Nun sind also Omar und ich wieder in Windhoek angekommen. Schnell ein billiges Hotel gebucht und alsbald direkt hinlegen – auch wenn wir nicht auf Fahrrad unterwegs waren, so waren die letzten paar Tage mit diesem Mammutsprogramm durchaus kräftezehrend.
Vorrangig zählt für den nächsten Tag erst einmal, meinen Bruder und meine Mutter vom Flughafen abzuholen. Da diese erst mittags landen werden, haben wir am Vormittag noch Zeit, Erledigungen zu tätigen. Omar holte sich bspw. einen Fahrradkarton bei einem hoch angesehenen Bikeshop, um sein Fahrrad bereit für den Heimflug zu machen. Die Entscheidung stand nämlich: Es geht nicht weiter nach dem Unfall. Wer will es ihm verdenken…
Zudem machten wir noch einen Halt bei einem vielversprechenden Kamerageschäft. Vielleicht können die ja das Teil wieder herrichten?! Leider war diese Hoffnung jedoch vergebens. Der Ladenbetreiber meinte lediglich, dass wohl die Zahnräder am Aufsatz des Objektives betroffen sind und das wohl ein wirtschaftlicher Totalschaden sei bei einer solchen Low-Budget-Kamera…bitter. Aber ich kann es ja meiner Familie mit heimgeben, wenn es hier nicht reparabel ist. Vielleicht kann ja irgendwer doch noch was machen.
Abhaken – weitermachen. Wir fuhren weiter in die Innenstadt von Windhoek und tranken dort den besten Cappuccino seit langer Zeit. Anschließend fuhren wir seelenruhig zum Eros-Flughafen im Herzen von Windhoek, um die Ankunft meiner Familie zu erwarten.
Irgendwas ist komisch: Irgendwie gibt es gar keine Informationstafel, die Starts und Landungen anzeigt…wir erkundigen uns am Schalter ob des Fliegers aus Abbis Abbeba mit Äthiopien Airlines. Die Dame schaute uns verdutzt an, ehe sich das Missverständnis aufklärte: Wir sind am falschen Flughafen. Der internationale Flughafen befindet sich 40 Kilometer außerhalb von Windhoek. Na super – was ein tollpatschiges Missgeschick. Wir stiegen wieder ein ins Auto und brausten in einem Affenzahn die 40 Kilometer zum großen Flughafen.
Letztendlich war die Aufregung jedoch unbegründet: Wir waren rechtzeitig da, Passkontrolle etc. dauerten noch lange, ehe ein großer Moment folgte: Nach über neun Monaten in Marokko durfte ich meine Mutter wieder sehen und in den Arm nehmen. Meinen Bruder habe ich sogar tatsächlich das letzte Mal vor ca. 13 Monaten gesehen – über ein Jahr ist es her! Was für ein magischer Moment! Das fühlt ja fast schon wie vertraute Umgebung an.
Passend dazu fuhren wir anschließend erst einmal wieder die fast 300 Kilometer zurück in die mittlerweile ebenfalls vertraute Umgebung von Omaruru. Bei einer wahren Pastaparty wurden wir nun in neuer Runde erneut willkommen geheißen. Zwei Tage Pause zwischendrin waren nun wiedermal angesagt, ehe Runde zwei des Roadtrips starten sollte.
Bevor wir zurück fuhren, gab es aber noch einen ganz besonderen Moment für mich: Verzweifelt suchte ich ein Trikot der namibianischen Fußballnationalmannschaft, überall vergeblich. Schließlich wurde mir empfohlen, zur Zentrale des namibischen Fußballverbandes in Windhoek zu gehen. Auch hier sah es zunächst schlecht aus. Nach ein bisschen Argumentation per Tränendrüse und der Erklärung, dass ich Radreisender bin und von allen Ländern die Trikots sammele, bemühte man sich jedoch um eine Lösung. Schließlich gab man mir das künftige Nationaltrikot Namibias mit, welches erst nach der nächsten Länderspielpause releast werden sollte – was für eine Ehre! Ich war begeistert!
Leider war der Chefcoach der Nationalmannschaft aktuell nicht zugänglich, denn man wollte ihn mir anschließend auch noch vorstellen. Es handelt sich um einen gewissen Collin Benjamin. Insbesondere eingefleischten HSV-Fans unter den Lesern sollte dieser Name ein Begriff sein 😉
Bei Rückkehr in Omararu war auch Jannick zurück von seiner Solotour durch die Gegend westlich von Omaruru. Ihn führte es an Brandberg und Spitzkoppe vorbei – auch eine sehr schöne Gegend, auch wenn sie nun bei mir leider ausgespart bleibt.

