Nach der mehr als abenteuerlichen Anfahrt des Airbnbs durch unzählige Autos, heruntergekommene Straßen und viel Staub und Dreck sowie hektisches Treiben war der erste Eindruck von Conakry schon einmal nicht der positivste.

Erschwerend kam hinzu, dass das Airbnb zwar als gesamte Unterkunft angeboten wurde, zum Schlafen mussten wir jedoch ein Doppelbett zu dritt teilen. Das funktioniert nur sehr schwierig, weshalb einer auf dem Boden schlafen musste – ein kurzfristiger Umzug wäre in dem Fall nur noch stressiger gewesen.

Da die anderen beiden einen noch müderen Eindruck machten als ich, übernahm ich den Part des Schlafens auf meiner Luftmatratze.

Eine weitere Baustelle war das Internet: Nach langen Zeiten ohne WLAN freuten wir uns auf entspannte Recherche- sowie auch Instagramtätigkeiten. Im Airbnb wurden wir jedoch bitter enttäuscht: Die Vermieterin hatte Probleme mit der Aktivierung des Internets – was durchaus nicht verwunderlich war ohne SIM-Karte 😉 Letztendlich konnte sie uns dann auch nur 4 Gigabyte bereitstellen mit der Erklärung, dass klassisches WLAN in Guinea so einfach nicht üblich wäre…

Da dieses WLAN dann auch noch mehr schlecht als recht war, konnten wir uns nur zusätzliches Datenvolumen für unsere SIM-Karten holen. Immerhin das mobile Internet war hier halbwegs in Ordnung…

Immerhin jedoch war unsere Unterkunft ruhig gelegen in einem Wohnviertel mit vielen Essmöglichkeiten ringsherum. Man muss hier zwar auf vieles verzichten, einer Sache konnte man sich aber im Gegenzug kaum entziehen: Überall wird Fußball übertragen. Bereits am Freitagabend unserer Ankunft, als ich mir im Schnellrestaurant 300 Meter von unserer Unterkunft entfernt etwas holen wollte, starrte ich verwundert auf einen großen Monitor und sah, wie ein gewisser Marvin Duksch gegen Mainz 05 einen Elfmeter verschoss. Ja ist das denn die Möglichkeit?! Bundesligafußball irgendwo in Guinea?!

Hoffnungsvoll kehrte ich an dem ganz im Zeichen der Erholung stehenden, folgenden Samstagnachmittag in das Restaurant zurück und wünschte mir die Übertragung des Spiels Bayern München gegen Kiel. Der Wirt kam dem Wunsch nach, sodass ich das erste Spiel dieser Bundesligasaison über volle 90 Minuten verfolgen konnte. Passend hierzu im klimatisierten Innenraum des Restaurants, während es draußen mal wieder unerträglich schwülwarm war.

Insbesondere musste ich schmunzeln, als der Kommentator auf Französisch erklärte, dass es sich mit Kiel um ein kleines Städtchen nahe der dänischen Grenze handelt – bin ich doch selber am Beginn dieser Fahrradtour durchgefahren 😉

Am Ende habe ich mir das richtige Spiel rausgesucht, ein torreiches 4:3. Mein Respekt galt in diesem Fall eher den unterlegenen Kielern, der die Freude über drei Punkte deutlich überwog. Obendrein war wohl der reichhaltige Burger in dem Laden auch nicht ganz gut verdaulich, den folgenden Abend verbrachte ich schwerpunktmäßig im fast standardmäßig etwas heruntergekommenen Badezimmer des Airbnbs. Folglich stand auch der folgende Sonntag ganz im Zeichen der Regeneration, bevor wir am Montag zwangsläufig in das Treiben von Conakry eintauchen mussten: Das Einholen von Visas für die Länder Elfenbeinküste und Liberia stand auf der „To Do“-Liste.

So waren wir dann, ganz im Stile eines Arbeitnehmers, am Montag dann auch früh auf den Beinen, um die Mission mit der Bewerbung auf das Visum für die Elfenbeinküste zu starten. Hierfür musste man bereits im Vorfeld online knapp 60 Euro bezahlen. Diese Zahlung wird dann in der Botschaft vor Ort bestätigt, bevor nach Kontrolle aller Unterlagen das Visum ausgehändigt werden sollte – mit Glück am gleichen Tag!

