Schweren Herzens mussten wir der am Ende doch geliebten Insel Bubaque und dem Bijagos-Archipel „goodbye“ sagen. Aber ab jetzt wird wieder Fahrrad gefahren – wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier! 😉
Zuerst aber mussten wir wieder zum Festland kommen, in den Hafen der Hauptstadt Bissau. Hierhin sollte uns wiederum die kleine Pirogue bringen. Als wir den Kameraden Leon im Hafen empfangen haben am Vortag, fragte ich nach bezüglich der Abfahrtszeit. Ein Mitarbeiter antwortete schlicht mit „Midi“ („Mittag“). „Alors…douze heure?“, fragte ich also nach („Also…12 Uhr?“). Hierauf kam lediglich ein Nicken. Ganz vertraute ich dem Mann nicht, weshalb ich abends auf WhatsApp noch einmal meine Kontaktperson von der Hinfahrt fragte. Das war nicht verkehrt: Er gab mir die Rückmeldung, dass die Pirogue bereits um 11 Uhr fährt. Trotzdem natürlich eine gute Zeit, sodass man sich in der Früh nicht abhetzen musste.

So kamen wir nach entspanntem Frühstück und Zusammenpacken um 10:45 Uhr in den Hafen, wo sich bereits drei weitere Bikepacker eingefunden haben, um nach Bissau zurückzukehren. Insgesamt wurden sechs Fahrräder transportiert, die wiederum abenteuerlich auf dem Dach des Bootes positioniert und fixiert wurden. Unser Boot war insgesamt jedoch wieder angenehm leer und es ging flott voran auf der Rückfahrt. Nach 4 1/2 Stunden erreichten wir wieder den Hafen von Bissau um kurz vor 16 Uhr.

Da ich keine Snacks dabei hatte, war ich ziemlich ausgehungert und freute mich daher sehr über die Hafenverkäufer in Bissau, die neben dem geliebten tiefgekühlten Bissap-Saft auch regionale Backwaren verkauften, unter anderem einen sehr bissfesten Reiskuchen, garniert natürlich mit jeder Menge Zucker. Ein solcher Reiskuchen war jedenfalls ein wahres Energiebündel und stillte meinen Heißhunger nachhaltig.
Derweil beschäftigte uns noch ein anderes Problem: Um nicht komplett den Rio Corubal, der bei Bissau ins Meer mündet, umrunden zu müssen, wollten wir am nächsten Morgen die Fähre nach Enxude auf der anderen Seite des Flusses nehmen. Diese fährt jedoch bereits um 8 Uhr morgens, weshalb wir nach einem Schlafplatz in der Nähe suchten. Außerdem wollten wir den Ticketpreis erfragen. Der Hafenmitarbeiter konnte uns zwar keine genaue Auskunft geben, bot uns aber an, direkt am Hafen unsere Zelte aufschlagen zu können – wie praktisch.
Anschließend teilten wir uns auf, weil Jannick bei Diallo noch sein Fahrrad reparieren wollte und Leon noch einmal kurz die wichtigsten Sightseeinghighlights abklappern wollte. Lucas und ich entspannten etwas und wollten anschließend Geld holen bei einem Automaten in der Nähe. Hier standen jedoch die Leute Schlange vor dem ATM, weshalb wir dann doch hiervon Abstand nahmen. Auf Nachfrage hieß es, dass heute wohl Zahltag bei den meisten Unternehmen sei und daher die Automaten im Dauereimsatz sind für die Überweisungen. Wir sollten am späten Abend noch einmal vorbeischauen.
So radelten wir bei einsetzender Dunkelheit noch einmal über den Markt von Bissau etwas außerhalb vom Zentrum, um Streetfood zu ergattern. In Form von Spaghetti mit Zwiebelsoße und Bohnen wurden wir fündig, ehe wir nach kleiner Runde wieder an der Bank vorbeifuhren. Hier kamen wir diesmal schnell an die Reihe – doch einzig Leons Visa-Karte funktionierte hier, sodass er für uns alle abhob und wir ihm das Geld per Paypal zurücksenden konnten – manchmal geht es auch unkompliziert 😉
Zurück im Hafen kamen wir wieder an den angedachten Zeltplatz zurück. Als wir gerade nach einem Platz suchten hielt uns jedoch ein Mann auf, der meinte, dass wir auch im Hafengate schlafen könnten, wo es sicherer sei. Als wir nach dem Preis fragten, wollte der Herr nichts zwingendes, wir könnten ja einen Kaffee springen lassen. So gingen wir zum Hafentor, wo mittlerweile bereits eine andere Person arbeitete als der Ansprechpartner vom Nachmittag. Er wollte sich natürlich auch gerne schmieren lassen und fragte ebenfalls einen kleinen Betrag nach für das sichere Campen. Wir wurden zur Hafen-Immigration geführt, wo wir nebendran unser Lager aufschlagen konnten. Wir mussten beim Immigrations-Offizer jedoch unsere Reisepässe vorlegen, damit er weiß, wen er heute hier bewacht. Außerdem nahm er ebenfalls 2.000 CFA. Welch Ironie, dass er gleichzeitig einen BMW besaß – der hat die Korruption mit Sicherheit nötig😉 Am Ende kamen wir mit 4.000 CFA Schmiergeldern aus, bei unserer Vierergruppe also 1.000 CFA bzw. 1,50 Euro pro Person – zu verschmerzen.
Die Nacht war jedoch wenig erholsam. Wir legten uns nämlich nur auf unsere Isomatten direkt neben dem Häuschen und verzichteten auf die Zelte. Aufgrund des vielen Lichts baute ich meine Isomatte ums Eck auf, wo es aussah wie im Verließ. Da hatte ich sicherlich schon attraktivere Schlafplätze auf dieser Reise…

