Die Würfel sind nun also gefallen, die Entscheidung steht: Wir holen uns vorübergehend motorisierte Unterstützung, um aus unserem Teufelskreis aus Krankheit und mentalem Loch auszubrechen.
Hierfür waren wir am nächsten Tag bereits wieder in aller Frühe auf den Beinen, checkten aus unserem Hotel aus und machten uns auf die Suche nach einem LKW oder Bus. Wir fragten uns bei Einheimischen durch nach dem „Gare routiere“, dem zentralen Omnibusbahnhof. Auf dem Weg hierhin sahen wir bereits einen LKW am Straßenrand Pause machen. Wir witterten bereits unsere Chance – das wär’s jetzt, wenn wir direkt Glück haben! Leider wäre es jedoch auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Der Fahrer fuhr zwar nach Brazzaville, hatte aber Bedenken bezüglich etwaiger Polizeikontrollen – schade!
So fuhren wir weiter zum Omnisbusbahnhof, wo man uns mit doch sehr bedenklichen Klapperkisten anbot, nach Brazzaville zu fahren. Die Fahrräder würde man auf dem Dach sichern, alles zum Preis von 13.000 CFA pro Person (20 Euro). Das wäre mit Sicherheit abenteuerlich gewesen. Für uns war es in diesem Moment zu abenteuerlich. Unsere Fahrräder brauchen wir bitte noch heile!
Ok, hier wird das wohl nichts. Wir kehrten erst einmal ein in einer nebenan gelegenen Patisserie (hier gab’s das erste Mal so richtig „fancy“ Gebäck und Torten seit gefühlt einer Ewigkeit) und besprachen das weitere Vorgehen. Unser Fokus lag nun eher darin, einen Truck anzuhalten. Wir entschieden uns dafür, etwas Richtung Ortsausgang von Oyo zu fahren und an einem ruhiger gelegenen Fleck der Hauptstraße auf den einen Truck zu warten, der uns mitnimmt.
Wir warteten…und warteten…und warteten…doch es kam einfach kaum ein Truck vorbei. Zwei Stück waren es in über zwei Stunden. Leider gab’s hierbei jeweils eine Absage. Einer bot uns an, unsere Fahrräder separat zu transportieren, damit wir leichter bei einem Bus mitfahren können. Nein, zu risikoreich! Wir verzichteten dankend…
Auf Google Maps sah ich, dass in der Nähe eine Bushaltestelle von der führenden Linie Kongos, Occean du Nord, war. Jannick blieb da, um weitere Trucks abzufangen. Ich guckte mal bei der Buslinie bezüglich der Möglichkeiten. Man gab mir die Auskunft, dass es mit Fahrrad heute nicht mehr ginge, einen Bus zu erwischen, da alles zu voll sei. Ich müsste für den morgigen Tag ein Ticket buchen in der Früh, da wäre auch Fahrradmitnahme möglich.
„Et quel est le prix pour transporter le vélo?“, wollte ich wissen („Und was ist der Preis für die Fahrradmitnahme?“). Dies könne man mir nicht sagen, dies sein Verhandlungssache bzw. der Reisebegleiter müsse es sich anschauen und könne dann eine Einschätzung treffen. Aber man müsse jetzt ein Ticket kaufen, damit es morgen möglich sei. Innerlich verdrehte ich mal wieder die Augen. Was für Konditionen! Jetzt direkt ein Ticket buchen müssen aber dann keine Auskunft erhalten über die Fahrradmitnahme. Wer sagt denn, dass die unsere Fahrräder dann am Ende überhaupt mitnehmen?! Der Herr weiß doch dann auch, dass wir bereits ein Ticket haben und könnte dann bei der Verhandlung des Fahrradpreises den letzten Cent aus uns rausquetschen?! Das wirkte doch alles sehr unseriös.
„Quand il est là pour voir le vélo?“, fragte ich nochmals („Wann ist er da, um das Fahrrad zu begutachten?“). Vage hieß es, ich solle so in einer Stunde nochmal vorbeischauen. So kehrte ich zu Jannick zurück, der bei den dubiosen Umständen natürlich auch skeptisch war. Wir schauten erst einmal an der Straße weiter, die Situation wurde jedoch so schnell nicht besser.
Leicht frustriert schauten gingen wir erst einmal eine Kleinigkeit essen. Der Plan war nun, hiernach nochmal bei der Bushaltestelle nachzufragen und dann eventuell für die Truck-Warterei umzuziehen etwas raus aus dem Ort und hier das Wartelager zu beziehen.
Ich versuchte es also nochmals bei der Bushaltestelle. Die Dame an der Kasse meinte nun, ich solle eben warten, der Reisebegleiter wäre gleich da. So setzte ich mich in die Warteecke und drehte Däumchen. Der Herr war dann tatsächlich bald da, weil die Abfahrt eines Reisebusses unmittelbar bevorstand. Bevor er sich mir widmen konnte, wurden jedoch die Tickets und das Gepäck von mehreren Dutzend Passagieren kontrolliert. Insgesamt dauerte es wiederum fast eine Stunde, bis seine Aufmerksamkeit bei mir und meinem Fahrrad war.
„Ce sont deux vélos comme ça!“, informierte ich ihn („Es handelt sich um zwei Fahrräder wie dieses.“). Der Reisebegleiter inspizierte mein Rad kurz, ehe ich bereits eine Auskunft bekam: „Quinze Mille!“ Wie bitte?!?! 15.000 CFA pro Fahrrad?!?! 23 Euro?!?! Dein Ernst?!?! Zum Vergleich: Das normale Ticket für eine Busfahrt nach Brazzaville mit einem Handgepäckstück kostete 6.000 CFA (9 Euro). Mir fiel die Kinnlade runter…
Bei diesem utopischen Preis für eine Fahrradmitnahme hatte ich auch keine Lust, noch zu verhandeln. „Je vais reflechir…“, ließ ich diplomatisch verlauten und machte mich vom Acker („Ich werde drüber nachdenken…“). Nein, das Thema ist definitiv abgehakt! Jetzt kommt nur noch ein Truck in Frage!
Wir schnappten uns unsere Fahrräder und fuhren einmal über die Brücke des Alima Rivers, vorbei an einem Luxushotel, raus aus der Stadt. An einem Unterstand am Straßenrand schlugen wir unser Lager erneut auf. Und – welch Zufall – auf einmal kamen mehr LKWs an uns vorbei.
Zunächst bekamen wir zwar welche angehalten, die Verhandlungen waren jedoch zäh. Dann der vermeintliche Jackpot: Ein LKW-Fahrer fuhr direkt bis Point-Noire an die Küste. Er wollte jedoch 20.000 CFA pro Person (30 Euro). Hmmm – schon nicht billig. Andererseits: Fahrradfahrend hätten die Kosten bis hierhin sicherlich diesen Betrag überschritten, das muss man sich immer vor Augen führen. Es kam jedoch im gleichen Moment ein neuer LKW, weshalb wir das Angebot ablehnten. Dieser LKW fuhr anschließend jedoch ohne Gruß einfach vorbei. Ob wir uns hier klassisch verpokert haben?!?!
Kurz saß der Frust tief, doch Bange machen galt nicht: Die nächsten Trucks und damit potenziellen Mitfahrgelegenheiten fuhren durch. Schließlich erklärte sich im vierten oder fünften Anlauf ein Fahrer mit seinem Assistent und Beifahrer bereit, uns mitzunehmen. Zwar erstmal nur in Richtung Brazzaville, aber besser als nichts! Voller Dankbarkeit halfen wir beim Einladen der Räder und des Gepäcks in den Transportcontainer und nahmen anschließend etwas eingezwängt in zweiter Reihe in der Fahrerkabine Platz. Wir sind unterwegs – juhuu! Und es ist erst 13 Uhr – mal schauen, wie weit wir heute bereits kommen.