Hoffnungsvoll machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi, um an den immer noch 15 Kilometer von der Unterkunft entfernten Fuß dieser langgestreckten Halbinsel zu gelangen. Der Normalpreis sollte laut verschiedener Internetseiten bei ca. 35.000 GNF liegen (knapp vier Euro). Dementsprechend fielen wir aus allen Wolken, als der erste Taxifahrer uns für 200.000 fahren wollte, also mehr als den fünffachen Preis. Auch die folgenden Taxifahrer nannten den gleichen Preis, einer zwischendrin bot uns 100.000 an. Wir gingen erst einmal weiter zu einer großen Straßenkreuzung bei der Universität von Conakry (ja, es handelt sich um eine Universitätsstadt!).

Hier fanden wir nach einigen Anläufen jemanden, der uns schließlich für 80.000 GNF fahren wollte (knapp 9 Euro). Das ist zwar immer noch der doppelte Preis, aber im Vergleich zu den anderen noch in Ordnung. Die Fahrt durch den chaotischen Verkehr zu Rushhourzeiten in der Früh zog sich jedoch. Fast 50 Minuten brauchten wir bis an die Spitze der Halbinsel.

Erschwerend kam hinzu, dass der Taxifahrer wohl auch nicht wusste, wo die Botschaft der Elfenbeinküste ist, und sich am Straßenrand durchfragen wollte. Dass ich, neben ihm sitzend, ein internetfähiges Handy mit Google-Maps-Navigation in der Hand hielt, konnte oder wollte er irgendwie nicht verstehen…

Schließlich waren wir jedoch am Ziel und konnten uns in die Bürokratie des Visum-Antrages stürzen. Nachdem Lucas im Fotostudio nebenan noch schnell Passbilder machen ließ, gaben wir diese mit unseren Impfausweisen sowie Reisepässen ab und füllten das Datenblatt aus. Aufgrund der vorgeschriebenen Hotelreservierung wurde noch schnell auf booking.com klassischerweise ein Hotel mit kostenloser Stornierung gebucht.

Nach Finalisierung des Datenblattes mussten wir beim Chef der Botschaft vorstellig werden. Er warnte uns ausdrücklich davor, Visas zu fälschen inklusive Einreisestempel, wie es wohl einige bereits versucht haben, die keine 60 Euro berappeln wollten – harte Strafen bis hin zu Gefängnis würden drohen. Zudem sollten wir sofort melden, wenn ein Mitarbeiter mehr Geld für eine schnellere Bearbeitung fordern würde. Er sprach sich gegen jegliche Form der Korruption aus und versprach uns, dass unsere Visas um 14 Uhr fertig sein würden und wir dann wiederkommen könnten.

Perfekt – so machten wir uns als nächstes auf zu einer Bank inmitten der Wolkenkratzer von Conakry hier im Zentrum. Für unser anderes Visum, Liberia, mussten wir nämlich bar in US-Dollar bezahlen. Hierzu mussten wir natürlich erst einmal Geld wechseln. Laut unserer Helfer-App iOverlander war das wohl bei der Ecobank sehr gut möglich. Der offizielle Kurs zwischen Guinee-Francs und US-Dollar lag bei ca. 8.650 Guinee-Francs für einen US-Dollar. Vor der Bank warteten einige Schwarzmarktwechsler, die uns Kurse von 9.200 bis 9.400 anboten. Wir lehnten verständlicherweise ab und hofften auf einen besseren Kurs bei der Ecobank. Bedeutete es doch einen Verlust von fast acht Prozent.

Ein Hauch von westlichem Flair in Conakry.

Hier wiederfuhr uns dann jedoch der „Gipfel“, wie man so schön sagt: Am Eingang zur Bank gab man uns zuallererst die Auskunft, dass Geldwechsel in US-Dollar nicht möglich sei. Ein Blick in das Gesicht der Empfangsdame ließ uns jedoch bereits erahnen, dass dies eventuell nicht der Wahrheit entspricht. Schließlich wurden wir dann doch hineingebeten und ein Schwarzmarkt-Geldwechsler wollte sich uns annehmen – wiederum zu einem Kurs von 9.400. Wir machten dem hartnäckigen Herrn fast zehnmal klar, dass wir persönlich bei der Bank wechseln wollen und ihn nicht bräuchten, ehe er von uns ließ.

