und wir durften diesen Aussichtspunkt nach neun Kilometern als Belohnung ganz für uns alleine genießen. Bei einem Kaffee am Auto hielten wir inne und absorbierten die Eindrücke, die Ausblicke in die verschiedenen Gesteinsschichten in der Ferne aufgrund von Verwitterung – Impressionen, die man wohl für sein Leben im Kopf behält.

Eagles Rock Viewpoint.
Verwitterungserscheinungen hinter dem Eagles Rock.

Fast eine Stunde verweilten wir, ehe der Rückweg angetreten wurde. Auch rückwärts war die Schlüsselstelle „nicht ohne“. Ich hätte wohl als Fahrer durchaus gestruggelt. Wie gut, dass Omar es souverän meisterte und wir nach noch einer etwas kritischeren Stelle wohlbehalten wieder am Eingang des Nationalparks ankamen – was für ein Vormittag!

Da geht der Puls schonmal höher.

Nun hatten wir immer noch drei volle Tage Zeit, bis mein Besuch in Windhoek landen sollte. Wie füllen wir jetzt die Zeit noch?! Wir haben jetzt in diesen drei Tagen schon so viel erlebt!

Nach kurzer Diskussion inklusive eines kleinen Konflikts bei der Entscheidungsfindung kamen wir zu der Idee, umgangssprachlich „richtig auszurasten“. Warum nicht noch eben den Ethosa Nationalpark mitnehmen, ca. 1.000 Kilometer entfernt?! Ab dafür!

Spontan machten wir uns aus den südlichen Gefilden des Landes wieder auf den Weg in Richtung Norden des Landes. Zügig waren wir wieder auf der B4 in Richtung Keetmaanshop. Die Kleinstadt war dann auch schnell erreicht. Kurze Pause und weiter!

Wir schafften noch weitere 200 Kilometer bis zum Hardap-Damm am Fishriver nördlich von Mariental. Hier fanden wir dank unserer iOverlander-App einen vorzüglichen Platz zum Freistehen.

Nach einer kurzen 4×4-Passage zum Schluss standen wir auf einer kleinen Anhöhe mit Blick auf den Damm und einer ansehnlichen Felswand im Rücken. Perfekt für bergbegeisterte Leute wie mich, im Sonnenuntergang noch ein wenig „rumzukraxeln“.

Wir trafen noch auf ein einheimisches Paar, das hier ganz romantisch im Sonnenuntergang Schach spielte. Wir kamen ins Gespräch und sie waren durchaus beeindruckt von unserer Route und dem Plan mit dem Ethosa-Nationalpark. Ja, das Programm war in der Tat sportlich. Aber wir sind nun auf den Geschmack gekommen, so viel wie möglich zu sehen. Den landschaftlichen Teil haben wir nun hinter uns gebracht, jetzt kommt der Teil der Wildtierbeobachtung.

Abendlicher Campspot.

Berichte legten nahe, dass der Campingspot in der Nacht wohl sehr beliebt ist bei Baboons. Vorsichtshalber machten wir abends also noch ein Feuer und ließen es über Nacht ausbrennen.

Nachts störte dann auch nichts unsere Ruhe, bevor nun weitere 600 Kilometer bis zum Ethosa-Park warteten. Vor Fahrtantritt genoss ich nach Erklimmen des Felsrückens jedoch noch den umwerfenden Sonnenaufgang mit Blick über den Fishriver. Ein kleiner Moment zum Innehalten.

Morgenstimmung von der Felswand aus.
Das Auto von da oben ganz klein.

Dann ging es auch schon wieder los auf die Straßen. In Rehobooth wurde schnell getankt und gefrühstückt in einer Tanke am Weg. Anschließend waren wir dann auch zügig wieder in Windhoek und ließen die Hauptstadt links liegen. Mittagspause in Okahandja 70 Kilometer nördlich von Windhoek. Es war ein Kraftakt, an diesem Tag hieß es nur Strecke machen und irgendwann ankommen!