Der Blick auf den Verlauf der Strecke bestätigte uns in unserer Entscheidung: Die Landschaft wurde zwar tendenziell etwas offener, die psychisch anstrengende Weite in Verbindung mit wenigen Einkehr- und Versorgungsmöglichkeiten sowie vielen Hügeln blieb jedoch bestehen – und das, wie uns bereits klar war, über dutzende, ja hunderte, Kilometer.
Der Truck war langsam, mit maximal 50 Stundenkilometern fuhren wir dahin. Zivilisation und Markttreiben gab es zwischendrin mal in der nächsten Stadt Gamboma, die eigentlich unser nächstes Etappenziel gewesen wäre sowie in der folgenden Stadt Ngo – das wäre die übernächste Etappe gewesen. Und nein, diese Stadt hat nichts mit wohltätigen Zwecken zutun. 😉 *Flachwitz Ende*
Anschließend folgten noch einzelne Dörfer. In einem machten wir zur Sonnenuntergangszeit Pause, um ein kleines Häppchen zu verspeisen sowie Snacks für die Weiterfahrt einzukaufen. Das war bitter nötig, denn die Fahrt durch die weiter hügelige Landschaft zog sich auch nach Einbruch der Dunkelheit weiter. Hinzu kam eine Pause von geschlagenen zwei Stunden, da der LKW be- und entladen werden musste. Als ich mir in der Wartezeit die Beine vertrat, fand ich in dem Örtchen immerhin ein Public Viewing des Klub-WM-Spiels Real Madrid gegen Borussia Dortmund. Ja, von dieser Sportart kann man sich hier schwer entziehen.

