Vormittags am Kap der guten Hoffnung am Montag, den 13. Oktober 2025 – nach den ersten, emotionalen Momenten sog ich die Stimmung an diesem Ort weiter für mich auf, verarbeitete die Momente. Ich ließ den Blick schweifen über die Vogelstrauße, die am Kap ihre Kreise zogen, ging ein paar Meter den Wanderweg zum Cape Point bergauf, im mir von oben einen Überblick über die Küste zu verschaffen, komplett frei von jeglichen Touristen – unvergessliche Eindrücke.


Eine Herausforderung blieb freilich noch: Ich musste zu meinem gebuchten Hostel im Zentrum von Kapstadt zurückkehren, 70 Kilometer vom Kap entfernt. Kurz überlegte ich, selbst zurück zu radeln. Doch nach einem windstillen Morgen frischte der Wind wieder merklich auf, diesmal aus Nordwest. Das hätte natürlich wieder Gegenwind bedeutet. Ganz ehrlich: Ich hatte die Schnauze mittlerweile gestrichen voll von diesem Wetterphänomen, das einen aufgrund der Passatwindzirkulation in Südafrika fast ausnahmslos begleitet, wenn man Richtung Süden rollt…
So gab es nur eine andere Option: Hitchhiken bei einem der vielen Touristenautos, die diesen Ort bald besuchen. Daher fragte ich vorsichtshalber schon einmal bei den Wanderern an, die ich in der Früh getroffen habe und welche auch die Fotos von mir gemacht haben. Fortuna sei Dank – eine super herzliche Dame erklärte sich bereit, mich inklusive meines Gepäcks und Fahrrades zurück ins Stadtzentrum zu fahren.
Daher ich ließ ich noch ein wenig die Zeit ins Lande ziehen, bis die Wanderer von ihrer Tour zurückkehren. Allmählich füllte sich der Ort mit Touristen, und als die ersten Reisebusse eintrudelten, bildete sich eine Schlange von guten 50 Metern für Fotos vor dem ominösen Schild des Kaps der guten Hoffnung.
Freilich blieb auch ich mit meinem bepackten Fahrrad nicht unbemerkt. Als mich die ersten Touristen ansprachen und ich meine Geschichte erzählte, machte diese schnell die Runde in der Schlange von Touristen, sodass mir während der Wartezeit kaum langweilig wurde. Ich war gewissermaßen das zweite Fotohighlight neben dem Schild an diesem Morgen. Bestimmt 40-50 Mal ließ ich mich mit Touristen ablichten. Fehlt nur noch, dass ich Autogramme gegeben hätte 😉
Spaß beiseite – auf jeden Fall ging die Zeit schnell vorbei, bis meine Mitfahrgelegenheit wieder zurück war. Das Auto war freilich etwas klein, sodass Skepsis angebracht war. Der erste Versuch nach Ausbau des Vorderrades war ein deutlicher Reinfall. So wurde auch das Hinterrad ausgebaut und ein neuer Versuch gestartet, nur den Rahmen in den Kofferraum zu bekommen. Leider wollte es jedoch partout um zwei Zentimeter nicht funktionieren. Mehrere Versuche wurden gestartet, doch es half alles nichts. Wir mussten eine alternative Lösung finden.
Die Dame ließ mich freilich nicht im Stich und wir fragten gemeinsam bei Reisebussen herum, ob diese nicht den Rahmen des Fahrrades in die Stadt transportieren könnten. Im fünften Versuch war es bei der reichhaltigen Auswahl an diesem wahrlich überlaufenen Ort schließlich soweit und der Reiseleiter einer Gruppe Bustouristen erklärte sich bereit, den Fahrradrahmen im Gang des Busses zu transportieren. Das Hotel, in dem die Reisegruppe untergebracht ist, war sogar nur ca. 600 Meter von meinem Hostel entfernt. Jackpot! Es gibt immer eine Lösung. Da es sich um einen luxuriösen 5-Sterne-Resort handelte, gab ich auch ohne mulmiges Gefühl den Rahmen ab. Da kann man schon mal vertrauen!
Frohen Mutes setzte ich mich mit der einheimischen Dame ins Auto und über eine atemberaubende Strecke fuhr sie mich in Richtung der Innenstadt. Hier muss ich definitiv noch einmal mit dem Fahrrad eine Runde drehen!
Während der Fahrzeit von einer guten Stunde hatten wir natürlich allerhand zu erzählen. Da sie bei einem Radiosender in Südafrika arbeitete, bot sie an, meine Geschichte dort weiterzugeben. Wer weiß, vielleicht gibt es ja noch einen Artikel oder eine Veröffentlichung in den südafrikanischen Medien über dieses Abenteuer. Ich werde hier in diesem Blog auf jeden Fall darüber auf dem Laufenden halten.
Erst einmal kamen wir ohne Probleme am Hostel an. Mein Angebot eines Entgeldes für die nette Mitfahrgelegenheit wurde direkt abgeschmettert – dies sei ein Service aus reiner Nächstenliebe ob meiner Geschichte und Leistung. Fazit: Ich bin herzerwärmt und beeindruckt von der Großzügigkeit der Menschen in Südafrika. So etwas sollte man auf keinen Fall als Selbstverständlichkeit hinnehmen. Einfach nur dankbar sein, dass man so liebe Menschen trifft und kennenlernt!

