Der letzte Kaffee war nun also inhaliert, die letzte Pastei de Neta hat das Diabetes-Risiko nochmal ein paar Promille gesteigert, da ging es nach über einer Woche endlich los – knapp 1.300 Kilometer Angola lagen nun noch vor uns – und nicht mal drei Wochen hatten wir Zeit. Nun war ordentlich in die Pedale treten angesagt!
Und hochmotiviert legten wir los bei bestem Radfahrwetter, komplett bedecktem Himmel und gemäßigten Temperaturen. Erst einmal zog sich wiederum die Ausfahrt aus dem Großraum Luanda, in teilweise nicht ganz sicherem Verkehr. Nicht ganz geheure Überholmanöver der anderen Verkehrsteilnehmer gehörten zur Tagesordnung, die Fahrweise war ähnlich zu der in Portugal.

Ging es im Einzugsbereich von Luanda noch entspannt die Küste entlang mit nur ein paar Steigungen, wurde der Verkehr nach 20 Kilometern deutlich ruhiger, die Strecke aber auch deutlich hügeliger.
In stellenweise wahrer Achterbahnfahrt ging es dahin, nur unterbrochen durch eine kleine Pause, da ein Einheimischer uns seinen Golfplatz zeigen wollte. Als er mit uns Golf spielen wollte, mussten wir ihn jedoch abwimmeln – jetzt hat Strampeln Priorität.
Voran kamen wir dennoch sehr gut, trotz spätem Start waren um halb 2 bereits 50 Kilometer gemacht. Die Bevölkerungsdichte nahm nun nachhaltig ab, die Natur wurde idyllischer, ehe wir nach etwas über 60 Kilometern unverhofft einen Ausblick über die Steilklippen aus Sandstein Richtung Atlantik entdeckten. Das Farbenspiel des Gesteins war eine wahre Augenweide, man konnte sich kaum sattsehen. Wow! Was für Farben! Und was für Gesteinsformationen! Eifrig wurden Bilder geknipst! Bonito Angola!



Nach Weiterfahrt am mittleren Nachmittag ließ das nächste Highlight nicht lange auf sich warten: Der Kissama Nationalpark. Direkt bei Einfahrt tummelten sich die Primaten vor uns auf der Straße – Fotoapparat raus und knipsen. Nach der Überquerung des Kwanza-Flusses entdeckten wir sogar Monameerkatzen am Straßenrand. Bisher habe ich diese nur im eingezäunten Schutzgebiet des Mefou-Nationalparks gesehen – nun in freier Wildbahn! Was für ein toller Wirdereinstieg in das Radfahrabenteuer mit solchen Eindrücken!


Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Hier im Nationalpark war die Zivilisation natürlich gleich Null. Der nächste Ort, Sangano, war immernoch 25 Kilometer entfernt, die Uhr zeigte bereits nach 16 Uhr an. Beeilung war angesagt, wenn wir die Nacht mit ein paar Annehmlichkeiten genießen wollten.
Ausgerechnet in dem Moment schlug mal wieder Jannicks Glück zu: Sein 19. Platter! Herzlichen Gratulation, nur noch einer bis zum Jubiläum! Natürlich ist er mit dem Eingriff mittlerweile geübt, dennoch kostete uns das natürlich wertvolle Zeit, die uns am Ende eventuell fehlte, um noch die fünf Kilometer weiter zu fahren bis zu dem Dorf.
Auf jeden Fall kamen wir in die Dunkelheit und mussten nun improvisieren. Am Ende eines der vielen steilen Anstiege auf der Route lag ein Funkturm am Weg. Eventuell gibt dort ja eine Möglichkeit, in der Not schnell sein Zelt aufzustellen. Wir fanden dann auch Securities an dem Funkturm, die uns erlaubten, unser Zelt hier auf einer Sandfläche aufzubauen. Annehmlichkeiten wie Wasser oder ähnliches gab’s hier zwar nicht, aber für eine Nacht geht das schon in Ordnung. Hauptsache einen Schlafplatz gefunden nach 96 gefahrenen Kilometern!
Am nächsten Morgen gab’s dann aber eine böse Überraschung: Über Nacht hatte es geregnet, auch jetzt nieselt es noch ganz fein aus der Nebelsuppe hier in Küstennähe. Sprich: Alles war klatschnass. Dazu musste das Zelt hier auf dem Sand abgebaut und eingepackt werden. Natürlich glich es nach der Prozedur einem panierten Schnitzel – eklig!

