27. Dezember – die Weihnachtsfeiertage waren vorüber, der Kurzurlaub in Zebrabar in paradiesischer Lage vorbei! In Deutschland beginnen die Werkstage wieder, und auch wir gehen nun wieder mir Vollgas unserem aktuellen Business nach: Afrika per Rad erkunden!
Na ja – „Vollgas“ war an diesem Tag relativ. Eigentlich wollten Lucas und ich früh starten, um Jannick einzuholen, der am Tag vorher losgefahren ist. Nun hatte Lucas jedoch Probleme mit beiden Reifen, die platt waren. Zudem vergaß er, sich an den Ruhetagen um die Fahrradprobleme zu kümmern – oder war, wie er selber sagte, vielleicht auch einfach zu faul 😉
Nach ausgiebigem Frühstück nahm dieser Eingriff jedenfalls sehr viel Zeit in Anspruch. Vor allem, wenn das Flicken nicht funktioniert und letztlich doch der Schlauch ausgetauscht werden muss, um loszukommen.
Es ist zudem nicht negativ oder böse gemeint (bitte nicht falsch verstehen, liebe Leser), aber Lucas ist noch weniger Morgenmensch als Jannick. Das berühmt-berüchtigte „Trödeln“ ist an einigen Morgenden wie auch diesem allgegenwärtig. Muss ja auch nichts schlechtes sein – ich würde mir manchmal die Entspanntheit wünschen 🫠
Um 11:30 Uhr waren wir schließlich erst auf der Strecke. So schlug Jannick zwar Zeit tot ohne Ende und drehte noch eine Extrarunde – einholen konnten wir ihn an diesem Tag jedoch nicht.
Zum Start drückten wir wahrlich auf die Tube und erreichten durch einige kleinere Dorfe den ersten etwas größeren Ort, Léone, mit Verpflegungungsmöglichkeiten. Wir überlegten, nach diesen 25 Kilometern Pause zu machen, entschieden uns aufgrund des späten Starts jedoch dagegen. Schließlich hatten wir noch viel vor an diesem Tag. Bei einer Abkürzung merkten wir zudem, dass hier wirklich immer nur die Hauptstraße gut asphaltiert. Auf den sandigen Nebenstraßen heißt es dann zumindest phasenweise: „Wer sein Rad liebt, der schiebt…“
Beinahe hat sich der Entschluss des Überspringens der Verpflegungsmöglichkeit gerächt. Danach kam bis auf kleinere Siedlungen über dutzende Kilometer nichts. Nach genau 50 Kilometern machten wir also an einem herrenlosen Unterstand am Straßenrand Pause und aßen unsere einzigen Snacks: Ein paar übrig gebliebene, hartgekochte Eier.

Weitere 20 Kilometer später sollte schließlich der nächste größere Ort kommen, der sich bereits durch eine Zunahme von Sand links und rechts der Straße ankündigte: Lompoul. Ums Eck befindet sich die Wüste von Lompoul mit großen Dünen. Wir verzichteten jedoch gerne, hatten genug Wüste erlebt 😉
Stattdessen fanden wir auf Nachfrage schnell einen Stand am Markt des Ortes, wo man uns auch am fortgeschrittenen Nachmittag noch ein Essen zubereiten konnte. Es gab Thieboudienne, das senegalesische Nationalgericht, auf Wolof: „Fisch mit Reis“. Apropos Wolof: Aufgrund der senegalesischen Hauptsprache neben Französisch birgt die Kommunikation auf Französisch hier immer mal wieder Schwierigkeiten, da die Einheimischen häufig zu Wolof wechseln, wenn sie mit einem auf Französisch kommunizieren möchten.