Obendrein weckten uns die Herrschaft um 6 Uhr morgens für den Ticketkauf, obwohl die Fähre erst um 8 Uhr fahren sollte. So verneinten wir und drömelten noch eine Stunde, ehe wir ohne großen Aufwand unser Lager wieder abbauten und alsbald zur Fähre gingen. Der Preis lag bei exorbitanten 9.600 CFA mit Fahrrad (ca. 15 Euro) für vielleicht 50 Minuten Überfahrt. Da die Fähre Verspätung hatte und wir somit noch Zeit, fragten wir im Hafen nach einem Privatboot, welches uns nach Enxude mitnimmt auf die andere Flussseite. Einer bot es uns jedoch auch nur für den gleichen Preis an, weshalb wir schließlich die Fähre akzeptierten. Es fällt zwar etwas aus dem Budget, aber wir sparen uns erstens fast 100 Kilometer Umweg und zweitens wollten wir durch den Parque Natural de Lagoas de Cufada fahren. Hier soll unter anderem das größte Süßwasserreservoir Guinea-Bissaus vorhanden sein.
Als wir die Fähre buchten, wurden unsere Fahrräder mit Hilfe eines Netzes am Kran in die Fähre gehoben – wiederum sehr abenteuerlich. Auch die Freude auf einen Morgenkaffee auf der Fähre war vergebens – es gab lediglich Bier, keinen Kaffee…langsam entspricht diese Tour einer großen Entkoffeinierungskur bei mir.

Als wir in Enxude ankamen, bestand dieser Ort lediglich aus ein paar Verkaufsständen im Hafen. Ich deckte mich mit ein paar Erdnusskugeln ein – einfach nur ein Erdnussgebäck mit Zucker. Schlicht, aber perfekt als Snack für die Fahrt. Außerdem mussten natürlich zwei Bissap-Säfte sein, ehe wir unsere Tour starteten in leicht hügeliger Landschaft durch das ein oder andere Dorf.
Mittagspause machten wir schließlich nach vierzig Kilometern durchgehend über eine rote Sand-Gravelpiste in grüner Landschaft in dem nächsten größeren Ort Fulacunda. Neben dem Nachkauf von dringend benötigtem Wasser bei der tropischen Hitze gab’s natürlich wiederum Reis mit Fisch.