Wir packten das ganze Chaos meines Gepäcks wieder aus und hievten dieses in den Innenraum des Hostels. Hierzu fiel uns jedoch ein Denkfehler auf: Vielleicht wäre es doch schlauer gewesen, die ausgebauten Laufräder auch mit in den Bus zu geben…so checkte ich ins Hostel mit allem Gepäck und zwei Laufrädern ein. Zwei Stunden später meldete sich der Reiseleiter per WhatsApp bei mir, dass die Gruppe bald zurück sein von der Tour.

So machte ich mit zwei Laufrädern in der Hand einen kleinen Spaziergang durch das Stadtzentrum zu dem Hotel. Natürlich gab es einige…verwirrte Blicke von den Passanten. Hat er die etwa gestohlen?! Eine durchaus skurrile Situation.
Hinzu kam, dass ich bei dem Hotel noch fünf Minuten warten musste und natürlich nur Freizeitkleidung dabei habe. In der noblen Lobby des Luxusresorts fühlte man sich so doch dezent underdressed. Schließlich wurde ich nach fünf leicht unwohlen Minuten ob meines Erscheinungsbildes jedoch endlich entlassen und konnte meinen Fahrradrahmen wieder in Empfang neben. Schnell die Räder wieder eingebaut und die paar Meter wieder zurückgerollt und das Fahrrad wieder sicher verwahrt im Hostel – und in den Beginn einer kleinen Fahrradpause starten! Herrlich!
Zwei Wochen waren es nun noch bis zum Rückflug in die Heimat. Genug Zeit für einen kleinen Kurzurlaub in dieser Stadt, die doch reichlich zu bieten hat.
Da ich grundsätzlich ein eher schüchterner Mensch bin, genoss ich den Abend sowie den Morgen darauf erst einmal für mich, bevor ich Anschluss zu Mitreisenden suchte. Etwas Rückzug war auch mehr als angebracht nach dem aufregenden Tag. Ich war eher mit Telefonaten in die Heimat beschäftigt und dem Beantworten von zahlreichen Glückwünschen ob der Erreichung meines Ziels.
In all der Aufregung vergaß ich zudem völlig, überhaupt noch ausreichend zu trinken bzw. den ganzen Tag über irgendeine vollwertige Mahlzeit zu mir zu nehmen. Das rächte sich am nächsten Morgen, wo ich die Quittung in Form von Müdigkeit und Kopfschmerzen bekam. So habe ich mir meinen ersten Tag in Kapstadt sicher nicht vorgestellt.

Immerhin besserte sich die Verfassung im Laufe des Tages, denn am Abend gab es über das Aktivitätsprogramm des Backpackerhostels eine erste Möglichkeit, Anschluss zu finden zu anderen Reisenden: Eine Sonnenuntergangswanderung auf den „Lion’s Head“, einer der Hausberge von Kapstadt.
In einer Fünfergruppe trafen wir uns schließlich am späten Nachmittag, um mit einem UBER zu dem Ausgangspunkt der Wanderung zu fahren. Das erste Mal seit langer Zeit mal wieder eine Aktivität zu Fuß anstelle von zwei Rädern. Der Weg war steil und im letzten Stück auch etwas klettrig. Immerhin waren es aber nur etwas über 300 Höhenmeter. Der atemberaubende Blick über die „12 Apostel“ südlich des Tafelbergs, den atemberaubenden Sonnenuntergang über dem Meer sowie die beginnende Lichtershow des Stadtzentrums im Tal entschädigten jedoch für alles. Eine unglaubliche Stimmung!