Schließlich wurden wir in der Bank dreimal von Schalter zu Schalter geschickt, ehe wir im Büro des Chefs die Auskunft bekamen, dass es hier in der Bank wohl so nicht möglich wäre, aber jemand uns helfen könnten. Das Ende vom Lied war, dass der Chef der Bank uns wieder zu dem Herrn schickte, der uns bereits beim Eintritt in die Bank Geld wechseln wollte. Derweil sahen wir zu, wie Einheimische problemlos an den Schaltern ihr Geld wechseln konnten. Entrüstet verließen wir die Bank und dachten über alternative Lösungen nach, wenn eigentlich seriöse Banken schon mit Schwarzmarkt-Geldwechslern zusammenarbeiten, um Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen…

„Wer weiß, vielleicht lassen sie uns das Liberia-Visum ja auch in der lokalen Währung bezahlen?!?“, so unser Gedanke. Wir gingen also erstmal wieder zur Botschaft der Elfenbeinküste, um unser problemlos bereits im Vornherein online bezahltes Visum abzuholen, welches dann wie versprochen fertig war.

Wir beschlossen danach, einfach am nächsten Tag unser Glück zu probieren bei der Botschaft von Liberia – vielleicht kommen wir ja ohne den Wechsel in US-Dollar durch!

Für den Rückweg vom Fuße der Halbinsel zurück zum Airbnb ging das Spiel anschließend von neuem los: Bestimmt fünf bis zehn Mal wurden uns komplett überteuerte Taxipreise angeboten, ehe sich jemand finden ließ, der ein halbwegs vertretbares Entgeld verlangte.

Da es erst kurz nach 15 Uhr war und die liberische Botschaft wohl bis knapp 16 Uhr offen hatte, wollten wir spontan noch zur Botschaft – vielleicht sind wir ja noch rechtzeitig und können den Papierkram heute noch erledigen.

Da die Taxifahrer auf der Halbinsel anscheinend wirklich nicht ortskundig sind, navigierten wir per Google Maps hin. Blöd nur, wenn Google Maps einen zu dem alten Standort der liberianischen Botschaft leitet, bevor diese umgezogen ist. Beim Verlassen des Taxis wunderten wir uns jedenfalls, wo denn die Botschaft sei, ehe wir unseren Irrtum bemerkten – blöd gelaufen.

Jetzt war es natürlich auch zu spät, über eine Anschluss-Taxifahrt doch noch die richtige Botschaft rechtzeitig zu erreichen. So hielten wir stattdessen Ausschau nach einem Taxi zurück zum Airbnb. Es änderte sich jedoch nichts an den übertriebenen Angeboten der Taxifahrer, ehe wir nach einem kleinen Spaziergang auf einen Tuc-Tuc-Stand stießen. Wir fragten nach dem Preis für eine Fahrt. Hier wollte uns der Fahrer nicht über’s Ohr hauen, obwohl wir keinerlei Vorstellung hatten von den Preisen. Für 7.500 GNF pro Person (ca. 80 Cent) wurden wir auf der Linie des Tuc-Tucs zumindest bis auf zwei Kilometer an das Airbnb herangefahren, das anfangs noch knapp 11 Kilometer entfernt war.

Wir beschlossen dann, die restlichen zwei Kilometer zu laufen. So kamen wir auch am architektonischen Highlight des Fußball-Nationalstadions von Guinea vorbei. Leider war mein Smartphoneakku zu diesem Zeitpunkt bereits leer, sodass ich an dieser Stelle kein Bild präsentieren kann.

Allgemein waren wir jedoch eher enttäuscht vom Erscheinungsbild der Stadt. Außer ein paar westlich anmutenden Wolkenkratzern und dem Regierungsgebäude am Fuße der Halbinsel waren kaum architektonische Highlights zu verzeichnen. Dass sich in manchen Stadtteilen der Müll geradezu türmt und auf den Straßen ein wahrhaftiges Chaos herrscht, passt zu dem negativen Gesamteindruck der Hauptstadt von Guinea. Wir hatten auf jeden Fall bald genug von dieser Stadt und hofften insgeheim, dass wir schnell unser Visum für Liberia erhalten, um weiterfahren zu können.