Weitere, kleinere Pausen dieser Art folgten auch danach noch. Wir versuchten zu schlafen, was in der engen Kabine aber nur mal mehr und mal weniger gut klappte.

Der Fahrer wollte uns 50 Kilometer vor der Hauptstadt Brazzaville rauslassen, wo die Straße rechterhand abzweigt in Richtung der Stadt Point-Noire. Hier war ein großer Stellplatz für LKWs. Er instruierte uns, dass die meisten so um 5 Uhr morgens aufbrechen. Zu dieser Zeit besteht unsere größte Chance, eine Mitfahrgelegenheit zu finden.
Erst einmal mussten wir aber hierhin kommen. Es zog sich weiter. Schließlich – kurz nach 1 Uhr nachts – waren wir an dem ominösen Abzweig mit LKW-Stellplatz, 350 Kilometer nach Aufbruch. Bis wir unser Gepäck entladen haben, verging noch etwas Zeit. Nach unserer Rechnung mussten wir eigentlich um 4 Uhr schon auf den Beinen sein, um unser Gepäck wieder fertig zu machen und sich dann durchzufragen. Lohnt sich da überhaupt ein Zeltaufbau? Eher nein.

Wir entschieden uns, ganz im Stile eines Obdachlosen, einfach unsere Luftmatratzen rauszukramen und uns nur kurz irgendwo hinzulegen. Bis es soweit war, zeigte die Uhr halb 2 an und uns blieben sowieso nur noch 2 1/2 Stunden Schlaf. Nein, da lohnt kein Zeltaufbau!

Aufgrund der großen Müdigkeit schliefen wir trotz der widrigen Umstände die kurze Zeit tief und fest durch, ehe es Zeit war, Teil 2 von 2 des LKW-Projektes anzugehen. Nach dem Packen fuhren wir die Straße rauf und runter und hielten nach Fahrern Ausschau, die gerade ihre Abfahrt vorbereiteten. Ja, fast bekam ich einen Drehwurm von den ganzen U-Turns.
Erst einmal aber ohne Ertrag. Nur einen konnten wir erwischen, der uns mitgenommen hätte. Er fuhr aber nur bis zur Hälfte der Strecke nach Pointe-Noire. Er gab uns jedoch den wichtigen Rat, eher Ausschau nach LKWs zu halten, die aus der Richtung der Stadt Brazzaville kommen. Die Route Brazzaville – Pointe-Noire sei die Hauptroute hier.
Als wir uns nur noch auf diese Straßenseite konzentrierten, fanden wir dann auch schnell einen, der bereit war, uns mitzunehmen – bis Pointe-Noire! Wir luden unsere Fahrräder und Gepäck wiederum in den Container und waren um halb 6 in der Früh auf dem Weg – läuft!
Hinzu kam, dass wir diesmal einen schnellen LKW erwischten. Unbeladen bis auf unser Gepäck und konstant mit 70 bis 80 Stundenkilometern unterwegs – man muss ja auch mal Glück haben! Wir sagten Omar bescheid, dass wir heute sicher in Pointe-Noire ankommen werden. Er verweilte hier in einem wohl sehr erholsamen Guesthouse – genau das, was wir jetzt auch brauchen!
Die Fahrt war unter den Umständen sehr entspannt. Zudem machten wir immer wieder in den kleinen Orten mit Markt Pause. Hier gab es sogar mal wieder Orangen. Ich holte mir gleich fünf – ich kann mir vorstellen, dass mein Körper fast etwas überfordert war mit gleich so viel Vitamin C auf einmal 😉 Auch die Frozen Yoghurts auf den Märkten waren einfach köstlich – Balsam für die Seele!

