12. September, ca 10:30 Uhr: Das Kapitel Fahrradauszeit und Familienbesuch ist nun beendet, aber jetzt hieß es ein letztes Mal: Strampeln! 1.600 Kilometer warten noch auf uns bis zum Ziel am Kap der guten Hoffnung – es wirkt fast greifbar!
Vorher stellte sich uns jedoch erstmal noch ein – gewissermaßen – Entgegner in der Weg: Die Namibwüste mit seinen überwältigenden Distanzen und unwirtlichen Gravelpisten. Wir waren drauf eingestellt, dass nun ein ganz schönes hartes Stück Fahrradfahren auf uns zukommt, das einiges an mentaler Stärke und Durchhaltewille erfordert.
Als die Abschiedstränen getrocknet sind und wir endlich losrollten, wirkten die ersten Kilometer so erstmal wie ein lockeres Aufwärmen zwischen Atlantikküste rechterhand und Sanddünen links. Diese beginnen direkt hinter dem Ortsende von Swakopmund, sich in die Höhe zu schrauben.


Das perfekt hergerichtete Fahrrad fuhr sich angenehm ohne schleifende Bremsen oder andere Unannehmlichkeiten. Mit leichtem Rückenwind flog man geradezu mit über 25 Stundenkilometern über die Strecke an der Küste, vorbei am idyllischen Long Beach in Richtung Walvis Bay.
Auf den letzten 10 Kilometern jedoch drehte der Wind und bei ordentlichem Gegenwind kämpfte man sich geradezu in die beschauliche Küstenstadt mit Hafen, übrigens dem einzigen in Namibia. Aufgrund der damit einhergehenden wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt war der Verkehr auf dieser Route auch nochmals unangenehm. Aber wir haben es überlebt. Bereits mittags waren wir da und genossen ein wenig die Zeit in der großen Dunes Mall.

Walvis Bay bedeutete nun das letzte Mal auch wirklich Zivilisation für die nächsten hunderte von Kilometern durch Niemandsland mit nur kleinen Orten zwischendrin. Aus diesem Grund war mir noch nicht wirklich nach Weiterfahrt an diesem Tag. Lieber noch einen Nachmittag die Zeit hier in einer größeren Stadt genießen, bevor es morgen so richtig losgeht. Nichts überstürzen. Nochmal kurz darauf einstimmen, was einen jetzt für eine Herausforderung erwartet…
Jannick hatte auch ob der noch frühen Tageszeit andere Pläne und fuhr nach zwei Stunden Mittagspause in der Mall weiter in den Beginn des Niemandslandes. Ich checkte hiernach in ein preiswertes Guesthouse ein und verbrachte einen eher faulen Nachmittag und Abend. Wir einigten uns darauf, dass ich ja eh schneller sei und Jannick wieder einholen würde und trennten uns daher kurzzeitig einvernehmlich.
In diesem Moment genoss ich dann auch kurz die Zeit für mich. Wer mich kennt, weiß auch, dass ich nach einem solchen Abschied immer auch ein kurzes psychisches Tief durchmache. Das geht zwar schnell wieder weg, insbesondere jetzt, wo das Ziel eh so greifbar ist. Einmal kurz muss ich da aber schon schlucken…
Nach einem Nachmittag und einer Nacht mehr oder weniger Bettruhe und ins Leere starren, um klarzukommen, fühlte ich mich am nächsten Morgen bereit für die körperliche und mentale Challenge. Für einen geringen Aufpreis nahm ich noch das nahrhafte Frühstück der Unterkunft als willkommenen Booster mit, ehe es mit nun einem großen Wasserkanister auf dem vorderen Gepäckträger losgehen sollte.