Die zwei Tage waren nun geprägt von wiedermal viel Essen und Bier – Urlaub eben. Zwischendrin war am Samstagnachmittag noch ein „Gamedrive“ in der Nähe von Omaruru geplant. Aufgrund der berauschenden Safari im Ethosa-Nationalpark, wo wirklich so gut wie alles gesehen haben, war ich jedoch mehr oder weniger bereits gesättigt in Bezug auf Wildtierbeobachtung – wie soll es jetzt denn noch besser werden?!
Zudem war es für mich natürlich verlockend, bei der vorhandenen Möglichkeit an einem Samstagnachmittag mal wieder die gute, alte Bundesliga-Konferenz zu genießen. Wann kam ich das letzte Mal in den Genuss davon?! Sofern mich nicht alles täuscht (ja, ich habe in der Hinsicht ein fast verstörendes Gedächtnis) am 28. Spieltag der Saison 2023/24, über 16 1/2 Monate sollte es her sein. Nein, da muss ich außergewöhnliche Prioritäten setzen 😉
Nach dem Fußballnachmittag und einem gemeinsamen Essen am Samstagabend machten wir uns nun mit Jannick sowie meiner Familie wieder auf. Das Ziel war nun ca. 800 Kilometer entfernt: Der Caprivi-Streifen im äußersten Nordosten von Namibia an der Grenze zu Angola und Sambia. Die Ndhovu Safari Lodge direkt am Cubango-River war als Übernachtungsplatz vorgesehen.
Bis dahin wurde natürlich das Sitzfleisch bei den über acht Stunden Autofahrt wieder mal gut belastet. Wenn man nicht strampeln muss, zieht sich das ganze natürlich umso mehr 😉

Nach Rastpausen im bereits bekannten Otijwarango, Otavi sowie Rundu kamen wir kurz vor Sonnenuntergang schließlich an. Die Zeit reichte noch, alle Zelte aufzubauen, bevor es dunkel wurde. Die Aufteilung der Schlafplätze in unserer Fünfergruppe wurde elegant gelöst: Omar und Jannick schliefen jeweils in ihrem Zelt, mein Bruder durfte in meinem Zelt schlafen und ich teilte mir mit Mutter das Dachzelt.
Nach kleiner Mahlzeit sowie einem frischen Bier auf der malerischen Aussichtsterasse der Lodge auf den Fluss legten wir uns bereits schlafen ob der langen Fahrt. In der Nacht war ich wiederum froh über meine Ohrenstöpsel: Es sollen wohl laute Flusspferdgeräusche zu vernehmen gewesen sein. Rein vom Ton her waren diese wohl sogar wirklich nahe. Nun gut, die Ranger von der Campsite werden ihren Job bestimmt gewissenhaft ausüben…

Nach nur etwas kühler, aber nicht zu frischer Nacht waren wir am nächsten Morgen wieder ausgeschlafen und startklar. Nach dem Frühstück wurde der Tag gestartet mit einer Fahrt durch den Mahango-Nationalpark. Und direkt nach wenigen hundert Metern stand uns bereits der Mund offen: Riesige Waldelefanten standen vielleicht 100 Meter entfernt von uns in den Büschen. Sie kamen immer näher und überquerten sogar vor uns die Straße. Meiner Mutter rutschte erst einmal buchstäblich das Herz in die Hose ob der Nähe dieser furchteinflößenden Tiere…