Es ist jedoch, wie es ist. Mit dreckig-nassem Zelt im Gepäck machten wir uns im immernoch aktiven Nieselregen bei frischen Temperaturen auf den Weg zur 10 Kilometer entfernten Tanke im Ort Sangano. Die Hoffnung auf Kaffee und/oder ein paar ansprechende Snacks war groß, wurde jedoch jäh zerstört. Die Kaffeemaschine war wohl kaputt. Als Snacks gab’s nur Kekse und Chips, natürlich kein optimales Frühstück für eine lange Fahrradtour, weshalb wir 10 Kilometer später bei der nächsten Tanke nochmals Halt machten. Hier gab’s dann wenigstens den dringend benötigten Kaffee.
Frisch gestärkt mit Koffein machten wir uns auf in die hügelige, aber durchaus beeindruckende Landschaft an der angolanischen Küste. So mancher Küstenblick entschädigte für die anspruchsvolle Strecke. Einkehrmöglichkeiten gab’s hier übrigens kaum, ein kleiner Shop mit Softdrinks, Keksen und immerhin leckerer Papaya war das höchste der Gefühle für die Mittagspause. Von hier aus waren es bis zum nächsten Dorf mit Markt und Verpflegungsmöglichkeiten noch gute 40 Kilometer – 40 hügelige Kilometer.


Mehrere Male ging’s runter bis fast auf Meereshöhe und dann wieder hoch bis auf 100 Meter Seehöhe. Flache Episoden waren die absolute Ausnahme, ehe die letzten 5 Kilometer bis zu der Ortschaft eine rauschende Abfahrt wieder fast auf Seelevel bedeuteten. Zwischendrin gab’s noch eine kleine Erlösung: Nach mehreren vergeblichen Erinnerungsanrufen kam die E-Mail in Form eines negativen Testergebnisses auf Typhus und Malaria – juhuu! Dann muss ich mir ja erst mal keine Gedanken machen, eines Morgens totkrank aufzuwachen…

Das Angebot am Ziel war reichhaltig, mit Salat, Kartoffeln und Hähnchen aßen wir uns satt nach 95 gefahrenen Kilometern. Jetzt mussten wir nur noch zu einem Campingspot kommen in ca. 15 Kilometern.
Hierbei vergaßen wir bei der kulinarischen Pause jedoch etwas die Zeit. Zudem unterschätzten wir die fast 100 Höhenmeter Hügelanstieg am Ende. Erschwerend kam noch hinzu, dass hinter der Ortschaft eine mehrere Kilometer lange, sandige Gravelpiste aufgrund von Baustelle begann. Sprich: Es wurde einfach zu spät, es musste ein Plan B her.