Der Anfang war dann erstmal schaurig – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei fettem Hochnebel, 11 Grad und leichtem Niesel aus der Suppe fuhr ich los, dick eingepackt in meine Regenjacke. Schnell strampeln, damit man einigermaßen warm wird!
Noch ein paar Kilometer bis zu einem Autobahnabzweig der Verbindung nach Swakopmund und Windhoek begleitete mich stressiger Verkehr, ehe es abrupt ruhiger wurde. Sehr ruhig. Kaum ein Auto störte mehr meine fast meditative Fahrt durch die Dünenlandschaft. Einzig die durch den Niesel-Hochnebel nasse und damit sandig-schlammige Straße ging mir so ziemlich auf die Nerven. Der sandige Gatsch fraß sich in jede Ecke meines Fahrrades, die gründliche Reinigung war aufgrund der Nässe schon bald wieder für die Katz’…

Langsam aber sicher schraubte sich die Straße, weg von der Küste, wieder in die Höhe. Meine Garmin-Uhr zeigte schnell 100 Höhenmeter an…dann 200…dann 300…langsam öffnete sich die Hochnebeldecke und die Sonne blinzelte hervor.
Anschließend dauerte es nicht mehr lange und der Himmel war blank geputzt. Aus nasskaltem Nieselwetter wurde knallender Sonnenschein. Erstmal eine Pause…

Man merkte es doch, dass es kontinuierlich bergauf ging. Mit der langen Fahrradpause als Vorgeschichte schwanden die Kräfte langsam aber sicher. Wo ist Jannick? Der Internetempfang wurde deutlich schlechter. Eigentlich müsste ich ihn doch bald eingeholt haben. Na ja, einfach mal weiterfahren…
Nach 70 Kilometern, zunehmender Hitze und auf bereits über 600 Höhenmetern war eine kleine Pause unumgänglich. Scheinbar ist man hier der Wüste und dem großen Nichts bei erlahmenden Kräften hilflos ausgeliefert. Zum Glück ist Namibia aber ein sehr touristisches Land. Hin und wieder fahren auch hier Touristen durch, wie auch in diesem Fall: Eine slowenische Familie sah mich am Straßenrand in Russenhocke, hielt an und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden. Anschließend wurden mir zwei eiskalte Colas und ein frisches Sandwich in die Hand gedrückt – mei, wie lieb! Vielen Dank!

Mit frischen Carbs machte ich mich nochmal auf den Weg. Weiter ging es leicht bergauf durch die nun immer steppenartiger werdende Landschaft. Es war mühsam, doch der Weg war immerhin noch asphaltiert. Dass die Qualität des Straßenbelages mittlerweile deutlich nachließ, lassen wir mal außen vor…
Am frühen Nachmittag war ich nach knapp 90 Kilometern auf einer kleinen Passhöhe angekommen. Hier geht die befestigte Straße in Gravel über. Neben der Straße waren ein kleiner Bauwagen sowie einige Zelte zu sehen. In dem Bauwagen saß ein Ranger ganz entspannt an seinem Handy.
Ich fühlte mich erschöpft aufgrund der langen Auszeit und der zunehmenden Hitze nach dem kühlen Küstenklima. Kein Jannick war in Sicht, der Empfang hier bescheiden – na gut, dann treffe ich ihn ja vielleicht morgen…ich fragte den Ranger um Erlaubnis, im Windschutz des Bauwagens mein Zelt aufzuschlagen. Da meinem Wunsch ohne Probleme stattgegeben wurde, war der Fahrradtag früh beendet.
Ohne Internetempfang hatte ich nach dem Zeltaufbau genug Zeit, meinen Gedanken über Gott und die Welt freien Lauf zu lassen und mich auszuruhen, hier irgendwo im Nirgendwo, 90 Kilometer von der Küste entfernt.
Am frühen Abend kamen weitere, vermeintliche Arbeitskollegen an den Ort des Rangers. Einer war wohl als Bauunternehmer nur auf der Durchreise nach Swakopmund, als ich ihn kennenlernte im Gespräch über meine Fahrradreise. Ein anderer blieb hier über Nacht, schlief in einem der Zelte. Er war super nett. Er bot mir an, am nächsten Morgen Kaffee zu machen, weil ich aktuell kein Gas habe zum Wasser kochen. Zudem durfte ich ohne Probleme am Wassertank im Bauwagen auch meine Wasserflaschen auffüllen. Luxus! Und auch nicht unwichtig, schließlich sind es noch immer 140 Kilometer bis Solitaire, dem nächsten Ort mit etwas Zivilisation…mal schauen, wie die Straßen sind und wie lange man dahin braucht.