Freilich fand ich in den Gesprächen mit den anderen Teilnehmern auch schnell Anschluss. Mit einer solchen Geschichte geht es natürlich auch leicht, ins Gespräch zu kommen. Ehrlicherweide war ich doch froh über ein paar soziale Kontakte, nachdem ich am Ende knapp vier Wochen solo unterwegs war. Zudem war eine große Anzahl Mitreisender auch deutsch, was es natürlich ebenfalls vereinfachte – die Reiseweltmeister eben 😉
Es ist fast entspannend und man genießt es, bei Billiard oder einem Bier in der Hostelbar die ein oder andere interessierte Nachfrage zu der Tour zu beantworten. Mir geht es nämlich so, dass so etwas letztendlich auch extrem beim Verarbeiten und Sortieren meiner eigenen Gedanken hilft.
Am nächsten Tag gab’s dann ein weiteres Wiedersehen: Jannick und ich sind nämlich nicht die einzigen „Verrückten“, die ganz Westafrika mit dem Fahrrad durchqueren. Ein belgisches Paar, das wir bereits in Guinea-Bissau, ca. 10.000 Kilometer vor Kapstadt, kennengelernt haben, ist wenige Tage zuvor auch angekommen – die Welt ist halt doch einfach klein. Mit einem weiteren französischen Paar, das ebenfalls die gleiche Strecke fuhr, trafen wir uns in einem Biergarten in Kapstadt und tauschten unsere Geschichten von Regenwäldern, korrupten Polizisten und anderen erinnerungswürdigen Momenten aus. Immer schön, wenn man Leute wieder trifft, die so richtig nachempfinden können, was man erlebt hat. Kleiner „Funfact“ (es hat natürlich wenig mit selbigem zutun): Kurz stand in Sierra Leone im Raum, dass ich mit eben diesem belgischen Paar weiterfahre, als unklar war, ob es für Jannick nach einem Überfall weiterging…

Ebenso bemerkenswert war, wie motiviert meine Bekannschaften aus dem Hostel für sportliche Aktivitäten waren. Am selben Tag wurde ich gefragt, ob wir nicht auf den Devil’s Peak wandern möchten. Dieser ist der unscheinbare Nebengipfel vom mächtigen Tafelberg, aber verhältnismäßig wenig besucht. Warum dieser Gipfel „Teufelsspitze“ heißt? Geschichtlich interessierte Leser können sich gerne hier darüber informieren: Devil’s Peak
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen, wodurch bereits das Programm für den nächsten Tag stand. In Bewegung bleiben abseits von zwei Rädern ist wohl die beste Idee.
Erwähnenswert ist, dass das Wetter hier in Kapstadt in den Tagen meiner Ankunft eher durchwachsen war. Sehr windig und immer mal wieder Regenschauer. So auch in der Nacht vorher, dass wir auf einem stellenweise etwas morastigen Pfad die knapp 650 Höhenmeter bis zu dem Aussichtsberg hinaufstiegen. Mit der steilen Wegführung und stellenweise sehr zerklüftetem Felsgelände im Gipfelbereich glich es fast einem „Appetizer“ auf die Rückkehr in die heimischen Berge.