Es war auf jeden Fall sehr lecker und auch am Nachmittag eine perfekte Pausenmahlzeit, für 1.000 Francs (ca. 1,50 Euro) war ein Teller dazu wirklich günstig. Aus Gründen der Zeitersparnis holten wir uns zum Abendessen einfach etwas Obst und fuhren weiter, wie vorher immer Überland. Übrigens auch wieder in munterem Auf und Ab mit mal wieder über 500 Höhenmetern am Ende.
Als wir an dem nächsten größeren Ort, Darou Fal, ankamen, war der Sonnenuntergang bereits nicht mehr fern. In dem Ort herrschte auf schlagartig extrem schlechter Fahrbahn reges Treiben, vier Kilometer quetschten wir uns an Autos, Menschen und Schlaglöchern vorbei, ehe es wieder ruhiger wurde. Wo schlafen? Es wird langsam dunkel. Als wir schließlich ein ein Feld mit Bäumen und Büschen, hinter denen man sich verstecken kann, sahen, wählten wir diese Notfalllösung: Einfach hier schnell runter und querfeldein 200 Meter weg von der Straße irgendwo schlafen. Tierkot war hier zumindest nicht ersichtlich, sollte also schon klargehen…

Nach Zeltaufbau war es dann auch schon Nacht und die Notlösung erwies sich als sehr ruhiger Platz, um nach genau 100 Fahrradkilometern zu regeneriern.
Am nächsten Tag war unser Ziel der Lac Rose („Rosa See“), genau 80 Kilometer entfernt. Hier hatten wir gegen eine kleine Gebühr bereits eine Schlafgelegenheit an einem Restaurant direkt am See sicher. Den Namen hat der See aufgrund seiner durch eine bestimmte Bakterienart hervorgerufene Rosafärbung, besonders in der Trockenzeit von November bis Juni hat man wohl gute Chancen, das Naturspektakel bewundern zu können. Zudem hat der See einen Salzgehalt von fast 400 Gramm pro Liter und ist somit einer der salzhaltigsten Seen der Welt – durch den Salzgehalt wird auch das angesprochene Bakterium angezogen.
„Also nichts wie hin!“, so lautete das Motto. Der Morgen verlief jedoch wieder schleppend, so dass wir erst um 10:30 Uhr auf der Piste waren. Jannick war da tatsächlich schneller und startete vor uns. So wurde einfach der See als Treffpunkt ausgemacht. Als wir loskamen, blieb die Asphaltstraße weiter in miserablem Zustand und mit Schlaglöchern durchsäht. Schnell erreichten wir den nächsten größeren Ort: Mboro. Chaotischer Verkehr, ramponierte Straße, viele Menschen, reges Markttreiben entlang der Straße – so stellt man sich einen afrikanischen Ort vor! Für eine Pause in dem hektischen Treiben war es uns aber dann doch noch zu früh, sodass wir noch einen Ort weiterfuhren, wo es etwas geschützt am Ortsrand Baguette mit Schokoladenpaste gab. Nicht unbedingt gesund, aber den Zweck der Hungerstillung hat’s erfüllt.
„Geschützt“ heißt in diesem Fall übrigens: Ein Ort, wo man nicht nach wenigen Sekunden von zahlreichen Kindern umringt ist, die „Donne l’argent!“ schreien („Gib Geld!“). Sagen wir es so: Bei Menschen, die sich für mich als Mensch und nicht als „reicher“ Mitteleuropäer interessieren und sich bemühen, mir die Geschichte, Menschen und Kultur des Senegals näherzubringen, öffne ich gerne freiwillig den Geldbeutel. Aber weiter möchte ich auch nicht eingehen auf dieses doch sensible Thema…man wird sich an diese Umstände eh gewöhnen müssen.

In diesem Trott fuhren wir also weiter, immer der Hauptstraße folgend und das ein oder andere Dorf durchquerend, ehe 10 Kilometer vor dem Ziel der Abzweig zum See kam. Damit war auch das Ende des zumindest zeitweise zuverlässigen Asphalts erreicht, der Weg wurde zu einer Sandpiste. Zuerst konnte das meiste noch gefahren werden, ehe die letzten Kilometer bereits am See der Schiebeanteil größer wurde. Etwas müde war das Ziel letztlich erreicht.
Müde und auch etwas enttäuscht: Der Lac Rose hätte nämlich eher die Farbe „Lac Noir“ („Schwarzer See“) verdient, eine ölige Dreckbrühe. Von rosaroter Seeidylle keine Spur…
Auf Nachfrage ist wohl tatsächlich die Regenzeit dieses besonders heftig ausgefallen und noch nicht lang genug her. Hierdurch wurde der Salzgehalt gesenkt. Zudem sei es aktuell auch „kälter“ als zu anderen Jahrezeiten, wodurch die Verdunstung niedriger ist. All das drückt den Salzgehalt und damit das Vorkommen des verantwortlichen Bakteriums. Na gut – dann hat es wohl nicht sollen sein.
Immerhin war es das einem trotzdem wert, in einem der salzhaltigsten Seen der Welt auf der Oberfläche zu liegen und ein Selfie inmitten der Ekelbrühe zu knipsen. 😉🤢