Dennoch – das muss man sagen – zogen sich die fast 500 Kilometer natürlich hin. Dazu wurde es 100 Kilometer vor dem Ziel noch einmal richtig bergig und die Natur nochmals so richtig dschugelig. Man musste sogar einen richtigen Pass hochfahren. Das hätte mit dem Fahrrad aber – zumindest für mich – auch irgendwie Spaß gemacht! Fast bedauerte ich es in dem Moment ein wenig…
Egal – nun haben wir uns so entschieden und steuerten zielsicher Pointe-Noire an. 15 Kilometer vor unserem Ziel, das wir schließlich um 15 Uhr nachmittags erreichten – ließ uns der Fahrer schließlich raus. Da vorher nichts vereinbart wurde, wollte ich ihm 10.000 CFA Trinkgeld geben für die Mitnahme (15 Euro). Nun kam es jedoch zu einem faden Beigeschmack, da auf einmal 15.000 CFA pro Person verlangt wurden. Ich ließ daraufhin verlauten, dass unser Bargeld knapp sei (was ja auch stimmte) und ich ihm deshalb leider nur 10.000 CFA geben könnte. Zudem verwiesen wir drauf, dass die vorherigen Fahrer uns umsonst mitgenommen und gar nichts verlangt haben.
Schließlich einigten wir uns darauf, dass der LKW-Fahrer mir seine Nummer gibt und ich mich melden sollte, sobald ich neues Geld abgehoben habe. Eine respektable Lösung. Mal schauen, wie lange es dauert, bis ich wieder an Bargeld komme 😉 So waren wir auf jeden Fall gut aus der Affäre.
Nun hieß es nur noch, die letzten 15 Kilometer bis zum Hotel zu radeln. Das war gar nicht so einfach. Erstens wegen unserem übernächtigten Zustand. Zweitens, weil uns Google Maps und Komoot bei der Routenführung mal wieder in die Irre leiten wollten. Merke: In diesen Regionen einfach den Hauptstraßen folgen. Und schon diese war hier in dieser nur semimodernen Stadt am Meer aufgrund einer klassischen Sandpiste abenteuerlich genug zu fahren.
Etwas nervenaufreibend schafften wir es schließlich ans Ziel am späten Nachmittag. Die letzten paar hundert Meter weg von der Hauptstraße war der Sand tiefer, und wir mussten noch schieben. Was für eine Reise! Aber wir haben es geschafft! Dennoch waren wir natürlich auch selbiges, mindestens einen Tag musste sich von den Strapazen erholt werden.
Das Guesthouse entsprach immerhin einer wahren Ruheoase und nach zähen Verhandlungen durften Jannick und ich uns sogar ein Zimmer teilen – inklusive Warmwasserdusche! Der siebte Himmel!

Die Gegend um das Hotel war jedoch sehr dürftig, mit Mühe fanden wir etwas ansprechendes zum Abendessen. Aber egal, anschließend fielen wir totmüde ins bequeme Bett und freuten uns aufs Ausschlafen sowie einen freien Tag in Pointe-Noire. Laut Omar sei diese Stadt mit Brazzaville zu vergleichen – nur eben am Meer statt am Kongofluss.
Man genoss nun die kleinen Dinge im Leben: Komfortables Bett und ein gegen geringen Aufpreis buchbares, schmackhaftes Frühstück. Zwar wieder ein Omelette, das einem mittlerweile fast zum Halse raushängt wie der berühmt-berüchtigte Maniok, in Verbindung mit einem Kaffee jedoch eine wahre Wohltat in der Früh in Verbindung mit der entspannenden Atmosphäre dieser Ruheoase.