Ohne Internetablenkung lag ich relativ bald nach Sonnenuntergang im Land der Träume. Ganz nach meinem Rhythmus war ich dann auch beim ersten Tageslicht wieder auf den Beinen, bereit um Jannick nun einzuholen.

Mit dem Ranger-Kollegen trank ich in der Früh noch entspannt einen Kaffee, dann half er mir noch beim Zusammenpacken des Zeltes und schließlich war ich um 8 Uhr auf der Piste. Da wusste ich noch kaum, was mir bevorstehen sollte…
Die ersten fünf Kilometer war der Gravel noch halbwegs vertretbar. Dann wurde die Piste zunehmend sandiger, der Boden immer mehr zu Waschbrett. Es holperte nur so, doch man fand in den meisten Fällen noch eine halbwegs fahrbare Linie.
Doch auch das sollte sich auf nach ca. 10 bis 15 Kilometern ändern. In manchen Passagen war der Sand nun einfach zu tief. Man versuchte zwar noch alles, irgendwie voranzukommen, aber hin und wieder war es zwecklos – Schieben war angesagt! Innerlich fluchte man nur so vor sich hin…

Wo ist Jannick?! Internetempfang war hier jedenfalls Fehl am Platz. Ich machte erstmal weiter und kämpfte mich den folgenden über 100 Meter hohen Anstieg hoch. Der Sand war hier zwar wieder fahrbar, dennoch sehr mühsam. In steilen Passagen schob man lieber für wenige Meter…