Auch danach gingen uns die Highlights nicht so schnell aus: Wir trafen auf eine Herde Wasserbüffel, die seelenruhig am Sumpfgebiet des Flusses ihr Unwesen trieb. Weiters konnten wir sogar Krokodile im Fluss spotten. Einmal mussten wir jedoch aufpassen: Die Grenze nach Botswana war hier nicht allzu weit weg. Nicht, dass wir aus Versehen einreisen…
Nach noch ein paar Giraffen, Springböcken und viel Gravelpiste durch den Park waren wir auch schon am Ende unserer Vormittagstour. Schnell noch im nächsten Ort Divundu ein paar Lebensmittel einkaufen und dann gab’s erstmal Mittagspause am gemütlichen Campingplatz, ehe es am späten Nachmittag nochmals losging.
Auf dem Plan stand nun eine Bootsfahrt über den Fluss zum Sonnenuntergang, um die Flusspferde im Wasser sowie andere Wildtiere am Ufer zu beobachten. Die Krönung war eine Herde Elefanten direkt am Flussufer. Springböcke tummelten sich dort natürlich wieder wie Sand am Meer.


Nach dem finalen Sonnenuntergang ging es wiederum zurück zur Campsite und nach ein paar Snacks rasch wieder schlafen. Für den nächsten Morgen war zumindest ausnahmsweise mal nichts geplant und wir konnten in Ruhe die Zeit genießen und durch das Fernrohr an der Aussichtsterrasse nebenbei noch ein prächtiges Krokodilexemplar auf einer Sandbank des Flusses sichten, welches sich entspannt sonnte. So faul wäre ich auch mal gerne 😉

Erst am Nachmittag ging’s dann nochmal auf zu einem Gamedrive auf der anderen Flussseite. Dieser hatte es wieder durchaus in sich. Zuerst sahen wir eine riesige Herde Wasserbüffel, dann zahlreiche Elefanten und sogar ein Dikdik. Die Krönung war schließlich ein großes, offenes Feld, wo sich hunderte Tiere tummelten. Von Springböcken über Elefanten hin zu Zebras und anderen bekannten Wildtieren – hier war alles dabei! Es sah aus wie in einem Disneyfilm, einfach surreal!




Die Runde wurde vervollständigt, in dem man uns die verfallenen deutschen Koloniestützpunkte des ehemaligen Deutsch-Südwestafrika gezeigt hatte…bzw. die Ruinen, die davon noch übrig geblieben sind. „In einer dieser Ruinen könnte ich mir sogar vorstellen, wildzucampen“, meinte ich so semiernst zu Jannick ob der vielen Wildtiere.
Wiederum im Sonnenuntergang gings per Boot wieder zurück auf die andere Seite des Flusses. Am Ende des Tages saßen wir noch ganz entspannt mit anderen Gästen der Lodge am Lagerfeuer an der Terrasse und philosophierten über unsere Reiseerfahrungen. So viel vorweg: Die Leute staunten nicht schlecht, als wir von unserer Reise erzählten 😉 Auch wenn wir natürlich aktuell auf vier Rädern unterwegs sind und das gar nicht wirklich dazuzählt…
Lang Zeit zum philosophieren blieb jedoch nicht, bald ging es wieder in die (Dach)Zelte. Am nächsten Tag waren wiederum 800 Kilometer geplant. Ziel war Ruacana an der angolanisch-namibianischen Grenze. Der Ort zeichnet sich durch einen beeindruckenden Wasserfall aus. Diese Grenze war ebenfalls eine Option, als wir von Angola aus auf dem Weg nach Namibia waren. Dazwischen kam bekanntlich das berühmte Grenzdrama.
Nach kurzen Startschwierigkeiten legten wir alsbald los am nächsten Morgen. Wiedermal war gutes Sitzfleisch gefragt, wir verbrachten quasi den gesamten Tag im Auto, mit nur ein paar kurzen Pausen zwischendurch. Immer ging quasi entlang der Grenze dahin, ehe wir im letzten Abendlicht eine informelle, von Einheimischen betriebene Campside erreichten.