Immerhin: Nach lange bewölktem Aufstieg riss der Himmel pünktlich am Gipfel auf und wir konnten eine atemberaubende 360-Grad-Aussicht genießen. Der Blick schweife von der Innenstadt und Meeresbucht von Kapstadt im Norden hin zu Tafelberg und Lion’s Head sowie dem offenem Meer im Westen, dem Blick in Richtung Kap im Süden sowie dem unendlichen Expansionsraum von Kapstadt und den Cape Flats im Osten.
Der Wind hier oben war freilich beißend und stürmisch, sodass man es ohne halbe Erfrierung nicht allzu lange da oben aushalten konnte. Rasch traten wir daher wieder den Abstieg an und waren wohlbehalten zur Mittagszeit wieder unten im Tal.
Für den nächsten Tag, Freitag, war nun etwas geplant, was ich seit geraumer Zeit nicht mehr getan habe: Ausgehen! Problem hierbei: Ich habe keine passende Kleidung mehr dabei. Nach dem Ende der „Malariazone“ in Namibia habe ich meine letzte lange Hose aussortiert. Wie soll ich denn so in eine Bar gehen?! Die Lösung: Auf einem der zahlreichen Märkte eine für günstiges Geld shoppen. Eventuell ja auch vorteilhaft für die bevorstehende Rückkehr ins herbstkalte Deutschland 😉
In Form einer Cordhose wurde ich fündig und verbrachte den restlichen Tag eher mit Erholung. Mein Schlafrhythmus ist nämlich immer noch so gar nicht ausgehtauglich. Mal schauen…
Der Abend war dann vor allem geprägt von einem interessanten Bargespräch mit einem Reisenden aus Wien, hauptberuflich Marketingmanager. Er gab mir wertvolle Tipps, wie ich ein Konzept für ein Buch über die Tour aufsetzen könnte. Schauen wir mal, was daraus wird…
Obendrein ist erwähnenswert: Als wir später noch in eine Bar ausgingen, lief der Transport natürlich sicherheitshalber mit einem UBER. Richtig unsicher fühlt man sich in Kapstadt jedoch auch bei Dunkelheit in den belebten Straßen kaum. Es wird ja immer als ein „heißes Eisen“ beschrieben. Auch wenn ich jetzt gewiss nicht verharmlosen möchte. Das spiegelt lediglich meinen subjektiven Eindruck wider. Die Bar konnte man umgangssprachlich wahrhaft als „fancy“ bezeichnen. Umso erstaunter war ich, dass neben adrett gekleideten Partygästen hier auch auch Menschen in Shirt und Badehose den Eindruck prägten. Die lange Hose hätte ich mir wohl doch sparen können. Insgeheim sind auch nach 15 Monaten die Fesseln des heimischen Standards wohl noch nicht komplett gelöst…
Um 3 Uhr ging’s schließlich ins Bett. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal so spät schlafen war…
Gottseidank war ich am nächsten Morgen fit, denn es stand ein ganz besonderes Treffen bevor: Die Heimat zufällig zu Besuch in Form eines Südafrikaurlaubs. Wir verabredeten uns mittags am Hafen von Kapstadt zu einem gemeinsamen Mittagessen und anschließendem Spaziergang an der Waterfront. Da trifft man einfach bekannte Gesichter am anderen Ende der Welt…verrückt!


Natürlich durfte ich wiederum auf dem kurzen Treffen viel erzählen. Hieran werde ich mich wohl eh gewöhnen müssen bzw. dürfen, sobald ich zurück bin 😉 Letztendlich blieb es erstmal bei diesem kurzen Heimatgefühl, da ich ja noch ein paar Tage hatte in dieser Stadt, während der Kollege am Ende seines Trips war und am nächsten Tag bereits heimflog.
Am Abend bei der Rückkehr ins Hostel gab’s den nächsten „Hammer“, wenn man so will. Meine Bekanntschaften kamen spontan auf mich zu: „Lust, morgen den Sonnenaufgang am Signal Hill zu erleben? 5 Uhr Treffpunkt und Aufbruch!“ Puhh – ich überlegte kurz, schließlich habe ich letzte Nacht schon nur 5 Stunden geschlafen. Schließlich ließ ich mich aber natürlich mitziehen. Komm, wer weiß, wann du nochmal in Kapstadt bist?!
Der Signal Hill ist der dritte und kleinste Hausberg von Kapstadt, direkt neben dem Lion’s Head. Gewissermaßen ein Hügel, der sich ca. 300 Meter über der Stadt erhebt.
Ich schlug mir die nächste Nacht um die Ohren und war nach kurzer Anfahrt per UBER bereit für die nächste Wanderung. Belohnt für das frühe Aufstehen wurde man mit einem wiederum beeindruckenden Sonnenaufgang über dem Lichtermeer von Kapstadt. Leider konnte man nicht lange verweilen, da ein wieder ein geradezu stürmischer Wind blies. Dank dieses typischen, im vorherigen Blog verlinkten „Kap-Doktors“ zeigte sich am Tafelberg das Tischtuch in geradezu beeindruckender Manier. Auf unserer Seite, der nordwestlichen, windabgewandten Lee-Seite des Tafelbergs konnte man live mit ansehen, wie die Wolken ähnlich eines Wasserfalls an der Bergflanke hinuntersanken. Quasi Erdkunde und Meteorologie in live in Natur. Ich musste an einen Bekannten Merkspruch aus dem Geographieunterricht denken, angelehnt an Seefahrer: „Kotzte ins Lee, geht’s in die See, kotzte ins Luv, kommt’s wieder ruf‘!“