Auf dem Weg lag eine großzügige Parkplatzanlage für LKWs. Großzügigerweise durften wir auf einer kleinen Fläche unsere Zelte aufstellen als Notlösung. Kuriosum: Wir zelteten hier direkt neben zwei 5.000-Liter-Benzintanks. Es war also empfohlen, für eventuelle Kochtätigkeiten doch lieber etwas Abstand zu halten…
Da wir aber alle müde waren nach ziemlich genau 100 Kilometern, erübrigte sich das dann eh. Früh genug rausgeschmissen wurden wir allemal am nächsten Tag, als ein Mitarbeiter der Anlage um kurz nach 6 Uhr kam und durchaus mit Nachdruck klarstellte: „Mister! Time is finished! You have to go now! Mister?“ Wir lagen noch im Zelt und wurden gerade wach, doch er ließ nicht locker, drängte uns zum sofortigen Abbau – anscheinend, weil der Chef um 7 Uhr kommt und das wohl nicht mit ihm abgesprochen war, dass wir hier schlafen.
Alle Diskussionsversuche nutzten nichts, hastig bauten wir die Zelte ab und schleppten schnell alles vor das Eingangstor der Parkanlage. Hier durften wir dann in Ruhe frühstücken und richtig packen. Was ein Stress! Bestimmt hätte sich das im Zweifel auch in einem Gespräch mit dem Chef lösen können. Auch wenn man natürlich versteht, dass sich die etwas panischen Mitarbeiter um ihren Job fürchten…
Immerhin waren wir so um ca. halb 8 abfahrbereit auf der Piste. Die letzten Kilometer Gravelpiste durften wir immerhin auf der fertigen neuen, aber noch nicht freigegebenen Asphaltstraße hinter uns bringen. Dann ging es den bereits vorher angesprochenen Hügel als Aufwärmübung in der Früh hinauf, ehe sich das Gelände eine Ebene weiter oben erst einmal abflachte. Ziel war eine Tanke nach 28 Kilometern, vorher und nachher war außer Pampa gar nichts.

Als wir dann relativ zügig die Tanke erreichten am Vormittag, war hier der Shop leider geschlossen. Direkt nebendran gab’s aber sein sehr modernes Hotelrestaurant. Direkt wurde ein zweites Frühstück eingelegt, bei üppigem Omelett mit Salat und wunderbarem Cappuccino aßen wir uns so richtig satt. Nebenbei konnten sogar die Powerbanks nochmal aufgeladen werden – einfach perfekt!

Mit Energie und Strom starten wir dann wieder rein in die Pampa, die erst noch flach dahinging aber anschließend wieder durchaus hügelig war. Ich fühlte mich top und sprühte vor Energie – ein wahrer Wandel im Vergleich zu der Reisezeit vor Luanda.
Erst nach weiteren 35 Kilometern kam die nächste größere Stadt, Porto Amboim, wo wiederum an der ersten Tanke die nächste Pause eingelegt wurde – man hangelte sich quasi so von Tanke zu Tanke.

Geradezu rauschhaft war hiernach die aussichtsreiche Abfahrt direkt an die Küste des Ortes. Eine super Sache, hätte man nach dem Ort nicht wieder alles hochkurbeln müssen! Aber so ist das hier in dieser Region Angolas. Anschließend ging es dann natürlich von fast 170 Höhenmetern auch wieder alles runter bis fast auf Seelevel. Hier gab’s inmitten vom Nirgendwo auch wieder einen kleinen Straßenverkauf von Shrimps. Wir deckten uns zum kleinen Preis ein und peilten nun einen richtigen Wildcampingspot an. Das erste Mal Wildcampen seit der verhängnisvollen Nacht in Guinea-Bissau!
Hierfür mussten wir natürlich von Meereshöhe, vorbei an einer typischen, angolanischen Siedlung auf dem Land mit charakteristischem Fußballplatz, wieder auf über 100 Meter Höhe hoch.

Nach schweißtreibenden, letzten Kilometern war der Ort jedoch magisch: Eine tolle Hochebene mit umwerfendem Blick auf den Ozean in der Ferne, 700 Meter entfernt von der Hauptstraße und jeglichem Lärm. Eine Ruheoase nach wiederum 96 Kilometern.