Auf der Weiterfahrt bekamen wir dann tatsächlich ein wenig des Süßwasserreservats zu Gesicht: Immer wieder kreuzten kleine Bachläufe und Tümpel unseren Weg. Für mich waren sie bei der Hitze zu verlockend, als dass ich mich einer Abkühlung hätte entziehen können. Komplett nass radelt es sich dann gleich wieder viel besser.



Wir peilten schließlich den nächsten größeren Ort Buba an, den wir dann zum Sonnenuntergang nach knapp 80 Kilometern auch erreichten. Nachdem wir in der Abendstimmung ein kleines Bad im Fluss „Grande Rio de Buba“ nahmen, bauten wir unser Zeltlager direkt am ruhigen Flussufer auf. Nur wenige Personen verirrten sich hierher, obwohl das Zentrum von Buba nur wenige hundert Meter entfernt war. Aufgrund unseres übernächtigten Zustandes lagen wir schnell in unseren Zelten und genossen endlich eine ruhigere Nacht.


Am nächsten Morgen genossen wir einen wunderbaren Sonnenaufgang über dem Flusslauf, ehe wir es entspannt angehen ließen – wenn auch alles andere als freiwillig. Jannick nämlich hatte sein Visum für Guinea-Conakry erst auf den letzten Drücker beantragt, am Vorabend der Rückfahrt nach Bissau. Nun waren wir noch ca. 50 Kilometer von der Grenze entfernt. Ohne Visum macht das jedoch wenig Sinn…auf die erlösende E-Mail der Visumsbestätigung warteten wir den ganzen Vormittag über vergebens. Immerhin wurde uns kaum langweilig, da neugierige Schulkinder in Uniform in ihrer Pause vorbeikamen und Bilder mit uns machen wollten.




Wir einigten uns schließlich darauf, 25 Kilometer weiter zu fahren in die Ortschaft Mampata und hier die Situation neu zu bewerten. Die Landschaft blieb hügelig, sodass die Strecke trotz wiederum Asphalt in der Mittagshitze durchaus fordernd war. Wir fuhren in dem Ort bis zu dem Abzweig, wo man rechts in Richtung der Grenze nach Guinea-Conakry abbiegen musste. Hier gab es leckeres Omelett-Sandwich und „Café au lait“ – heiße, süße Kondensmilch mit etwas Nescafé.
Jannick wartete weiterhin vergebens auf eine Rückmeldung, weshalb wir entschieden, in dem Ort zu bleiben bzw. dort zu übernachten. Nach Rücksprache mit dem Besitzer durften wir auf dem Fußballplatz des Dorfes unsere Zelte aufschlagen. Natürlich mussten wir damit jedoch bis nach Sonnenuntergang warten, weil hier noch reger Betrieb herrschte in Form von fußballverrückten Kindern.


Ich schloss mich der Bolzerei an und stellte mich ins Tor, als ehemaliger Goalie kann man ja mal wieder etwas üben – vor allem, wenn die Kids reihenweise Elfmeter auf einen schießen. Bis zum Sonnenuntergang jagten wir dem Ball nach, ehe es mit der Dunkelheit ruhiger wurde und wir unsere Zelte aufbauen konnten – passenderweise im Tor, wir bildeten eine wahre „Mauer“ – Manuel Neuer wäre stolz auf uns gewesen 😉

Über Nacht zog großer Nebel rein, sodass wir in der Früh einen sehr dunstigen Sonnenaufgang erleben konnten. Lange hielt die mystisch-ruhige Stimmung jedoch nicht vor: Relativ bald belagerten neugierige Kinder unser Zeltlager, wodurch wir doch lieber schnell unsere Sachen zusammenpackten, bevor wir noch einmal bei dem Restaurant ums Eck einkehrten mit Omelett-Sandwich sowie Café au lait.