Oben angekommen war ich in Verbindung mit der knallenden Sonne ohne jeglichen Wind sehr erschöpft und machte erstmal Trinkpause an einem kleinen Aussichtspunkt mit Picknickplatz.
Natürlich waren hier auch andere Touristen mit ihren Mietwägen zugange – und sie waren wieder sehr großzügig. Eine französisches Urlauberpaar lud mich zu einer Tasse Kaffee ein. Zudem erzählten sie mir, dass sie einen anderen Radfahrer gesehen hätten. Er wäre nur ein paar Kilometer weiter vorne. Huch! Das wird dann wohl Jannick sein…
So wollte ich nach der Kaffeepause mich gar nicht lange aufhalten und nahm den Kampf gegen die Straße wieder auf. Zunächst ging es leicht bergab und die Straße wurde etwas besser. Der Schein jedoch trügte. Bald prägten wieder tiefer Sand und Schotter das Bild. In einer festgefahrenen Waschbrettspur konnte man zwar einigermaßen fahren, die Geschwindigkeit schwankte jedoch zwischen fünf und zehn Stundenkilometern – einfach frustrierend! Man müht sich ab, kommt aber gefühlt kaum voran.
Einzige Motivation waren vorbeifahrende Touristen, die regelmäßig den Daumen nach oben zeigten oder sogar anhielten, um ein Foto zu machen und einem die Bewunderung auszusprechen. Danke Leute! Das gibt mir wenigstens den Schub, den ich brauche, um nicht das Handtuch zu schmeißen auf dieser Albtraumstraße…
Dann, nach fast 35 Kilometern auf dieser Katastrophenstraße, eine Erlösung: Asphalt in Sicht!! Mit tauben Gelenken ob der unendlichen Waschbrettpiste kämpfte ich mich die letzten paar hundert Meter dahin, ehe nach über drei Stunden Kampf dieser Abschnitt endlich besiegt war!
Von Jannick immer noch keine Spur, Internetempfang immer noch Fehlanzeige. Gut, ich fahr einfach mal weiter…trotz nun deutlich hügeliger werdender Straße ist der feste Untergrund nun wie eine Erlösung, auch wenn er wohl nur eine vorübergehende Erscheinung darstellt…
Dennoch merkte ich natürlich, dass ich von diesem Abnutzungskampf gegen Sand und Waschbrett schwer gezeichnet bin. Eine Pause war nun überfällig. Wo ist ein guter Ort zum Erholen? Ich hielt Ausschau, doch Schatten ist hier ebenso wie Internet absolute Fehlanzeige bei 36 Grad…und ja, es wird noch heißer 😉
In meiner Begleitapp iOverlander war ein Ort eingezeichnet, wo man wohl tatsächlich H+-Internetempfang haben sollte. Dies war nun mein auserkorener Pausenplatz. Nach fünf Kilometern über hügeligen Asphalt war dieser erreicht. Natürlich ebenso mitten im Nirgendwo – aber Internetempfang gibt’s hier immerhin tatsächlich. Zumindest sporadisch.
Nun erhielt ich auch eine Nachricht von Jannick. Ihm hat die Horrorpiste wohl den letzten Nerv geraubt. Er hat ab einem gewissen Punkt das Handtuch geschmissen und einen Pick-up angehalten, der ihn in die nächste Ortschaft mit Infrastruktur, Solitaire, mitnimmt. Mittlerweile ist er wohl schon in dem genau 100 Kilometer entfernten Ort angekommen.
Was mache ich jetzt?! Ohne großen Schatten saß ich nun mit ein paar kleinen Keksen als Snack in der Mittagssonne und zerbrach mir den Kopf über das weitere Vorgehen. Auch hitchhiken? Oder es doch weiter radelnd versuchen und mich im Zweifel weiter quälen?! Je nachdem, wie die Straße sich entwickelt brauche ich für die Distanz halt mindestens nochmal 1 1/2 bis 2 Tage…soll ich Jannick so lange warten lassen?!
Während ich meinen inneren Konflikt ausbrütete, merkte ich auf einmal, dass ich körperlich irgendwie so gar nicht auf der Höhe bin. Beim Versuch, aus der Russenhocke am Straßenrand wieder aufzustehen, wurde mir doch tatsächlich leicht schwarz vor Augen. Mir war schwindlig und ich fühlte mich müde und schwach, wie bei akuten Kreislaufproblemen. Zu viel Sonne? Zu große Anstrengung? Beginn eines Sonnenstichs?
Ich lief zu einem Baum, abseits der Straße ca. 150 Meter entfernt und legte mich in einem spärlichen Schatten bei der Mittagssonne auf den unkomfortablen, pieksigen Boden. Der Schatten reichte nicht mal, um meinen ganzen Körper vor der Sonne zu schützen.
Eine halbe Stunde döste ich vor mich hin. Als ich wieder aufstand, merkte ich, dass diese Siesta kaum etwas gebracht hat. Beim Aufstehen meldete sich wiederum der Schwindel, als wenn ich zu tief ins Glas geguckt hätte. Ebenso machte sich nun auch ein Gefühl der Übelkeit breit. Einige Male musste ich heftig aufstoßen…oje! Zeigt mir hier mein Körper etwa gerade, dass er an seine Grenzen kommt?!