Das Gegenstück der Hochebene war der stark blasende Wind – der Zeltaufbau war mal wieder eine Herausforderung. Damit einhergehend bahnte sich auch eine zapfige Nacht an, in der Früh war inklusive des dichten Nebels der Pullover mal wieder obligatorisch.
Eine Hiobsbotschaft gab es zu vermelden: Jannick ging es gar nicht gut, mal wieder plagten ihn Magenkrämpfe und Durchfall. Wir waren jedoch in der Pampa, Pause machen also weniger eine Option.
Ich war früh abfahrbereit und da Omar beim angeschlagenen Jannick blieb, der jedoch mal generell grünes Licht gab, verblieben wir mit einem Treffen an der nächsten eingezeichneten Tanke nach wiederum knapp 30 Kilometern.
So genoss ich die ersten Kilometer für mich und strampelte die Hügel weg. Kurz machte ich Pause, da ich auf ein Paar von eimheimischen Motorradreisenden traf, mit denen ich mich kurz austauschte inklusive der WhatsApp-Nummern. In dem Moment war das lediglich ein Randaspekt, im weiteren Verlauf sollte es jedoch noch eine wesentliche Rolle spielen…
Bei der Weiterfahrt gab’s Motivationsschub in Form der Kilometersteine am Straßenrand: Noch 200 Kilometer bis zur Küstenstadt Lobito! Ab hier sagen wir der Küste wieder „tschau“ und biegen ab in die angolanischen Berge!
Nur wenig danach sollte dann auch die als Treffpunkt vereinbarte Tanke erreicht sein. Sollte – wohlgemerkt. Die in Google Maps eingezeichnete Tanke stellte sich als Fake heraus, was ich meinen Mitreisenden kommunizierte. Wir verblieben damit, dass wir uns einfach in der Stadt ca. 10 Kilometer weiter treffen, in Sumbe. Nach viel Auf und Ab gab’s kurz vor der Stadt eine rauschhafte, für die armen Bremsen fast zu steile Abfahrt runter in die Stadt wieder auf Seehöhe.

Im Zentrum gab’s eine Tanke, wo ich die Zeit totschlug bei Kaffee und Gebäck, um auf die anderen zu warten. Nach über einer Stunde waren sie auch eingetroffen. Jannick konnte zwar vorankommen, war aber doch langsam aufgrund seiner Angeschlagenheit. Die anderen beiden schauten gleich weiter in den Shoprite-Laden 200 Meter weiter, danach ging’s zur nächsten Tanke etwas weiter in dem Ort.
Langsam wurde ich leider etwas ungeduldig, da ich mittlerweile seit über zwei Stunden Pause machte. Normalerweise wäre es kein Problem gewesen, da wir ja immer den nächstmöglichen Treffpunkt ausmachten. Doch dieser war nun gute 40 Kilometer entfernt. Machbar an einem Nachmittag, jedoch auch mit über 500 Höhenmetern. Es war unsicher, ob Jannick das schafft. Er gab jedoch grünes Licht, dass er sich besser fühlt und sich bis dahin schon durchkämpfen kann – wacker!
Omar schloss sich mir an und wir fuhren wieder raus aus der Stadt, Jannick etwas dahinter in seinem eigenen Tempo. Bei Ausfahrt ging es ebenso steil, wie es vorher in die Stadt bergab ging, wieder hinauf – die Oberschenkel brannten. Anschließend ging es die ganze Zeit wieder leicht bergab bis zurück auf Meereshöhe, wo ein spannender Canyon wartete. Die Felsstrukturen rund um den Rio Cubal sind schwer beeindruckend. Omar und ich machten einige Fotos und einen kleinen Spaziergang.

So schloss Jannick wieder auf und bald war er auch wieder bei uns, als es wieder von Meereshöhe in Form eines kurzen, extrem steilen Anstieges auf knapp 200 Höhenmeter hinaufging. Jannick blühte nun am Berg bei über 10 Prozent Steigung fast ein wenig auf, ehe der nächste Schock kam: Wieder ein Platter! Die Nummer 20! Glückwunsch zum Jubiläum!