Praktischerweise hatte Jannick zu einer unüblichen Uhrzeit von 23:57 Uhr endlich sein Visum bestätigt bekommen über Nacht, sodass wir nach der Einkehr aufbrechen konnten Richtung Grenze nach Guinea-Conakry. Am Anfang ahnten wir noch nicht, dass die Überquerung der Kreuzung am Restaurant der letzte Asphaltkontakt für über 100 Kilometer gewesen sein wird.
Die Piste begann dann auch erst gut fahrbar, in leichtem Auf und Ab kamen wir der Grenze nach Guinea-Conakry näher. Die Hitze jedoch ließ uns nur so in Schweiß baden, bis wir bei einer Rechtssabbiegung das Häuschen erreichten, wo wir den Ausreisestempel erhalten sollten.
Von nun an ging das Abenteuer erst richtig los: Über einen schmalen, sandig-holprigen Trail mitten durch den Dschungel erreichten wir den Grenzposten, wo Reisepass, Visum und Gelbfieberimpfung kontrolliert wurden. Die Beamten wollten uns noch zum Mittagessen einladen. Als aber der Kontrolleur der Unterlagen nach Geld fragte, schlugen wir die Einladung aus und machten uns lieber aus dem Staub, bevor das Korruptionsgespenst zuschlägt.

Anschließend wurde der Weg immer abenteuerlicher, die folgenden zehn Kilometer führten über Stock und Stein im hügeligen Gelände durch den Dschungel. Bei zwei Anstiegen musste ich am Ende auch schieben, da holprige Steinstufen bei großer Steigung ein normales Vorankommen unmöglich machten. Schließlich erreichten wir ein Dorf mit einer weiteren Passkontrolle, wo unsere Daten erfasst wurden. Hierfür sollten wir dubioserweise 2.000 CFA, also 3 Euro, zahlen. Da der Kontrolleur uns jedoch erst nach Bezahlung die Pässe wiedergeben wollte, blieb uns kaum eine andere Wahl – das roch mal wieder nach Korruption.



Weiter ging es eine steile Downhillpassage hinab zum Ufer des Kogon-Flusses, der mit einer Pirogue überquert wurde. Als wir nach dem Preis fragten, sollten wir erneut 2.000 CFA pro Person zahlen. In iOverlander und anderen Portalen war von der Hälfte des Preises die Rede. Hier wurden wir also auch wieder klassisch über’s Ohr gehauen. Das fiel uns jedoch erst auf, als wir das Geld schon gegeben haben…


Nach der wiederum abenteuerlichen Überquerung, wobei unsere Räder fast tetrismäßig in das Boot gesetzt wurden, mussten wir das Flusstal auf der anderen Seite wieder hochfahren – kraftraubend.
Oben auf dem Hügel angekommen fuhren wir an einer Polizeistation vorbei, wo wir hofften, den Einreisestempel zu erhalten. Leider vergebens – wir wurden noch einmal 10 Kilometer weitergeschickt. Immerhin konnten wir hier Wasser nachkaufen. Das war auch dringend notwendig, denn die Nachmittagssonne kannte kaum ein Erbarmen.
Die Straße wurde nun zwar wieder breiter, aber Huckel und Sand blieben – ein Promenadenweg sieht jedenfalls definitiv anders aus. Zusätzlich ließen mehrere Auf- und Abstiege auf der schottrigen Piste unser Energielevel senken. Relativ erschöpft erreichten wir um kurz vor 17 Uhr endlich den Polizeiposten, wo wir unseren Einreisestempel erhalten konnten.
Neben dem Grenzposten befand sich ein großes Fußballfeld. Wir fragten nach, ob wir hier unser Lager aufschlagen können. Zu unserer Überraschung waren die Grenzpolizisten sehr nett, erlaubten uns ohne Probleme und ohne Geldforderung, an dem Platz zu campieren.