So begnügten wir uns mit einem entspannten Abend in unseren Zelten in erster Reihe am See. Immerhin die Morgenstimmung am windstill daliegenden See am nächsten Morgen hatte dann durchaus etwas sehenswertes.

Bald packten wir danach aus unsere Sachen und machten uns dann auf den Weg in Richtung der Hauptstadt Dakar, gute 35 Kilometer entfernt – scheinbar.
Als wir nach einer Stärkung in Form von Sandwiches im Ort am Fuße des Sees unsere geplante Route einschlagen wollten entlang der Atlantikküste, pfiff uns ein Einheimischer zurück: Viel zu sandig, da werden wir keine Freude haben. Wir sollten lieber einen Bogen fahren und dann später zurück zur Küstenstraße.

So fuhren wir weg vom Meer und versuchten nach einigen hundert Metern, den Bogen zurück zur Küste in einer etwas größeren eingezeichneten Parallelstraße einzuschlagen. Doch auch diese wurde bald zur Schiebepiste. Wieder empfahl uns ein Einheimischer, zurück zur Hauptstraße zu gehen und in weitem Bogen außenrum zu fahren. 10 Kilometer mehr – aber halt Asphalt.

Wir hielten den Umweg letztendlich doch für sinnvoll und bissen in den sauren Apfel. Die Straße war nun in Ordnung, der Verkehr in den Vororten von Dakar jedoch bereits hektisch und überlaufen. Nach einigen Kilometern im Stau kamen wir immerhin zurück zur Küstenstraße auf eine nun hervorragend ausgebaute Bundesstraße mit Seitenstreifen für Rad- und Mopedfahrer.

Komfortabel ging es bis weniger als 10 Kilometer vor dem gebuchten Airbnb im Stadtteil Ngor im Nordwesten der Halbinsel dahin. Schließlich musste man jedoch die Bundesstraße verlassen und sich wieder durch das umfangreiche Straßennetz Dakars kämpfen. Wiederum waren auch einige Nebengassen lediglich Sandpisten oder verkommene Straßen voller Schlaglöcher. In dem wilden Verkehr erlebten wir an einem Kreisverkehr sogar einen frischen Unfall – wundert mich hier ehrlich gesagt eher weniger.
Bald haben wir es jedoch überstanden und waren am Ziel des Airbnbs angekommen. Dort jedoch der nächste Schock: Das gebuchte Airbnb entsprach in keinster Weise den Bildern des Inserats, war unsauber, ohne Küche sowie mit vollurinierter Toilette vorgefunden worden. Zudem war hier eine Übernachtung für drei bis vier Personen schlicht unmöglich, es glich eher einer Münchner Ein-Personen-Wohnung im Zentrum.
Immerhin war der sich in Spanien befindende Vermieter im Telefonat verständnisvoll gestimmt und wir einigten uns einvernehmlich auf eine Stornierung. So standen wir nur nachmittags ohne Unterkunft da.
Nach kurzer Recherche fanden wir schließlich einen Kilometer weiter eine Unterkunft. Nach dem Hinüberrollen und Besichtigen war diese ein Volltreffer: Frei, zwei ausreichend große Zweierzimmer sowie eine Möglichkeit, die Fahrräder abzustellen. Hier buchten wir dann auch gleich vier Nächte, um Dakar über den Jahreswechsel ausgiebig erleben zu können.
Nach dem stressigen Tag bei außerdem schweißtreibenden Temperaturen beließen wir es am gleichen Abend jedoch freilich nur noch bei einer Abkühlung am Strand von Ngor ums Eck sowie einem kurzen Spaziergang zu einem Supermarkt in der Nähe, der mit seinem Angebot fast an europäische erinnerte. Ein fast ungewohnter Anblick, die Lebensmittelvorräte wurden ordentlich nachgefüllt.