Bis zum angepeilten Campingspot an einem kleinen Hotel hier im Nirgendwo der gebirgigen Küstenstraße waren es noch knapp 20 Kilometer sowie über 250 Höhenmeter. Zwei Stunden Zeit hatten wir noch bis zur Dunkelheit. Jannicks Platter stellte sich jedoch als schwierig heraus. Der Schlauch hatte nicht nur ein Loch, sondern gleich deren drei. Die alle zu verarzten, den Mantel nach den Ursachen absuchen und das Rad wieder einbauen brauchte definitiv Zeit.
Zudem war es echt kalt hier oben bei bewölktem Wetter. Nachdem ich Jannick bei seiner Reparatur nicht weiterhelfen konnte, aber er bald hätte fertig sein sollen, machte ich mich bereits auf den Weg und wir machten das Restaurant als Treffpunkt aus. Hierbei ging es noch ein paar Mal ordentlich hoch und runter, einmal schlängelte sich die Straße in beeindruckendem hoch und runter dahin – spektakulär!

Nachdem es etwas mehr als fünf Kilometer vor dem Ziel nach einer endorphinartigen Abfahrt auf der anderen Seite nochmals fast 100 Höhenmeter steil bergauf ging, war es endlich geschafft. Nach letzten ebenen Kilometern und einer nochmals kleinen Abfahrt war der Spot erreicht, etwas mehr als eine halbe Stunde vor Dunkelheit nach knapp 80 Kilometern.
Wir durften ohne Probleme unter einem Pavillion beim Hotel unser Zelt aufschlagen. Gutes Essen im Restaurant und die Möglichkeit zum Anstecken von Powerbanks kamen obendrauf – super!
Und Jannick? Wir machten uns bereits Sorgen um ihn, ob er es rechtzeitig schafft. Doch dann kam er ganz locker vor sich hin pfeifend im letzten Licht vor Dunkelheit an – der Kerl hat Nerven! Die Ruhe in Person!

Nun waren es noch ca. 150 Kilometer bis Lobito, wo wir ein letztes Mal das Meer sehen sollten für fast 2.000 Kilometer. Der Plan für den nächsten Tag lautete daher nur: So nah wie möglich ranfahren, am nächsten Tag den Rest machen.
Nach kurzem Frühstück starteten wir daher auch hochmotiviert um 8 Uhr los. Vor allem ich fühlte mich an dem Tag so gut wie selten, war topfit für eine bergig Etappe.
Das war auch vonnöten, denn nach fünf ersten, flachen Kilometern ging es nur so los mit Anstieg um Anstieg. Immer wieder ging es von unter 200 Metern Seehöhe wieder bis auf beinahe 400 Meter schrittweise hoch und umgekehrt – wiedermal brannten die Oberschenkel! Und sie durften ohne Unterlass brennen, denn eine Rast in Form einer Tankstelle gab’s erst nach ca. 65 Kilometern.

An diesem Tag splittete sich das Feld wieder klassich auf, jeder fuhr sein Tempo. Das Netz war sehr gut, weshalb wir ständig miteinander kommunizieren konnten. An der Tanke wurde sich daher nicht lange aufgehalten, zwei Kaffee und weiter! Ziel war eine Tanke nochmals 50 Kilometer weiter im Ort Culango.
Die Höhenmeter blieben zahlreich, die Landschaft und die Weitblicke von der aussichtsreichen Küstenstraße ließen einen trotzdem jeden Kilometer genießen. Der Blick ins Landesinnere zeigte einem bereits das Gebirge, in welches man bald selbst eintauchen wird. Herrlich! Endlich wieder Berge!

Nach bereits über 100 Kilometern war die Tankstelle erreicht, an der Omar schon auf mich wartete. Für Süßgebäck und Kaffee war sie gut genug, für Campen eher ungeeignet. Wie gut, dass es sieben Kilometer weiter noch eine Tankstelle gab.