Ein Lichtblick waren die vielen Straßenstände rund um unsere Unterkunft, wo man den geliebten Bissap-Saft erwerben konnte. Insbesondere an dem Verkaufsstand 100 Meter vom Airbnb entfernt, war ich Stammkunde. Wenn die sympathische Verkäuferin mich kommen sah, stellte sie direkt mindestens drei Flaschen bereit, da sie bereits wusste, warum ich komme 😉

Abgesehen davon war die Lage des Airbnbs in dem ruhigen Wohnviertel Simbaya wie gesagt immerhin perfekt zum regenerieren und ausholen – unser Aufenthalt stand also eher im Zeichen hiervon, anstelle des Sightseeings. Außerdem konnte man sich neben dem Genuss von Bissap-Saft an dem Straßenstand nebenan auch kulinarisch verwöhnen lassen in Form von regionaler Küche, bspw. eben Acheke (afrikanischer Couscous mir Gemüse und Fisch). Hervorzuheben ist hierbei, dass die guineische Küche allgemein sehr scharf ist, hier wird man definitiv abgehärtet…

Nach einem ruhigen Montagabend und frisch erholt starteten wir am Dienstagmorgen in das Projekt „Liberia-Visum“. Die zuständige Botschaft, die wir ja am Vortag leider nicht mehr rechtzeitig erreichen konnten aufgrund eigener Fehler, lag nur vier Kilometer vom Airbnb entfernt. Die Taxipreise sollten sich daher in Bereich von maximal 30.000 GNF bewegen.

Umso entgeistert waren wir wiederum, als der erste Taxifahrer 200.000 GNF (ca. 22 Euro) verlangte für die vier Kilometer. Das wäre sogar teurer als in Deutschland gewesen. Nachdem die folgenden Angebote nur unwesentlich billiger waren, liefen wir schon fast 1,5 Kilometer bis zur nächsten größeren Straße, wo auch die Tuc-Tuc-Fahrer bereit standen.

Nun waren uns jedoch auch die Tuc-Tuc-Fahrer nicht mehr wohlgesonnen, verlangten sie doch jeweils zwischen 10.000 und 20.000 GNF pro Person für die nicht mal mehr drei Kilometer. Erst im 12. Anlauf wollte uns jemand für 2.500 GNF pro Person fahren und damit annähernd den Normalpreis. Somit kamen wir auch erst mit reichlich Verspätung bei der Botschaft von Liberia an am späten Vormittag.

Tuc-Tuc-Fahrt.

Hier bekamen wir zuallererst einen kleinen Rüffel aufgrund unseres legeren Kleidungsstils mit der Ansage, dass man uns so nicht in eine solche Institution lassen könne. Schließlich winkte man uns doch herein, insgesamt hatten wir jedoch den Eindruck, dass es nun durchaus heiter werden könne…

Einzeln wurden wir vorgebeten zum Chef der Botschaft, um uns vorzustellen und unsere Reisemotivation für Liberia zu erklären. Als wir die Durchquerung mit dem Fahrrad anführten, wurde uns gesagt, dass es hierzu einen „Laissez-Passer“-Schein gegen eine Extragebühr bräuchte. Uns war jedoch bewusst, dass es sich hierbei um Täuschung handelt und dies nur für motorisierte Gefährte gilt, sodass wir diese Forderung zur Kenntnis nahmen und dann gekonnt ignorierten.

Außerdem merkten wir, dass es hilfreich sein könnte, wenn wir uns den Beamten ein bisschen anbiedern bzw. unterwerfen – wir sprechen sie stets mit „Chief“ oder „Boss“ an. Nach der Vorstellungsrunde erklärte man uns, dass wir gegen 100 US-Dollar das Visum in drei Tagen erhalten würden. Bei der Zahlung von 150 US-Dollar wäre es am nächsten Tag fertig. „That’s ok, we will wait three days, we have not the budget to pay 50 US-Dollar more“, antworteten wir.

„Come on guys, you must have money“, entgegneten die Beamten zunächst recht ungläubig. „No – otherwise we wouldn’t travel with bicycle“, erklärten wir uns kurz und knackig. „But that’s the reason why you must have money – you save all the money for flights and other stuff“, wurde wiederum nachgebohrt. Wir wollten hierauf jedoch nicht eingehen und stellten mit Nachdruck klar: „No, it’s ok! We wait three days.“

Damit war das Thema dann auch beendet. Die nächste große Baustelle war die Bezahlung. Zunächst belehrte man uns damit, dass lediglich Barzahlung in US-Dollar möglich wäre, auf Nachfrage akzeptierte man anschließend jedoch auch die Zahlung per Banküberweisung.