Im magischen ersten Tageslicht setzten wir bei windiger, aber wunderschöner Stimmung den sonntäglichen Morgenspaziergang fort, ehe es zurück in die Unterkunft ging und noch einmal etwas Schlaf nachgeholt wurde.
Der Sonntag war auch deswegen so ruhig, weil eben aufgrund des Windes der an diesem Tag geplante Cape Town Marathon kurzfristig abgesagt wurde. In diesem Sinne tun mir all die Läufer leid, die extra hierfür nach Kapstadt gekommen sind. Vermutlich ein finanzieller Schaden in Millionenhöhe bei einem solchen Großevent…
Gottseidank stand ein Marathon erstmal nicht auf meinem Plan. Stattdessen war der Tag von Ausruhen geprägt nach den vielen Aktivitäten mit wenig Schlaf. Muss auch mal sein…
Zudem deutete sich für den folgenden Montag ein Wiedersehen an: Jannick sollte nach mehreren Tagen Auszeit im Küstenort Langebaan nun auch nach Kapstadt kommen. Freilich musste er aber erstmal gute 120 Kilometer herradeln.
So erkundete ich mit meinen Hostelfreunden tagsüber noch die andere Seite von Kapstadt: Das Township „Langa“ in Form einer geführten Tour (alleine wäre es doch etwas gewagt). In Kapstadt sind die Gegensätze zwischen arm und reich nämlich wieder enorm, was natürlich auch zu den ein oder anderen Kriminalitätsfällen führt.
Dieses Township ist eines der ältesten und auch bereits am weitesten entwickelten, somit auch potentiell weniger gefährlich. Mit den geführten Touren hat man hier eine gute Einnahmequelle erschlossen, die den Wohlstand in dem Viertel merklich anstiegen ließ. Dennoch ist die Armut vor Ort natürlich immer noch greifbar.
Der einheimische Guide gab uns Einblicke in die laufenden Projekte zur Entwicklung der Region. Beispielsweise ein Lebensmittellieferservice per Fahrrad, der jungen Menschen eine Einnahmequelle bieten soll. Oder ein Jugendzentrum mit Spielmöglichkeiten und „kreativer Ecke“, um neue Projektideen zu generieren. Oder auch ein Ort zum Erlernen der Basicfähigkeiten am Laptop sowie zum Arbeiten für junge Menschen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ein Studium anzufangen und mit einer fundierten Ausbildung die Region weiterzubringen.
Insgesamt eine sehr positive Entwicklung, auch wenn die Geschichte des Viertels von Segregation und Apartheid geprägt ist. Unter der Herrschaft von europäischen Siedlern im 19. Jahrhundert war im Gesetz verankert, dass schwarze Menschen und Frauen, die nicht aus Kapstadt kommen oder bereits lange dort leben, keine Rechte besitzen.
Flächen für weiße Menschen wurden strikt getrennt. Beschriebene Personengruppen mussten sich mit einem „Dompas“ identifizieren beim Eintritt in diese Flächen. Verstöße gegen diese Gesetzte wurden rigoros mit Inhaftierung bestraft. Und das nicht zimperlich: Mehr als 200 Menschen wurde in eine kleine Zelle von vielleicht 40 Quadratmetern hineingequetscht. Sogar bei der vorherigen Gerichtsverhandlung wurde strikt getrennt nach Hautfarbe und Geschlecht. Im Jahre 1960 gab es einen historischen Protest. Das Ende dieser Praxis wurde aber letztlich erst in den 1980er Jahren erreicht…

Nach all diesen Eindrücken muss man für sich selber doch wieder sagen, dass man froh sein kann, doch in einer solch libertären Gesellschaft in Verbindung mit Wohlstand groß geworden zu sein. Klar, auch bei uns ist nicht alles perfekt. Dennoch sollte man sich bei solchen historischen Begebenheiten doch immer der Privilegien bewusst sein, die wir genießen…unter anderem auch, so eine Reise wahrnehmen zu können. Man kann immer wieder betonen: Es ist nicht selbstverständlich. Und man selber hat genügend Gegenden bereist in diesen 15 Monaten, wo es eben nicht möglich ist, so etwas zu machen.
Nach der Rückkehr ins Hostel verbrachten wir den Nachmittag an einem der unzähligen Strände rund um Kapstadt bei dem doch zunehmend heißen Wetter an diesem Tage. Am frühen Abend ging’s zurück und nach kurzer Wartezeit war es im letzten Tageslicht schließlich soweit: Jannick ist da, hat sich 120 Kilometer durch den Gegenwind gekämpft! Hut ab mein Freund! Und Gratulation!! Jetzt hast auch du es geschafft! Und wir sind auf die letzten Tage wieder vereint! Ich habe definitiv an dich gedacht, wie du dich durch den Gegenwind quälst, während ich faul am Strand lag 😉

Spaß beiseite – nach gemeinsamem Transport von Taschen und Fahrrad ins Hostel, sowie einem gemeinsamen Abendessen, fiel Jannick tot ins Bett. Mal schauen, ob das was wird mit baldiger Regeneration bei den Aktivitäten, die noch auf dem Programm standen die nächsten Tage 😁


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