Also wieder rauf auf den Sattel und ab zur anderen Tankstelle. Hier hatten wir mehr Glück. Der Rand der eingezäunten Fläche eigente sich perfekt zum Zelten und wir bekamen schnell die Erlaubnis. Der Shop hatte allerhand Produkte zum günstigen Preis und sogar ein Restaurant, wodurch die Verpflegung auch gleich gesichert war. Mach 120 Kilometern und fast 1.300 Höhenmetern war verdienter Feierabend bei Suppe im Restaurant und später einem erholsamen Schlaf im Zelt. Was ein Tag!
Da wir sehr gut in der Zeit waren visatechnisch, und es sonst zu schade gewesen wäre, entschieden wir uns, am nächsten Tag nur die verbleibenden knapp 30 Kilometer runter bis ans Meer nach Lobito zu fahren und quasi einen halben Pausentag zu machen. Hierfür bot sich eine wunderbare Strandbar zum Zelten am Strand an, es war hier quasi geduldet.
Nach einem Kaffee im Tankstellenrestaurant setzten wir uns also relativ schnell in Bewegung, um den Tag am Meer zu genießen.

Erst warteten noch zwei sehr steile Gegenanstiege jenseits der 10 Prozent, ehe es extrem steil innerhalb weniger Kilometer von 300 Metern Seehöhe wieder bis ans Meer ging. Ein Spaß war die Abfahrt jedoch nicht, weil das Ambiente recht schnell urbaner und der Verkehr unübersichtlicher wurde. Das hieß, jederzeit bremsbereit zu sein und für die anderen mitzudenken. Entspannt ging auf jeden Fall anders. Am Ende glühten eher die Bremsen, als dass die Garmin-Uhr neue Geschwindigkeitsrekorde aufzeichnete.


Unten in der Stadt war’s dann vorbei mit der Gebirgsruhe. Chaotischer Verkehr, viele Menschen, große Einkaufszentren – ein fast ungewohntes Bild. Wir machten es uns für den Nachkauf von Lebensmitteln sowie ein frühes Mittagessen zunutze, ehe fünf Kilometer weiter am Strand unser Platz für eine Halbtagespause erreicht war.

Der Manager stoppte einen gleich, als er einen als Fahrradreisender identifizierte. Er wies uns den Platz zum Zeltaufstellen und hieß uns herzlich willkommen. Es gab ein Restaurant, eine Cafébar sowie natürlich den wunderschönen Strand – und das alles kostenlos. Zudem wurde für Overlander sogar ein Waschbecken zur Verfügung gestellt. Somit war nach Zeltaufbau und Handwäsche nur noch Entspannung angesagt.

Das Meer war jedoch nicht mehr nur frisch wie in Luanda, sondern richtig kalt – geschätzt vielleicht so 17 Grad. Es war nach den vielen Radkilometern auf jeden Fall eine wohltuende Regeneration.


Der Ort Lobito war an sich bis auf die Einkaufszentren nicht wirklich modern. Dennoch fanden wir in der Nähe eine richtig chice Strandbar für adrett gekleidete, scheinbar wohlhabende Personen. Die Preise waren dementsprechend, zudem gab’s Live-Musik. Das hätte auch eine Bar irgendwo in der Heimat sein können 😉

Aufgrund des geringen Budgets und natürlich der herausfordernden weiteren Etappen in den Bergen ab dem nächsten Tag ging’s nach einem Drink ab ins Zelt zum Schlafen. Hiervor gab’s noch ein Novum im Restaurant des Campingplatzes: Die erste Pizza in Afrika! Fast 11.000 Kilometer hat’s gedauert😉
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Angola bisher wirklich gefällt. Die netten Menschen, die abwechslungsreiche Landschaft und vor allem auch das Essen – dieses Land habe ich, so ehrlich muss ich sein, wahrlich unterschätzt.


Hinterlasse einen Kommentar