Schließlich traten wir nochmals heran und witterten unsere Chance: „Is it maybe possible to pay cash in local currency?“ Da wir die Überweisung nur bei einer der großen Banken im Zentrum hätten tätigen können, hätten wir dann nämlich wieder Stress mit einem Taxi an den Fuße der Halbinsel gehabt.

Nach kurzem Zögern genehmigten uns die Beamten die Barzahlung in Form von 940.000 GNF. Das wären umgerechnet ca. 103 Euro bzw. knapp 110 US-Dollar gewesen. Aber wie wir gestern gelernt haben, hätten die Banken uns mit ihrem Wechselkurs genauso über den Tisch gezogen – und so sparen wir uns wenigstens den Taxistress. Außerdem waren gab es rund um die Botschaft eine Menge Banken und ATMs. So zogen wir los, um das Geld abzuheben und hinterher wieder zu kommen, während die Botschaft bereits unsere Reisepässe einbehalten hatte.

Am Ende haben wir gemerkt, dass die Botschaft uns echt wohlgesonnen war: Sie zeigten sich kompromissbereit und hatten sogar Spaß daran, sich mit uns zu unterhalten. „Ich habe das komische Gefühl, dass unsere Visas fertig sind, sobald wir mit dem Geld zurückkommen“, vertraute ich Jannick an.

Ein Hindernis stellte sich uns jedoch dann doch noch in den Weg: Drei der fünf möglichen Automaten waren „out of service“, und zwei verlangten horrende Gebühren bei gleichzeitiger Obergrenze von 800.000 GNF für eine Abhebung, sodass man die Gebühr gleich hätte doppelt zahlen müssen…es war mal wieder zum Verzweifeln.

Als wir schon aufgeben wollten und anfingen, über alternative Lösungen zu beraten, war einer der zwei ausgefallenen Automaten wieder einsatzfähig – ohne jede Gebühr. So kamen wir doch noch an unser Geld – einen wahrhaften „Batzen Geld“, wenn 20.000 GNF der größte Schein dieser Währung sind (nicht mal 2,10 Euro). Versteckt hinter einem kleinen Busch, um ja nicht noch Opfer eines Raubüberfalls zu werden, zählten wir jeweils genau 47 der 20.000 GNF-Scheine ab, um den Betrag direkt passend zu haben.

Nach fast zwei Stunden kehrten wir schließlich zurück, wurden direkt hereingewunken, wo uns die Beamten bereits mit unseren Reisepässen empfingen inklusive Visasticker – da haben wir wohl erfolgreich gepokert.

Nach Abgabe der Geldstapel zählten die Beamten diese gar nicht mehr richtig ab, hier hätten wir theoretisch sogar bescheißen können. Egal – wir wünschten den Herrschaften noch einen schönen Tag und verließen freudestrahlend die Botschaft – Visum 2/2 im Gepäck! Morgen können wir endlich weiter und müssen nicht noch länger in diesem – sorry für den Ausruck – „Shithole“ ausharren!

Jetzt brauchten wir nur noch ein Taxi oder Tuc-Tuc, um zurück zum Airbnb zu gelangen. Hierbei zeigte sich jedoch wieder das gleiche Dilemma wie jedes Mal: Keiner war bereit, uns einen akzeptablen Preis zu bieten, sodass wir letztendlich die 4,5 Kilometer zum Airbnb zu Fuß zurücklegten. Immerhin konnten wir auf dem Weg noch den ein oder anderen Supermarkt durchstöbern, wobei ich mir endlich die wieder die geliebten Doppelkekse kaufen konnte – nach einem Monat bin ich dann doch aus der Challenge mit dem Verzehr unverarbeiteter Lebensmittel ausgetreten. Man muss ich einfach auch mal wieder etwas gönnen können, wenn man wirklich Lust auf etwas Süßes hat…

Endlich!

Wie dem auch sei – total zufrieden aber irgendwie auch genervt von dieser Stadt, wo uns anscheinend jeder nur über den Tisch ziehen will, freuten wir uns, am nächsten Tag einen Haken hinter das Kapitel „Conakry“ setzen zu können.