Auf dem Rückweg holten wir uns noch Streetfoot in Form von Reis mit Mafé- und Saga-Saga-Sauce. Dass diese aus Chilis bestand, wurde mir dann erst bei der Verköstigung bewusst. Das Schärfeerlebnis war an der Grenze…wenn auch nicht so heftig wie bei der Habanero in Nuakchott.

Zwar konnte man nun beruhigt ausschlafen in einem komfortablen Bett, die To Do’s rissen jedoch nicht so schnell ab. Eine große Stadt – das bedeutete auch wieder die Verfügbarkeit von Fahrradläden. Und das Fahrrad brauchte nach allem dem Wüstenverschleiß wohl doch dringend eine Wartung. Auch Lucas schloss sich mir an, sein Fahrrad verlor sogar zwei Speichen am Hinterrad, musste also dringend auf Vordermann gebracht werden.
Da der am meisten empfohlene Fahrradladen genau im Zentrum Dakars lag, mussten wir vom Apartment aus erst einmal 11 Kilometer hinfahren durch den Metropolenverkehr. Wir nahmen es positiv: Das lässt sich dann ja auch wunderbar mit Sightseeing in Einklang bringen.
So stürzten wir uns alsbald in die Hektik der senegalesischen Hauptstadt und machten perfekt auf halber Strecke einen Stop beim Monument de Renaissance, mit 52 Metern das größte Dankmal Afrikas auf einem ca. 100 Meter hohen Hügel nordwestlich vom Zentrum. Schon bei Anfahrt merkt man, dass es etwas bergauf geht😉
Das Denkmal mit der aus dem Vulkan steigenden Familie mit Kind soll den Grundgedanken der afrikanischen Renaissance nach Zeiten Kolonialismus und Unterdrückung widerspiegeln. Das Denkmal ist zudem gar nicht so alt, erst im Jahre 2010 wurde es zum 50-jährigen Bestehen der Unabhängigkeit von Frankreich eröffnet.

Wir knipsten eifrig Bilder und genossen die Aussicht über die Halbinsel Dakars. Einen Besuch der Ausstellung und der Aussichtsplattform im Inneren des Denkmals ersparten wir uns jedoch, da wir unsere Fahrräder nun zum Laden bringen wollten.

Nach dem Denkmal wurde der Verkehr dann auch gleich nochmal viel verrückter, aber irgendwie schlängelten wir uns an der Blechlawine vorbei bis zum Fahrradladen „Espace Velo“. Nach kurzer Erklärung etwaiger Probleme am Zweirad machten sich Lucas und ich auf zu einem Erkundungsspaziergang durch das Zentrum.
Erst gingen wir zu der Moschee von Dakar, wo man jedoch als Nichtmoslem keine Chance hat, Eintritt zu bekommen – diesmal war leider kein Konsularmitarbeiter in unserer Begleitung 😉
Weiter gingen wir durch einige Shoppingstraßen (ein Garminkabel hatten jedoch auch die Läden hier nicht 🫣) zum Place de l’independence, der zu Kolonialzeiten noch nach einem französischen Gouverneur benannt war, ehe er zum zentralen Platz Dakars und einem Symbol für Unabhängigkeit und Souveränität des Senegals wurde.

Der Platz hätte sich mit seinen schattigen Grünflächen auch gut für eine Pause angeboten, doch leider war alles besetzt, sodass wir unseren Spaziergang weiter fortsetzten in Richtung Küste. Direkt ums Eck vom Hafen fanden wir einen fast unbehelligten, ruhigen und sauberen Strand. Wir machten hier dann dafür ausgiebig Pause und erfrischten uns im einladenden Atlantik.