Natürlich ist die Situation in jeder Hinsicht extrem: Die extreme Anstrengung aufgrund der katastrophalen Gravelroute in Verbindung mit der Knallesonne. Dazu kommt, dass wir vorher einige Tage im fast herbstlichen Küstenklima rund um Swakopmund verbracht haben. Dieser extreme Unterschied mehr oder weniger innerhalb eines Tages ist natürlich auch nicht ohne.
Hinten an der Straße erspähte ich vom Baum aus ein Urlauberauto, das glücklicherweise genau hier eine kurze Rast einlegte. Ich ging zurück zur Straße und bat die Urlauber um Hilfe, erläuterte meine kritische körperliche Verfassung.
Die Reaktion hierauf war wie so häufig extreme Großzügigkeit, Hilfsbereitschaft und einfach Nächstenliebe. Ich durfte etwas Wasser von einem der vielen Kanister im Auto nutzen, um mich per Dusche etwas aus meinem überhitzten Zustand runterzukühlen. Weiters wurden mir zwei isotonische Drinks, zwei Colas und zwei Red Bull in die Hand gedrückt. Hinzu kamen noch Süßigkeiten, Chips sowie drei frisch belegte Sandwiches. Ebenso Elektroyltpulver für mein Wasser, um dem Körper die eventuell fehlenden Puzzleteile zuzuführen.
Man wollte mir sogar noch mehr geben, wobei ich dann irgendwann einlenkte – Danke! Danke! Danke! Aber irgendwann ist gut, ich muss das ja auch alles schleppen! Und ihr müsst ja auch noch irgendwas zum Essen haben!
Schließlich durfte ich mich noch für fünf Minuten ins Auto hocken bei laufender Klimaanlage, um runterzukühlen. Zum Schluss erkundigte sich der extrem zuvorkommende Urlauber ein letztes Mal, ob bei mir auch wirklich alles in Ordnung sei und ob ich noch Hilfe bräuchte. Hmm…leider fährt er in die falsche Richtung, in Richtung Swakopmund. Sonst hätte ich vielleicht doch mit dem Gedanken gespielt, einmal eben wegen Mitnahme zu fragen…
So gab ich den Daumen nach oben und ließ die hilfsbereite Familie weiterfahren. Ich hockte mich in den Schatten und hoffte, dass sich mein Zustand nun alsbald bessern sollte. Mein für mich ausgemachter Plan war, dann erstmal weiterzufahren und bei Gelegenheit ein Auto anzuhalten, das einen vielleicht bis Solitaire mitnehmen kann…
Es sah mit weiterfahren aber insgesamt schlecht aus – auch nach eineinhalb Stunden Pause. Im Gegenteil – als ich die edlen Spenden des Urlaubers zu mir nehmen wollte, meldete sich wieder die Übelkeit bzw. der flaue Magen. Ich brauche Erholung. Aber wie? Hier das Zelt aufstellen? Keine Chance, die Sonne lässt jeglichem Schatten noch immer kaum eine Chance…
Ich schaute wieder auf die Karte: In nur etwas mehr als zehn Kilometern sollte ein Landschaftswechsel kommen in Form des Kuiseb Canyons. Hier sollte es doch einige Schattenplätze geben, wo ich mein Zelt aufstellen und ruhen kann, falls ich keine Mitfahrgelegenheit finde. Diese zehn Kilometer werde ich auch so noch irgendwie schaffen…und immerhin hab ich ja nun genug Verpflegung…
Unter dem Motto „es hilft ja alles nichts“ wollte ich mich gerade wieder aufs Rad schwingen und in Richtung des Canyons radeln, als ein Auto aus der Gegenrichtung kam. Aus meiner Fahrtrichtung kam seit über einer Stunde keins mehr vorbei…
So hielt ich dieses an und bat darum, dass der Fahrer bei Weiterfahrt und dem Entdecken eines Autos in meine Richtung dieses anhalten solle und auf mich als angeschlagenen Radler aufmerksam machen solle. Dieser Radler würde bei Möglichkeit gerne in die Zivilisation mitgenommen werden…
Die Urlauber in dem gestoppten Auto waren zufällig deutsch, sodass die Kommunikation nicht allzu schwer viel. Gerade als wir uns geeinigt haben und die Urlauber ihre Fahrt fortsetzen wollten, kam zufällig auch ein Auto in meine Richtung – perfektes Timing!
Ich hielt das deutsch-niederländische Urlauberpaar an und schilderte meine Situation. Sofort wurde mir von dem herzlichen Paar signalisiert: Wenn das Fahrrad und die Taschen irgendwie reinpassen, ist das überhaupt kein Problem!
Auch die Insassen meines zuerst angehaltenen Autos blieben noch stehen und packten nun mit an, um meine Sachen irgendwie in den Kofferraum zu bekommen. Mit dem Ausbau vom Vorderrad war das letztlich auch keine große Schwierigkeit mehr. Super! Meine Rettung! Ich muss ja zugeben, ich war echt etwas am struggeln…