Der Ort war überwältigend: Eine große, leere, weite Fläche am Kunene River mit einigen Bäumen und nur zwei bereits in die Jahre gekommenen Duschen bzw. Toiletten. Wir stellten auf dieser Fläche einfach unseren Mietwagen ab und schliefen dort in bester Stille mitten in der Natur. So macht Campen Spaß. Insbesondere mein Bruder kam nun richtig auf den Geschmack davon, genoss die Ruhe und Einsamkeit dieses Platzes. Ein Radreisender wird er jedoch wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr 😉

Meine Mutter und ich schliefen bereits im Dachzelt, während die anderen in Campingstühlen bei Essen und Bier noch bis tief in die Nacht über Gott und die Welt philosophierten an diesem abgelegenen, ruhigen Platz.
Am nächsten Morgen war dann von den Dreien nur Omar wieder früh auf den Beinen. So ließen wir die zwei Langschläfer in Frieden, schnappten uns das Auto und fuhren zu den Ruacana Wasserfällen hoch. Der Ausblick auf den gut 120 Meter hohen Wasserfall im Morgenlicht (übrigens damit sogar minimal höher als die Victoriafälle) war überwältigend. Minuspunkte gab’s nur dadurch, dass der Wasserfall aufgrund der Trockenzeit nun sehr wenig Wasser führte.

Über Treppen stiegen wir die 120 Höhenmeter hinab zu den Landebecken des Wasserfalls inmitten von Felsformationen. Ich ließ mich nicht lumpen, kletterte über die Felsen und nahm in einem der Becken ein erfrischendes, morgendliches Bad. Dass sich auch hier in den Cascaden Krokodile verstecken könnten, erfuhr ich erst hinterher. Na ja, Hauptsache gesund…


Nach der Rückkehr waren auch die anderen beiden wach, und nach ein paar Snacks zum Frühstück ging es wieder auf ins Auto. Nächstes Ziel: Die Epupa-Wasserfälle nochmals 250 Kilometer weiter westlich.
Die Strecke zog sich jedoch in die Länge über teilweise karstigen Gravel in der Felslandschaft. Den Kontrast hierzu bildete die wie eine Oase wirkende Landschaft, als wir einmal in die Nähe des Kunene River kamen. Hier sah es saftig grün aus – wie im heimischen Sommer.

Schnell waren wir jedoch wieder zurück im felsigen Gelände. Die Fahrt zog sich und wir kamen kaum voran. Schließlich, weil wir alle müde waren vom vielen Sitzen im Auto, entschieden wir uns bei einem Abzweig, die Wasserfälle doch auszulassen und wieder in Richtung Süden zu fahren, um den Ort Opuwo als Übernachtungsplatz anzuvisieren.
Bei einer Rast trafen wir auf einige Himba-Frauen, die besonders hier im Nordwesten des Landes verstärkt vertreten sind. Mir entging es kaum, dass es insbesondere für unsere beiden Urlauber einem wahren Kulturschock entsprach, als die Himba-Frauen oben ohne vor ihnen auftauchten.
Wir machten mit ihnen einige Bilder und fuhren anschließend weiter. Später gab es nochmals einen Stopp, um an einem einladenden Felsen neben der Straße herumzukraxeln und etwas die weite Landschaft hier zu genießen.

Nachmittags waren wir dann auch schon in Opuwo und nach einem Lebensmitteleinkauf bezogen wir den Campingplatz auf einem Hügel am Fuße des Ortes mit wunderbarem Blick über die weite, offene Landschaft. Im Sonnenuntergang gab’s ein Bad im Infinity Pool der Campsite – wahrlich der Stoff, aus dem Träume gemacht sind…

Nach einem gemeinsam gekochten Abendessen ging es dann auch schon schlafen. Ziel war nun das ca. 200 Kilometer entfernte Palmwag. Hierhin fahren wir nun die Gravelstraße, die wir ursprünglich mit dem Fahrrad geplant hatten. Nun können wir also auf vier Rädern nochmals sehen, was uns erwartet hätte…

Fazit: Vom Gefühl her wäre die Strecke gut machbar gewesen. Nur man sollte definitiv auf dieser Straße bleiben. Die Nebenstraßen sind eine komplette Katastrophe. Dies erfuhren wir, als wir zu einem malerischen Wasserfall beim Ort Warmquelle abbiegen wollten. Die fünf Kilometer zogen sich sehr über Blockwerk, auch wenn der Wassefall bei glasklarem, türkisem Wasser es definitiv wert war.