Da wir fast keine Vorräte mehr hatten, mussten wir in dem Dorf nebenan zudem nach Essen suchen. Hierfür brauchten wir Geld, in Guinea herrscht nämlich die Währung des Guinée-Francs anstelle des CFA. Da es an der Grenze ungewohnterweise keine Wechselmöglichkeit gab, fragten wir die Polizisten, wo es eine Möglichkeit gibt. Als Resultat boten sie uns gleich selbst den Geldwechsel an, zu einem Kurs von 14 Guinée-Francs pro 1 CFA. Wir haben kurz nachgerechnet: Ein Euro entspricht 656 CFA bzw. 9.089 Guinée-Francs. Für einen Euro in CFA (656 Euro) erhielten wir also 656*14=9.184 Guinée-Francs, was einem Äquivalent von etwas über einem Euro entspricht. Wir kamen also sogar noch besser weg als mit dem regulären Wechselkurs von ca. 13,8. Wir waren überrascht über die Fairness der Polizisten – keine Spur von Koruption bzw. Beabsichtigung, uns über’s Ohr zu hauen!
Wir kauften von dem getauschten Geld Gebäckwaren und Bissap-Saft ein, der direkt nebenan verkauft wurde durch ein paar Kinder, mit denen ich vorher noch ein bisschen auf dem Fußballfeld gekickt habe. Im Ort unten gab es immerhin eine Boutique mit Baguette und Sardinen in der Dose – diese Kombination stellte also unser Abendessen dar, ehe wir aufgrund der Erschöpfung ungewöhnlich früh schliefen.
So wurde ich am nächsten Tag auch bereits um halb 7 wach und hörte eine Stunde lang Musik im Zelt, ehe ich meine letzte Packung Haferflocken für mein Frühstück anbrach und langsam mein Zelt abbaute. Jannick, der mittlerweile auch fast ein wenig zum Frühaufsteher mutierte, schlief ungewöhnlich lange. Ich war quasi abfahrbereit, als er aufwachte – mit einer verschnupften Nase.

Die nächste Stadt war Boké, 70 Kilometer entfernt. Hier ist auch die erste Möglichkeit, wieder an Internet zu kommen sowie allgemein wieder in den Genuss von Infrastruktur zu kommen. Es wäre also ratsam, wenn wir die Stadt an diesem Tag erreichen, da es einige Dinge erleichtern würde…
Jannick jedoch fühlte sich schlapp und äußerte Zweifel, dass er es an diesem Tag bis Boké schaffen würde. Da ich abfahrbereit war, bereits einen möglichen Schlafplatz in Boké recherchiert habe und ebenso nach Internet durstete, um Angehörigen mitteilen zu können, dass ich gut in Guinea angekommen bin, einigten wir uns darauf, dass ich schon einmal losfahre.
Alleine startete ich also los in Richtung Boké, die Straße wurde kaum besser. Über Buckelpiste ging es auf und ab. Einem steileren Downhill folgte stets ein ebenso steiler Aufstieg, meistens in Form eines Baches im Tal, wo sich Einheimische waschten. Einzelne Dörfer wurden durchquert, die jedoch kaum Möglichkeiten für Snacks bereit hielten – man befand sich einfach auf dem tiefsten Land. Ohne Verpflegung, nur mit einigen Litern Wasser im Gepäck, kämpfte ich mich bei brütender Hitze über die Gravelstraße in Richtung Boké. Nach ca. 30 Kilometern wurde die Straße zwar phasenweise besser, blieb jedoch insgesamt kraftraubend und herausfordernd. Insbesondere, wenn bei einigen kilometerlangen Baustellen die Fahrzeuge im Affenzahn an einem vorbeifuhren und ordentlich Staub aufwirbelten in der ausgetrockneten Landschaft.