Weiter gingen wir schließlich zurück in den Trubel rund um den Hafen sowie den durchaus ansehnlichen Hauptbahnhof von Dakar – ein moderneres Bahnhofsgebäude als so manche in Deutschland 😉
Mitten im Verkehrschaos des dem Bahnhof vorgelagerten Kreisverkehrs zeigte sich noch das Denkmal „Demba et Doupont“. Das Denkmal ist ein Kriegsdenkmal aus dem Jahre 1923 in Anlehnung an den 1. Weltkrieg und zeigt, wie ein senegalesischer („Demba“) und ein französischer („Doupont“) Soldat gemeinsam zum Sieg marschieren. Die Namen wurden deshalb ausgewählt, da es typische und weit verbreitete Namen in Westafrika und Frankreich waren bzw. sind, ähnlich wie bspw. Michael oder Paul im deutschsprachigen Raum. Als Fußballfan musste ich natürlich bei dem Namen Demba auch direkt an einen senegalesischen Fußballspieler denken, der ehemals bei der TSG Hoffenheim auf sich aufmerksam machte 😉

So viel zu diesem kurzen Einwurf. Wir gingen weiter, ehe wir schließlich wieder den Radladen erreichten. Immer wieder passierten wir zwischen den chaotischen Hauptstraßen einige Wohnviertel aus Sandpisten. Schon faszinierend, wie zwei Ecken hinter den busy Hauptstraßen doch ein komplett anderes Leben tobt…
Als wir wieder am Radladen waren, trafen wir wieder auf einen alten bekannte: Leon, der nun auch Dakar erreicht hatte und hier ebenfalls sein Fahrrad auf Vordermann brachte.

Ich war sehr zufrieden, sogar eine Bruchstelle am Gepäckträger wurde mir wieder zusammengeschweißt für einen fairen Preis. Zudem bekamen wir kostenlos noch regionalen Jus de Bissap angeboten – herrlich erfrischend!
Am frühen Abend mussten wir uns freilich noch einmal durch den Rushhour-Verkehr zurück zum Hostel kämpfen. Wieder eine absolute Konzentrationsübung, aber irgendwie auch spaßig, sich wie im Slalom zwischen den Autos im staunenden Verkehr durchzuschlängeln.

Unterdessen ist auch Christel in unserem Hostel dazugestoßen. Sie wird ihre Tour an der Grenze zu Guinea-Bissau im südlichen Senegal beenden. Um die restlichen Tage nochmal mit uns fahren zu können, hat sie sich vom deutschen Paar verabschiedet und ist innerhalb von vier Tagen die über 400 Kilometer von Nouakchott nach Dakar runtergedüst – das nenne ich mal Einsatz für ein Abschiedswiedersehen!
Schließlich ruhten wir uns aus nach diesem ereignisreichen Tag, da wir uns am nächsten Tag bereits mit Leon verabredet haben, um die Île de Goree zu besichtigen. Das bedeutet so viel wie „sicherer Hafen“ auf niederländisch. Jenes Land hat einst unter anderem die Insel besetzt. Sie liegt südöstlich von Dakar in einer geschützten Bucht, woher auch dieser Inselname kommt, abgeschirmt von Wetterkapriolen wie Sturmfluten. Bekannt ist sie als Gedenkstätte für den Sklavenhandel zu Kolonialzeiten. Sie soll der zentrale Verschiffungspunkt für Sklaven gewesen sein. Die Betonung liegt hierbei auf „soll“ – mehrere Studien gehen davon aus, dass es sich hierbei lediglich um einen Mythos handelt und bspw. Saint-Louis eine deutlich gewichtigere Rolle gespielt haben soll.
Wie dem auch sei – nach einigem Chaos bei der Überfahrt zur Insel und bis zu zwei Stunden Wartezeit war selbige dann irgendwann doch erreicht und begrüßte uns mit ihren bunten Kolonialgebäuden im Hafen.

Ein Besuch im Museum der Sklaverei war natürlich ein Muss. Es war durchaus schockierend, in Form einer Ausstellung nachzuempfinden, welch Leid und Demütigung den Betroffenen widerfahren sein muss, wie diese bspw. bei der Überfahrt an Standorte aus der neuen Welt in Amerika im Rahmen des bekannten Dreieckhandels massenweise verhungert sind.