Ich konnte mich nun im klimatisierten Innenraum des Autos erholen, während wir den Canyon durchfuhren in Richtung Solitaire. Joa, hier wildzucampen hätte natürlich auch seinen Reiz gehabt!
Noch ca. 15 Kilometer war die Straße auch echt gut und asphaltiert. Dann jedoch meldete sich bis nach Solitaire ekliger Waschbrettgravel in hügeliger Landschaft zurück. Joa, für dieses Stück hätte ich wohl eher noch 1 1/2 Tage ab dem Canyon gebraucht…
So verging die Zeit bei anregenden Gesprächen mit den Reisenden wie im Fluge. Die Beifahrerin zeigte sich durchaus beeindruckt von der Fahrradreise und meinen Erzählungen und fragte mich sogleich, ob ich denn darüber ein Buch schreiben möchte – sie sei schließlich Spiegel-Bestseller-Autorin und würde es sehr cool finden. Ja, warum eigentlich nicht?! Würde sich doch sicher gut als Buch machen?!
Wir diskutierten ausführlich über dieses Thema und erst im Nachhinein stellte ich fest, dass ich mit Jil Eileen Füngeling in einem Auto saß und mich zwei Stunden lang so nett unterhalten habe. Beim Blick auf Instagram blieb mir die Spucke weg: Fast 400.000 Follower! Ich bin ja ehrlich gesagt froh, dass ich sie nicht kannte und mich daher im Auto mit ihr unbefangen unterhalten konnte wie mit einer „Allerweltsperson“.
Und bitte nicht falsch verstehen, das soll nicht bedeuten, dass ich sie nur auf ihr Dasein als Influencerin und Bestseller-Autorin reduzieren möchte. Im Gegenteil: Ich kann bestätigen, dass sie auch im Privatleben eine absolut sympathische und liebenswürdige Persönlichkeit ist (ihr Freund Jamie steht ihr übrigens in nichts nach). Sie gab mir einen Snack und einen kalten Energydrink im Auto, um wieder zu mir zu kommen, sie gab mir super Tipps zum Verfassen eines Buches über die Reise und ich wurde wirklich bis vor den Eingang zum Campingplatz in Solitaire gefahren.
Mein Angebot von Spritgeld für die Fahrt wurde direkt abgeschmettert. Mein tiefes Dankeschön für die Hilfsbereitschaft wurde erwidert mit den Worten: „Das ist überhaupt keine Frage! Anderen Reisen, die in Schwierigkeiten stecken, hilft man einfach!“
Ich war wirklich fast gerührt ob dieser Nettigkeit, Großzügigkeit und Liebe, die mir diese Menschen an diesem Tag entgegen gebracht haben, als es mir nicht gut ging. Nun bin ich auch wieder zu mir gekommen und durfte erhobenen Hauptes diesen doch sehr spannenden und turbulenten Tag zu Ende bringen.
Als ich gerade mein Vorderrad wieder in den Rahmen des Fahrrades einsetzte, traf ich dann nach zwei Tagen auch wieder auf Jannick. Noch eben wurde das Gepäck wieder sortiert, da stand man auch schon bereit an der Rezeption, um einen Platz auf der Campsite zu buchen. Ein Schmankerl: Der Manager gab Radreisenden noch einen Rabatt. Für 50 Dollar (2,50 Euro) durfte man preiswert sein Zelt aufschlagen.
Das lässt man sich natürlich nicht zweimal sagen und bucht gleich zwei Nächte. Dank des Überspringens von 100 Kilometern war nun ein Tag zum Ausspannen bei etwas touristischer Infrastruktur ja auch locker drin.
Der Rest des Tages bestand nun aus einer kleinen Erfrischung im unbeheizten Pool sowie dem Bestaunen eines spektakulären Sonnenunterganges in der endlosen Wüstenlandschaft hinter Solitaire. Um mein Abendessen musste ich mir anschließend auch keine Gedanken mehr machen – vorher wurde mir ja bereits genügend Proviant mitgegeben 😉 Wir waren nun wieder vereint und ich konnte mich erholen: Ende gut, alles gut!




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