Anschließend genossen wir die weitere Fahrt durch die fast arizonaartige Landschaft und kamen eigentlich entspannt in Palmwag an. Eigentlich. Denn leider haben wir uns mit Omar urplötzlich zerstritten und anschließend auf nicht gerade harmonische Art und Weise getrennt. Zuviel möchte ich hierüber gar nicht aufhebens machen bzw. auf die Details eingehen. Nur soviel sei verraten: Ich war selten in meinem Leben menschlich so sehr enttäuscht wie an diesem Tag.
Trotz der wunderschönen Landschaft hier in Palmwag war die Urlaubsstimmung so natürlich erst einmal gelaufen. Am nächsten Tag mussten wir ohne Mietwagen zu viert mit einem kleinen Taxi stundenlang wieder ins 400 Kilometer entfernte Omaruru fahren, wo wir uns von diesem Streit erst einmal zwei Tage erholten, um wieder Energie für Urlaubsaktivitäten zu sammeln…immerhin hatten wir zwei Tage später unseren Mietwagen wieder und konnten diesen wieder in Windhoek aufgabeln.
Bei der Verarbeitung half natürlich auch der Blick nach vorne bzw. erste Planungen für das Comeback auf dem Fahrrad: Das Tretlager muss noch ausgetauscht werden! Einmal muss noch eine dringende Wartung durchgeführt werden. In Namibia gibt es eine renommierte Fahrradladenkette namens „Manni’s Bike-Mekka“. Ein Laden war auch in Swakopmund an der Küste vertreten. Der Ort, an den wir noch hinwollten, bevor es endgültig so weit sein wird mit dem Fahrradcomeback.
Nach den zwei Erholungstagen in Omaruru verabschiedeten wir uns also auf unbestimmte Zeit wieder von unseren Freunden. Ziel war nun Swakopmund. Hierfür wurden die Räder abenteuerlich in den Kofferraum des Mietwagens gestapelt. Wir überlegten erst, diese Strecke wieder zu pedalieren. Unsere ortskundigen Gastgeber rieten uns jedoch entschieden davon ab.
Die Straße nach Swakopmund ist in Form der Verbindung zwischen Windhoek und Swakopmund eine Hauptverkehrsader Namibias und entsprechend stressig zu befahren. Zudem ist die Straße wieder sehr eng und von vielen Baustellen gesät. Wir entschieden uns also aufgrund unserer Sicherheit nochmal dafür, zu „skippen“. Ab Swakopmund werden wir dann, analog zu Marokko, wo meine Mutter in Agadir das letzte Mal zu Besuch kam, wieder „in die Wüste geschickt“.

Mit dem Auto waren wir von Omaruru aus jedenfalls gemütlich in etwas mehr als zwei Stunden an der sonnigen Küste im sehr deutsch geprägten Swakopmund. Passend hierzu war auch unser Übernachtungsplatz: Der Campingplatz „Alte Brücke“.
Der Sonnenschein täuschte zudem: Der Wind sorgte für gefühlt frische Temperaturen hier, als wir unser Lager bezogen und nochmal einen kleinen Spaziergang ins Zentrum unternahmen. Wir begegneten hierbei dem Wörmannshaus, dem Restaurant „Ankerplatz“ oder auch der „Buchhandlung“ mit vielen deutschen Büchern, insbesondere auch über die Kolonialzeit von Deutsch-Südwestafrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Kleiner Funfact: Swakopmund hat seinen Namen aufgrund des Flusses „Swakop“, der hier in den Atlantik fließt. Die Mündung der Swakop. Übrigens bedeutet Swakop in indigener Sprache so viel wie „schmutziger Fluss“. Das liegt daran, dass der Fluss in der Regenzeit viel Matsch und Schlamm mit sich führt. Tja, nun in der Trockenzeit im Südhalbkugel-Winter merkte man davon wenig: Die Swakop war komplett ausgetrocknet.
Ein kurzer „Durchspüler“ in der tosenden, aber auch sauberen Brandung des reichlich frischen Südatlantiks hier musste natürlich auch noch sein, ehe wir nach kurzem Einkauf den Abend bei Snacks am Campingplatz ausklingen ließen. Zwei volle Tage waren jetzt noch eingeplant als Urlaub, ehe es wieder aufs Rad gehen sollte in die finalen 1.600 Kilometer…