Bei Hälfte der Strecke legte ich dann gezwungenermaßen eine Pause ein aufgrund eines Polizei-Checkpoints. Die Beamten hier ließen sich viel Zeit, sodass sich mein Körper fast 30 Minuten erholen konnte, ehe es weiterging.
Auf dem Weiterweg entlang einer kilometerlangen Baustelle hielt mich ein Mitarbeiter an, da er ein Selfie mit mir machen wollte. Tja – weiße Mitteleuropäer sind hier wohl die absolute Ausnahme 😉
Als Boķé nur noch zwanzig Kilometer entfernt war, hielt ich an einem der wenigen Läden an und deckte mich mit den für die Region typischen Wassersäcken von 0,5 Litern ein. Zwei davon wurden direkt „geext“ aufgrund der extremen Luftfeuchtigkeit, zwei weitere fungierten als „Dusche“ zur Abkühlung. An meinen Klamotten hatte sich mittlerweile eine Salzkruste gebildet – als kleines Indiz dafür, wie sehr ich geschwitzt habe. Aufgrund unserer Challenge in Bezug auf den Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel war eine Snackpause hier jedoch obsolet im Hinblick auf das Sortiment des Minimarkts. Also weiter!
Die letzten 20 Kilometer zogen sich in die Länge, ehe ich kurz vor dem Ziel das erste Mal seit Ewigkeiten wieder einen Bahnübergang sah – und Asphalt! Doch trotz besserer Straßen blieben die letzten Gegenanstiege nach der Durchquerung des Flusstals des Rio Nunez, dem Fluss von Boké, kräftezehrend.

Nach genau 70 Kilometern erreichte ich schließlich das Internetgeschäft, das SIM-Karten verkauft. Hier wurde mir jedoch gesagt, dass dieser Laden am Sonntag nicht geöffnet ist. Und nun?! Ein Einheimischer leitete mich auf den Markt nebenan, wo an einem Stand des Ambieters „Orange“ SIM-Karten verkauft wurden. Nach einigen Schwierigkeiten war ich schließlich wieder online. Das hatte jedoch seinen Preis: Die Karte kostete stolze 100.000 GNF (ca. 11 Euro), 5 Gigabyte weitere 50.000 GNF, also insgesamt fast 17 Euro nur für Internet.
Nachdem dieses Problem also gelöst war, suchte ich nach einem Schlafplatz. An einer Jugendherberge mit Sportplatz bot man mir an, mein Zelt in den Räumlichkeiten aufzustellen für 50.000 GNF – Zimmer waren leider ausgebucht. Aufgrund des teuren Preises für ein Zelt ohne alles hielt ich mir weitere Optionen offen und stellte mein Fahrrad derweil in der Herberge unter, um einen kleinen Erkundungsspaziergang zu unternehmen.
Mein erster Weg führte mich wieder runter in das Flusstal des Rio Nunez, um mich einmal nachhaltig zu erfrischen und meinen Schweiß sowie den Sandstaub von der Piste abzuwaschen. Eine normale Dusche war hier leider noch keine Option, weil die Unterkunftspreise hier deutlich über dem Budget liegen.


Nach der Erfrischung spazierte ich, vorbei am Markt mit einigen wiederum fußballspielenden Kindern nebendran, zum wiederum ein paar hundert Meter entfernten Museum von Boké.
Die Mitarbeiter hier empfingen mich herzlich und auf Nachfrage erlaubte man mir, für 30.000 GNF hinter dem Museum zu campieren – Eintritt inklusive. So schnappte ich mir wieder mein Fahrrad und zog kurzerhand um, ehe ich mir abends im Restaurant nebenan die dringend benötigte Mahlzeit abholte im Form von Reis und Fisch.

Wenig überraschend war für mich, dass Jannick und Lucas es nicht mehr bis zum Museum schafften bei der herausfordernden Strecke in tropischer Hitze sowie Jannicks Gesundheitszustand. Ich stellte mich also darauf ein, es am nächsten Morgen langsam anzugehen und mir ein wenig die Kleinstadt Boké anzuschauen…immerhin nun mit Internet sowie Rundumversorgung in der Nähe: Sogar einen ATM ohne jegliche Gebühren gab es ums Eck, sodass ich mich gleich ordentlich mit Guinée-Francs versorgte, um das Kapitel Guinea dann endgültig starten zu können – nach einem abenteuerlichen Grenzübertritt.


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