Interessant war für mich zu sehen, dass unter den Sklavenhändlern auch einer der seltenen Namensvetter von mir vertreten war aus früheren Zeiten – auch wenn ich natürlich ungerne mit solchen Gräueltaten in Verbindung gebracht werden möchte 😉

Nach dem Sklavenhaus besuchten wir auf dem Hügel der doch sehr touristischen Insel das Denkmal Gorée-Alamadies als Symbol für den Kampf gegen die Sklaverei. Direkt daneben steht eine Kanone aus Weltkriegszeiten. Sie wird „Kanone von Navronne“ genannt, da genau an diesem Ort Dreharbeiten für den gleichnamigen Oscar-Film stattgefunden haben. Man hat da oben aber auch einen guten Blick auf die Skyline des Zentrums von Dakar sowie allgemein die Halbinsel.



Unser Spaziergang, begleitet von so manchen freilaufenden Ziegen – eben normal in Afrika – führte uns anschließend noch durch das Wohnviertel der Insel, wo die Kinder fröhlich dem runden Leder hinterherlaufen – auch einfach typisch hier.


Schließlich kamen wir wieder am Hafen an. Nach kurzer Besichtigung der „Statue de liberation de l’esclavage“, Symbol für die Befreiung von Sklaverei, gab es noch ein obligatorisches Bad am dem malerischen Strand der Insel, ganz abseits der Touristenpfade.


Abends legte dann die Fähre wieder ab Richtung Festland – diesmal ohne Verzögerungen – was ein toller letzter Tag des Jahres.

Nachdem wir die Partyvorbereitungen am Place de l’independence nach Sonnenuntergang gesehen haben, überlegten wir kurz, dort zu feiern. Schließlich entschieden wir uns aber doch für die Rückkehr per Taxi zum Hostel außerhalb vom Zentrum und das neue Jahr am Strand ums Eck zu begrüßen.
Nach ein paar Bier und netten Gesprächen im Hostel gingen wir zum Strand, um ins Jahr 2025 zu rutschen. Bzw. ich schwamm zünftig ins neue Jahr mit einer kleinen Badeeinlage zu Neujahr, nachdem das Feuerwerk im Vergleich zu heimischen Verhältnissen doch eher dürftig ausfiel. Wir stießen an auf ein erfolgreiches 2025 und mussten uns fast ein wenig kneifen bei dem Gedanken, dass wir vor einigen Monaten gemeinsam in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas gestartet sind und uns nun in der senegalesischen Hauptstadt befinden.

Im weiteren Verlauf der Nacht suchten wir in unserem angetüdelten Zustand – man ist Alkohol einfach nicht mehr gewohnt – nach einem Nachtclub in Dakar. Der erste Besuch eines solchen seit langer Zeit war uns jedoch nicht vergönnt – die Kleidung in unserem Gepäck ist letztlich einfach zu legere. Für unsere Fahrradtour brauchen wir ja auch keine Business-Kleidung…
Letztlich genossen wir ein wenig die Atmosphäre auf den Straßen rund um Ngor, ehe wir dann um halb 4 doch mehr oder weniger zeitig im Bett waren.
Neujahr galt dann auch ganz der Erholung nach langem Ausschlafen. Ein Highlight war jedoch nochmals Pflicht: Der westlichste Punkt des afrikanischen Kontinents! Nach einem Spaziergang von drei Kilometern standen wir an dem Ort mit den typischen Entfernungsschildern zu berühmten Städten. Für Kapstadt wurden 6.606 Kilometer angezeigt – Luflinie. Wie schön es doch wäre, wenn man mit dem Fahrrad über das Wasser fahren könnte…so sind es doch immer noch knappe 12.000 Kilometer bis zum Ziel, während wir gute 8.500 Kilometer seit Ende Juli bereits zurückgelegt haben.



Die Fortsetzungen folgt nun im Jahre 2025, das wohl zu einem der spannendsten in meinem bzw. unserem Leben werden wird. Zumindest eins ist sicher für den weiteren Reiseverlauf: Ab jetzt geht es tendenziell nur noch in die Himmelsrichtungen Süden und Osten 😉
In diesem Sinne: Ich hoffe, alle Leser hatten einen guten Start ins neue Jahr, auf dass auch bei euch alles in Erfüllung geht, was ihr euch vorgenommen habt für das neue Jahr! 😀


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