Am frühen Nachmittag waren wir bereits im bekannten Otijwarango. Kurze Tankstellenpause. 150 Kilometer trennten uns nun noch vom Ethosa-Camp als Ausgangspunkt für den Park. Ziemlich geschafft ob der Strapazen der letzten Tage kamen wir schließlich um 16 Uhr an.

Da das dauerhafte Schlafen im Dachzelt zu zweit eher nichts für Menschen mit Platzangst ist und wir nun etwas erholsameren Schlaf benötigten, baute ich aufgrund des weitläufigen Campingplatzes mein eigenes Bodenzelt auf.

Für den nächsten Tag buchten wir einen Game-Drive. Es war klar: Nur mit einem Guide können wir die Chance maximieren, möglichst viele Tiere zu sehen. Und wir sehnten uns nach Löwen, Nashörnern und Co.

Nach dem unspektakulären Abend war dann auch schnell Schlafenszeit, schließlich ging die Safari am nächsten Morgen um 6:50 Uhr los. Pünktlich waren wir bei gefühlt bitterkalten Temperaturen aufgrund des Windes auf den Beinen nach kurzem Frühstück.

Die zur Verfügung gestellten Decken im Safarifahrzeug waren Gold wert, man bibberte auch so geradezu. Mit dem Wind wurde es kaum besser, einzig die ersten Dik-Diks, Gnus, Springböcke und Giraffen ließen uns warm ums Herz werden. Insbesondere die Herden von Springböcken kann man hier wie Sand am Meer beobachten.

Springböcke im Morgenlicht.

Weiter in den Park rein gab es auch erste Zebras sowie Savannenelfanten zu bestaunen. Im weiteren Verlauf kam uns sogar ein bzw. zwei Schakale vor die Linse.

Zebra im Morgenlicht.
Auch ein Elefant schaut mal vorbei.
Zwei Schakale.

Der Höhepunkt war jedoch an einem Wasserloch am Rande zur berühmten Ethosa-Pfanne, wo sich zwei Löwen seelenruhig neben der „Pfütze“ sonnten. Alsbald standen beide auf, wobei sie nach jeweils yogaartigen Bewegungen zu einem anderen Versteck weiterzogen. Einen Löwen vor die Linse zu bekommen – ein absolutes Highlight!

Da faulenzen sie…
Löwen-Yoga.

Anschließend ging es zurück zum Wasserloch des ersten Park-Stützpunktes, Okaukejo. Hier machten wir Mittagspause und durften den zahlreichen Springböcken und Zebras beim Trinken zuschauen.

Mittagspause am Wasserloch.

Nach Weiterfahrt gab’s ein weiteres Highlight: Eine Elefantenfamilie mit Babys hat die Straße überquert und uns dabei sehr nahe gekommen. Die weiblichen Elefanteneltern beschützen ihre Nachkommen, indem sie sich zwischen diese und das Safariauto stellten. Ein Elefant hatte insbesondere mich am rechten Rand des Autos im Visier und war bereits auf zwei Meter an mir dran. Ich knipste fleißig Bilder, hatte aber natürlich auch zumindest…Respekt.

Die Elefantenmutter vorne links kam bedrohlich nahe.

Weiter ging’s dann zu den nächsten Wasserlöchern, wo sich wiederum übliche Verdächtige wie Zebras und Springböcke sowie auch so mancher Vogelstrauss tummelten.

Zebras am Wegrennen.

Die Zeit für die Safari war schon so langsam vorbei, doch unser motivierter Guide dachte noch nicht an aufhören: „Do you have a wish what you would like to see at the end?“ „A rhino!“, platzte es zugleich aus einer thüringerischen Mitfahrerin, die sich in bestem lokalen Slang noch mit dem Guide auf eine Wette um ein Bier ob der Sichtung eines Nashornes einließ.