Wir waren jedoch nicht komplett alleine: Wie der Zufall es so will, trafen wir eine deutsche Solobackpackerin aus Hamburg, die gerne „off the beaten trek“ unterwegs ist. Auch wir waren zuerst verwirrt: „Was verschlägt dich denn ausgerechnet in die Republik Kongo?!“ Doch der Reiz des dichten, von der Außenwelt abgeschnittenen Regenwaldes sowie die Möglichkeit der Sichtung von Schimpansen und Gorillas waren ernstzunehmende Argumente. Wir haben ja leider nicht so viel Glück bei der Sichtung von Wildtieren gehabt…
Gemeinsam nahmen wir uns später ein Taxi, um das etwa 10 Kilometer entfernte Zentrum von Point-Noire zu erkunden. Der Eindruck war gemischt. Zwar gab es vereinzelte, moderne Gebäude und auch teure Hotels, insgesamt hatte es jedoch eher typisches, afrikanisches Flair. Kurz: Modern ist etwas anderes.
Wir spazierten die Hauptstraße entlang in Richtung Küste, vorbei auch am Bahnhofsgebäude von Point-Noire. Ja, hier im Kongo gibt’s sogar eine Bahnlinie, welche die beiden großen Städte Brazzaville und Point-Noire verbindet. Das Gebäude fügte sich hier nahtlos in den Gesamteindruck ein: Etwas heruntergekommen…

Wenn man schon cheatet, so dachte ich mir, hätte man ja auch mal die Fahrradmitnahme im Zug ausprobieren können. Wäre laut Erfahrungsberichten aber wohl nicht gerade budgetfreundlich gewesen. Und die Fahrt zwischen den zwei Städten ist wohl extrem laaannnnggggattttmiigggg…ne, da war es schon besser, dass wir den LKW genommen haben.
Wir spazierten weiter an den Stadtstrand von Point-Noire. Dessen Bild wurde, wie so häufig in Afrika, etwas getrübt durch den vielen Plastikmüll. Dennoch: Das Meer hatte die perfekte Temperatur für eine Erfrischung. Was für eine Wohltat nach dem Schlenker ins afrikanische Inland und der endlosen „grünen Hölle“ – endlich wieder Meer! Ich genoss die Brandung jeder einzelnen Welle, die mich durchspülte…

Da Omar schon länger in Point-Noire verweilte und sich hier erholte, kannte er bereits einen wahren Restaurant-Geheimtipp: Einen Libanesen, der alles auf der Speisekarte hatte, was das Herz höher schlagen lässt. Da war in diesem Moment auch der etwas höhere Preis schlicht egal – gutes Essen ist so wertvoll und wichtig. Vor allem, wenn man stets der Ausdauerbelastung durch das Radfahren ausgesetzt ist. Dieses Nachmittagsmahl, es war ein wahrer Genuss. Genau diese kleinen Dinge sind es, die einen auch Schritt für Schritt aus dem mentalen Tief herausholen und einem wieder mehr Positivität geben, die einem heimlich, still und leise irgendwie abhanden gekommen ist in letzter Zeit. Das Tief bei der Durchquerung der Republik Kongo rührte nämlich auch sicher daher, dass gutes Essen bzw. nährstoffreiche Verpflegung allgemein Mangelware waren. In Kombination mit der regelmäßigen, intensiven Belastung entzieht einem das einfach auch physisch die letzte Energie. Es ist einfach immer noch Sport und adäquate Regeneration hängt eben maßgeblich vom Essen ab…
Im Anschluss gab’s noch einen Spaziergang über den zentralen Markt von Point-Noire. Da kamen dann auch wirklich wieder Westafrika-Gefühle hoch – von der Einsamkeit im kongolesischen Dschungel hinein und ins dichte Gedränge der Menschenmassen am Markt, wo ziemlich schräge Kulinarik geboten wurde – unter anderem gebrannte Maden. Ich erspare hier in diesem Fall Bilder davon…

Abgeschlossen wurde der freie Tag von einem gemeinsamen Zusammensitzen auf der Dachterrasse der Unterkunft, wo wir einmal gemeinsam über die bisherige Reise philosohierten – und mal wieder so richtig realisierten, wieviel wir eigentlich schon gemeinsam erlebt haben und wie viele, auch teilweise skurrile Dinge, uns bereits widerfahren sind. Nein, diese Geschichte soll zumindest noch ein paar Monate bis zum Ziel Südafrika fortgesetzt werden – wer weiß, was da noch alles passiert…
Mit neuer Motivation wollten wir also am nächsten Tag wieder auf zwei Rädern Gas geben – ab in Richtung des nun nur noch 40 Kilometer entfernten Angolas! Der Tapetenwechsel war vollzogen, aus dem Dschungel wieder zurück an die Küste. Mit der Republik Kongo konnten wir nun (gottseidank) abschließen. Fortsetzung folgt…


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