Eindrücke aus Conakry…
Chaos pur.

Aufgrund unserer unterschiedlichen Schlafrhythmen fuhren wir am nächsten Tag wieder getrennt aus Conakry raus – ich wollte die noch angenehme Luft in der Früh nutzen, bevor die Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit den hohen Temperaturen einfach zu unerträglich wird.

Der typische Conakry-Smog in unerträglicher Schwüle.

Naturgemäß zog sich das Zusammenpacken dennoch hin, ehe ich gegen 10 Uhr nach einem letzten Einkauf von Bissap-Saft am Verkaufsstand nebenan letztlich bereit war, mich durch den wilden Verkehr von der Halbinsel runterzukämpfen.

Direkt zu Beginn musste man sich durch zwei hektische Märkte durchkämpfen, wo schieben angesagt war. Nach einem äußerst kritischen, viel befahrenen Kreisverkehr befand man sich jedoch jedoch endlich auf der östlichen Hauptverkehrsroute, die im Vergleich zur westlichen, über welche wir nach Conakry reingefahren sind, doch in deutlich besserem Zustand war – besserer Asphalt, weniger Baustellen und Schlaglöcher. Der typische Smog sorgte zudem dafür, dass die Sonne nicht komplett runterbrannte und das Klima halbwegs in Ordnung war. Volle Konzentration war beim Durchqueren von Straßenmärkten gefragt, sowie bei Motorrollerfahrern, die genüsslich als Geisterfahrer entgegenkamen am Straßenrand und jeweils riskante Ausweichmanöver in den fließenden Verkehr erforderten.

Fast 30 Kilometer dauerte es, bis man die Halbinsel verlassen hatte und der Weg über ein klassisches Straßenkreuz nach Südosten abzweigte. Da hier der gesamte Verkehr von der Halbinsel, sowie der direkte Durchgangsverkehr aus Westen zusammenfanden und außerdem genau an dieser Stelle reges Markttreiben herrschte, war natürlich Chaos vorprogrammiert. Als Radfahrer wurschtelte man sich irgendwie durch den stehenden Verkehr.

Die Straßen blieben jedoch erstmal voll und verstopft, auch in den Vororten von Conakry herrschte chaotisch-hektisches Treiben. Erst nach ganzen 40 Kilometern seit Start wurde es merklich ruhiger, der Verkehr ließ nach und die Gegend wurde wieder ländlicher. Das war der perfekte Moment, um an einem kleinen Straßenrand-Restaurant endlich Pause zu machen in aller Ruhe und in Form von Spaghetti mit Bohnen wieder seine Speicher aufzufüllen nach der kräfteraubenden Ausfahrt.

Die verdiente Stärkung: Spaghetti mit Bohnen und etwas Salat.

Ein idyllischer Flusslauf wenige Kilometer später als einer der ersten, die seit gefühlt einer halben Ewigkeit nicht mehr überladen von Müll waren, wusste ich endgültig: Jetzt habe ich diese hektisch-vermüllte Stadt mit ihrem Einzugsgebiet endlich hinter mir gelassen! Jetzt kann ich mich endlich wieder auf etwas mehr Idylle freuen! Ciao, Conakry! Auf nimmer Wiedersehen!

Man kann die Ruhe förmlich spüren.

P.S. Ich entschuldige mich für die wenigen Bilder in diesem Blog – aber von Conakry gab es leider nicht viel Sehenswertes zu berichten…zumindest nach unserer Erfahrung. Vielleicht bin ich jedoch auch einfach nicht der Typ führ chaotisch-hektische, zugemüllte Großstädte…

2 Antworten zu „Conakry: Visa und weiter!”.

  1. Hi, wann seid ihr denn an der Elfenbeinküste? Fahrt ihr nach Abidjan?

    Liebe Grüße

    Yvonne

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Yvonne, das dauert nicht mehr lange, ich schätze so um den 10. März werden wir auch in der Elfenbeinküste sein. Und wir haben auch vor nach Abidjan zu kommen, wahrscheinlich auch etwas länger wegen des Visums für Ghana 🙂 wahrscheinlich so Ende März 🙂 Lebst du dort aktuell?

      Liebe Grüße,
      Cyprian

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu Cyprian Völker Antwort abbrechen