Kurz darauf hielten wir an. Ratlosigkeit – wo soll hier was ein?! „A rhino!“, bestätigte der Guide. Wir schauten uns an – wo?! Der Guide versuchte, es uns zu erklären – vergeblich. Fünf Minuten Verdutztheit, ehe das Breitmaulashorn hinter einem Busch in guten 200 Metern Entferung aufstand und hervorkam. Wir waren sprachlos und die Thüringern um ein Bier ärmer – was für Adleraugen!

Ein Breitmaulnashorn.

Doch damit noch nicht genug: Bereits auf dem Rückweg zum Camp hielt der Guide nochmal an: „There is another rhino!“ Was?! Hast du Halluzinationen?! Wirklich – wo soll hier jetzt noch ein Nashorn sein?! „Do you see the tree there?“, fragte er und deutete auf den rechten Baum einer Dreiereihe in bestimmt 700 Metern Entfernung. „Do you see the shadow under the tree on the left side? It’s a rhino!“

Wir waren baff – wie kann man das bitte erkennen?! Die Antwort ist naheliegend: Motivation, Touristen ein Erlebnis zu bieten sowie jahrelange Erfahrung! Wir waren begeistert und lobten unseren Guide ausführlich ob der begeisternden Tour inklusive eines kleinen Trinkgeldes. Unsere Erwartungen wurden überfüllt.

Zufrieden zurück im Camp ließen wir den Tag entspannt ausklingen. Leider gab es jedoch an diesem sonst tollen Safaritag noch einen kleinen Wehrmutstropfen: In einem Unachtsamkeit Moment fiel mir meine Treue Begleitkamera auf den Betonboden. Reparatur höchstens oder wenn überhaupt in Deutschland möglich. Na toll! Also ab jetzt wieder leider nur noch Handyfotos 🙄

Da wir die Woche eh schon sehr viel, bzw. zu viel Geld ausgegeben haben, gönnten wir uns als Kirsche auf die Sahnetorte dieses tollen Tages noch das Abendbüffet für das Dinner im Camp. Natürlich sprengten wir hoffnungslos unser Budget und lebten über unseren Verhältnissen. Aber diese Woche ist aufgrund der vielen einzigartigen Erlebnisse eh in gewisser Weise besonders – und kann man da nicht mal eine Ausnahme machen?!

Es war gewissermaßen einer der Höhepunkte des Urlaubs vom Fahrradfahren. Es wird auch wieder Tage geben, wo man mitten in der Pampa der Wüste nicht mal die Möglichkeit hat, auch nur einen Cent auszugeben. So legitimierte man die Kosten dieser Woche zumindest etwas für sich selber…es war eine Ausnahme. Eine sehr schöne und erlebnisreiche Ausnahme.

Die folgende Nacht entsprach wohl ebenso einer „Ausnahmenacht“, auch wenn ich davon wenig mitbekam. Auf dem Camp tummeln sich nämlich ebenso regelmäßig nachts Tiere. So auch diese Nacht, wie Omar bei einem Gang aufs Klo staunend feststellte: Ich schlief seelenruhig in meinem Bodenzelt, während sich rund um dieses direkt nebenan mehrere Zebras tummelten. Omar weckte mich nicht. Vielleicht war es auch besser so – wer weiß, ob ich danach noch so gut hätte weiterschlafen können?!

Am nächsten Morgen drehten wir nochmals auf eigene Faust eine Runde in dem Park. Leider im Vergleich zur Safari des Vortags mit mäßigem Erfolg. Wir gaben alsbald auf und drehten den Rückweg nach Windhoek an, um meine Familie am nächsten Tag vom Flughafen abzuholen.

So schnell war also eine Woche als „Lückenfüller“ auch schon vorbei. Und was für eine Woche! Gibt es eine Beschreibung einer „perfekten Woche“, so kommt diese dem zumindest mal sehr nahe. Teuer, bzw. zu teuer für unsere Budgetverhältnisse auf Dauer, aber es war im Nachhinein jeden Cent wert!

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