Für den ersten Tag war nochmal eine genauere Erkundung von Swakopmund geplant, ehe der zweite Tag noch ein ganz besonderes Schmankerl warten sollte, welches bei mir ganz oben auf der Namibia-Liste stand: Eine Tour in die Sanddünen von „Sandwich Harbour“.
Erst einmal stand jedoch eine weitere Erkundung der Innenstadt von Swakopmund im Vordergrund. Nachdem ich mein Fahrrad zur umfangreichen Wartung für den Schlussspurt abgegeben habe, versteht sich…
Zuerst genossen wir den frischen Wind am Jetty Pier, ehe es nochmals in die Buchhandlung ging und so manches altes Werk mit Erscheinungsdatum aus den 1920er Jahren bewundert wurde. Beispielsweise gab es eine Erstausgabe des Zauberbergs zu bestaunen…
Anschließend gab es wieder ein Stück Heimat: Wir kehrten im „Brauhaus“ gegenüber ein, mit allerlei deutschen Spezialitäten. Ich verleibte mir, zu Ehren meiner Heimat, einen Schweinebraten ein. Man ist ca. 15.000 Kilometer entfernt, aber fühlt sich hier bereits wieder wie daheim…


Weiter ging’s zum Marinedenkmal, das an die Herero-Kriege Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert, als deutsche Soldaten gegen die indigene Bevölkerung Namibias kämpften. Ein natürlich, insbesondere für Deutschland, eher negativ behaftetes Denkmal, in Erinnerung an eine unrühmliche Vergangenheit…

Weiter ging’s zum nächsten Ort mit deutschem Fußabdruck: Das Amtsgericht aus dem Jahre 1906, also ebenfalls zu Zeiten von Deutsch-Südwestafrika erbaut.

Beim Spaziergang durch die Stadt fallen einem weitere deutsche Landmarken ins Auge, wie bspw. das Restaurant „Old Sailor“ mit dem typisch norddeutschen Slogan „Moin Moin“. Oder auch das „Café Stadtmitte“.


Abgerundet wurde der Spaziergang schließlich mit einem weiteren wahrlich frischen Bad im Atlantik. Selbst die Luft hat hier nachmittags im Küstenklima kaum 20 Grad, bei dem Wind ist es gefühlt sogar deutlich frischer…

Nach Rückkehr am Campingplatz gab’s wieder klassisch Snacks zum Abendbrot. Unter anderem auch Apfelstrudel. Man entkommt hier wahrlich in keinerlei Hinsicht dem Heimatgefühl.
Ansonsten war der Tag bereits geprägt von der Vorbereitung auf die 4×4-Tour in die Sanddünen von Sandwich Harbour am nächsten Tag. Um 7:30 Uhr sollten wir abgeholt werden, sodass wir mal wieder früh in den (Dach)zelten lagen. Man braucht wohl trotzdem nicht zu erwähnen, dass die Tour schließlich erst mit knapp einer Stunde Verspätung losging und wir völlig umsonst so früh aufgestanden sind…wir sind halt immer noch nicht wirklich im pünktlichen Deutschland.
Dennoch blieb die Tour natürlich wahrhaftig in großer Erinnerung. Der Morgen mit den Anfahrt nach Walvis Bay und drei anderen Touristen im Auto war noch geprägt von Küstennebel, wie er hier häufiger vorkommt.

Nachdem wir von Walvis Bay die nochmals 70 Kilometer in die Wüstendünen zurückgelegt haben, besserte sich aber das Wetter und die Sonne spitzelte langsam hervor – eine tolle Stimmung in Verbindung mit dieser einzigartigen Kulisse von Dünen, die direkt ans Meer ragen.


Besonders das Spazieren zu so manchen Aussichtspunkt war ein wahres Erlebnis – wenn auch schweißtreibend im Aufstieg. Aber wiederum auch nicht verkehrt bei herbstlichen Temperaturen hier. Einfach nur wow, diese Landschaft! Und ja, Dünen erklimmen macht wirklich ungeheuren Spaß!



Abgerundet wurde die Tour mit einem Picknick mit Sekt direkt am Strand unterhalb der Dünen, da gerade Ebbe herrschte. Zwar fast wieder etwas dekadent, aber auch wunderschön!
Mit den Füßen im Meer fühlte es sich jedoch eher temperaturtechnisch an wie der Sprung in die Nordsee in den Herbstferien Anfang November aus früheren Kindheitsurlauben.


Und auch ein großes Kompliment an den Fahrer. Wie er die fast senkrechten Dünenwände hoch und runter fährt – alle Achtung! Das benötigt extrem viel Erfahrung und Können!

Am frühen Nachmittag waren wir von der Halbtagestour zurück mit zahlreichen Eindrücken. Nun war es Zeit: Alles wieder herrichten und vorbereiten! Ab morgen geht der Endspurt los, Urlaub vorbei! Unglaublich, wie die Zeit manchmal rennt. Insbesondere, wenn man sie mit der Familie verbringt…
Nachmittags holten wir schließlich in Ruhe das Fahrrad ab. Das Resultat war beeindruckend: Es sah wie neu aus! Das kaputte Tretlager wurde gewechselt. Auch das verschlissene vordere Ritzel wurde nochmals ausgetauscht. Die Kette wurde nochmals ausgetauscht, ebenso wie die Bremsbeläge. Zudem gab’s noch einen neuen Schaltzug, weil der vorherige wohl ebenso das Ende der Lebensdauer erreichte. Das Fahrrad schien definitiv gerüstet für hunderte Kilometer Staub, Gravel und Waschbrett, die uns nun bevorstanden Richtung Süden. Der Fahrradladen hatte europäische Qualität, die Preise waren aber auch dementsprechend. Die Rechnung hatte es durchaus in sich. Aber wer weiß – eventuell gut investiertes Geld, um sicher durch den letzten Abschnitt zu kommen.

Nach Entgegennahme des Fahrrades gab’s noch einen letzten Einkauf, um Lebensmittel aufzufüllen. Der kommende Abschnitt wird wieder von hunderten Kilometern Niemandsland geprägt sein…
Als schließlich alles vorgepackt war und die letzten Klamotten nochmals von Hand gewaschen wurden, genossen wir den letzten gemeinsamen Abend am Campingplatz.
Nach einer nicht mehr zu frischen, letzten Nacht im Dachzelt war mit Beendigung des Frühstücks der Moment gekommen. Mein Bruder überließ mir wieder mein Zelt und unter dem Vergießen von beinahe ein paar Abschiedstränen trennten wir uns. Um das natürlich richtig einordnen zu können: Alles halb so wild, in nicht mal sieben Wochen werden wir uns ja schon wiedersehen 😉
Nun hieß es jedoch erst einmal: Ab in die finalen 1.600 Kilometer! Der Endspurt, die finale Herausforderung wartet. Insbesondere in Form von sandigen Waschbrettpisten sollten diese es nochmals in sich haben…
Für meine Familie ging es nun per Mietwagen ab zurück nach Windhoek und von dort nach Hause. Für uns hieß Nun das nächste Ziel Walvis Bay. Und von dort aus hieß es anschließend: Ab in die (Namib)Wüste! Lange werden wir uns nicht mehr den herbstlich frischen Küstentemperaturen hier erfreuen können…



Hinterlasse einen Kommentar